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Wo gibt es fachliche Beratung außer beim FA?

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    am 08.11.2017 10:16:00 | IP (Hash): 2108455638
    Mal ganz ohne Wertung irgendwelcher Vorgeschichten (die wir hier eh nicht kennen):

    Ein Hba1c von/über 10 ist deutlich zu hoch.

    Eine Therapie sollte neben den der Wahl der Medikamente auch einen Zielwert beinhalten – Für Diabetiker gilt ein HbA1c von 6,5 – 6,8 als Ziel, wobei etliche Insulinpfllichtige irgendwo um 7 – 7,5 landen.

    Für eine Therapie mit Insulin ist der Diabetes-Typ völlig egal... Wenn der Doc allerdings davon ausgehen muss, dass Insulin eher dazu dient, die Essgewohnheiten und damit überzählige Kilos zu erhalten, dann kann ich manche Reaktion durchaus verstehen.
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    am 08.11.2017 11:13:09 | IP (Hash): 1761738654
    Mal der Reihe nach:

    Generell:
    Der Arzt stellt die Diagnose.
    Der Arzt bestimmt die Medikation und die Behandlung.
    Der Patient folgt der Behandlung wie vom Arzt bestimmt.
    Der Arzt überprüft das Behandlungsergebnis und passt die Behandlung entsprechend an oder ändert sie grundsätzlich.

    Zu Eurem Fall:
    BMI über 25 weißt auf einen T2 hin.
    HBA1c 10 ohne beständiges Rückwärtsessen weist auf einen T2 hin bzw darauf, dass noch eine eigene Insulinproduktion in nennenswertem Umfang funktioniert.
    Bei einem eindeutigen T1 würde da nichts mehr kommen mit dem Ergebnis, dass er bei BZ beständig über 20 mmol/l zusehends vom Fleisch fallen würde.

    Es kommt häufiger vor, dass auch mit umfangreichen Untersuchungen nicht eindeutig bestimmt werden kann, ob Typ 1 oder 2.
    Dann probiert der Arzt bei beleibteren Patienten immer zuerst, wie weit er ohne Insulin kommt. Denn mit Insulin wird die Glukose, die mit dem niedrigeren BZ nicht mehr mit dem Urin ausgeschieden wird, zu Fett umgeformt und in die Schwimmhilfen eingelagert: Wer als Dicker sein Gewicht mit Insulin halten will, kann das nur mit deutlich weniger Essen.

    Keine Diabetes Behandlung gelingt allein mit dem wie zuvor Weiterleben plus Insulin oder irgendeine andere Medikation. Sondern jede Diabetes Behandlung kann nur so weit gelingen, wie der Patient mit der Auswahl und Portionierung seines Essens (weniger KHs=Glukose und weniger Menge=Gewicht halten und vielleicht sogar abnehmen) und mit überdurchschnittlich viel zusätzlicher Bewegung (verstärkt die Medi-Wirkung, besonders direkt nach den Mahlzeiten auch die Verstärkung der Wirkung vom noch produzierten eigenen Insulin) beständig erheblich von sich aus aktiv dazu beiträgt.

    Die aktive Eigenleistung kann Dein Mann sofort starten. Sie wird den alltäglichen BZ-Verlauf höchstwahrscheinlich schon deutlich senken. Als Ziel würde ich mit Start heute für bis Ende Januar zunächst einmal HBA1c 7-8 anstreben und auf lange Sicht unter 7 und dann besser noch 6 als 6,5. Klar geht das wahrscheinlich nur mit der Hilfe von Medis und vielleicht auch nur mit der Hilfe von Insulin. Aber das wird nicht anders gelingen, als dass Ihr mit einem Arzt, den Ihr noch nicht verprellt habt, konstruktiv zusammenarbeitet und gemeinsam Schritt für Schritt herausfindet, was für Deinen Mann schließlich wirklich passt. Und auch das kann sich zu Anfang sowieso und mit der Zeit dann durchaus noch öfter ändern.

    Daumendrück

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    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
    Bearbeitet von User am 08.11.2017 11:32:49. Grund: Ergänzung
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    am 08.11.2017 13:58:24 | IP (Hash): 1034444587
    Oha, da ist einiges von mir wirklich durcheinander rübergekommen (so durcheinander, wie ich eben gestern auch war).

    - Übergewicht seit 10 Jahren durch Psychopharmaka, nicht durch riesige Mahlzeiten (!), mein Mann isst schon sehr wenig, manchen Tag kaum etwas.
    - letzten Oktober Zahn-OP, danach innerhalb von vier Wochen Abbau, kotzen, Wasserlassen, Durst etc Einlieferung mit Notarzt am 20.10.16 (64mmol), 3 Stunden Notaufnahme. Die Wachstation hat ihn runter auf 35 gespritzt, daher fiel er am 21.10. ins Koma
    - 4 Tage Koma, Ketoazidose, langsames Senken auf 20 - Bangen ums Überleben, unklar ob Aufwachen vielleicht erst nach 6 Monaten und wahrscheinlich mit Hirnschäden - plötzliches Aufwachen durch meine Anwesenheit als Angehörige. Eindeutige Typisierung T1: Oberärztin ist sicher: "Sie werden ein Leben lang spritzen müssen!"
    - 2 Wochen Wachstation, ungefähr auf 11 (Tageswerte) runter, derweil Körperfunktionen wieder in Gang bringen, Ärzte sind verblüfft, dass kaum Hirnschäden geblieben sind
    - 1 Woche Normalstation zur Einstellung auf Normal- und Basalinsulin, Begleitung von der Diabetesschwester, Erhalt des Geräts und der Pens

    Er hat sich selbst entlassen mit einem Durchschnittswert unter 10mmol und das ist auch das Behandlungsziel (nicht der HbA1c, sondern erstmal die täglichen Werte auf unter 10 zu bringen, 10 wird als hoch eingestuft, er weiß das, er kann BE abmessen, er kann sich passend spritzen). Entsprechend soll der HbA1c auf 7 runter.
    Angebot der Schulung in einem Rehazentrum weiter weg, ging damals aus privaten Gründen nicht.
    Die Selbstentlassung lag übrigens nicht an der Krankheit selbst, wenn es danach gegangen wäre, wäre er auch geblieben. Jedoch hatte er mehrere Thrombosen, eine große in der Schulter. Die Behandlung durch die Pfleger blieb nahezu aus, egal was Therapeuten und Ärzte sagten, sie legten ihm abends die Spritze mit Blutverdünner hin und das war es. Weder notwendige Lagerung des Arms, noch regelmäßiges Bandagieren des betroffenen Arms. Da konnte man gegen eine Wand reden. Nach einer Woche sagte die Therapeutin, jetzt hat es eh keinen Sinn mehr noch Verband und Lagerung zu machen, die Thrombose hätte sich schon längst gelöst und dann wäre eh Feierabend gewesen. Letztes Gespräch mit der Ärztin: T1.

    Dann aus der Klinik raus, direkt zum Hausarzt und Diabetologen. Letzterer misst HbA1c von 11 und gibt außer den gewohnten Kwikpens noch Blutverdünner dazu, Thema Thrombose damit erledigt. Aufnahme in die Praxis erfolgte mehr oder minder nur als "Notfall", sonst wäre er gar nicht genommen worden. Hat Dazumal 20kg seit der Zahn-OP verloren, also innerhalb von nicht ganz 8 Wochen.
    Terminvergabe beim Diabetologen unregelmäßig, mal half der Hausarzt aus, aber nur ausnahmsweise. Hausarzt besprach mit uns lange und ausführlich die Diagnose, T1. Er hat auf der Inneren gearbeitet und ist erfahren. Damit bestätigen ein ganzes Klinikteam auf der Intensiv + Hausarzt ganz eindeutig T1. Zusätzlich ganz klarer Hinweis: Bloß keine Diät, sondern normal essen und die Werte runterkriegen. Außerdem immer wieder Äußerungen der Ärzte, dass mein Mann ein wirklicher Sonderfall ist, auf dessen Befunde ganz genau geschaut werden muss.

    Diabetologe macht eigene Typisierung und stellt fest: Keine Antikörper. T2. Die bisherige Therapie wird fortgesetzt. Die Typisierung aus der Klinik liegt ihm nicht vor. Zwischendurch kriegt man den HbA1c auf 10 runter. Meinem Mann geht es besser, er hat sich an die Behandlung gewöhnt.

    Die Versorgung mit Insulin wird unregelmäßig. Dementsprechend Ansteigen des HbA1c innerhalb von einem halben Jahr inzwischen auf 14.

    Und nun ist eben die Situation, dass der Arzt mit diesen Werten verweigert hat, weiterhin Medikamente zu verschreiben. Über Lebensführung wurde nie gesprochen. Es gibt einen weiteren Fall in der Familie, der Bruder meines Mannes hat den Ausbruch ebenso letztes Jahr nur knapp überlebt. Was dort typisiert wurde, ist uns nicht bekannt.
    Im Krankenhaus klare Aussage: T1 wird vererbt, T2 nur erworben (Altersidabetes). Also wieder T1. Diabetologe widerspricht und meint, beides wird vererbt, also unerheblich für die Diagnose und stellt uns als dumm hin. Als hätten die in der Klinik keine Ahnung. Kann ja sein, ich habs in der Schule zwar auch so gelernt vor 10 Jahren, aber manches ändert sich vielleicht.

    Der Diabetologe beharrt ohne ausführliche Anamnese (er fragte nicht mal wie die Essgewohnheiten sind, sondern hegt seine Vorurteile) auf seinen T2. Als einziger! Plötzlich springt Hausarzt, nur weil er vom Diabetologen angerufen wurde, auf T2 um. Kein aktuelles Gespräch bisher über die Werte oder sonstwas.
    Diabetologe versucht meinen Mann zu nötigen, ohne Aufklärung andere Medikamente zu nehmen, bei denen uns gar nicht klar ist, ob und wie sie helfen. Er hat sich die Werte-Dokumentation aus den letzten Wochen nicht einmal angesehen, auch der HbA1c war kein Thema.

    Die KK hat uns an einen Terminvergabe-Service vermittelt. Dort kümmert man sich um einen möglichst schnellen Termin beim zweiten Diabetologen in der Stadt. Eine andere Wahl gibt es dann nicht mehr.

    Die KV werden wir noch ansprechen und uns über das Gebaren des Arztes beschweren. Unabhängig von der Behandlung so mit Patienten umzugehen, ist absolut unprofessionell und hat nicht zu passieren. Bin ja gespannt, was die dazu sagen.

    Im Übrigen hat der Patient das letzte Wort, welche Behandlung er möchte. Dazu muss der Arzt ihn aufklären. Nicht der Arzt legt die Behandlung fest, er kann nur empfehlen und darlegen, was aus welchen Gründen die beste Behandlung ist. Der Patient kann dem folgen oder sich einen anderen Arzt suchen. Da aber keine Aufklärung stattgefunden hat, kann der Patient auch nicht mündig entscheiden. Es ging nie darum, den Arzt in Frage zu stellen oder generell an der Behandlungsumstellung zu zweifeln. Es ging darum, dass mein Mann lediglich wissen wollte, wie genau die Therapie funktioniert, was er beachten muss. Er sprach über einen Bekannten, der Tabletten nimmt und dem neulich das halbe Bein amputiert wurde. Mein Mann hat absolut Angst davor, solche Folgen tragen zu müssen, wenn er nicht richtig eingestellt wird. Der Diabetologe hatte darauf keine Antwort, sondern wurde nur noch wütender und ausfallender. Auf uns wirkte das, als hätte er keine Argumente. Stattdessen wurden wie wie gesagt wie Kleinkinder angebrüllt und vor die Tür gesetzt.

    Also wenn mein Mann so ein Fall für die Klinik wäre, hätte der Diabetologe ihn gestern behandeln müssen und nicht die Behandlung ganz unterlassen dürfen, verstehe ich das richtig? Zumindest auf die Klinik an sich hätte er ihn verweisen müssen, wenn er schon selber die aktuelle Behandlung nicht fortsetzen wollte?
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    am 08.11.2017 14:27:41 | IP (Hash): 2108455638
    ...und bei all dem besteht die Therapie aus einem Bolus-Insulin 3 x täglich?
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    am 08.11.2017 15:58:27 | IP (Hash): 2108455638
    Hana schrieb:

    Er hat gekotzt, glaube mir, es ging ihm 4 Wochen ganz ganz übel, mit allen möglichen Symptomen. Am Ende habe ich den Notarzt gerufen, da er nur noch Haut und Knochen war, bereits im Delirium und ich denke, ein paar Stunden später wäre er tot gewesen. Die Ärzte sagten damals, er hat nur überlebt, weil er übergewichtig ist und der Körper somit viele Reserven zum aufbrauchen hatte.

    Er hat nur ganz knapp überlebt, die Ärzte auf der Intensiv meinten, er sei einer von 1%, die das schaffen. Die 14% sind heute erst gemessen, aus der Klinik kam er vor einem Jahr nach einem Monat Station mit 11 und das ging bis Mai auf 10 runter dank Insulin.

    Danach wurde die Versorgung mit Medikamenten schlechter, weil er nicht mehr so oft beim Arzt dran kam (lange Wartezeiten), mein Mann hatte wieder viele höhere Werte, die teils gar nicht mehr vom Gerät erfasst wurden. Dadurch musste er sich auch mehr spritzen.


    Auf Kohlehydrate verzichten geht für ihn gar nicht, aber er berechnet das alles immer so wie sie es ihm im Krankenhaus beigebracht haben.



    Hana schrieb:
    Der hat nun ein Jahr lang wie das Krankenhaus auch mit Kwikpens Huminsulin behandelt,

    Sein HbA1c ist von 10 auf 14% gestiegen.




    Hana schrieb:

    Eine direkte Schulung hat sich noch nicht ergeben, dafür wollten sie ihn immer woanders hin in ein Rehazentrum schicken. Aber die Diabetesschwester im Klinikum hat mit ihm auf der Inneren viel drüber gesprochen, ihn das spritzen üben lassen, Infomatierial en masse mitgegeben

    und mit ihm gemeinsam das Messgerät eingestellt.

    Wir wissen, was er gut essen kann und was eher schlecht ist, auch das Abmessen der BE kann er sehr gut.

    Es hilft halt nur nichts, wenn alles was er isst, den Zucker hochgehen lässt.

    Er musste sich bisher alles runterspritzen vor dem Essen, damit er danach einen halbwegs brauchbaren Wert hatte.




    Ich habe mal die etwas auffälligen Sachen als Zitat gesetzt.

    Du schreibst, Dein Mann gehöre zu dem 1 %, die solche Werte überleben?
    Das halte ich für absolut übertrieben, etliche T1-Kids kommen mit Werten um 1000 mg/dl zur Erstdiagnose.
    Das "Delirium" spricht für eine Ketoazidose, und dagegen hilft nur "runterspritzen". Davon fällt man gewöhnlich aber nicht ins Koma. Zumal das ganze überwacht wird! Der HbA1c von 11 zu dieser Zeit ist zwar schon hoch – ich lag damals mit 15 am Perfusor... und von Koma trotzdem keine Spur. Ebenso etliche andere mir bekannte T1.

    Zur dem Insulin: Du schreibst, Dein Mann spritzt aus dem Kwikpens Huminsulin. Normal oder Basal?
    Denn: T1 werden auf ICT eingestellt, sprich: Bolus und Basis. Wie sonst soll eine vernünftige Insulinabdeckung sonst funktionieren? CT und Essplan wird das laut Deiner Beschreibung auch nicht sein.

    Insulinpflichtige erscheinen jedes Quartal zur Kontrolle des Therapieziels und Verschreibung des Quartalsbedarfes beim Diabetologen, idealerweise macht man den nächsten Termin gleich nach der Sprechstunde fest. Du beschreibst da lange Wartezeiten?

    Ohne Schulung und halbwegs funktionierender Ersteinstellung sollte man das Krankenhaus nicht verlassen. Was bedeutet denn "Die Schwester hat das Messgerät eingestellt"?
    Und wenn Dein Mann nicht auf Kohlenhydrate verzichten will darf er sich über einen BZ-Anstieg nicht wundern.
    Wobei: VOR* dem Essen einen hohen Wert runterspritzen und dann Kohlenhydrate nachfüllen ist – gelinde gesagt – dämlich. Da wundert mich der neue HbA1c von 14 nicht.
    Und mich wundert dann auch nicht, wenn Der Diabetologe bei Beratungsresistenz und gleichzeitigem Referat über Folgeschäden durchdreht.:
    Hana schrieb:
    Es ging darum, dass mein Mann lediglich wissen wollte, wie genau die Therapie funktioniert, was er beachten muss. Er sprach über einen Bekannten, der Tabletten nimmt und dem neulich das halbe Bein amputiert wurde. Mein Mann hat absolut Angst davor, solche Folgen tragen zu müssen, wenn er nicht richtig eingestellt wird. Der Diabetologe hatte darauf keine Antwort, sondern wurde nur noch wütender und ausfallender. Auf uns wirkte das, als hätte er keine Argumente. Stattdessen wurden wie wie gesagt wie Kleinkinder angebrüllt und vor die Tür gesetzt. ?



    Wie die Therapie funktioniert zu erklären – das dauert eine Schlung (gewöhnlich 5 Tage) und bei bedarf Einzelstunden bei der Diabetesberaterin...
    Wenn jemand keine Schulung möchte und bei einem HbA1c von 14 über Folgeschäden jammert kann ich den wütendenden Anfall des Arztes verstehen (aber nicht gutheißen).



    Hana schrieb:
    Im Übrigen hat der Patient das letzte Wort, welche Behandlung er möchte. Dazu muss der Arzt ihn aufklären. Nicht der Arzt legt die Behandlung fest, er kann nur empfehlen und darlegen, was aus welchen Gründen die beste Behandlung ist. Der Patient kann dem folgen oder sich einen anderen Arzt suchen. Da aber keine Aufklärung stattgefunden hat, kann der Patient auch nicht mündig entscheiden.



    Die Behandlungshoheit liegt beim Arzt. Der Patient kann sich natürlich komplett verweigern.
    Und ja, der Patient kann nach Alternativen fragen. Ich z.B. habe Problemlos Lantus gegen Levemir tauschen können – nachdem ich erklärt habe, welchen Nutzen ich mir davon verspreche...


    Mein Tipp:
    Eine Entschuldigung beim Doc vortragen, auf die Anweisungen hören und dem Arzt die Möglichkeit geben, eine funktionierende Therapie zu starten.


    *
    Zur Erklärung:
    Die meisten Typ1 steuern den Insulinbedarf mit der ICT (intensivierte konventionelle Insulintherapie)
    Dazu nutzt man ein Langzeitinsulin und zu den Mahzeiten ein schnelles Insulin, welches mittels geschätzer/berechneter BE/KH und dem passenden Insulinfaktor dosiert wird.
    Du schreibst, Dein Mann spritzt sich vor den Mahlzeiten runter und kann gut BE schätzen, gleichzeitg schreibst du was von doppelter Menge ab und zu und sehr hohen Werten.
    Diese hohen Werte vor dem Essen korrigieren heißt: Erst dann Essen, wenn der Blutzucker im Zielbereich angelangt ist. Das wäre dann laut Deinem Posting unter 180 mg/dl.
    Um einen HbA1c von 14 zu erreichen dürfte das ganze dann von Blutzuckerwerten um 500, manchmal etwas höher auf unter 180 sein – das ist auf Dauer recht ungesund. Ohne Wartezeit mit anflutenden Kohlenhydraten dürfte der BZ deutlich über 600 steigen (sieht man dann am netten HI auf dem Messgerät).
    Dein Mann sollte schnell zur Besinnung kommen und eine ärztlich angewiesene Therapie starten.

    Bearbeitet von User am 08.11.2017 16:16:38. Grund: Erklärung
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  • Elfe

    Rang: Gast
    am 08.11.2017 19:25:12 | IP (Hash): 1020396949
    Hallo Hana,
    dir geht es in erster Linie darum, die Typ 1-Diagnose des Krankenhauses 'beweisen' zu können.
    Je nach dem, wer als angegebener Arzt (Hausarzt, Diabetologe oder vielleicht Zahn-OP-Arzt) als Ansprechpartner angegeben wurde, wurde diesem der KH-Entlassungsbrief geschickt.
    Nachfragen um Kopie oder direkt beim KH nachfragen für eigene Unterlagen.

    Ob Typ 1 oder 2 ist eigentlich gar nicht so relevant, weil hoher Blutzucker wird rein symptomatisch behandelt.
    So hohe BZ-Werte werden sowohl als auch per ICT behandelt (wie von TypEinser beschrieben).
    So einfach mal doppelte Menge Insulin geben, zeigt Unwissen deines Mannes, angebliche gute BE-Einschätzung ist da nur die Hälfte der Therapie.

    Eine Schulung wäre gut, auch ambulant möglich.
    Dabei muss erst der Patient verstehen, wie's geht, gibt aber auch so 1-2 Angehörigentermine, wo du auch deine Fragen stellen könntest.

    Gruß Elfe
  • Rang: Anfänger
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    Beiträge: 6
    Mitglied seit: 07.11.2017
    am 09.11.2017 21:56:12 | IP (Hash): 379185451
    So, ich kann heute abschließend entwarnen. Mein Mann war beim Hausarzt und dieser hat das relativiert, was Der Diabetologe angeblich am Telefon gehört haben will: Der HA hat sich nicht aufgrund irgendeines Laborergebnisses dem T2 angeschlossen, sondern nur die vom Diab. beschriebenen Symptome eingeschätzt, außerdem sagt er selbst, dass mit dem Diab. einfach nicht zu reden war, der war selbst gegenüber dem HA extrem aufbrausend. Insofern hält er sich dazu sehr neutral.

    Nein, mir geht es nicht darum etwas zu beweisen. Wenn überhaupt, dann darum, dass der Diab. einfach Scheiße getrieben hat, die kein Arzt gleich welcher Fachrichtung zu tun hat. Sich gegenüber den Patienten nicht nur im Ton vergriffen, sondern ihn auch noch unbehandelt gelassen, wo eine akute Notsituation vorlag.

    Außerdem war, wie jeder lesen kann, der Zweck meines Threads hier, herauszufinden, welche Beratungsstellen es gibt, bei denen man außer beim Diab. nachfragen kann. Diese Stellen habe ich auch gefunden, u.a. unerwartet beim HA. Dieser hat sich extrem viel Zeit genommen und ganz in Ruhe drüber gesprochen.
    Auch er teilt meine fachliche Meinung. Heutzutage wird klientenzentriert behandelt. Der Patient ist mündig und entscheidet selbst, der Arzt kann empfehlen und muss aufklären so oft und so viel der Patient es will/braucht, aber nicht er entscheidet, wie er behandelt oder was er verschreibt. Wenn ich das als angehende Ergotherapeutin mache, bin ich ganz schnell weg vom Fenster, weil mir die Patienten fortlaufen.

    Er hat nochmals betont, unabhängig vom Typ, dass mein Mann ein Sonderfall ist und er sich wundert, dass mein Mann überhaupt noch aufrecht steht. Er teilt die Auffassung des Klinikums: Nur 1% überleben eine so derbe Überzuckerung und nur 0,3% davon ohne Schaden. Zu diesen gehört mein Mann. So viel mal zu "so schlimm ist das alles nicht". Es hätte schnell wieder so enden können und ob mein Mann dann nochmal überlebt hätte, ist mehr als zweifelhaft.

    Er bekommt wie bereits beschrieben für morgens Langzeit und 3x zu den Mahlzeiten Kurzzeit. Im Übrigen teilt nicht nur der Hausarzt, sondern auch der andere Diab. in der Stadt die Meinung, dass man mindestens doppelt so viele Einheiten spritzen muss, wie man "runterspritzen" will, genau so hat es mein Mann bisher auch gehalten. Er kann das also sehr wohl gut einschätzen.
    Die Basalspritzen könnte man mit Tabletten ersetzen, soweit jetzt die ausführliche Erklärung des HA, was für meinen Mann durch ebenfalls erläuterte Vorteile absolut angemessen erscheint. Der Diab. wollte jedoch auch die Kurzzeit-Spritzen nicht mehr verschreiben, sondern ausschließlich auf Tabletten umstellen. Und das funktioniert nicht, wie ihr ja auch schon geschrieben habt. Mal davon abgesehen macht eine Umstellung keinen Sinn zu diesem Zeitpunkt, da wir Ende Dezember in ein anderes Bundesland umziehen.

    Es hat also keinen Sinn, mir irgendwas unterstellen zu wollen oder mich anzugiften. Ich bin nicht blöd, nur weil mich verschiedene Aussagen verwirren und ich muss mich in einem Forum, wo man um Rat fragt, auch nicht dafür rechtfertigen, dass mein Mann überhaupt krank ist. Die Situation ist so schon schlimm genug. Ich finde es gerade zu geschmacklos, wie Menschen mit Adipositas diskriminiert werden. Von wegen "friss halt nicht so viel". Da könnte ich echt im Strahl kotzen, was sich manche Menschen erlauben.
    Ja, wir haben uns bisher an die Empfehlungen des Krankenhauses gehalten, weil dort die Beratung und Aufklärung inkl. der Einstellung auf das Insulin stattgefunden hat, wie wir es gebraucht haben, danach hat sich ja keiner mehr Zeit dafür genommen, vor allem nicht der Facharzt - dessen PFLICHT es ist, mit dem Patienten die Behandlung zu besprechen. Es reicht nicht, ihn zu einer Schulung zu schicken und ansonsten die Hände in die Hosentaschen zu schieben und zu pfeifen.
    Am neuen Wohnort kann man ggf mit dem passenden Arzt nochmal über eine Schulung nachdenken, alles andere bringt jetzt nichts. Wir holen erstmal die Werte wieder runter und dann schaut man weiter.

    Ansonsten werden wir uns jetzt noch an die Kassenärztliche Vereinigung wenden und den Diab. wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Er muss mal merken, dass man so nicht mit Patienten umgehen kann.

    Schlussendlich bedanke ich mich bei allen hier fürs lesen und wünsche weiterhin gute Gesundheit.

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    am 09.11.2017 23:23:22 | IP (Hash): 1116918151
    Ich denke, hier passt Südpol auf offenes Tragebehältnis, was Klaus gestern im onmeda Forum im T1day Fred wohl hierzu geschrieben hat. Das will ich gerne um mein Mitgefühl für jeden Arzt erweitern, der in so eine Schusslinie gerät.

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    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
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    am 09.11.2017 23:38:40 | IP (Hash): 833040922
    Da schließe ich mich Jürgen an.


    Typ 1 mit Tabletten als Basalinsulin,

    gutes BE-schätzen bei HbA1 14,

    typische Story zur Manifestation eines T1 als Sonderfall....



    @Hana

    Sorry, als langjähriger T1 mir Kontakt zu vielen anderen und aufgeschlossen gegenüber Neuerungen und auf lange Jahre Erfahrung basierend - So behandelt nan einen T1 nicht. Ob da jetzt der Arzt seit einem Jahr Mist baut (das bezweifel ich) oder Du und Dein Mann eine eigene Theorie entwickelt haben (da liegt wohl das Problem) ist mir persönlich egal.


    Du hast hier nach einer Anlaufstelle gefragt.
    Bei einem HbA1 von VIERZEHN hat hoffentlich mal jemand Ketone gemessen?
    Auch wenn da ab und zu mal Insulin aus dem Pen kommt ist bei solchen Werten und T1 der Stoffwechsel entgleist, da hilft nur die Aufnahme im Krankenhaus. Idealerweise eine Fachklinik.
    Wie schon geschrieben wurde.

    Sollte Dein Mann weiterhin diesen Kurs fahren und HbA1 jenseits der 10 fahren hat das in wenigen Jahren üble Folgen.

    Wünsche viel Glück bei der Wahl.


    PS.
    Für Typ 1 gibt es kein Ersatz für Basalinsulin in Pillenform.
    Sollte mir da wad entgangen sein, bitte kurzes Post mit Namen des Medikaments.

    Sollte das Metformin sein ist's ein T2... ;-))
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    am 10.11.2017 00:19:58 | IP (Hash): 1863256477
    TypEinser schrieb:
    Für Typ 1 gibt es kein Ersatz für Basalinsulin in Pillenform.
    Sollte mir da wad entgangen sein, bitte kurzes Post mit Namen des Medikaments.

    Kein Ersatz für Basalinsulin, aber Versuche mit SGLT2- (und SGLT1-) Hemmern mit widersprüchlichen Ergebnissen. Hier dazu aus der Ärztezeitung ein Artikel mit positivem Votum:
    www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/945893/antiDiabetika-sglt2-hemmer-typ-1-diabetiker.html?sh=12&h=-1729807567

    Als Unterstützung für einen Diabetiker, der seine Insulintherapie nicht beherrscht und nur HbA1c-Werte von 14% zustande bringt, ist ein SGLT2-Hemmer bestimmt gut geeignet, sowohl für Typ2- als auch (siehe Artikel) für Typ1-Diabetiker.
    Bearbeitet von User am 10.11.2017 00:20:25. Grund: .