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Brauchen Ketone Insulin?

  • Cracktros

    Rang: Gast
    am 12.03.2018 09:50:35 | IP (Hash): 1694434678
    @Jürgen, @ Elfe
    Im Internet lässt sich vieles finden: Manches davon stimmt, manches ist falsch und anderes erzeugt falsche Assoziationen.

    Im Artikel "Bulimie und absichtlicher Insulinverzicht können zu lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisungen führen", hier auf Diabetes-Forum.de findet sich der Satz:
    "Die Autoimmunerkrankung Diabetes Typ 1 tritt vor allem im Kindes- und Jugendalter auf" lässt z.B. das Gefühl entstehen, dass das entwickeln eines Typ 1 Diabetes im Erwachsenenalter eher selten ist. In verschieden Veröffentlichungen finden sich aber ein fast ausgewogenen Verhältnis, bei etwas über 40 % entwickelt sich der Typ-1-Diabetes im alter von über 30 Jahren und etwas über 50% entwickeln in im Alter unter 30 Jahren.

    Aus dem Satz "Ketoazidose: Vor allem Typ-1-Diabetiker gefährdet" lässt sich schnell ableiten "nur ein Problem von Typ 1 Diabetikern ob das so ist prüft keiner nach. Quelle: https://www.diabetes-ratgeber.net/Insulin/Ketoazidose-Stoffwechsel-ausser-Kontrolle-193991.html.

    und dann findet man in Foren "Experten" die behaupten an einer Unterzucker kann man nicht sterben oder es gibt milden Diabetes und den nicht milden Typ 1 Diabetes. Und ihr wollt von mir beweise? Wofür? ab in die Bibliothek und selbst suchen.
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    am 14.03.2018 12:31:16 | IP (Hash): 197845073
    Wie Du’s darstellst, sind Ketone üble und irgendwie giftige Notbehelfe, die das Leben mies machen. Wie sich die Menschheitsentwicklung darstellt, müssen Ketone zumindest sehr viel besser sein, als der Ruf, in den Du sie hier stellst, denn ohne ihren wesentlichen Anteil hätten unsere Altvorderen das Leben gar nicht an uns weitergeben können und wir könnten hier jetzt nicht drum streittexten ;)

    Wenn Ketone auch nur halb so übel wären, wie Du sie hier darstellst, wäre das in den 90gern von den Atkins-Gegnern, und das war die gesamte Schulmedizin, mit großem Vergnügen weltweit breit getreten und breit gewalzt worden. Irrsinig viel Studiengeld ist damals dafür ausgegeben worden, um eindeutig zu beweisen, was man doch seit Ancel Keyes längst so genau wusste, dass nämlich Fett fett macht und die Pipelines verkalkt. Dumm nur, dass es nicht nur keine Beweise für das populäre Vorurteil gab, sondern dass die Studien vielfach ein leicht bis völlig gegenteiliges Ergebnis brachten und wenigstens erstmal haufenweise nicht veröffentlicht wurden.

    Du hast weiter oben schon mal Dok Teupe angesprochen und Lipolyse und Ketose in einen behandlungsbedürftigen Krankheitstopf gestopft. Dabei ist die Lipolyse schlicht die ganz normale Zerlegung von Speicherfetten, Triglyzeriden, in freie Fettsäuren, die von allen peripheren und vielen weiteren Zellen unseres Organismus als Treibstoff genutzt werden, und Glyzerin. Das ist ein völlig normaler Stoffwechsel-Vorgang, der gesund bei allen Menschen jeden Tag beständig abläuft und sich in sehr engen Grenzen selbst steuert.

    Wenn infolge unzulänglicher Insulinzufuhr, für die ja die betroffene Person in aller Regel selbst verantwortlich ist, bei Menschen vor allem mit T1 daraus dann zusammen mit höherem Blutzucker nur noch schwerer beherrschbare und erträglich auflösbare Situationen entstehen, ist absolut sinnbefreit, die Verantwortung dafür dann praktisch der situativ normalen Fettstoffwechselreaktion als krankhaft anzulasten.

    Und der Stoffwechselteil mit den Ketonen geht ganz ähnlich, also Ketose auch keine Krankheit, nur dass die Ketone im Gegensatz zu den freien Fettsäuren auch die Schranke zum Hirn passieren und das zu einem großen Teil sehr gut mit Energie versorgen könne, wenn die verfügbare Glukose knapp ist.

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    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 14.03.2018 18:12:39 | IP (Hash): 1617884848
    Da geht echt einiges durcheinander bzgl. Begrifflichkeiten.

    Schon rein chemisch definiert per funktioneller Gruppe: Ketone (C=O), (Fett)säuren (COOH), Glyzerin als mehrwertigen Alkohol (3 x OH).

    Auch was so angebliche Studien angeht, per Glaubwürdigkeit bzgl. Bedingungen und Finanzierung ist durchaus kritisches Hinsehen gefordert.
    Insgesamt werden einseitige Diäten hinterfragt, Atkins gehört auch dazu.

    Lohnt, sich grundsätzlich mit Ernährung zu befassen, was eigentlich der Organismus braucht.
    Nicht umsonst wird in per DGE eine vollwertige Ernährung empfohlen,
    https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/vollwertige-ernaehrung/

    Bei Typ 1ern ist die Beurteilung bzgl. Ketone anders: "Bei absolutem Insulinmangel wird der Organismus ... mit Fettabbauprodukten geradezu überschwemmt." "Da bei der Verbrennung von Fettgewebe auch Insulin benötigt wird ..., kann die Fettverbrennung nur unvollständig stattfinden, es bleiben sogen. Ketonkörper... ."
    Zitate aus Bücher Jäckle et al. und Schmeisl
    Bearbeitet von User am 14.03.2018 18:16:18. Grund: Ergänzung
  • Cracktros

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    am 14.03.2018 19:05:34 | IP (Hash): 199045178
    @Elfe,
    genau so habe ich es gelernt.
    Was hier einige überlesen haben ist, dass das Thema nicht Ernährung ist, sondern vielmehr sehr hohe Werte über länger Zeiträume. Und da kommt einiges, im Stoffwechsel und im Insulinverbrauch, ins Ungleichgewicht.
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    am 14.03.2018 19:19:55 | IP (Hash): 197845073
    Hier mal ein bisschen recht allgemeinverständliche Nachhilfe zur "Verbrennung von Fettgewebe" http://flexikon.doccheck.com/de/Lipolyse - vielleicht auch interessant für so Altvordere wie Prof Schmeisl ;)

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  • Cracktros

    Rang: Gast
    am 14.03.2018 19:37:36 | IP (Hash): 199045178
    @Jürgen
    Mein Thema war eher dieses hier https://www.diabetes-news.de/lexikon/t/triglyceride

    Zitat
    "Hohe Triglyceridspiegel, wie sie nach fettreichen Mahlzeiten zwangsläufig auftreten, vermindern unter Umständen die Insulinwirkung. Andererseits können hohe Triglyceridspiegel auch Folge eines Insulinmangels sein: Für das Einschleusen von Glucose in die Zelle ist das Vorhandensein von Insulin erforderlich. Steht Insulin nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, so ist sowohl die Glucose wie auch die Aufnahme der Fettsäuren aus den Triglyceriden in die Zelle vermindert. Als Folge steigen sowohl die Blutzucker- wie auch die Triglyceridwerte im Blut an."

    Und aus diesem Missverhältnis, bei hohen Blutzuckerwerten, stammen die Kotonkörper.

    Worüber du schreibst sind Stoffwechselgesunde Menschen oder zumindest Menschen mit Diabetes und guter Blutzuckereinstellung während ich vom entgleisten Diabetes schreibe.
    Bearbeitet von User am 14.03.2018 20:53:09. Grund: -
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    am 15.03.2018 13:19:05 | IP (Hash): 997249250
    Komisch, meine 3 Jahre ketogene Ernährung hatte ich bei ALLEN üblichen Routinetests Triglyzerid-Werte um 50. Jetzt seit nem guten Jahr glukogene Ernährung bei den Tests immer um 100. Schon klar, immer noch unter der Gesundgrenze von 150, aber in deutlichem Widerspruch zum Vorurteil, dass fettreiche Ernährung die Triglyzeride erhöhe.

    Meine vielfach labormäßige Erfahrung widerspricht damit diametral der diabetes-news-Schreibe. Aber passt zu dem, wie ich’s mal gelernt hab, dass gegessene Glukose, die nicht sofort gebraucht wird, auch nicht im Glykogen-Speicher, in Triglyzeride umgebaut in die Schwimmhilfen transportiert wird. Ist übrigens sehr wirtschaftlich, denn in dieser Form braucht die Energie den wenigsten Platz und die wenigste Wartung!

    Und wie ich’s mal gelernt habe, produziert die Leber Ketonkörper als Antwort auf die Hungermeldung unserer Zellen immer dann, wenn deren Versorgung mit Glukose aus Mangel an Glukose oder deswegen nicht funktioniert, weil das Insulin für ihre Aufnahme fehlt. Um sich mit Ketonen mit Energie versorgen zu können, brauchen die Zellen nämlich kein Insulin.

    Passt übrigens auch zur diabetes-news-Schreibe. Denn da steht, dass Ketonkörper immer dann beobachtet werden, wenn zu wenig Insulin dafür vorhanden ist, dass sich die Zellen anderweitig versorgen können. Nur dass die Ketonkörper da ein bisschen irreführend unfallmäßig wie die missratenen Ergebnisse aus dem Gemisch von zu vielen Triglyzeriden und zu viel Zucker im Blut dargestellt werden, aber das wird sie nicht weiter stören ;)

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    am 15.03.2018 13:34:54 | IP (Hash): 2108455638
    Manchmal wundert man sich echt.

    Ketone an sich sind nichts schlimmes. Die Versorgung der Zellen durch Ketone in "Hungerzeiten" ist eine schlaue Erfindung, und Ketone werden ohne Insulin verstoffwechselt.

    Eine Super-Sache – ABER: Bei absolutem Insulinmangel können Ketone zum Ableben führen.

    Einfach erklärt passiert folgendes:
    Die Zellen können mangels Insulin keine Glukose verstoffwechseln und rufen deshalb den Notstand aus.
    Daraufhin werden Ketonkörper produziert, der Organismus lebt weiter.
    Anders als im Hungermodus werden mangels Anwesenheit von Insulin mehr Ketokörper produziert als dem Körper gut tut – das nennt man im Endstadium auch Ketoazidose – mit den üblichen Begleiterscheinungen Acetongeruch und Nachweis im Urin. Man kennt ja die Skala von zartrosa bis Lila. Ich habe da schon beim Eintauchen "tiefschwarz" geschafft....

    Um die Frage zu beantworten:
    Nein, Ketone brauchen kein Insulin. Aber Insulin ist nötig, um die Ketone in gesunden Grenzen zu halten.
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  • Elfe

    Rang: Gast
    am 15.03.2018 17:18:01 | IP (Hash): 453852368
    Finde das insgesamt ein schwieriges Thema, allerdings betr. Insulin im Fettstoffwechsel.
    Frage stellt sich vorher zu den Fettsäuren, nicht bei Ketonen.

    "Fettgewebeabbau wird schon durch relativ wenig Insulin gehemmt wie beim Typ-2-Diabetes, bei absolutem Insulinmangel (Typ 1) wird der Körper geradezu mit Fettabbauprodukten überschwemmt".
    "Da die Verbrennung von Fettgewebe auch Insulin benötigt und eben dieses fehlt, kann die Verbrennung nur unvollständig stattfinden, es bleiben sogen. Ketonkörper, z.B. Aceton, die man im Urin nachweisen kann."

    Verstehe das so, daß der Fettabbau insgesamt nur unvollständig ist und die Ketone eigentlich so nicht vorkommen sollen.

    Insulin ist zuständig beim Fettstoffwechsel für
    Förderung des Aufbaus von Triglyceriden (Lipogenese)
    Hemmung des Abbaus der Triglyceride (Lipolyse)
    Reduktion der freien Fettsäuren
    http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Insulin

    Also nicht nur herausgepickte Lipolyse, sondern hier auch widersprüchlich Aussagen einerseits Förderung und andererseits Hemmung bzgl. Triglyceride.
    Auf jeden Fall ist hier in der Aufzählung von Ketonen nichts zu lesen.
  • Cracktros

    Rang: Gast
    am 15.03.2018 17:28:48 | IP (Hash): 846048646
    hjt_Jürgen schrieb:
    Komisch, meine 3 Jahre ketogene Ernährung hatte ich bei ALLEN üblichen Routinetests Triglyzerid-Werte um 50. Jetzt seit nem guten Jahr glukogene Ernährung bei den Tests immer um 100. Schon klar, immer noch unter der Gesundgrenze von 150, aber in deutlichem Widerspruch zum Vorurteil, dass fettreiche Ernährung die Triglyzeride erhöhe.

    Meine vielfach labormäßige Erfahrung widerspricht damit diametral der diabetes-news-Schreibe. .



    Kann es sein, dass die eigene Messung nur ein Teil der Wahrheit ist? Kann es möglich sein, dass ein Teil der Menschheit auf von außen zugeführte Fette mit einer Erhöhung der Triglyzeride reagiert?

    Weiter hierzu ist in diesem Aufsatz zu finden:
    http://www.lecturepad.org/dayspring/lipidaholics/pdf/LipidaholicsCase291.pdf