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Zucker nicht im Griff (Folgeschäden? Nächtl. Unterzuckerungen?)

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 7
    Mitglied seit: 15.09.2018
    am 15.09.2018 23:21:43 | IP (Hash): 346267372
    Hallo.. Ich bin neu hier (und ich weiß ehrlich gesagt auch nicht wie das hier alles funktioniert, aber falls ich hier falsch bin, dann tut mir das leid, ich weiß gerade nur nicht wohin..)

    Ich selbst bin nämlich kein Diabetiker, aber meine Freundin (19) ist es.
    Mittlerweile komme ich mit dem Thema immer mehr zurecht (ich versuche ja, mich um sie zu kümmern), aber mir kommt vor, je mehr ich dazu lerne, desdo schlimmer sieht ihre ganze Situation aus.

    Meine Freundin hat es nämlich so ganz und gar nicht mit dem Messen. Sie hat seit 9 Jahren nun Diabetes, sie hat am Anfang auch immer brav alle Regeln befolgt, aber irgendwann fing sie an schlapp zu machen und vor 2-3 Jahren ist sie dann total aus dem Ruder gekommen.
    Sie war und ist STÄNDIG überzuckert (meist mit Werten von 300-500+, manchmal so hoch, dass das Gerät es nicht schafft den Wert zu messen), sie misst manchmal nur einmal am Tag (ihr Grund: sie war den ganzen Tag unterwegs und messen wäre ihr zu unhygienisch gewesen), sie trinkt ohne nachzurechnen Mengen an Alkohol und wacht dann die Nacht auch öfters auf und vor 1½ Jahren wurde es anscheinend so schlimm, dass sie nochmals "eingeliefert" werden musste (und unter Obhut des Krankenhauses sich neu einstellen lassen musste).

    Seit ich mit ihr zusammen bin (fast ein Jahr), geht es sowieso schon viel besser, aber ihr Wert ist trotzdem bei jedem Messen mind. zwischen 200 und 300 hoch.
    Da sie jetzt auch ab und zu wieder normale Werte hat, unterzuckert sie auch viel schneller, weil sie "kein Gefühl mehr dafür hat". Im Großen und ganzen bin ich einfach fertig.

    Bis jetzt ist bei ihr körperlich noch alles in Ordnung, aber die möglichen Folgeschäden sorgen mich trotzdem.
    Zudem habe ich dauernd Angst, dass sie neben mir einschläft und durch eine Unterzuckerung bewusstlos wird (habe gehört, wenn man schlecht eingestellt ist, dann so etwas passieren kann, trotz der Glucose die der Körper in so einem Notfall produziert).

    _____
    Da ich nicht weiß wem ich fragen soll, versuche ich jetzt hier mein Glück. Wäre nett wenn ihr mir diese Fragen beantworten könntet:

    1) Wie kann ich sie am besten unterstützen?
    2) Hat sie sich mit diesem Verhalten schon unausweichliche Folgeschäden für die Zukunft einkassiert, oder können wir daran noch etwas rütteln? sie ist ja noch sehr jung..
    3) Wie kann ich helfen, nächtliche Unterzuckerungen zu vermeiden?
    4) Sind Geräte die bei einer Unterzuckerung einen Alarm auslösen wirklich viel im Gebrauch, oder kommt so etwas selten/nie vor? Wäre das eine Lösung?

    PS: Mittlerweile ist sie williger, es in den Griff zu bekommen, aber sie tut sich schwer und verliert immer wieder die Motivation. Mit dem Diabetologen kommt sie auch nicht so zurecht und ich will sie nicht zu viel mit dem Thema belästigen, deswegen wollte ich mir jetzt mal anderswo Rat holen... Ich will sie ja unterstützen und nicht noch mehr unter Druck setzen...
  • Rang: Erweitertes Mitglied
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    Mitglied seit: 19.10.2017
    am 16.09.2018 09:14:20 | IP (Hash): 301373611
    Hallo,
    deine Freundin scheint den Diabetes nicht ganz akzeptieren zu wollen und neigt zum
    Verdrängen.
    Sie war ja erst 10 Jahre als der Diabetes diagnostiziert wurde, wie ist ihre Familie damit klar gekommen? (Muss Du nicht hier beantworten...)
    Alkohol darf mal als Diabetiker zwar trinken, aber nicht zu oft und in Maßen, man sollte auch herausfinden, wie die Werte dann reagieren, damit man sich etwas drauf einstellen kann. 😉
    Es gibt Geräte, die einen Alarm auslösen
    ( cgm), ist bei häufigen, vor allem nächtlichen Hypos evtl besser und es gibt den FreeStyle Libre, den ich nutze. Manche kommen damit nicht klar, aber bei mir (fast 36 Jahre Typ1 ) sind die Werte, auch der Hba1c seitdem besser geworden, weil man anders auf die Werte reagieren kann, es ist auch sonst wirklich eine Erleichterung.
    Ich hatte mal zeitweise keine Sensoren und musste wieder tagelang nur blutig messen, dahin möchte nicht mehr zurück...
    Ihr könnt euch ja zusammen informieren, steht genug im Netz darüber, damit kannst du sie zB unterstützen.
    An ihrer Eigenverantwortung muss sie aber selbst arbeiten, wenn sie mit den Diabetologen unzufrieden ist, kann sie sich einen anderen suchen und evtl auch psychologische Hilfe für die Akzeptanz und Motivation.
    Unweigerliche Folgeschäden hat sie sich nicht unbedingt schon einkassiert, ist von Diabetiker zu Diabetiker unterschiedlich, aber gute Werte sind der beste Schutz davor!
    Wenn die Werte wieder besser sind, können kleine Veränderungen sogar wieder zurückgehen.
    Hoffe, ich konnte ein wenig helfen,
    viele Grüße
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
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    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 16.09.2018 22:36:37 | IP (Hash): 983501274
    Mit etwas System ist eine sogenannt gute Einstellung keine Hexerei, also zu den Mahlzeiten 100-140mg/dl zu messen und in der Spitze um ne Stunde nach dem Input max 300 - unter einer Bedingung: Man muss akzeptiert haben, dass alles spontan essen und trinken, wonach einem gerade ist, ABSOLUT NICHT in diesen Rahmen passt.

    Deine Freundin weiß das ganz bestimmt, und sie weiß auch ganz bestimmt, wie frau das Spiel bis hin zum BZ 24/7 im völlig gesunden Rahmen treiben kann. Das würde aber bedeuten, dass sie sich nach dem richten müsste, was bei ihr geht. Also nix mehr spontan einfach so drauf los, sondern immer planvoll im persönlich möglichen Rahmen.

    Sie wird ihren BZ von dem Tage an planvoll wenigstens im Rahmen einer guten Einstellung steuern, in dem Du ihr wie auch immer dazu verhilfst, etwas anderes als wichtiger für ihr Leben zu fühlen und zu leben, als spontanes Essen und Trinken. Nicht missverstehen! Es geht nicht um verstandsmäßiges Verargumentieren, sondern darum, dass sie etwas anderes als spontanen Input so viel lieber will, das sie nur mit planvollem Input erreichen kann. Daumendrück

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    Dieser Beitrag ist kein Ersatz für eine persönliche ärztliche Diagnose oder/und Behandlung.
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    Beiträge: 7
    Mitglied seit: 15.09.2018
    am 17.09.2018 01:48:27 | IP (Hash): 1639022745
    Ja das mit dem Alkohol ist immer so eine Sache... ist es nicht auch so, dass selbst wenn man im betrunkenen Zustand merkt, dass der Zucker zu niedrig ist, dass man ihn sehr schlecht bis gar nicht erhöhen kann, da die Leber nicht mitspielt? oder habe ich da was falsch verstanden?

    Sie muss eben auch blutig messen, Der Diabetologe meinte, Geräte kämen erst nächstes Jahr in Frage (wieso auch immer)... So etwas würde schon extrem helfen, zumal diese Art und Weise sie ja anscheinend ziemlich belastet. Danke für den Erfahrungsbericht dazu :)

    ___

    Ja natürlich, eine gute Einstellung ist hier das A und O und ich hoffe ich kann noch genug dazulernen, um ihr mindestens etwas behilflich zu sein...


    Danke auf jeden Fall für Information und Tipps,.. haben mir sehr weitergeholfen :)
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    Mitglied seit: 02.06.2017
    am 17.09.2018 03:18:43 | IP (Hash): 869603980
    Über mögliche Folgeschäden zu grübeln ist sinnlos. Ist wie beim Rauchen, da lohnt sich aufhören auch nach Jahren.

    Wie Gitti schon schreibt, klingt nach einem Akzeptanzproblem.
    Selbst wenn man völlig pi mal Daumen spritzt sollte das so hohe Werte verhindern.

    zu den CGM System ist die Sicht der Ärzte und Krankenkassen: Wozu braucht jemand ein "High-Tech" Gerät wenn er nichtmal das normale Gerät benutzen will?

    Ich denke am besten kannst Du deine Freundin unterstützen indem Du erstmal möglichst viel über ihre Insulintherapie lernst.
    Denn wie willst Du sie sonst zu etwas motivieren wenn Du gar nicht genau weisst zu was?
    zB für den Anfang:
    1) Üblich ist es mindestens vor den Mahlzeiten und vorm schlafen gehen zu messen. (1x pro Tag messen ist also viel zu wenig.)
    2) Zu den Mahlzeiten spritzt man Mahlzeiteninsulin.
    3) 1 oder 2 mal am Tag zu festen Zeiten spritzt man langwirkendes Insulin.
    (falls sie eine Pumpe hat wäre alles etwas anders aber ähnlich)

    Jedenfalls gibt es ein Minimum das man einfach durchziehen muss: wenn man das einigermaßen schafft dann sollten zumindest die ganz hohen Werte seltener werden. Keine Ahnung wie Du sie dazu motivieren kannst: Du kennst sie besser als wir.

    Beim Alkohol kannst Du Vorbild spielen und selbst weniger/nichts trinken.
  • Elfe

    Rang: Gast
    am 17.09.2018 18:55:13 | IP (Hash): 255277267
    Hallo Hannes,
    sehr lobenswert, daß du deine Freundin unterstützen möchtest :-)

    Grundsätzlich hat mein Vorschreiber schon beschrieben, wann messen sinnvoll ist.
    Gehe mal aufgrund der Jugendjahre von Typ 1 mit Insulin aus.
    Der Sinn, messen vor den Mahlzeiten hat nicht nur den Grund, passend zur Mahlzeit spritzen zu können (lernt man vorher - soundsoviele KH brauchen soundsoviele Einheiten Insulin), sondern man kann mit ein/zwei Einheiten Insulin einen höheren BZ-Wert korrigieren - oder, wenn zu niedrig, auch Zucker einnehmen.
    Heißt aber nicht, daß man kontinuierlich den Blutzucker messen muss.
    Tagsüber unterwegs ohne Messen mache ich auch so.
    Allerdings kontrolliere ich nach Frühstück und weiß aus Erfahrung, daß der BZ stabil bleibt (passend gespritzt mit zwei Insulinen), wenn keine Kohlenhydrate aufgenommen werden (gibt genügend Lebensmittel, die keine Kohlenhydrate (Zucker, Stärke) enthalten.
    'Unhygienisch für nicht messen' mag ein Argument sein, aber nicht wirklich.
    Papiertaschentuch o.ä. reicht. Man sticht in den Finger und wischt den ersten gewonnen Blutstropfen mit dem Tuch weg, zweiten Tropfen zur Messung nutzen (machen die in der Arztpraxis auch nicht anders). Kleinere Anhaftungen werden sozusagen weggespült bzw. weggewischt.

    Mit Alkohol verhält es sich ähnlich wie mit Essen - kommt darauf an, was konsumiert wird.
    Süße Cocktails, Liköre, Bowle sind aufgrund des Zuckergehaltes nicht geeignet.
    Aber auch Bier enthält Kohlenhydrate
    https://www.konzelmanns.de/blog/wiki/alkohol-und-low-carb/
    (Bei mir passt trockner Wein und Sekt (ohne Anrechnung von Insulin).)

    Die Hauptaufgabe liegt beim Diabetiker, also bei deiner Freundin.
    Als Angehöriger kannst du begleiten und auch helfen, bei Unterzucker.
    Wachwerden in der Nacht, kann ein Unterzucker-Anzeichen sein: Unruhe, Herzklopfen, Schwitzen - bekommst du ev. mit.
    Zucker am Bett haben und geben kann zur Behebung hilfreich sein und auch Messen des BZ.

    Auch tagsüber zeigt sich Unterzucker so, auch manchmal, durch unwirsches Verhalten - was für Angehörige schwer zu interpretieren ist.
    Wenn die Sinne schwinden, ist es manchmal schwierig, sich um sein Gegenüber zu bemühen, wenn man eigentlich den eingeübten körperlichen Ablauf folgen will/muss (Schulung).

    Wichtig wären regelmäßige Arztbesuche (üblich Quartal), um den Langzeitzucker zu bestimmen.
    Nicht jeder BZ-Ausreißer zeigt sich wirklich als schädlich.
    Der Organismus hat durchaus Mechanismen, um manches auszugleichen.

    So Fragen: 'Wie war's beim Arzt', 'Alles o.k.', 'Alle Medikamente genommen' ist so gegenseitiges Interesse in einer Beziehung.

    Gruß Elfe
    Bearbeitet von User am 17.09.2018 18:59:17. Grund: Format