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Blutzuckerzielwerte mit Metformin
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Lilo
Rang: Gastam 12.10.2010 11:29:00
Hallo Heike,
ich will nur mal meinen Fünfer zur Metformin-Dosis allgemein dazugeben.
Du bist jetzt bei 2x 425 mg. Der Hersteller schreibt von einer maximalen Tagesdosis bis zu 3000 mg täglich, ABER, die Diabetologen sagen: nicht mehr als 2000 mg täglich, weil das Zeuchs ja auch erst mal durch die Nieren und Leber muss.
Nach dem Motto: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Ich wollt dir nur damit sagen, du hast also noch "Testspielraum".
Das Tabletten-Diabetiker nicht messen sollen/dürfen, ist leider so. Man gibt denen ein Rezept und die Kontrolle erfolgt dann NUR im Arztlabor 1x im Quartal.
Und überwiegend bekommen die überhaupt keine Messtreifen verordnet, weil die KK die Kosten für nichtinsulinpflichtige Diabetiker nicht übernehmen.
Ich weiß nicht, wie das bei dir aussieht.
Deshalb noch ein Tipp. bei Akku chek kann derzeit kostenos das Messgerät accu chek mobile erhalten, Anruf genügt. Das Gerät hat eine Kassette inside für 50 Messungen.
Damit kommt man ja auch ein Stück.
Ansonsten find ich das Klasse, wie du das angehst, denn nur durch Messen, testen, gucken, messen findest du heraus, wie dein BZ tickt..
Ich wünsch dir weiterhin gutes Gelingen.
von Lilo -
Heike
Rang: Gastam 12.10.2010 13:38:22
Vielen Dank für die tollen Erklärungen.
Jürgen, was Du schreibst kenne ich. Ich hatte nach dem Essen öfter dieses "unterzuckern". Das war dann vermutlich das zu viel an Insulin weil die 1. Antwort etwas zu spät kam ?
Was mir aber mal aufgefallen ist, dass ich für eine Weile nach Beginn der Metformineinnahme viel tiefere Werte gemessen hatte. Allerdings ging der BZ da auch schneller rauf und runter und ich fühlte mich immer gestresst. Gibt es bei der Bauchspeicheldrüse so eine Art "Trainingseffekt" ?
Denn irgendwann hatte es sich ja eingependelt, es stieg langsamer, es sinkt langsamer - allerdings auch jetzt nach meinem Gefühl noch ab und an etwas unter "normal".
von Heike -
thomas2002
Rang: Gastam 12.10.2010 13:38:52
wie joa schon etwas weiter oben andeutete, spielen hormone auch als gegenspieler des insulin eine rolle, nicht nur beim morgen- und abendphenomän, sondern auch bei streß.
von thomas2002 -
Jürgen
Rang: Gastam 12.10.2010 16:20:55
Moin Heike,
weniger Gas geben macht weniger große Zahlen auf dem Tacho, also weniger Stärke=Zucker weniger BZ. Wer öfter um 1 Stunde nach dem Essen misst, kommt gar nicht umhin, das zu entdecken und sich unwillkürlich wenigstens ein bisschen danach zu richten. Damit werden dann auch kleinere Mengen Insulin mit ebenso kleineren Mengen zuviel angefordert, so dass der BZ nicht mehr so tief absinkt.
Einen Trainingseffekt hab ich noch nirgendwo gefunden, aber warum sollte es den nicht auch geben? Nach meiner Info ist das beste, was wir erreichen können, dass wir uns den schon abgeschrumpften Rest unserer Beta-Zellen mit ner möglichst gesunden BZ-Führung möglichst lange erhalten. Wie lange, weiß noch niemand, denn als lebenserhaltend behandelbar gilt der Typ2 erst seit etwa 30 Jahren, und erst seit etwa 15 ist fachintern bekannt, dass auch beim Typ2 bei Diagnosereife schon 50-80% der Betazellmenge eines gesunden Menschen gleichen BMIs, Alters und Geschlechts abgestorben sind.
Eine weitere Typ2-Baustelle und Hauptwirkungsort von Metformin ist die innere Glukose-Ausgabe. Gesund liefern Leber und Nieren etwa die Hälfte vom alltäglichen Glukose-Umsatz. Denn was wir neu essen, ist gesund nach etwa 2 Stunden verarbeitet=eingelagert oder verbraucht. Ohne die innere Glukose-Ausgabe würden gesunde Menschen also alle 2 Stunden abschlappen, wenn sie nicht in so kurzen Abständen immer wieder was essen würden. Gesund sorgt eine geniale Relgelung dafür, dass die innere Glukose-Ausgabe den BZ immer auf der gesunden Betriebshöhe irgendwo zwischen 65 und 85mg/dl hält.
Typ2-behindert funktioniert diese Regelung immer schlechter mit dem Ergebnis, dass 3mal und noch mehr MEHR Glukose als bei gesunden Menschen von Leber und Nieren ausgegeben wird und dass diese Ausgabe auch nicht wie bei gesunden für die Ankunft neu gegessener Glukose weniger wird, sondern zumindest machmal eher noch mehr. Und Metformin kann nun die Leber in ihrer Glukose-Ausgabe so behindern, dass die bis zur Hälfte weniger ausgibt, sagt der Hersteller. Aber er sagt nicht, zur Hälfte wovon :-(
Heißt konkret, der BZ steigt mit Metformin weniger hoch an als ohne, so lange und so gut das Mittel bei einem persönlich wirkt. Und dafür ist gut zu wissen, dass Metformin mit stetiger Einnahme einen beständigen Wirkspiegel aufbaut und eben gleichförmig durchgehend wirkt und dass natürlich die eigene Insulin-Ausgabe in dem Maße entlastet wird, in dem das Metformin die eigene Zucker-Ausgabe bremsen kann. Super, oder?
Bisdann, Jürgen -
Joa
Rang: Gastam 13.10.2010 01:27:30
> Und Metformin kann nun die Leber in
> ihrer Glukose-Ausgabe so behindern,
> dass die bis zur Hälfte weniger ausgibt,
> sagt der Hersteller. Aber er sagt nicht,
> zur Hälfte wovon :-(
Hallo Jürgen,
Bis zur Hälfte ihrer Glucoseabgabe? Der die sie ansonsten ohne Metformineinfluss machen würde?
Aber ob nun Metformin die Glucoseabgabe direkt hemmt, oder ob es die Insulinwirkung in der Leberzelle erst ermöglicht, die dann ihrerseits hemmt?
Jedenfalls findet sich, dass Metformin ohne Mitwirkung von Insulin in der Leberzelle keine Glucosefreisetzung hemment tut.
Ähnlich wie Inkretine für sich alleine keine Insulinsektretion bewirken, wenn kein Glucosereiz an der Beta-Zelle anliegt.
Gruß
Joa von Joa -
Jürgen
Rang: Gastam 13.10.2010 10:48:45
Moin Siggy,
im Gegensatz zu Dir kann Dein Dok nur schätzen, was Du vielleicht zu welchem Essen mehr an Insulin brauchen könntest. Er macht das, indem er Dich zunächst nach Hypos fragt. Wenn Du keine hast und er auch meint, dass Du weniger BZ haben solltest, erhöht er Deine BE-Faktoren um eine Einheit. Wenn Du in den nächsten Tagen dann die eine oder andere Hypo hast, nimmt er die Empfehlung wieder zurück. Wenn Du keine Hypo hast und bei Deinem nächsten Besuch in ein paar Wochen noch immer von BZs berichten kannst, die auch in seinen Augen zu hoch sind, erhöht er Deine BE-Faktoren wieder um eine Einheit usw.
Dabei kannst Du selbst im Rahmen von ein paar Tagen sehr viel zutreffender herausfinden, zu welchen Tageszeiten Du wie viel weniger Gas geben - Fett und Eiweiß statt Stärke=Zucker essen - kannst oder wie viel mehr Bremsen - mehr IEs spritzen - musst, um dir einen gesünderen BZ-Verlauf zu machen. Dazu brauchst Du nur alles wie bisher zu machen, wie üblich Messen-Spritzen-Essen und dann aber in Halbstundenschritten nach dem Essen messen, wie der BZ ansteigt und wieder absinkt bis er nicht mehr weiter sinkt. Am besten nur jeweils immer zu einer Mahlzeit, weil der Insulinbedarf sich über den Tag ändern kann.
Wenn er auf der selben Höhe zu sinken aufhört, auf der Du vor dem Essen gespritzt hast, haben BEs und IEs mengenmäßig zusammen gepasst. Wenn er niedriger als beim Spritzen absinkt, waren es weniger BEs oder mehr IEs als notwendig. Dann nimmt man bei der nächsten Mahlzeit zur selben Tageszeit das gleiche Futter und 1 IE weniger und schaut, wie der BZ dann anschließen verläuft. Und das macht man so lange, bis Futtermenge und Insulinmenge zueinander passen. Und umgedreht genau so, wenn der BZ mit der Messreihe nach dem Essen höher ausläuft. Dann erhöht man eben an den Folgetagen zur selben Tageszeit für das gleiche Futter die Insulinmenge um jeweils 1 Einheit, bis der BZ beim Wirkauslauf passt :-)
Daumendrück, Jürgen -
Heike
Rang: Gastam 13.10.2010 11:20:18
Guten Morgen,
ich frage mich, warum einem Ärzte das nicht so gut erklären können, wie ihr das macht :)
Vielen Dank für Eure Ausführungen.
Gestern habe ich nochmal eine komplette Messreihe gestartet.
Brunchen mit der Firma und ich hatte dabei ein belegtes Körnerbrötchen mit nem halben Glas O-Saftmix (das war wohl mein Fehler...)
Werte wie immer Plasma:
Nüchtern: 83
nach 40min: 175 (hätt ich nicht gedacht ..)
nach 60min: 135
nach 75min: 117
danach leider Hektik & Stress auf Arbeit und hab dann auch nochmal ein halbes Brötchen zwischngeschoben, weils mir auf einmal ganz schön schwindelig wurde, konnte aber leider nicht messen.
Mittag:
ein Teller Linsen und ein Roggenbrötchen, diesmal ohne Bewegung am Rechner im Büro.
Davor: 79
nach 40min: 105
nach 60min: 104
nach 90min: 102
nach 120min: 93
nach 180min: 85
Kurz vor Arbeitsschluss, Nachmittag. Jetzt wollte ich das mit dem Saft nochmal genauer wissen ...
nur ein Saft/Wassermix (ähnlich dem vom Frühstück)
nach 40min: 145
nach 60min: 110
Anschließend noch schnell ein Brötchen gegessen, nach Hause gefahren, reiten gegangen usw.
19.00 zu Hause BZ 83
Abendessen (1,5 Scheiben Vollkornroggenbrot, belegt):
nach 60min: 102
nach 90min: 96
nach 180min: 92
heute Morgen nüchtern BZ 83
Frage nochmal dazu:
Können auch bei gesunden kurzzeitig solche hohen Werte nach einem Glas Saft auftreten ? Fruchtgehalt waren 50%. Ich war zugegeben erschrocken ... in Zukunft dann kein Saft zum Frühstück von Heike -
Jürgen
Rang: Gastam 13.10.2010 15:01:20
Moin Joa,
Insulinresistenz war in der geschichtlichen Entwickung die erste logische Erklärung dafür, dass neue Glukose bei den Betroffenen mit deutlicher Verzögerung abgearbeitet wurde. Die Jahre später folgende Entdeckung von größerem Insulin-Umsatz via C-Peptid-Bestimmung schien die These zu bestätigen. Doch mit den Jahren wurde immer klarer, dass mehr als die Hälfte der völlig gesunden Bevölkerung so einen höheren Insulin-Umsatz haben, und zwar völlig ohne alle konkreteren Anhaltspunkte für Typ2, die man in der Folge entdeckt hatte. Also ohne erhöhtes Proinsulin, ohne Inkretin-Defekt, ohne Betazell-Verlust. Und auch ohne erhöhten Glukose-Umsatz.
Der scheint in der Reihe die neueste Erkenntnis, denn die innere Glukose-Ausgabe ist erst seit wenigen Jahren bestimmbar. Seitdem wurde entdeckt, dass die innere Glukose-Ausgabe gesund dauernd läuft und nicht nur zur Not, wie man ursprünglich angenommen hatte, und dass sie in ihrer Menge nur kurz mit neu gegessener verringert wird und dass die Menge etwa zur Hälfte aus dem Glykogen-Speicher der Leber kommt und zur anderen aus Glukoneogenese, und die wiederum zur einen Hälfte aus der Leber und zur anderen aus den Nieren.
Metformin scheint nun, wie ich es verstehe, nur von der Leber-Ausgabe zu bremsen. Und wie Metformin konkret auf Zellebene wirkt, wird meines Wissens noch immer eher thesenhaft vermutet als mit prüfbaren Fakten belegt.
Bisdann, Jürgen -
Jürgen
Rang: Gastam 13.10.2010 19:24:36
Moin Heike,
nein, ein gesunder Mensch kann einen Eimer von solchem Saft aussaufen, ohne dass sein BZ auf 170 ansteigt. Denn bei einem gesunden wird eben schon passend Insulin bestellt, wenn der Zucker aus dem Saft in den Blutkreislauf übergeben wird. Diese erste Bestellfunktion fällt leider auf dem Weg zum Diabetes immer mehr aus :-(
Einzig vernünftiges Verhalten: Selbst mit Auswahl und Portionierung dafür sorgen, dass mit der verbliebenen Restfunktion die Spitze von 140 nach dem Essen und Trinken nach Möglichkeit zu keiner Zeit überschritten wird.
Und dran denken, dass alle Stärke verdauungstechnisch Zucker ist, egal ob Biomehl oder einfaches Mehl oder Brot oder Kartoffeln oder Reis oder... Nur Austesten kann sagen, wovon wieviel in den eigenen 140ger Rahmen passt. Und der ist bei den meisten von uns morgens besonders eng. Bei manchem passt mittags 2mal soviel wie morgens in diesen Rahmen.
Daumendrück, Jürgen -
Heike
Rang: Gastam 13.10.2010 21:42:55
Gut, suppi. Dann bin ich ja froh, dass ich doch mal selber gemessen habe - obwohl es mir verboten wurde. Da weiß ich jetzt woran ich bin und hoffe, dass ich nicht unbedingt mal im Diabetes lande. Soweit scheinen meine Werte ja recht gut zu sein, wenn man die vom Frühstück mal weglässt ;-)
Heute Mittag hab ich´s mal mit Späzzle, Zwiebel-Sahnesoße und Schnitzelfleisch versucht - auch alles gut. Maximaler Wert waren 115.
Dann heisst es wohl vorerst alles was Saft, Cola & Co. heisst meiden ...
Euch allen noch einen schönen Abend und ein ganz liebes Danke für das geduldige Erklären. von Heike