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Diabetes/Insulinresistenz und PCO-Syndrom
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am 19.06.2018 16:40:51 | IP (Hash): 1727679290
Guten Tag,
ich weiß nicht, ob es hierzu schon einen Thread gab, deswegen verzeiht es mir bitte, falls sich nun etwas doppelt.
Kurz zu mir: Ich bin 22 Jahre alt, 1,75 cm groß und wiege 63 kg. Ich treibe mindestens 4 mal die Woche Sport und würde sonst auch wohl von mir behaupten, dass ich mich gesund ernähre. Obwohl ich nachts mindestens 8 Stunden schlafe, bin ich fast dauerhaft müde, habe viele Kreislaufprobleme, vor allem beim Sport und kann mich kaum konzentrieren. Mitten in der Nacht wache ich oftmals mit einem wahnsinns-Durst auf.
In meiner Familie liegt vielfach Diabetes Mellitus Typ 1 vor.
Im März wurde bei mir das PCO-Syndrom diagnostiziert. Vergangene Woche hatte ich einen additiven Termin bei der Diabetologin. Die Diagnose: Zuckerkrank. Auch wenn man sich ja eigentlich nicht alles ergooglen sollte, habe ich das natürlich getan. Meine Ärztin hat mich eigentlich auch super gut aufgeklärt, nur irgendwie war ich so im Schock, dass ich die Hälfte vergessen habe. Daher hoffe ich, dass mir vielleicht hier nochmal jemand erklären kann, was die Werte bedeuten:
Bei mir wurde ein Glukosetoleranztest durchgeführt. Mein Nüchternblutzuckerwert (12 Stunden vorher nichts mehr gegessen) war 107 mg/dl, nach 1 Stunde 209 mg/dl, nach 2 Stunden 144 mg/dl. Mein HbA1 Wert lag bei 5,0, welcher also ganz gut ist.
Ich frage mich nun, ob jemand, vor allem im Zusammenhang mit dem PCOS, Erfahrungen hat, ob das Syndrom Schwankungen im Blutzuckerspiegel hervorrufen kann?
Meines Erachtens bzw. nach Google-Recherchen müsste bei meinem 2-Stunden-Wert ja eigentlich "nur" eine Insulinresistenz vorliegen. Vermutlich steckt aber mehr dahinter, als Google mir sagt.
Könnte mir jemand den Zusammenhang zwischen den Werten erklären?
Vielen Dank und viele Grüße!
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am 19.06.2018 18:51:55 | IP (Hash): 1176515145
Hallo Lila Wolke,
Sorry, aber aus diesen Werten kann die Diagnose Diabetes nicht stammen. Daraus lässt sich allemal ein Prädiabetes diagnostizieren, allerdings auch nur ein beginnender Prädiabetes.
Wegen deinem familiär erhöhtem Risiko für Typ1-Diabetes wäre eine Antikörperbestimmung sinnvoll. Damit ließe sich ein sich entwickelnder Typ1-Diabetes vorhersagen. Ist das vielleicht gemacht worden und wurden dabei 2 oder mehr Diabetesantikörper festgestellt? Daraus könnte sich dann tatsächlich die Diagnose Typ1-Diabetes ergeben. Wenn deine Ärztin dich super aufgeklärt hat, dann müsstet ihr eigentlich auch darüber gesprochen haben.
PCOS ist häufig mit Insulinresistenz verbunden. IR lässt sich aber nicht aus den Glukosewerten beim OgTT alleine bestimmen, dazu sind zusätzlich die Insulinwerte erforderlich. Hat deine Ärztin die Insulinwerte bestimmen lassen, zumindest den Nüchternwert für den HOMA-Index? Insulinresistenz kann die BZ-Werte negativ beeinflussen und kann zum Diabetes Typ2 führen, muss aber nicht. PCOS ohne IR dürfte keinen Einfluss haben.
Beste Grüße, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
Elfe
Rang: Gastam 20.06.2018 15:52:44 | IP (Hash): 1602294844
Hallo LilaWolke,
auf dieser Website kannst du einiges lesen
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/PCO-Syndrom-erkennen-und-behandeln,pcosyndrom100.html
und von der Seite 2 führt ein Link zu
http://www.pcos-selbsthilfe.org/
Ein Forum gibt es auch, jedoch sind die Beiträge nicht zu öffnen.
Erst als Mitglied mit Jahresbeitrag von 30 € jährlich, wird der Online-Zugang freigeschaltet ! -
am 20.06.2018 18:17:10 | IP (Hash): 738592057
Hallo Rainer,
vielen Dank für deine schnelle und ausführliche Nachricht!
Eine Antikörperbestimmung wurde nicht durchgeführt, da ich beim ersten Besuch der Diabetologin der Meinung war, dass alle Typ 2 hätten. Meine Tante hat mich dann im Nachgang aufgeklärt, dass das nicht der Fall ist. Allerdings wird dies beim nächsten Bluttest dann mitgeprüft, nachdem ich das Versehen geschildert habe.
In meinem Laborbefund sind INSU, INS60 und INS120 angegeben. Ich nehme an, dass das die Insulinwerte sind, die du meinst?
Vielen Dank! -
am 20.06.2018 18:17:43 | IP (Hash): 738592057
Hallo Elfe,
vielen Dank für deinen Beitrag und für den Tipp!
Das schaue ich mir direkt mal an.
Danke dafür! -
am 20.06.2018 18:44:21 | IP (Hash): 1559317497
LilaWolke schrieb:
In meinem Laborbefund sind INSU, INS60 und INS120 angegeben. Ich nehme an, dass das die Insulinwerte sind, die du meinst?
Ja, Das sind die Insulinwerte nüchtern, nach 60 und nach 120 Minuten. Wie waren denn die Werte?
Den normalen Verlauf in Abhängigkeit von einer Mahlzeit bzw. vom oGTT kannst du dir hier (aus wIki Insulin) ansehen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Insulin#/media/File:Glucose-insulin-day-german.svg
Deine Laborwerte musst du wahrscheinlich mit 7 multiplizieren, um auf die dort angegebenen pmol/l zu kommen. Leicht höhere Werte sind nicht problematisch, bei Insulinresistenz sind sie auf das 5...10-fache erhöht.
Wenn du den nächsten Termin bei der Diabetologin hast, dann frage unbedingt nach, warum sie bei dir Diabetes diagnostiziert hat. Deine leicht Werte zeigen lediglich einen beginnenden Prädiabetes, außer wenn du schwanger wärst. Bei SS-Diabetes gelten sehr viel strengere Gernzwerte.
Beste Grüße, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 20.06.2018 18:49:52 | IP (Hash): 738592057
Rainer schrieb:
LilaWolke schrieb:
In meinem Laborbefund sind INSU, INS60 und INS120 angegeben. Ich nehme an, dass das die Insulinwerte sind, die du meinst?
Ja, Das sind die Insulinwerte nüchtern, nach 60 und nach 120 Minuten. Wie waren denn die Werte?
Meine Werte waren: INSU=5.5 mlE/l
INS60=100.7 mlE/l
INS120=46.3 mlE/l
Wenn ich das richtig sehe, sind meine Werte dann ja eher niedriger, als die dort aufgeführten, oder?
Ja, das werde ich nachfragen. Zumal ich NICHT schwanger bin, was aufgrund des PCOS aktuell auch nicht möglich ist.
Beste Grüße
Bearbeitet von User am 20.06.2018 18:52:54. Grund: Ergänzung -
am 20.06.2018 23:01:55 | IP (Hash): 1559317497
LilaWolke schrieb:
Wenn ich das richtig sehe, sind meine Werte dann ja eher niedriger, als die dort aufgeführten, oder?
Das siehst du nicht richtig - du hast vermutlich das Umrechnen von mIE/l in pmol/l (ca. *7) vergessen.
Der Nüchternwert ist mit knapp 40pmol/l wirklich normal, aber der 1h-Wert mit ca. 700 und der 2h-Wert mit ca, 350 sind doch gegenüber den normalen etwa 250 bzw. 100 deutlich auf etwa das 3-fache erhöht.
Spannend ist der normale Nüchternwert, mit dem sich ein guter HOMA-Index von 1,5 ergibt. Ich vermute, dass du das deinem Lebensstil mit viel Sport und geeigneter Ernährung zu verdanken hast. Das machst du also nicht umsonst.
Wenn KiWu besteht, dann wirst du wahrscheinlich Metformin bekommen. Damit kann die IR etwas abgemildert werden.
Alles Gute, Rainer
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Bearbeitet von User am 20.06.2018 23:40:14. Grund: .1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 22.06.2018 16:15:40 | IP (Hash): 1727677229
Hallo Rainer,
danke dir für die Informationen. Du hast Recht, ich habe die Multiplikation vergessen.
Ich habe Metformin bekommen (erstmal 500mg am Abend), das ist richtig. Allerdings vertrage ich es bisher überhaupt nicht. Herzrasen, kalter Schweiss und dauerhafte Kreislaufstörungen. Am zweiten Tag mehrfaches Übergeben. Sehr ungemütlich! Ich hoffe einfach, dass es besser wird.
Was würde eigentlich passieren, wenn ich nicht auf die Tipps der Ernährungsberaterin höre und dann doch ab und an z.B. mal ein Toast mit Nutella oder Süßigkeiten, Pizza etc. esse?
Und hast du vielleicht eine gute Quelle, wo man sich in die Thematik tiefer einlesen kann? Das darf auch gerne auf einer tieferen fachlichen Ebene sein. Du hast ja wie man sieht ein Wahnsinnswissen auf dem Gebiet.
Danke dir und viele Grüße! -
am 23.06.2018 06:10:56 | IP (Hash): 568747064
Hallo Lila Wolke,
anfängliche Magen-, Darmprobleme hat bei Metformin fast jeder, deshalb ist das Einschleichen so wichtig. Bei den meisten wird es dann erträglich. Wenn du mit den 500mg gar nicht zurecht kommst, kannst du ja noch mal teilen und mit ca. 250mg anfangen. Genau muss das nicht sein und auch wenn die Tablette dabei zerkrümelt, macht das nichts aus. Die Dosis solltest du erst dann steigern, wenn du ein paar Tage mit der kleineren Dosis zurecht gekommen bist. Ob du es zum Frühstück oder abends nimmst, ob vor dem Essen, während oder danach ist für die Wirkung egal. Probiere aus, ob du eine Variante findest, mit der du besser zurecht kommst.
Für Typ2-Diabetiker und ganz bestimmt auch für dich gilt, dass gelegentliche Ausnahmen gar kein Problem sind. Es besteht allerdings die Gefahr, dass die Ausnahmen schnell zur Regel werden und dann sind sie problematisch. Deshalb funktioniert eine Ernährungumstellung meistens besser, wenn man für eine gewisse Zeit keine Ausnahmen zulässt. Beobachte, wie es bei dir klappt und lass dir, wenn du mit Ausnahmen gut umgehen kannst, die gelegentlich Pizza ruhig schmecken. Wie sollst du den deine Ernährung umstellen, was für Tipps hat dir deine Ernährungsberaterin gegeben?
Zur Insulinresistenz schreibe ich später noch etwas.
Beste Grüße, Rainer
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am 23.06.2018 08:16:38 | IP (Hash): 1165180061
Guten Morgen Rainer,
Vielen Dank für die ausführliche Nachricht! Ich hab am Mittwoch noch einen Termin beim Gyn bzgl. des PCOS. Mit dem würde ich die Dosierung nochmal besprechen. Ich soll nämlich eigentlich noch bis 2000mg erhöhen innerhalb von 4 Wochen.
Ich habe jetzt für 2 Wochen den FreeStyle Libre, um mal einfach die Werte ein bisschen zu beobachten, Sodass ich die Ernährung hoffentlich nicht komplett umstellen muss, sondern vielleicht nur das worauf ich stark reagiere? Mal sehen, das ist aber in Eigenregie und nicht vom Arzt angewiesen.
Von der Ernährungsberaterin habe ich so einen Zettel bekommen mit einem Diagramm, welche Lebensmittel den Blutzucker hochschießen lassen und welche nicht. Demzufolge sollte ich weitestgehend auf quasi alles Süßes verzichten, weniger Früchte (ernähre mich zur Zeit sehr sehr viel von Früchten, das müsste ich dementsprechend einstellen), Weißbrot vermeiden, nur Produkte aus dem vollen Korn etc. ...
Wirklich vielen Dank für deinen informativen und kompetenten Input!
Beste Grüße