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Entgleister Zucker - Lada Hilfe
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am 07.12.2021 19:57:24 | IP (Hash): 1183847229
Hallo,
Ich war im September beim doc zum Check up. Ich bekam am nächsten Tag einen Anruf, ich sollte nochmal kommen, da ich einen entgleisten Zucker hätte (325) Langzeit irgendwas um 13,1.???
Der schickte mich mit einer Packung Metformin nachhause und einer Adresse eines Diabetologen. Dieser nahm zig Werte ab und meinte ich muss spritzen, Diagnose vorsichtig typ 1 Lada. Da bedingt durch corona keine Schulungen stattfinden, muss ich nun allein mein Glück versuchen, ob ich alles richtig mache. Ach ja, ich bekam den FreeStyle Knopf, der zugegeben echt praktisch ist.
Die diab. Assistentin ist zwar sehr nett und hilfsbereit aber ich habe zig Fragen und die fallen mir erst ein, wenn ich wieder raus bin,
also aufgeschrieben und gefragt aber!!! Da sitzt du nun spritzt vor dem Essen lispro 3x 4-5 i.E. und nachts Langzeit Abasaglar. 8-9 i.E.
Ich traue mich nicht mehr Kohlenhydrate zu essen, wiege ab und habe nur noch Angst. Gestern Alarm Vorfall: ich habe 19:20 Abendbrot gegessen. 1 Scheibe Vollkornbrot 3 i.e. gespritzt. (Wert 134) Gegen 21:30 nochmal mit Hund raus. Plötzlich Alarm meines freestyle 65/64/63 PFEIL nach unten - ich habe mir sofort ein Vollkornbrot gemacht , ein Apfel gegessen und gemessen, gemessen....dann nach 15 min . Endlich 75 und nach 25 min 180 . Danach ging er langsam runter auf 105-110 ca.
Ist das normal alles. Ich hatte 2 Alarme innerhalb der letzten Monate, die waren aber morgens gegen ca. 3:30 . Wieder aufgestanden und gegessen. Ich bin nur noch verängstigt und verunsichert. Gibt sich das? Ich wäre dankbar, wenn mir jemand etwas ermutigendes mitteilen kann.
Ich haben 15 kg abgenommen und meine Psyche ist total im Keller.
Nun habe ich Donnerstag den Termin beim Diabetologen. Was muss ich fragen? Was wäre noch wichtig? Bleibt das alles so schrecklich?
Danke euch für eine Nachricht
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am 07.12.2021 20:49:08 | IP (Hash): 1557485552
Hallo,
der Anfang ist für die allermeisten schwer. Mit Libre bist du ja schon gut ausgestattet. Nutzt du die App oder das Lesegerät? In der App kannst du freie Notizen machen, bspw. was genau du gegessen hast, welche Bewegung genau und wie lange, damit kann man später Muster erkennen.
Wichtig wäre erstmal eine gute Schulung, die kann ambulant als Einzelschulung durchgeführt werden beim Diabetologen bzw. bei der Diabetesberaterin. Leider vernachlässigen viele Praxen die Schulung.. eine sehr gute Adresse zur stationären Schulung wäre die Diabetesklinik Bad Mergentheim. Da war ich vor 1,5 Jahren. Die nehmen auch jetzt während Corona laut Homepage Patienten auf.
Eine gute Seite um dich selbst ein wenig einzulesen, findest du hier https://www.diabetesinfo.de/fortgeschrittene.html
Grundsätzlich erhöhen insb. Kohlenhydrate den Blutzucker. Die findest du in Brot, Mehl, Nudeln, Reis, Karoffeln, Obst, einigen Milchprodukten (insb. die flüssigeren). Gemüse und Eiweiß wie Fisch, Fleisch, Eier, erhöhen den Blutzucker nur mäßig. Daher kann man hiervon mehr essen.
Bewegung bei aktiven Bolusinsulin verstärkt häufig die Wirkung des Insulins und man unterzuckert. Deshalb sollte man vor Bewegung entweder das Bolusinsulin reduzieren oder eine Kleinigkeit wie Banane, Müsliriegel, etc. essen. Mit Bewegung ist nicht nur richtiger Sport, sondern auch Spaziergänge, Shoppingtouren oder Hausarbeit gemeint. Da hilft nur austesten, wie es am besten funktioniert bei dir. Eine Schulung vermittelt die Grundlagen, aber du musst dann selbst schauen, wie es bei dir am besten funktioniert.
Bei einer Unterzuckerung sollte man schnelle Kohlenhydrate essen. Meist wird am Anfang 20g KH empfohlen, das wären dann 200ml Saft oder Cola/Limo (nicht Zero oder Light!) oder 4 Platten vom DextroEnergy Traubenzucker. Manche nehmen auch gerne Gummibärchen Mini-Tüten, 2 Stück sind 15g KH. Je nach Situation kann bei dir aber 20gr KH schon zu viel sein, da musst du auch ausprobieren.
Wenn der Blutzucker nach ca. 15-30 min wieder angestiegen ist, ist es sinnvoll nochmal eine langsame KE zu essen, wie Brot, Müsliriegel, Schoki, ... zu essen.
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am 07.12.2021 21:45:31 | IP (Hash): 1183847229
Hallo,
Danke das hilft mir weiter, ich lese mich da mal weiter ein.
Schneller und langsamer Zucker, klar auf Cola oder Traubenzucker kam ich nicht. Da muss ich mich besser vorbereiten.
Werde am Donnerstag meinen Arzt nochmal auf Schulung ansprechen.
Ich hoffe sehr, dass es einfacher wird damit umzugehen. Im Moment denke ich, dass mein Leben und jegliche Freude daran vorbei ist. (Mal in Urlaub fahren oder Essen gehen....)Aber!!! Ich rappel mich schon langsam wieder auf! Ich muss es alles erst richtig verstehen und umsetzen können, dann wird es hoffentlich. Ich bewundere es sehr wie taff viele im Forum sind und damit umgehen.
Danke nochmal!👍 -
am 07.12.2021 21:51:15 | IP (Hash): 491510066
https://static.wixstatic.com/media/32a606_6e1145fd5a2b4a49a89c381f48a68623~mv2.jpg/v1/fill/w_812,h_543,al_c,lg_1,q_85/NormalBGGraphs.webp
Hier hast Du mal ne durchschnittlich gesunde BZ-Kurve von vor zu nach dem Essen. Die parallelen Kurven drunter und drüber sind der mögliche Spielraum.
Wo bei Dir mit gerade angefangenem LADA noch einiges an eigenem Insulin ausgegeben wird, wird der noch funktionierende Teil Deiner Automatik dazu neigen, Deinen BZ in vom Essen unbelasteten Zeiten auf Deinen ganz persönlichen Basisverlauf irgendwo zwischen um 60 bis um 90 mg/dl runter zu regeln und dort zu halten. Ab 80 aufwärts unauffällig, aber unter 70 für alarmierende Gerätschaften gefährlich, auch wenn im normalen Leben bis 60-50 ganz normal und ungefährlich. 50 hab ich noch als Unterzucker-Grenze gelernt, 36 ist die Unterzucker-Grenze bei Neugeborenen, und das Licht geht vorübergehend erst ab so um 20 aus. Also bitte keine Panik, wenn das Libre bei 67 piept!
Was Du an KHs isst, lässt Deinen BZ im Rahmen von um ner Stunde bis zur Spitze ansteigen. Wo Dir Insulin fehlt, deutlich höher, als die Spitze in der gesunden Darstellung. In der normalen INSULINER-Behandlung unbegrenzt locker über 200, wenn der BZ bis zur nächsten Mahlzeit wieder in den Bereich von 140-100 sinkt. In dem Bereich kennen sich Diabetolog_innen und Berater_innen auch am besten aus. Das will erklären, warum Du im gesunden BZ-Bereich darunter, in den Dich die Restfunktion Deiner Betas mit der Zeit immer weniger zieht, wahrscheinlich eher weniger Hilfe erfahren kannst.
Was Du bisher an Spritzvorgaben hast, ist ne Einstellung, zu der häufig auch 4 BEs pro Mahlzeit an KHs vorgegeben werden.
Normal ist, dass dann möglichst zeitnah in ner Schulung gelernt wird, wie sich die Insulinmenge für’s normale Essen anpassen lässt. Also wieviel Insulin pro BE oder KE. Der Weg dahin ist "relativ" einfach:
Wenn die Spritzmenge für das Essen gepasst hat, haben wir nach dem Essen erst den Anstieg, der erstmal beliebig hoch sein kann und dann das Absinken. Und wenn das aufhört und in einen waagerechten Verlauf übergeht, hat das Insulin für’s Essen ausgewirkt. Wenn dann der BZ in etwa der selben Höhe wie vor dem Essen, hat die Spritzmenge gepasst. Wenn deutlich höher, war’s zu wenig, wenn deutlich niedriger, war’s zu viel. Ist übrigens bei jedem Menschen mit Diabetes verschieden und verändert sich bei Dir auch wenigstens bis dahin, wo Deine Betas überhaupt kein Insulin mehr beisteuern.
Will sagen: Systematisch ausprobieren und so herausfinden, wie viele IEs Du pro BE brauchst, und das beständig überprüfen und anpassen, kannst eh nur Du selbst. Daumendrück!
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
Bearbeitet von User am 07.12.2021 22:25:25. Grund: . -
am 07.12.2021 22:09:17 | IP (Hash): 214320343
Anfangs habe ich auch immer diese Dextrose genommen, die wurden mit der Zeit aber hart und schlecht zu beißen.
Daher empfehle ich aus der Apotheke die Fruchtmix Bonbon von INTACT zu kaufen, etwa 1,80€. Die gehen viel schneller ins Blut,
jedenfalls bei mir, und immer ein paar in der Tasche haben. -
am 07.12.2021 22:19:10 | IP (Hash): 1557485552
Es dauert eine Weile, aber mit der Zeit lernt man, wie der persönliche Diabetes tickt und kann damit umgehen.
Am Anfang ist es viel Arbeit, aber es lohnt sich. Wichtig ist besonders das Dokumentieren und Auswerten. Ich hatte Tabellen zwecks Bolusfaktoren (wie viel Insulin brauche ich für 10gr Kohlenhydrate morgens/mittags/abends), Tabellen zwecks Korrekturfaktoren (um wie viele mg/dl senkt 1 IE Insulin den Blutzucker je nach Tageszeit) Tabellen für körperliche Bewegung (wie viele Sport-KEs für welche Bewegung), etc. geführt. Auch bei einzelnen Gerichten habe ich so lange probiert, bis gute Werte rauskamen.
Es gibt etliche Typ1er, die auch regelmäßig mit guten Werten in Restaurants/Kantine, etc. essen, man muss dafür lernen, wie viel Insulin man persönlich für eine Mahlzeit braucht. Dann kann man auch soweit fast alles essen, Pizza und solche Dinge eher selten, aber auch dort kann man gute Werte erreichen.
Es gibt auch immer mal wieder Berichte, wo Typ1 Diabetiker weite Reisen unternommen haben, klettern, etc. Vieles ist möglich. Definitiv auch Urlaub.
Ich weiß jetzt nicht, wie alt du bereits bist. Aber auch technisch entwickelt sich sehr viel momentan. Das ist jetzt noch nicht so interessant für dich, aber vielleicht für später. Mittlerweile gibt es Insulinpumpen, die den Basalbedarf anhand der Blutzuckerwerte des Sensors anpasst, seit neuesten werden sogar eigenmächtig kleinere Korrekturen gegeben bei hohen Werten. Der Diabetes läuft zwar auch dann nicht komplett alleine, aber für einige Typ1er ist es eine große Erleichterung. Die ersten Systeme haben noch ihre Schwachstellen, aber die Richtung stimmt. -
am 07.12.2021 22:21:58 | IP (Hash): 1183847229
Hallo Jürgen,
So eine Kurve gibt's auch beim libre.... Das sind tolle Tipps, ich schau da mal.
Vielen Dank!!!!
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am 07.12.2021 22:36:18 | IP (Hash): 1183847229
Hallo July 95 ,
es tut so gut, dass ich endlich wenigstens darüber schreiben kann. Auch wenn es sich nun etwas komisch lesen mag, aber mir laufen Tränen über meine Wangen. Es ist so beruhigend zu lesen, dass es besser wird und etwas berechenbarer. Ich habe im Netz nur noch gelesen Unterzuckerung, Koma, geringe Lebenserwartung und als Diabetiker hast du, sollte dich Corona erwischen, keine Chance. Das zieht einen noch mehr runter. Habt alle vielen Dank und ich werde weiter berichten.
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am 08.12.2021 11:14:12 | IP (Hash): 1557485552
Früher bedeutete Typ1 Diabetes, zwei bis dreimal am Tag eine feste Menge zu spritzen und eine genau gestgelegte Diät angepasst an die Insulinspritzen durchzuhalten. Eine Blutzuckermessung selbst war nicht möglich. Daher war die Einstellung auch nicht so gut, um das Hypo-Risiko gering zu halten, wurde höhere Zielwerte angestrebt.
Mittlerweile ist es Standard, dass man den Blutzucker selbst misst und das Ziel für jeden fitten Typ1er ist es, sein Insulin an die Mahlzeiten anzupassen und nicht umgekehrt. Quasi nach dem Motto, ich kann komplett normal essen, muss nur dafür spritzen. In der Realität wirst du aber merken, dass bei dir manche Lebensmittel keine guten Werte auslösen, die solltest du dann halt seltener essen. Wobei eine "normale" gesunde Ernährung auch nicht nur aus Pommes, Pizza und co. besteht, sondern viel Gemüse und Eiweiß enthalten soll, Pizza und co. nur als Ausnahme.
Die Zielwerte haben sich mittlerweile nach unten deutlich verbessert. Dadurch sind auch Folgeschäden seltener.
Seit es die Sensoren gibt und diese zusätzlich auch noch bei tiefen Werten warnen, ist auch die Unterzuckerungsgefahr deutlich gesunken.
Ich kenne einige Typ1er, die an Corona erkrankt sind. Die Erkrankung war nicht schön, aber sie haben es überlebt. Man muss dazu sagen, dass diejenigen sehr gut eingestellt waren. Je normnaher die Einstellung ist, desto weniger Risiken hat man generell gegenüber stoffwechselgesunde Menschen, je schlechter die Einstellung umso mehr Risiken. Mit Impfung bist du trotz Diabetes immer noch bestmöglich geschützt. Die Impfung soll ja genau einen schweren und tödlichen Verlauf verhindern. -
am 08.12.2021 11:26:17 | IP (Hash): 1579799647
July95 schrieb:
Je normnaher die Einstellung ist, desto weniger Risiken hat man generell gegenüber stoffwechselgesunde Menschen, je schlechter die Einstellung umso mehr Risiken.
Hallo Clara,
dazu noch als Ergänzung, die dich vielleicht etwas beruhigen kann:
Die meisten Risiken entstehen nicht aus dem Diabetes an sich, sondern an den Folgeschäden, besonders die Schäden am autonomen und am peripheren Nervensystem. Deshalb kannst du mit deiner kurzen Diabetesdauer sehr wahrscheinlich davon ausgehen, dass das Risiko für eine schwere Corona-Verlauf durch deinen Diabetes noch nicht sehr hoch ist.
Nimm dir Zeit, den richtigen Umgang mit deinem Diabetes immer besser zu erlernen - die Zeit hast du.
Alles Gute, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 08.12.2021 12:50:21. Grund: BBCodes -
am 08.12.2021 12:31:21 | IP (Hash): 571606910
http://www.diabetes-book.com/bernstein-life-with-diabetes/ is n lebendiges Beispiel für ein langes und trotz gewaltiger Startschwierigkeiten unterm Strich gesundes Leben mit Typ 1. Der Blick ins Buch bei Amazon ist immer wieder gut für's neue Aufrichten, wenn's gerade mal nicht so recht gelingen will mit dem BZ und der allgemeinen Stimmung. Daumendrück :)
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.