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    Mitglied seit: 13.10.2017
    am 13.10.2017 15:45:41 | IP (Hash): 795842985
    Hallo,
    an dieser Stelle würde ich euch gerne erzählen wie es dazu kam, das ich mich hier bei euch angemeldet habe.

    Es geht um mein Vater. Er hat seit ca. 30 Jahren Diabetes. Vor 18 Jahren wurde er nach einer Krebs OP mit Hepatitis verseuchtem Blut Infiziert welches ihm Letzten Monat zum Verhängnis wurde. Die Diagnose im September, Leberzirrhose (Stadium B).

    So, nun stand ich (und mein Mann) da, keiner konnte uns sagen was wir zu tun haben wenn er sich Spritzen muss und ob er das überhaupt noch selbstständig machen kann. Mein Gedanke war, wenn er nicht dazu in der Lage wäre, hätte das Krankenhaus es uns doch spätestens am Tag der Entlassung mitgeteilt !? Als er eines Nachts bei gemessenen 11 dl war, wir ihn mit Marmelade fütterten, ihn wieder auf 46 dl hoch brachten und wir ihm noch gerade rechtzeitig das Insulin, welches er sich spritzen wollte aus der Hand rissen, wurde mir klar, dass man sich wohl doch nicht immer darauf verlassen kann wichtige Informationen von Ärzten zu bekommen wenn diese doch angebracht sind. sicher könnt ihr euch vorstellen das die Nacht Morgens um 3 bei mir vorbei war als er endlich bei 98 dl war.

    Am nächsten Tag stand ich bei seinem Diabetologen und Bat um eine Beratung bzw. Schulung damit ich wenigstens weis wann und wie viel er sich Spritzen muss und wie ich vorgehen muss wenn sein Wert zu hoch oder zu nieder ist (als Leie wusste ich ja nicht ob das mit der Marmelade überhaupt richtig war).

    Da er laut Arzt ein komplexes System anwendet/ angewendet hat, (es wurde von schätzen gesprochen - und das er normal Isst, was damit gemeint war, habe ich leider nicht hinterfragt.

    Nun wurde für mich ein einfaches System aufgestellt in dem ich lediglich anhand der Werte eine Bestimmte anzahl von Einheiten vorm Essen Spritzen muss und bei bedarf, 2 std. nach dem Essen Korrektur Spritzen sowie vorm Schlafen gehen 20 EI Langzeit Insulin. Dies ist jetzt erst mal 2 Wochen, also jetzt noch eine Woche in Probe ehe ich wieder zu seinem Arzt muss um zu berichten.

    im Grunde läuft es bis jetzt ganz gut (Die Werte gehen seither nie über 200 und auch nie unter 120).
    dennoch bin ich mir oft unsicher in dem was ich tue, oft bekomme ich Angst wenn ich für ihn koche oder wenn er z.b. den Wunsch äußert das er gerne ein Stück Himbeertorte Essen möchte.
    Es gehen Fragen in meinem Kopf rum die mich unsicher machen. Gestern Abend, fragte er mich erst ob er an Silvester einen O- Saft Trinken darf wenn er schon keinen Sekt bekommt. ... ich hatte keine Ahnung was ich ihm darauf Antworten sollte !?

    So nun bin ich hier. Meine Hoffnung ist, dass ich mich eventuell hier mit Angehörigen austauschen und Ratschläge von erfahrenen Diabetiker einholen kann.

    Tut mir leid das der Text so lange wurde, ich fand es nur wichtig die ganzen Hintergrundgeschichten nieder zu schreiben damit ihr wisst um was es mir hier geht.

    Ich freue mich von euch zu lesen und verbleibe, mit Lieben Grüssen,
    Eine Angehörige.



    Bearbeitet von User am 13.10.2017 15:49:58. Grund: "da er" - eigefügt
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    am 13.10.2017 17:51:26 | IP (Hash): 558557764
    Angehörige schrieb:
    Gestern Abend, fragte er mich erst ob er an Silvester einen O- Saft Trinken darf wenn er schon keinen Sekt bekommt. ... ich hatte keine Ahnung was ich ihm darauf Antworten sollte !?

    Natürlich geht das, wenn der O-Saft mit der richtigen Menge Insulin abgedeckt wird.

    Wenn du sowieso bald ein Gespräch mit dem Arzt hast, dann frage ihn doch gleich, wie du vorgehen sollst. So einen bescheidenen Wunsch musst du deinem Vater wirklich nicht abschlagen, das ist nicht notwendig.

    Beste Grüße, auch an deinen Vater, Rainer
    Bearbeitet von User am 13.10.2017 19:54:01. Grund: .
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  • Elfe

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    am 13.10.2017 18:22:36 | IP (Hash): 308026149
    Liebe Angehörige,
    dir Respekt, Verantwortung zu übernehmen !

    Du könntest mal in deiner örtlichen Apotheke fragen, nach Informationsmaterial zu Diabetes.
    Habe damals mit meinem ersten Mahlzeiteninsulinrezept so einiges an Faltblättern und Broschüren erhalten.
    Eines davon, ist mittlerweile aktualisiert auch online verfügbar:
    https://www.lilly-pharma.de/de/pdf/webshop/diabetes/diabetes_kh-tabelle.pdf

    Gibt dir so Grundhinweise.
    KHE meint Mahlzeiteninsulin in Einheiten bezogen auf Kohlenhydratgehalt pro Portion/Stück.
    BE ist auf 12 g KH bezogen, KE auf 10 g bezogen - einfacher, bei KH-Angabe auf Produkt (z.B. Brot, Nudeln) eine Stelle abstreichen und du hast die KE.

    Kohlenhydrathaltige Lebensmittel sind zuckerhaltiges wie Obst; stärkehaltiges wie Kartoffeln, Brot, Teigwaren.
    Käse, Wurst, Fleisch, Gemüse, Fette sind nicht Blutzuckersteigernd - gut zu wissen, bei Selbstkochen.

    Gegen ein Stück Himbeertorte ist nichts einzuwenden.
    Mit Klatsch Schlagsahne würde die Blutzuckerwirkung abgebremst in der Geschwindigkeit.

    Die Frage zu O-Saft oder Sekt möchte ich dir auch beantworten.
    O-Saft geht in Minutenschnelle ins Blut, ist eher so mein Unterzuckerhelfer mit 200 ml schnell trinken bei Unterzuckerwerten (geringste bisher kleiner 30 mg/dl, geschweige denn 11).
    Traubenzucker wäre auch eine Gegenregulation.

    1 - 2 Gläser trockener Sekt oder Wein sind BZ-mäßig gar nicht so arg.
    Auch durchaus Silvester-unabhängig.

    Du hast auch eine Handlungsweise zum Korrektur-Spritzen erhalten, hoffentlich mit Menge zum gemessenen Blutzuckerwert.
    Ich selber korrigiere erst nach 3 h, hängt zusammen mit Wirkungszeit des Insulins und Verdaulichkeit der Mahlzeit (Fett/Eiweißgehalt).

    Diabetologen bieten bei Schulungen so 1-2 Angehörigen-Termine an, wo du ev. teilnehmen könntest.
    Auch könntest du deinen Vater bei den quartalsmäßigen Diabetologen-Besuchen begleiten, um deine Fragen bzgl. der Therapie stellen zu können.

    Gruß Elfe
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    Mitglied seit: 13.10.2017
    am 13.10.2017 23:00:59 | IP (Hash): 795842985
    Hallo Rainer, Hallo Elfe,

    Lieben Dank für eure Antworten. Das hat mir sehr geholfen und ich merke das ich bei euch gut aufgehoben bin.

    Ja, also es war eine Kurze Einweisung was Der Diabetologe mit mir gemacht hat. Er hat mir gezeigt wie man diesen Pen einstellt was die Einheiten angeht, wie man die Nadeln vom Pen und dem komischen Pikser zum Blutzuckermessen (weiß nicht wie man das bezeichnet) wechselt, wie und wo man sprizt, und gab mir auch eine Art Broschüre wo man nochmal alles was er mir erklärt hatte nachlesen konnte.

    Dann musste ich sein Essverhalten schildern und er setzte darauf hin eine Tabelle auf, auf der steht z.b. Wert xy - wert xyz ....... Morgens - 5 Einheiten. ... Mittags - 5 Einheiten .... Abends- 10 Einheiten. Je höher der Wert ist, desto höher sind dann auch die Einheiten. Das Messen und Spritzen soll ich jeweils vorm Essen machen.

    Den Sekt darf er ja wegen der Leber nicht trinken. Das mit der Sahne auf dem Kuchen finde ich einen Tollen Tipp. Was das mit dem O Saft angeht, Danke Rainer, ich werde den Arzt darauf ansprechen wenn ich nächste Woche dort bin.

    Auch sonst, Danke euch beiden für die nützlichen Informationen.
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 14.10.2017 18:18:05 | IP (Hash): 317917930
    Liebe Angehörige,

    ich habe da eine andere Meinung zum Genuß von O-Saft und dieses mit Mahlzeiteninsulin abdecken zu können. Nicht per Einheiten-Menge, sondern per Geschwindigkeit, in der der Zucker aus dem flüssigen Getränk in die Blutbahn übergeht.
    Hatte ja schon geschrieben, daß ich O-Saft nur bei tiefen Unterzuckerwerten einsetze,
    200 ml enthalten ca. 20 g Zucker = 2 KE und lassen schon nach Minuten die körperlichen Unterzuckeranzeichen mildern, nach 10 min ist ein erhöhter Blutzucker bereits zu messen.
    Mahlzeiteninsulin braucht erst mal eine gewisse Anlaufzeit - mindestens 10 - 15 min, bevor dies überhaupt wirken kann.
    Passt also nicht wirklich zusammen.

    Wenn dein Vater dennoch den O-Saft gerne hätte, könntest du vielleicht einen 'guten' O-Saft kaufen (ggfs. mit Fruchtfleisch). Dann mit Wasser verdünnen, vielleicht 1 : 3, wenn's deinem Vater nicht schmeckt bis 1 : 1.

    Sorry, das mit der Lebererkrankung hatte ich übersehen.
    Alkoholfreien Sekt gibt es aber auch von unterschiedlichen Sektmarken im Handel.
    Könnte dein Vater auch mal probieren. Im Geschmack durchaus unterschiedlich, z.T. süßlich/künstlich.
    Auch der KH-Gehalt variiert bei den Angeboten, was für Blutzucker wieder wichtig ist
    Gut gekühlt durchaus genießbar und besser als nix.

    Gruß Elfe
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    am 14.10.2017 18:43:00 | IP (Hash): 1914544049
    Heh,
    es geht um 1 Glas O-Saft an Silvester... überhaupt kein Problem. wenn der Zucker dann mal für `ne Stunde oder zwei zu hoch ist!

    Und dann gibt es da noch die Möglichkeit das Insulin zu splitten und nach dem Bolus ein bisschen zu warten. Aber das solltet ihr mit der Praxis besprechen...

    Ich trinke regelmäßig Saft - komme dabei nie über 140 mg/dl... hat aber auch nicht beim ersten Versuch geklappt
    Bearbeitet von User am 14.10.2017 19:22:29. Grund: Ergänzung
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  • Elfe

    Rang: Gast
    am 15.10.2017 00:16:51 | IP (Hash): 317917930
    Auch Heh,
    denke nicht, daß es nur um ein Glas O-Saft an Silvester geht,
    sondern, daß sich Angehörige bemüht,
    ihrem Vater bestmöglich zu helfen in Bezug auf Insulingaben und auch bei Appetit auf irgendwas.

    Verdünnter Saft wäre zumindest ein Versuch wert.

    Daß du Saft trinkst, ist dein Ding. Ach, hast du Insulin per Pumpe ?
    Mit Pen jedenfalls schwierig.
    Für ein Glas O-Saft Bolus spritzen, warten per Stoppuhr, dann erst trinken !?

    Ist für mich als Betroffene schon mühsam und Aufwand nicht wert.
    Geschweige, daß ich solches meinen Angehörigen zumuten möchte, schon gar nicht an Silvester (oder anderen Feierlichkeiten).
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    am 15.10.2017 09:11:22 | IP (Hash): 1145238169
    Habe ich auch schon mit dem Pen so gemacht - vor ca 20 Jahren.
    Ist mit der Pumpe auch nicht wirklich einfacher. Zum Splitten nehme ich simple Einmalspritzen für die 2. Dosis... wie soll das nur mit Pumpe gehen?

    Und das Warten doch auch nicht mit der Stoppuhr... bei mir so ca 15-20 Minuten, um dem Insulin `nen gewissen Vorsprung zu geben... eigentlich ein ganz normaler Spritz-Ess-Abstand (den ich im Allgemeinen nicht brauche).

    Ganz ehrlich, da finde ich den Aufwand, den ich für Alkohol betreiben müsste, deutlich höher...

    Bearbeitet von User am 15.10.2017 09:52:55. Grund: Nachtrag gelöscht
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    am 15.10.2017 10:51:59 | IP (Hash): 582168440
    Bevor das hier jetzt in eine Diskussion über verbotene Lebensmittel und Therapieaufwand ausartet...

    Frag doch einfach mal deinen Vater, wie er das früher gehandhabt hat... vielleicht weiß er das noch. Dann würde ich es so machen (vielleicht noch mal beim Diabetologen gegenchecken lassen)
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    am 15.10.2017 11:05:30 | IP (Hash): 2014908893
    Hallo Angehörige,

    die Reaktion auf O-Saft, die Elfe hier schildert, ist keinesfalls allgemeingültig. Sie hängt stark vom Diabetestyp und von der BZ-Führung ab*). Wenn ein Glas O-Saft für deinen Vater, der vermutlich Typ2-Diabetiker mit noch vorhandener Restfunktion für Eigeninsulin, wirklich so gefährlich ist, dann wird dir der Arzt das ganz bestimmt auch bestätigen, wenn du ihn danach fragst.

    Vielleicht wäre es aber wirklich besser, schon vorher einmal einen Versuch mit O-Saft zu unternehmen. Wenn es wirklich kompliziert wird, wovon ich allerdings nicht ausgehe, dann wäre Silvester dafür ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. Vielleicht kann es ja auch zu einem guten Brauch werden, dass er sich jeden Sonntag ein Glas davon gönnt.

    Alles Gute


    *) Elfe ist keine Typ2-Diabetikerin. Sie hat den Diabetestyp LADA und führt ihren BZ wesentlich näher an der unteren Grenze, als ihr es nach deinen Berichten bei euerm Vater macht. Außerdem betrachtet sie nur ein seperat auf nüchternen Magen schnell ausgetrunkenes Glas O-Saft. Das entspricht wohl kaum dem, was dein Vater möchte - lass dich davon nicht verunsichern.
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