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Blutzucker 2 Stunden nach der Mahlzeit normal, steigt dann aber!
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am 29.12.2021 16:12:33 | IP (Hash): 516231520
Ich messe regelmäßig meinen Blutzucker auf Anraten meines Hausarztes, weil mein Nüchternblutzucker immer etwas über 100 liegt.
Dabei habe ich festgestellt, dass nach einer Mahlzeit folgendes passiert:
Nach 1 Stunde liegt der Wert zwischen 90 und 100.
Nach 2 Stunden liegt er zwischen 100 und 110.
Nach einer weiteren Stunde erreicht der Wert einen Wert um die 130, bevor er dann wieder fällt.
Nachdem, was ich über das Verhalten des Blutzuckers nach einer Mahlzeit gelesen habe, dürfte dies so nicht sein.
Gibt es eine Erklärung dafür?
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am 29.12.2021 17:10:08 | IP (Hash): 1478467049
Hattest du nach 3h Stress....das könnte ein grund sein1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 29.12.2021 17:14:49 | IP (Hash): 516231520
Zunächst einmal einen herzlichen Dank für Deine Antwort, Daniela.
Nein, Stress hatte ich nicht.
Was mich beunruhigt, ist, dass die Kurve meiner Blutzuckerwerte nach einer Mahlzeit in offensichtlichem Gegensatz zu einem normalen Werteverlauf steht.
Und dies auch, im Prinzip unabhängig davon, woraus die jeweilige Mahlzeit bestand. -
am 29.12.2021 17:49:39 | IP (Hash): 1660870141
mettelhorn schrieb:
Dabei habe ich festgestellt, dass nach einer Mahlzeit folgendes passiert:
Hallo mettelhorn,
ist das einmal passiert oder beobachtest du das meistens nach deinen Mahlzeiten? Falls das mehrfach vorgekommen ist, dann scheidet die Erklärung mit Stress bestimmt aus. Das ist sowieso kein besonders intelligenter Erklärungsversuch.
Eventuell hängt das mit einer langsamen Magenentleerung zusammen. Die tritt ganz normal auf, wenn deine Mahlzeit sehr viel Fett und/oder Eiweiß enthält. Es könnte bei dir aber auch eine krankhafte Gastroparesis vorliegen. Schau dir mal die anderen Anzeichen dafür an und rede, wenn du die bei dir beobachten kannst, mit deinem Arzt darüber.
Für deine BZ-Führung ist dieser Verlauf aber unproblematisch, so lange die BZ-Spitzen unter 160 bleiben und der hohe BZ nicht lange anhält. Da das bei deinen Messreihen der Fall ist, brauchst du dir keine großen Sorgen in Richtung Diabetesentwicklung zu machen. Interessant wird natürlich auch sein, was dein Arzt dazu sagt.
Beste Grüße, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 29.12.2021 17:50:02. Grund: BBCodes1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 29.12.2021 17:52:40 | IP (Hash): 516231520
Einen ganz herzlichen Dank für Deine Infos!
Ich werde den von Dir vorgeschlagenen Begriff der Gastroparesis einmal nachschlagen!
Danke nochmal!
P.S.
Habe das Krankheitsbild einmal nachgeschlagen.
Eine ganze Reihe der aufgeführten typischen Symptome liegen bei mir nicht vor z.B.
Erbrechen
Gefühl der Sättigung nach nur wenig Nahrungsaufnahme
Sodbrennen oder Refluxösophagitis (gastroesophageal reflux disease, GERD)
Appetitmangel
Extreme Gewichtsabnahme
Trotzdem vielen Dank für den Hinweis.
Bearbeitet von User am 29.12.2021 17:56:58. Grund: Ergänzung -
am 29.12.2021 21:09:28 | IP (Hash): 1301584343
Es kann einfach sein, dass dein Magen-Darm-Trakt langsamer verdaut als der Durchschnitt. Hast du vielleicht auch einen trägen Darm, bspw. eher Verstopfung bzw. nur alle paar Tage Stuhlgang. Das könnte bspw. eine Erklärung sein. Oder hast du nach dem Essen Magen-Darm-Probleme (Schmerzen, Blähungen, Krämpfe, leichte Übelkeit, ...)? Das könnte auch ein Anzeichen sein, dass der Magen-Darm-Trakt nicht so gut funktioniert.
Zum Teil kommt es aber auch darauf an, was genau du gegessen hast und die Menge. Nudeln gehen bei einigen erst langsame ins Blut, genauso größere Gerichte generell, viel Eiweiß oder Fett, oder wenn das Gericht viele Ballaststoffe enthält.
1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 29.12.2021 22:54:18 | IP (Hash): 516231520
Wenn es kein Magen-Problem sein sollte, könnte denn eine Pankreas-Problematik dahinterstecken? -
am 30.12.2021 01:55:21 | IP (Hash): 1301584343
mettelhorn schrieb:
Wenn es kein Magen-Problem sein sollte, könnte denn eine Pankreas-Problematik dahinterstecken?
Du hast anscheinend keinen Fettstuhl, keine starke Bauchschmerzen, keine starke Gewichtsabnahme, daher ist eine exokrine Pankreasinsuffizienz unwahrscheinlich.
Dein Blutzucker war morgens ein wenig grenzwertig, ob normal oder ggf. beginnender Prädiabetes. Bei einer Diabetesentwicklung steigen i.d.R. zuerst die Werte nach dem Essen, dann erst die Nüchternwerte. Deine Werte nach dem Essen sehen gut aus, nur halt dass die Kurve nach hinten verschoben ist. Vielleicht einfach aufgrund einer langsameren Verdauung.
Wenn du keine Beschwerden hast, würde ich das ganze einfach abhaken und in ein zwei Jahren könntest du nochmal zur Sicherheit deine Blutzuckerwerte kontrollieren (lassen).2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 30.12.2021 10:17:35 | IP (Hash): 516231520
Ich danke Dir für Deine Antwort!
Nur zum Verständnis:
Bei einem pankreasbedingten Blutzuckerproblem müsste es sich da nicht um eine endokrine Pankreasinsuffizienz handeln? -
am 30.12.2021 12:24:08 | IP (Hash): 1042835259
mettelhorn schrieb:
Nur zum Verständnis:
Bei einem pankreasbedingten Blutzuckerproblem müsste es sich da nicht um eine endokrine Pankreasinsuffizienz handeln?
Hallo mettelhorn,
die BSD hat interne Funktionen (z.B. Insulin, Glukagon) und externe Funktionen (z.B. Verdauungsenzyme - der Darm ist physiologisch betrachtet Außen). Wenn es bei der Verdauung Probleme mit einer exokrinen Funktion gibt, dann berührt das zunächst die endokrine Funktion mit der BZ-Steuerung nicht. Erst wenn die BSD stark entzündet ist, können sich die Störungen auf alle Funktionen ausbreiten. Eine stark entzündete BSD ist aber bei dir weder anhand einer evtl. vorhandenen leichten Verdauungsstörung noch an der unbedeutenden Störung bei der BZ-Steuerung anzunehmen.
Eine Störung der BZ-Steuerung geht übrigens meistens nicht von einer BSD-Entzündung aus. Ein Versagen der Betazellen hat andere, bisher noch nicht eindeutig geklärte Ursachen.
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 30.12.2021 12:24:27. Grund: BBCodes2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 30.12.2021 12:44:41 | IP (Hash): 604031180
Die meisten Menschen mit Diabetes würden viel darum geben, wenn sie MIT ihren Medis Blutzucker-Verläufe wie Deinen hätten. Haus- und Fachärzte pflegen bei Deinen Messwerten zu sagen, dass die Höhen noch lange nicht als Diabetes gelten, aber dass man das beobachten müsse. Also alle halbe oder Jahre mal überprüfen und ggf. schauen, wie Dein BZ so nach und nach höher ansteigt, und wenn er dann tatsächlich eine der Schwellen für die Diagnose überschreitet, wird aus der Medi-Kiste verordnet, womit Du bestenfalls wieder bei dem Blutzucker landest, wie Du ihn aktuell messen kannst.
Möglich aber auch, dass sich Dein BZ überhaupt nicht höher entwickelt und Du ihn alle Jahre praktisch immer gleich so wie jetzt messen kannst. Ok, es ist nicht der gesunde Musterverlauf wie hier https://static.wixstatic.com/media/32a606_6e1145fd5a2b4a49a89c381f48a68623~mv2.jpg/v1/fill/w_812,h_543,al_c,lg_1,q_85/NormalBGGraphs.webp aber doch noch im völlig gesunden Rahmen.
Klar macht einen neugierig, wenn man auf so eine persönliche Besonderheit stößt. Wenn die Neugier groß genug ist und Du etwas systematisch ausprobieren magst, kannst Du ja mal schauen, wie sich auf Deinen BZ-Verlauf auswirkt, wenn Du den für Dich normalen KH-Anteil an Deinen Mahlzeiten halbierst?
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 30.12.2021 14:39:21 | IP (Hash): 516231520
Zunächst schon mal ein ganz herzliches Dankeschön für die zahlreichen Antworten auf meine Ausgangsfrage!
Ich muss vorausschicken, dass ich medizinischer Laie bin, glaube aber, dass in diesem Forum User mit beträchtlicher medizinischer Kompetenz unterwegs sind.
Für die Tatsache, dass bei mir nach einer Mahlzeit der BZW zunächst sinkt und nach einer Stunde einen Wert von 90 - 100, nach zwei Stunden einen von 100 - 110 und danach (nach drei Stunden) auf einen Wert um die 130 steigt, sehe ich zwei mögliche Begründungen (wie gesagt: medizinischer Laie):
1. Kann es sein, dass nach der Mahlzeit von der Bauchspeicheldrüse soviel Insulin ausgeschüttet wird, dass ein solch niedriger BZW relativ kurz danach zustande kommt, und danach die Insulinabgabe so weit absinkt, dass die höheren Werte zustande kommen?
oder
2. Kann es sein, dass die Nahrung langsamer verstoffwechselt wird, als es vielleicht normal ist? Und dadurch nach drei Stunden, wo eigentlich weniger Blutzucker zu messen sein sollte, relativ gesehen eben mehr Blutzucker da ist? Wäre das ein Problem der Leber? -
am 30.12.2021 15:39:04 | IP (Hash): 1259546573
Ich habe dieses Thema beobachtet, da so ein Fall auch bei uns anderen auftreten kann und dann kommen die Fragezeichen.
An dieser Stelle ein Dankeschön an July und Rainer die mit ihren Antworten, Ratschlägen und Erklärungen
mettelhorn weiter helfen konnten. Eine Hilfestellung bei einer Frage gab es hier schon länger nicht mehr.
Da das meiste schon gut erklärt wurde, bedarf es meiner Meinung nach keiner weitere Einmischung zu diesem Thema. Das sehe ich als überflüssig an.
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Meine Methode hält auch deinen Blutzucker in Schach:
https://www.diabetes-forum.de/forum/topic/15591/Fasten-gute-BZ-Werte
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am 30.12.2021 17:29:28 | IP (Hash): 604031180
Das ist alles keine medizinische Hexerei. Glukose verteilt unser großer Logistiker Blutkreislauf fortlaufend zusammen mit der passenden Menge Insulin just in time in unserem Organismus. Also so, wie sie gerade verbraucht wird. Denn außerhalb der Leber gibt es für Glukose keine nennenswerte Speichermöglichkeit, und Insulin verfällt sehr schnell. Nach 5 Minuten im Blut hat es nur noch die Hälfte seiner Wirkung und 5 Minuten weiter nur noch davon die Hälfte usw usw.
Normal verlässt also das Blut die Leber immer bis zum persönlichen Nüchternwert aufgeladen (die Leber hat den einzigen Pufferspeicher für Glukose im Körper), und wenn es denn aus dem Umlauf durch den Körper zurückkommt (vorher durch den Pankreas, wo das verbrauchte und verflogene Insulin ersetzt wird), sind da 2-10 mg/dl weniger drin, die dann eben wieder aufgeladen werden usw. usw.
Essen "stört" eigentlich diesen sehr gleichförmigen Verlauf. Glukose gibt es in der Hauptsache aus den Stärke-KHs. Alles Futter wird im Magen fortlaufend kräftig durchgeknetet und mit den super aggressiven Säften aus dem Pankreas in seine kleinsten Bestandteile zerlegt. Die gelangen in einem beständigen Rinnsal als erstes in den Dünndarm, und da nimmt die Darmwand als erstes die Glukose auf. Die Aufnahme beginnt so um 20-30 Minuten nach dem Einfüllen durch die Futterluke am Fingerpieks sichtbar zu werden und erreicht meistens um 1 Stunde nach dem Einfüllen ihren Höhepunkt.
Immer wenn neue Glukose durch die Darmwand aufgenommen wird, bestellen Hormone dafür passend Insulin. Und wo die Blutgefäße aus der Darmwand und der Insulinauslass vom Pankreas in die Pfortader münden, treffen sich die neue Glukose und ihr Insulin und werden da drin auf ihrem kurzen Weg in die Leber - ca. 1 Liter Blut pro Minute - schon munter gemischt.
In der Leber werden sie dann zum größten Teil sofort verarbeitet und festgehalten=zwischengespeichert. Ausgegeben wird davon dann normal immer nur in der Form mehr, die wir in der gesunden BZ-Kurve nach dem Essen sehen, also in der Spitze 30-50 mg/dl mehr als der sogenannte Nüchternwert zwischen den Mahlzeiten.
Was davon dann über dem persönlichen Nüchternwert nach dem Körperumlauf auf dem Weg in die Leber durch den Pankreas kommt, bestellt dafür passend Insulin, so dass nach und nach eben der Nüchternwert insgesamt wiederhergestellt wird - bis zum nächsten Essen ;)
Solange sich Deine Auffälligkeiten im gesunden BZ-Rahmen halten, müsstest Du schon sehr großes Glück und einen sehr neugierigen Arzt haben, der da etwas näher untersuchen wollte.
Wo Du ne Stunde nach dem Essen erstaunlich wenig mehr BZ als nüchtern misst, kannst Du zwischen ner auffällig langsamen Glukoseaufnahme aus dem Dünndarm und ner auffällig großen ersten Insulinbestellung beim Passieren der Dünndarmwand und ner auffälligen nachesslichen/postprandialen Ausgaberegelung aus der Leber oder auch jeder Kombination davon wählen. Und wenigstens ne auffällige Regelung des ganzen durch die Schilddrüse kann ich noch ausgelassen haben.
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 30.12.2021 18:00:53 | IP (Hash): 516231520
Einen ganz herzlichen Dank für die ausführliche und ausgesprochen erhellende Erläuterung, hjt_Jürgen!
Bearbeitet von User am 30.12.2021 18:02:26. Grund: Korrektur