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Probleme mit Legehilfen, so kann es nicht weiter gehen.
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am 07.02.2023 19:03:31 | IP (Hash): 1800243263
Hallo Zusammen,
Kurz zu mir:
Ich bin 19 Jahre alt und habe seit nun 15 Jahren Diabetes. Seit ungefähr 13 Jahren habe ich eine Insulinpumpe.
Ich habe leider schon immer(seit Beginn) Probleme mit dem legen der Katheter. Allerdings nur wenn ich eine Legehilfe verwende. Ich nutze viel den Medtronic Sure-T da ich diesen per Hand legen kann, was problemlos funktioniert. Doch bei Kathetern mit Legehilfen schaffe ich es einfach nicht mich zu überwinden...leider. Meine Hände blockieren komplett und ich schaffe es einfach nicht diese 2 Knöpfe zu drücken.
Als ich die Diagnose bekam musste Ich damals mit 4 Jahren, wohl mehrmals, im Krankenhaus fixiert werden. Ich hatte einfach panische Angst davor mit einer Kanüle gestochen zu werden bzw. Vor dem Geräusch der Legehilfe. Als ich älter wurde, wurde es leider nicht besser. Meine Eltern und das kindliche ich, waren mit den Nerven häufig am Ende. Erst als ich mit 13/14 Jahren, mir selbst den Sure-T legen konnte wurde es besser.
Seit drei Jahren trage ich nun zusätzlich noch Sensoren (Medtronic Guardian). Da hier das legen nur mit Legehilfen funktioniert bin ich auf Unterstützung angewiesen(Eltern).
Ich habe jahre lang die Angst vor dem legen mit einer Legehilfe einfach umgangen. Jedoch geht das mit dem Sensor nicht mehr. Ich kann auf den Sensor nicht verzichten (Berufliche Gründe) und das Problem nicht umgehen, da es keine Alternativen zur Legehilfe gibt.
Natürlich möchte ich auch nicht mein restliches Leben auf die Hilfe meiner Eltern angewiesen sein und unabhängig sein.
Ich bin aktuell maximal ratlos und frustriert.
Hat jemand vielleicht Tipps und kann mir so helfen?
Viele Grüße
Jenny
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am 07.02.2023 22:20:10 | IP (Hash): 1107149045
Hallo Jenny,
ich habe auch eine Nadelphobie mit Traumatisierung.
Mit Diabetes ist die Kombi natürlich schwierig, da brauche ich dir nix erzählen.
Es gibt Sachen, die gehen gar nicht bei mir (mit Pen spritzen bspw.). Bei anderen habe ich irgendeine Lösung entwickelt. Ich habe eine Diabetesfachpsychologin, die mich psychotherapeutisch betreut, ich war in Bad Mergentheim. Das alles hat mir geholfen, schwierig bleibt es dennoch.
Ich hatte auch große Probleme, mir überhaupt einen Katheter zu setzen. Bei mir geht es allerdings nur mit Setzhilfe.
Was mir geholfen hat, immer wieder mit der Stechhilfe "trocken" üben. Also ohne Nadel drin. Damit du dir die Abläufe einprägst und dein Kopf/Psyche lernt, bei der Stechhilfe passiert nix, selbst wenn ich den Knopf/Auslöser drücke. Es klingt dämlich, aber dadurch gewöhnt sich der Kopf tatsächlich daran und irgendwann wird die Angst weniger.
Wenn du es nur mit der Stechhilfe trocken schaffst, dann gehe einen Schritt weiter, desinfiziere vorher, etc. Also gestalte die Situation so realistisch wie möglich, jedoch noch ohne Nadel drin.
Wenn das gut klappt, könntest du mit Unterstützung (Familie o.ä.) versuchen zusammen den Katheter/Sensor zu setzen. Wir haben es bei mir so gemacht, dass ich den Katheter platziere, meine Finger auch auf den Auslöser gelegt habe. Die zweite Person hat dann ihre Finger auf meine Finger gelegt und dann so die Stechhilfe ausgelöst. Da du deine Finger auf der Stechhilfe hast, löst du auch selbst die Stechhilfe mit aus.
Wegen Traumatisierung hat mir persönlich übrigens IRRT gut geholfen. Weil du ja auch dein inneres Trauma-Kind ansprichst. Das arbeitet genau damit und dem jetzigen starken erwachsenen Anteil. Wobei natürlich niemand das Trauma ungeschehen machen kann.
Wenn du noch weitere Fragen hast, kannst du mir gerne auch per PN schreiben. -
am 07.02.2023 22:58:05 | IP (Hash): 673744333
Passt nur entfernt und vielleicht ein bisschen zur Lockerung:
Enkelin konnte gerade bei Mama auf dem Schoß sitzen, als ich auf Diapens stand: Einstellen, Spannen und dann mit Druck auf den Clip auslösen. Beim Geräusch vom Auslösen fing die Kleine regelmäßig großes Wehklagen an. Musste nach unserer Interpretation die Erinnerung an miese Erfahrungen wecken. Wir haben damals auf Bluttests im kranken Haus in den ersten bewussten Tagen auf dieser Welt getippt.
Zum Abstellen musste die junge Dame von da an zum Opa, wenn der Spritzen wollte, und mit dem Opa zusammen den Auslöser drücken, genauso wie das 2-Finger-Spiel, das July beschrieben hat.
Klar war sie dann auch für das Spritzen zuständig, wenn sie hier war, als sie größer wurde und den Clip allein drücken konnte. Und auch, als sie mir den Pen dafür dann auch allein auf den Bauch drücken konnte. Da hab ich nur noch das Hemd hochgezogen und ihr den Pen gegeben.
Als sie so um 2 war und noch nicht sehr gesprächig, war da ein größeres Geburtstagsessen im eben größeren Familienkreis, in dem der Opa seinen Bauch nicht vorzeigen wollte. Also hat er das Hemd stramm gezogen und der Enkelin den Pen gereicht.
ALLE haben das selbstverständlich interessiert beäugt. Und was macht die Kurze, die da praktisch zu Opas Bauch hochgucken muss? Sie schaut den Opa voll vorwurfsvoll an, greift den Pen mit der einen und Opas Hemd mit der anderen Hand, zieht Opas Bauch blank, plaziert darauf den Pen, drückt ab und schaut strahlend in die Runde:
So muss das! Sagt(e) der Blick ;)
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7/24 mit wenigen Ausnahmen zwischen 60 und 140 mg/dl in der Form der blauen Kurve ( https://www.bloodsugar101.com/what-is-a-normal-blood-sugar ) sind für mich optimal. Trotzdem will ich gern respektieren, wenn andere anders für sich entscheiden. -
am 07.02.2023 23:24:29 | IP (Hash): 2020894847
Ich gebe einfach mal meine unqualifizierte Meinung als frischer Diabetiker dazu, der den ganzen Spaß erst seit einem guten Monat und zwei Wochen an der Backe hat.
Das stechen mit dem Pen hat mich zwar Anfangs auch erst Überwindung gekostet, aber ist mittlerweile glücklicherweise so normal, dass man sich da keine Gedanken mehr drüber macht. Was mich letztens allerdings etwas überrascht hat, war die Anbringung eines FreeStyle Libre 3 Sensors, den ich mir ganz sorgenfrei in den Arm getackert habe, da man mir so ein Ding im Krankenhaus - ohne das ich überhaupt etwas gespürt hätte - angebracht hat. Nur hatte ich da wohl wirklich eine schlechte Stelle erwischt und das Blut floss geradezu aus dem Loch im Sensor. Ergo stand ich da gestern und habe gezögert mir den nächsten Sensor in den Arm zu hauen. Bin zwar nicht zimperlich und hab auch grundsätzlich kein Problem damit von Ärzten und Krankenschwestern mit Nadeln malträtiert zu werden - wobei die es im Krankenhaus echt übertrieben haben, aber es ist nun einmal eine recht menschliche Reaktion sich nicht mutwillig selbst "verletzen" zu wollen. Letztendlich ist die Alternative aber einfach unschöner und ich hab mir schon zwei Wochen 10+-mal am Tag in die Finger gestochen, nein danke.
Bei dir ist die Alternative wenn ich das richtig verstehe wohl noch etwas drastischer - ich für meinen Teil möchte nicht noch einmal auf die Intensivstation, da der Sensor mit der Insulinpumpe gekoppelt ist.
Persönlich würde ich mich diesbezüglich allein deshalb schon nicht auf einen Dritten verlassen wollen, weil man ggf. ziemlich doof dasteht, sollte dieser aus welchen Gründen auch immer nicht dazu in der Lage sein die Anbringung zu übernehmen und in deinem Alter hatten meine Eltern es beide schon mit Herzinfarkt (+ Wiederbelebung) bzw. Schlaganfall ins Krankenhaus geschafft.
Letztendlich wirst du wahrscheinlich ein deutlich größeres Problem damit haben als ich - und die von July angeregten Schritte um sich langsam an den Gedanken zu gewöhnen, wären zumindest schon mal ein Anfang -, aber am Ende bleibt einem nichts anderes übrig, also (viel) Zeit lassen, durchatmen und dann in einem Moment wo die Panik nachlässt und deine Hand sich wieder bewegen lässt, einfach ohne weiter darüber nachzudenken auf den Auslöser hauen. Du schaffst dass schon! -
am 09.02.2023 09:23:44 | IP (Hash): 507345772
pgx schrieb:
aber am Ende bleibt einem nichts anderes übrig, also (viel) Zeit lassen, durchatmen und dann in einem Moment wo die Panik nachlässt und deine Hand sich wieder bewegen lässt, einfach ohne weiter darüber nachzudenken auf den Auslöser hauen. Du schaffst dass schon!
Zumindest bei mir gibt es nicht diesen Moment, wo die Panik nachlässt. Solange die Situation besteht und sich nix an den "äußeren" Bedingungen ändert, bleibt bei mir die Angst bestehen. Das geht auch über Stunden so weiter. Das ist auch ein Kriterium von einer Phobie.
Bei mir war es bei Blutabnahmen etc. zum Teil auch so, dass ich vor lauter Panik nicht mehr konnte. Die Angst ließ aber dennoch nicht nach, bis zur völligen körperlichen Erschöpfung. Der Körper/Psyche ist dann in einen sog. "Totstellreflex" (Dissoziation) gegangen, was dann wieder retraumatisierend war.
Deshalb Augen zu und durch, klappt nicht und ist auch bei einer zusätzlichen Traumatisierung nicht zielführend. -
am 09.02.2023 13:56:14 | IP (Hash): 2020894847
Ich schrieb ja nicht grundlos unqualifizierte Meinung, haha.
Habe selbst jetzt keine wirkliche Phobie - aber doch ein-zwei Dinge bei welchen mir schon beim Gedanken daran diese tun zu müssen physisch unwohl wird, "Augen zu und durch" ist da halt das einzige was ich machen kann um es hinter mich zu bringen - nachdem man es möglichst solange aufgeschoben hat, dass man deshalb schon fast Panik schiebt -, auch wenn das Ergebnis dann i.d.R. eher dürftig ist, da es doch etwas komplexere Dinge sind als einen Knopf zu drücken. Zum Glück ist es bei mir etwas was ich in diesem Leben hoffentlich nie wieder machen muss, als Diabetiker Angst vor Nadeln zu haben ist da schon mal ein deutlich größeres Problem.