Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Einfluss von Ozempic auf den Leberstoffwechsel ?

  • Bild User
    Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 2
    Mitglied seit: 20.02.2022
    am 20.02.2022 15:25:40 | IP (Hash): 449663787
    Hallo Leute, ich ( Typ 2 ) nehme seit mehreren Monaten Ozempic.
    Die Blutzuckerwerte sind ein Traum. Hunger und Gewicht haben sich allerdings überhaupt nicht geändert.

    Es gibt mehrere Gedanken die mich nicht los lassen:
    1. Beschleunigt es die Ermüdung der Insulinzellen in der Bauchspeicheldrüse?
    2. Begünstigt Ozempic eine Leberverfettung? Kann es einer bereits verfetteten Leber den letzten Dolchstich setzen ?

    Die Gedankenkette dazu:
    - Eine Leber kann Zucker aus dem Blut in Form von Fett speichern sowie Leberfett abbauen
    und als Zucker in das Blut ausschütten.
    - Einer der Gründe warum viele Menschen Diabetes Typ 2 haben, ist eine Fettleber.
    - Ozempic erhöht die Insulin Produktion der Bauchspeicheldrüse.
    - Ozempic erhöht den Gehalt an Insulin im Blut.
    - Mehr Insulin im Blut = höherer Druck ( nicht wörtlich ) das Zucker aus dem Blut in die Zellen zu schieben.
    - Mehr Insulin im Blut = eine erhöhte Bereitschaft der Leber Zucker in Fett zu speichern.
    - Ozempic hemmt den Fettabbau und somit Zuckerausschüttung der Leber.
    Ergo: Die Leber speichert weiterhin Zucker als Fett ohne jemals Fett abzubauen bzw. der anabole Leberfettstoffwechsel wird gefördert und der katabole wird unterdrückt.

    Viele Grüße.

    ____________________
    Alle Angaben ohne Gewähr. Ich gebe keine medizinischen Ratschläge.
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8855
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 20.02.2022 16:20:30 | IP (Hash): 218477548
    Willkommen im Club ;)

    Mal ein bisschen Schritt für Schritt aufgedröselt:
    Gesund kommt die Glukose im Dünndarm an und wird dort von der Darmwand aufgenommen.
    1. Mit dieser Aufnahme wird von Hormonen das jeweils passende Insulin bestellt.
    2. Glukose und Insulin treffen sich auf dem kurzen Weg in die Leber.
    3. Glukose und Insulin werden in der Leber zum größten Teil verarbeitet,
    a) indem die meiste Glukose erst einmal in Glykogen umgeformt und in den Pufferspeicher der Leber aufgenommen wird,
    b) indem die Glukose, die nicht in den Pufferspeicher passt, in Triglyzeride umgeformt und an den Kreislauf zur ordentlichen Ablage in den Schwimmhilfen weitergegeben wird,
    c) indem nur so viel an Glukose und Insulin in den Kreislauf abgegeben wird, wie da drin gerade verbraucht wird.

    Bei uns mit Typ 2 ist in jedem Fall 3c defekt: Bei uns wird mehr Glukose und Insulin in den Kreislauf ausgegeben, als gerade verbraucht wird.

    Ozempic setzt bei 1 an und verstärkt die Insulinbestellung bei der Aufnahme von Glukose durch die Dünndarmwand. Damit kommt dann mehr Insulin mit der Glukose in die Leber. Mehr davon wird darin verarbeitet und entsprechend in 3c weniger zuviel ausgegeben.

    ----------------------------------------------
    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
  • Bild User
    Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 2
    Mitglied seit: 20.02.2022
    am 20.02.2022 16:24:40 | IP (Hash): 449663787
    "Damit kommt dann mehr Insulin mit der Glukose in die Leber. Mehr davon wird darin verarbeitet und entsprechend in 3c weniger zuviel ausgegeben."

    Bedeutet dies, das kontinuierlich mehr Leberfett aufgebaut wird sofern die Puffer schön voll sind ?
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 972
    Beiträge: 5071
    Mitglied seit: 25.02.2011
    am 20.02.2022 16:43:47 | IP (Hash): 1471297748
    ksanksan schrieb:
    Es gibt mehrere Gedanken die mich nicht los lassen:
    1. Beschleunigt es die Ermüdung der Insulinzellen in der Bauchspeicheldrüse?
    2. Begünstigt Ozempic eine Leberverfettung? Kann es einer bereits verfetteten Leber den letzten Dolchstich setzen ?

    zu 1.: Nein, es gibt keine Studien, die das zeigen und es gibt auch keine Anzeichen dafür.
    zu 2.: Nicht Ozempic begünstigt die Leberverfettung, sondern du machst das mit dem was du isst und sonst noch tust oder unterlässt. Mit welchem Medikament (außer Metformin bzw. einem SGLT2-Hemmer) du das Insulin passend bereit stellst, spielt dabei keine große Rolle.

    Dein Ziel, weniger Insulin zu brauchen, ist löblich, es darf aber nicht auf Kosten einer guten BZ-Führung gehen. Wenn du weniger Insulin brauchen willst, dann kannst du dich mit weniger KH ernähren oder du kannst dich mehr und intensiver bewegen. Ozempic und die anderen GLP-1-RA haben den Vorteil, dass mit ihnen das Insulin bedarfsgerecht ausgegeben werden. Weniger KH führen dann zu geringerer Insulinausgabe, ohne dass du an der Dosis etwas ändern musst. Du könntest, falls du dazu bereit bist, auch generell etwas gegen nichtalkoholische Fettleber und Insulnresistenz unternehmen. Das Rezept dazu stammt von Prof. Roy Taylor aus GB und sieht für begrenzte Zeit eine stark hypokalorische Ernährung vor.

    Du könntest natürlich auch einen SGLT2-Hemmer ausprobieren. Bei dem wird die Nierenschwelle abgesenkt und ein Teil der überflüssigen Glukose ausgepinkelt. Die Frage ist, ob das bei dir für eine gute BZ-Führung ausreicht und ob du mit den damit verbundenen Nebenwirkungen zurecht kommst. Metformin ist für Typ 2er bei jeder Therapie als Ergänzung sinnvoll, weil es den Insulinbedarf senkt.

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 20.02.2022 16:45:11. Grund: BBCodes
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8855
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 20.02.2022 16:48:36 | IP (Hash): 218477548
    ksanksan schrieb:
    Bedeutet dies, das kontinuierlich mehr Leberfett aufgebaut wird sofern die Puffer schön voll sind ?


    Gesund wird in der Leber das Fett nur aus der Glukose hergestellt und dann in den Kreislauf zur ordentlichen Speicherung weitergegeben.
    Gesund wird es in der Leber nicht eingelagert. In der Leber gibt es keinen ordentlichen Fettspeicher.
    Wenn die Leber Fett speichert, ist das nicht richtig, also irgendwie "unordentlich", auf Medizinsprech ektop.
    Ja, ich denke, dass wir mit Typ 2 einen besonderen Hang zur ektopen Einlagerung von Fett in der Leber haben.

    Dazu passt auch super, was Rainer inzwischen geschrieben hat.

    ----------------------------------------------
    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.