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Schwere diabetische Ketoazidose - was tun?
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am 05.01.2024 11:37:44 | IP (Hash): 1687108734
Hallo,
mein Großvater (85) liegt seit vier Wochen im Krankenhaus. Er hat Diabetes I und wurde mit einem Blutzuckerwert von über 700 und einem PH-Wert von 7,0 eingeliefert. Bei Einlieferung auf die Notaufnahme - ich war selbst zugegen - war er wach, lag also nicht im diabetischen Koma. Der Blutzuckerwert wurde dort langsam und meiner Beobachtung nach professionell herabgesenkt, um der Gefahr eines Hirnödems zu begegnen.
Die Werte haben sich zwar wieder stabilisiert, aber seitdem schläft er fast nur noch! Das Bett kann er kaum verlassen, eine TOTALE Müdigkeit und Ermattung liegt auf ihm, wie ich es noch nie gesehen habe. In den Wachstunden ist er teileise auch kognitiv eingeschränkt. Ein CT und ein MRT, die später gemacht wurden, waren aber jeweils unauffällig. Die Diagnose lautet: diabetische Ketoazidose und metabolische Enzephalopathie.
Mein Eindruck ist, daß sie im Krankenhaus nicht mehr weiter wissen. Besondere therapeutische Maßnahmen, die über die Bekämpfung der Folgen der Bettlägrigkeit hinausgehen, erfolgen nicht. Das KH wartet jetzt darauf, daß wir ihn in Pflege nehmen. Aber er ist ja nicht der erste Diabetiker, der mit den Folgen einer Ketoazidose zu kämpfen hat. Es muß doch für diese Patienten eine spezielle Behandlung zur Rehabilitation geben! Was muß ich dafür tun und an wen kann ich mich wenden?
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am 05.01.2024 16:54:02 | IP (Hash): 1693240265
Die Situation ist völlig unbefriedigend für dich. Das kann ich nachvollziehen. Allerdings ist sie Alltag für “die Medizin”, und das nicht nur nach einer schweren Keto, sondern genauso nach X Nummern anderen schweren Krankheitsfällen im höheren Alter. Da ist dann bei uns Oldies (bin nur knapp 10 Jahre jünger) von außen gesehen recht plötzlich “alle Luft raus”. Und aus eurer jungen Perspektive erscheint das völlig unerklärlich.
Vielleicht denkst du dich da mal ein bisschen in unsere ausgelatschten alten Schuhe. Seit Jahren können wir jeden Tag ein bisschen weniger von irgendwas, so arg wir uns auch bemühen und dagegen stemmen.
Ich nenne das die Neugier auf den nächsten Tag, mit der wir uns zu diesem Bemühen und Stemmen jeden Tag wieder durchringen, auch wenn es jeden Tag schwerer fällt. Klar kann in unserem Alter jeden Tag endgültig Schluss sein. Das wissen wir. Aber heute noch nicht, jedenfalls solange wir in unserem normalen immer älteren Alltag drin sind.
Und aus dem klinkt uns nun so ein Krankheitsfall für 4 Wochen völlig aus. Und damit auch aus dem weiter antreibenden Bemühen und Stemmen.
Und nun mal aus meiner aktuellen Oldie-Sicht: Da war jetzt 4 Wochen nix mehr, das ich wirklich noch unbedingt hätte erleben wollen - ganz im Gegenteil! Das waren praktisch nicht meine 4 Wochen. Hättet ihr mich da nicht irgendwann einfach “weiterschlafen” lassen können?
Ich habe bislang nur einen Alten kennengelernt, der völlig anders gepolt war. Vor gut 30 Jahren haben wir für ein paar Tage ein Krankenhauszimmer geteilt. Er musste ganz dringend zurück zu seinen Tieren. Er hatte eine Art Kötter-Resthof mit Hühnern und Ziegen und ich weiß nicht mehr, was noch alles.
Die Tiere versorgen war sein normales Tagwerk. Da hatte ihn ein kleiner Schlaganfall rausgerissen, und da musste er unbedingt so schnell wie möglich wieder hin. Denn er war ja der einzige, der jedes Tier da wirklich kannte und wusste, was es jeweils brauchte. Der hat mich den ganzen Tag damit auf seine Art ja rührend zugetextet. Und er war total happy und putzmunter, als seine Tochter ihn dann abholen und zurück zu seinen Tieren bringen durfte :)
Das ist natürlich keine direkte Antwort auf deine Frage, aber die beste, die ich dir geben kann: Finde die Tiere von deinem Opa. Daumendrück.
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Nur für Menschen mit T2D kurz auf den Punkt: Typ 2 Diabetes ist mit genetischen Speichergrenzen von Geburt an eingebaut. Unter diesen Grenzen ist er gesund ausgeschaltet und darüber diabetisch eingeschaltet. - Remission ist nach dem Abbau der Speicherinhalte unter diese individuellen(!) Grenzen und damit "wieder" der ausgeschaltete T2D.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 05.01.2024 18:17:57 | IP (Hash): 427260697
Tut mir Leid, dass es deinen Opa so schlecht geht.
Ich stimme Jürgen aber nicht zu. Für mich klingt es nicht, als hätte er psychisch "aufgegeben".
Einfach nach Hause nehmen und Pflegebedürftigkeit akzeptieren, würde ich persönlich vermutlich nicht.
Ich hatte noch keine Ketoazidose zum Glück, deshalb kann ich mir nur annähernd vorstellen, wie belastend das für den Körper ist. Sind denn seine Elektrolyte jetzt okay, die entgleisen bei einer Ketoazidose ja auch? Ich könnte mir vorstellen, dass es eine organische Ursache an seinem Zustand geben könnte.
Was für deinen Opa in Frage kommt, weiß ich nicht sicher. Ich gebe dir jetzt mal ein paar Ideen, ob da was überhaupt in Frage kommt, müsstest du dich informieren. Falls das Krankenhaus einen Sozialdienst hat, würde ich mich zudem auch an diesen wenden.
Was mir spontan einfällt:
- Verlegung in eine Diabetesklinik (Stichwort akut-stationäre diabetologische Komplexbehandlung). Die bekannteste und vermutlich beste Klinik ist die Diabetesklinik Bad Mergentheim. Da würde ich an deiner Stelle einfach mal anrufen, Fall schildern. Vielleicht können die dir wirklich helfen und wissen auch, woher die jetzigen Symptome herkommen.
Eine andere gute Diabetesklinik ist in Bad Heilbrunn. Hier wäre der Vorteil, dass nach dem akut-stationären Klinikaufenthalt auch in der gleichen Klinik eine Anschlussheilbehandlung (siehe auch nächsten Punkt) möglich wäre.
- grundsätzlich nach Krankenhausaufenthalten könnte eine Art Reha namens Anschlussheilbehandlung in Frage kommen (gute T1 Rehakliniken zumindest in Süddeutschland sind in Bad Kissingen und Bad Heilbrunn)
- nicht diabetesspezifisch wäre ggf. auch eine geriatrische Reha möglich. Hier geht es grundsätzlich darum, ältere (häufig komorbide) Patienten nach einem Klinikaufenthalt mit Therapien aufzupäppeln und die Pflegebedürftigkeit zu verringern.
Zwecks geriatrische Reha und AHB müsste die Krankenkasse dann der zuständige Kostenträger sein. Also Anträge dann bei der Krankenkasse stellen, da dein Opa nicht mehr erwerbstätig ist, ist NICHT die Rentenversicherung zuständig. -
am 29.01.2024 17:00:13 | IP (Hash): 564942482
Vor zwei Wochen ist es meinem Großvater innerhalb weniger Tage besser gegangen. Mittlerweile kann er wieder vom Bett aufstehen und mit einem Rollator vorsichtig gehen. Er ist auch nicht mehr ganz so müde und im Kopf viel klarer. Woher diese plötzliche Besserung auf einmal kommt, konnte mir keiner sagen. -
am 29.01.2024 17:34:42 | IP (Hash): 1532091295
Das freut mich.
Ich glaube ja an die Selbstheilungskräfte und Schlaf und wenig Nahrung können Wunder wirken, wenn die Zeit noch nicht gekommen ist. Hoffentlich geht es bald weiter bergauf, ich wünsche es euch.
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DM2 in Remission ohne Medikamente -
am 29.01.2024 19:44:59 | IP (Hash): 109108931
Danke für die Nachricht und Daumendrück für weiter gute Besserung :)
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Typ 2 Diagnose 01.1991, Basal-Bolus seit 1998, HbA1c 5,5 und besser seit 2002.
Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein engster Lebenspartner und bester Gesundheits-Coach :) -
am 05.02.2024 08:38:00 | IP (Hash): 1984529427
Wie kommt es überhaupt zu einer Ketoaszidose mit Werten über 500?
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LADA Typ I...
(Medikation: morgens 12,5 mg Jardiance + 26 IE Toujeo)
Wer die Sache ernst genug nimmt, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu schädigen?! -
am 05.02.2024 09:04:09 | IP (Hash): 1059000138
Da fragst du am besten junge Damen mit Typ 1, denn die nutzen die Keto für ihre Figuren. Hintergrund: Die Hauptaufgabe vom Insulin ist das Fettmanagement, also das Umwandeln von Glukose in Triglyzeride und die Sorge fürs Speichern und Gespeicherthalten. Ohne Insulin tritt die Lipolyse ein = Speicherauflösung, und vom Fett wird munter ausgepinkelt.
Ok, der Opa wollte bestimmt nicht abnehmen, sondern hat einfach nicht ausreichend gespritzt. Das hätte er am BZ-Anstieg sehen und entsprechend korrigieren können, aber aus welchen Gründen auch immer nicht gemacht. 500 mg/dl sind dafür häufig auch gar nicht nötig, weil nicht der BZ die Lipolyse macht, sondern das fehlende Insulin.
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Typ 2 Diagnose 01.1991, Basal-Bolus seit 1998, HbA1c 5,5 und besser seit 2002.
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am 05.02.2024 09:38:28 | IP (Hash): 1984529427
Ah ja, Danke für die Auskunft. Weil selbst bei meinen größten Sündenfällen mit Schokolade, Flips, Gummibärchen und Schokokeksen (das alles zusammen natürlich...) bin ich nicht über 350 gekommen.
Daher dachte ich, über 500 kann man sich doch eigentlich noch nichtmal bewußt durch "exorbitantes Sündenfressverhalten" herbeiführen?
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(Medikation: morgens 12,5 mg Jardiance + 26 IE Toujeo)
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am 05.02.2024 09:56:55 | IP (Hash): 1532091295
Der BZ kann auch durch innerkörperliche Vorgänge wie Lungen- oder sonstige Entzündungen entgleisen.
Ich habe es ganz ohne Zucker (Schokolade, Flips, Gummibärchen und Schokokekse) bis 400 mg/dl geschafft.
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DM2 in Remission ohne Medikamente -
am 05.02.2024 10:00:59 | IP (Hash): 1059000138
Aber sogenannt entgleister BZ macht keine Ketoazidose. Auch ketogenes Essen, also Ketose, macht keine Ketoazidose. Zur Ketoazidose brauchst du einen absoluten Insulinmangel, also wirklich kein Insulin.
Ach und ich hab noch vergessen, dass zur Ketoazidose auch der Drang zum Rückwärtsessen gehört.
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Bearbeitet von User am 05.02.2024 10:17:57. Grund: vergessen -
am 05.02.2024 11:25:39 | IP (Hash): 1984529427
Oopps, 400 ohne Sünden, das ist aber ordentlich... Hast Du da körperlich irgend etwas gemerkt?
Bei meinen ca. 350-390 war rein garnichts zu spüren. Hätte auch 110 sein können...
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am 05.02.2024 13:27:08 | IP (Hash): 1218461443
Die Ketoazidose ist meistens, aber nicht immer mit hohe BZ-Werte (größer 250mg/dl) verbunden.
Jardiance hat unter anderen deshalb die Zulassung für Typ1er verloren, weil damit Ketos "verschleiert" werden.
Werte größer 500mg/dl bekommt man u.U. als Typ1er ohne Restfunktion schon mit einer nicht gebolten Malzeit hin.
Ist bei mir kein aktives Insulin (oder sehr wenig), weil ich mal wieder irgendeinen Murks gemacht habe, fangen bei mir leichte Symptome einer Ketoazidose nach 2-3 Stunden ohne Insulin bei ungefähr 250mg/dl an.
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juveniler Typ 1 seit 1979; xdrip+ und AAPS im FCL mit Dana-i und Dexcom G6 -
am 05.02.2024 17:38:28 | IP (Hash): 1532091295
ThomaS1968 schrieb:
Oopps, 400 ohne Sünden, das ist aber ordentlich... Hast Du da körperlich irgend etwas gemerkt?
Da ging es mir insgesamt mies, nicht nur wg BZ.
Ganz ohne Sünden wie Kartoffeln und Brot hab ich es nicht so hoch geschafft, hat auch etwa 4 Wochen gedauert, bis ich wieder dauerhaft im gesunden Bereich war.
Jetzt, mit fast* ganz ohne Blödsinn bin ich bei einem mittleren BZ-Wert von 100 mg/dl über 90 Tage.
* Die etwa 100 g frischgebackenes warmes Brot mit Butter letzte Nacht bescherten mir eine Stunde später 175mg/dl. Dafür morgens 88mg/dl. Mach ich nimmer.
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DM2 in Remission ohne Medikamente -
am 06.02.2024 00:20:00 | IP (Hash): 1984529427
Bei mir sind Entgleisungen nach oben immer "sündenbedingt". Halte ich mich essentechnisch im vernünftigen Rahmen, sind die Werte eigentlich auch immer recht ordentlich.
Ich lege insgesamt Wert auf eine gute TIR (mind. 85%) und ich versuche beim HbA1c unter 7 zu bleiben.
Eine auf diese Weise für mich ausgewogene "Diabetes-Life-Balance" soll langfristig verhindern, dass mich diese Krankheit, auch und gerade psychisch, zu sehr in den Würgegriff nehmen kann.
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Wer die Sache ernst genug nimmt, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu schädigen?!
Bearbeitet von User am 06.02.2024 00:21:55. Grund: .1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 06.02.2024 16:15:42 | IP (Hash): 186116639
ThomaS1968 schrieb:
Ah ja, Danke für die Auskunft. Weil selbst bei meinen größten Sündenfällen mit Schokolade, Flips, Gummibärchen und Schokokeksen (das alles zusammen natürlich...) bin ich nicht über 350 gekommen.
Daher dachte ich, über 500 kann man sich doch eigentlich noch nichtmal bewußt durch "exorbitantes Sündenfressverhalten" herbeiführen?
Solchen Aussagen nach, scheinst du dich immer noch nicht wirklich mit Typ1 auszukennen. Da wäre es sicher mal sinnvoll, wenn du dich mit den Grundlagen beschäftigst. Mein erstes Schulungsbuch war von Primas, Leben mit Typ1 Diabetes. Kann ich dir echt empfehlen, da sind alle Grundlagen drin.
Hohe Werte bedeutet nicht gleich Ketoazidose. Ketoazidose bedeutet absoluter Insulinmangel, also keine Restfunktion und kein gespritztes Insulin, auch kein Basalinsulin.
Und hoher BZ entsteht bei Diabetes nicht nur durchs Essen, sondern durch viele Sachen, Stress, zu wenig (Basal-)Insulin, Hormone (bei Frauen insb. Zyklus), Krankheit, Medikamente, ...
Ketoazidose entsteht bei Typ1 insb. beim Ausbruch der Krankheit und sonst nur sehr selten bspw. bei Krankheiten oder Kortison. Etwas häufiger ist noch eine beginnende Ketoazidose bei Insulinpumpentherapie, wenn da etwas defekt ist (Katheter verstopft, geknickt,...). Weil bei Pumpe kein Basalinsulin mehr wirksam ist und Pumpe defekt=kein Insulin mehr.
Meine BZ-Höchstwerte hatten auch ihre Ursache in Pumpenprobleme und leichte Ketone. Und definitiv nicht in Fressattacken oder durch "Sündigen".
Sowieso "Sündigen" So ein Wort gibt es in der Typ1 Welt gar nicht. Ich darf alles essen, was ich möchte, ich brauche "bloß" passend Insulin.1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 06.02.2024 16:52:48 | IP (Hash): 1280866937
ThomaS1968 schrieb:
Eine auf diese Weise für mich ausgewogene "Diabetes-Life-Balance" soll langfristig verhindern, dass mich diese Krankheit, auch und gerade psychisch, zu sehr in den Würgegriff nehmen kann.
Ich finde deinen mentalen Ansatz recht gesund :)
Tatsächlich lernen wir ja den etwas ungesunderen, nämlich unseren BZ-Werten mehr oder weniger angestrengt hinterher zu hecheln, spätestens mit dem CGM, bei dem die Hypo ja schon 15-20 Minuten durch ist, wenn es sie meldet - oder vielleicht trotz Drohung gar nicht eintritt, weil wir die Meldung wg des Nachlaufs auf 90 gestellt haben.
Noch nachläuferischer der Standard-ICT-Fingerpieks direkt vor dem Essen. Denn da hat sich ja die Auswirkung vom letzten Spritzen und Essen längst mit weiteren Einflüssen vermischt, die aber auf diese Weise mehr oder weniger unter den Tisch fallen.
Interessant wird’s, wenn du kurzwirksames Insulin zusätzlich brauchst, also das zum Ausgleich von allen möglichen Einflüssen und vom Essen, für den bis jetzt noch und hoffentlich noch lange deine restlichen Betas sorgen.
Weil ich da nicht mehr hinterherlaufen wollte, hab ich vor einigen Jahren auf etwas umgestellt, was ich als dem Radfahr-Prinzip ähnlich beschreibe:
Wer’s erst noch lernt, fällt mit dem Drahtesel immer wieder um, denn wenn er das Umkippen bemerkt, ist das praktisch schon Umfallen und kann bestenfalls noch vor dem Langlegen abgestützt werden. Aber mit zunehmender Übung kommt das Umkippen immer seltener vor, weil wir lernen, die sich anbahnende Kippbewegung schon im Vorlauf immer passender auszugleichen :)
Bezogen auf meinen BZ bedeutet das, dass ich gezielt geübt und gelernt habe, Schwankungen in meiner BZ-Spur immer enger auszugleichen. So kann ich die meisten Stunden am Tag auch ohne Fingerpieks zu jeder Zeit recht zutreffend sagen, wo in meiner Spur mein BZ sich gerade befindet, und wie viele IEs ich aktuell jetzt für etwas spritzen müsste, das du aktuell als Sünde bezeichnest, damit mein BZ nach dem Auslaufen von Sünden- und Spritzwirkung wieder in der Gegend von 70-100 mg/dl ausläuft.
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Typ 2 Diagnose 01.1991, Basal-Bolus seit 1998, HbA1c 5,5 und besser seit 2002.
Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein engster Lebenspartner und bester Gesundheits-Coach :) -
am 07.02.2024 11:39:19 | IP (Hash): 1984529427
@July95... Wußte tatsächlich nicht, dass ein hoher BZ aufgrund fehlenden Insulins etwas anderes ist, als ein hoher BZ aufgrund eines "angefressenen" Ungleichgewichtes von sehr viel Zucker im Blut bei zu wenig Insulin?.
Aber gut..., Du bist die Fachfrau!
Dann wäre noch die Frage, wieviel Bolus würden eine Tüte Gummibärchen, 2 Schokokekse und ein paar Hände Jumbo-Erdnussflips benötigen, weil Du schriebst, es gäbe keine "essenstechnischen Sünden" für ein Typ I?
Aber ich will mich redlich bemühen, möglichst schnell dazuzulernen. Schließlich könnte ich ja auch schon bald ins "Schlaraffenland" der wegspritzbaren KH's kommen...
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LADA Typ I...
(Medikation: morgens 12,5 mg Jardiance + 26 IE Toujeo)
Wer die Sache ernst genug nimmt, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu schädigen?!
Bearbeitet von User am 07.02.2024 13:05:09. Grund: . -
am 07.02.2024 17:12:08 | IP (Hash): 1218461445
ThomaS1968 schrieb:
Dann wäre noch die Frage, wieviel Bolus würden eine Tüte Gummibärchen, 2 Schokokekse und ein paar Hände Jumbo-Erdnussflips benötigen, weil Du schriebst, es gäbe keine "essenstechnischen Sünden" für ein Typ I?
200g Gummizeug ca 150g KH
2 Schokokekse ca 25g KH
Flips vielleicht 50-100g KH
rechnen wir also mal mit 250-300g KH
Bei MIR rein rechnerisch ca 40-50IE
Bolen würde ich erstmal 30IE (so viele Kohlenhydrate werden langsamer und u.U. unvollständig verdaut)
je nach Ausgangswert mit 15 Minuten SEA verteilt auf zwei bis drei Stellen (wegen der schnellen KH aus dem Gummizeug und weil so große Insulinmengen nicht gut fürs Gewebe sind)
Den Rest nach Bedarf nach 1-2 Stunden...
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juveniler Typ 1 seit 1979; xdrip+ und AAPS im FCL mit Dana-i und Dexcom G6
Bearbeitet von User am 07.02.2024 17:53:25. Grund: Ergänzung -
am 07.02.2024 18:10:39 | IP (Hash): 1984529427
Danke Heike. Ist natürlich nur ein theoretisches "Sünden"-Beispiel. Wenn ich aber mal im Lotto gewinnen sollte oder sowas ähnliches eintritt, dann könnte es schon doch mal ausufern... :)))
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Wer die Sache ernst genug nimmt, den diszipliniert dieser Diabetes vermutlich weit mehr hin zur Gesundheit, als diese Krankheit dann noch vermag zu schädigen?! -
am 07.02.2024 19:00:57 | IP (Hash): 1218461445
Ich könnte das gar nicht alles in kurzer Zeit essen... Nach dem Gummizeug wäre mir erstmal schlecht. Aber ne Tüte Gummizeug kann man bei der Arbeit am Schreibtisch schon mal so nebenbei leeren...
Und das man sowas nicht ständig machen sollte, ist eh klar...
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juveniler Typ 1 seit 1979; xdrip+ und AAPS im FCL mit Dana-i und Dexcom G6
Bearbeitet von User am 07.02.2024 19:07:24. Grund: Ergänzung -
am 07.02.2024 20:16:32 | IP (Hash): 1794495517
StefanM schrieb:
Vor zwei Wochen ist es meinem Großvater innerhalb weniger Tage besser gegangen. Mittlerweile kann er wieder vom Bett aufstehen und mit einem Rollator vorsichtig gehen. Er ist auch nicht mehr ganz so müde und im Kopf viel klarer. Woher diese plötzliche Besserung auf einmal kommt, konnte mir keiner sagen.
Ich glaube es nicht, gestern abend ist mein Opa wieder mit einem Blutzuckerwert über 800 in das Krankenhaus eingeliefert worden. In den Stunden unnmittelbar vorher waren zuerst ich und dann meine Mutter bei ihm. Man konnte ihm nichts anmerken. Vor dem Mittagessen hatte er einen Wert von rund 300, wogegen im Heim 11 Einheiten gespritzt wurden. Danach hat er nur ein Bier getrunken, sonst nichts gegessen. Trotzdem war sein Wert vor dem Abendessen bei über 600, jenseits der Meßskala. Das Abendessen wurde ihm daraufhin nicht gegeben. Nachdem 9 Einheiten plus 14 Einheiten Toujeo gespritzt wurden, sank der Wert bei Ankunft des Notarztes auf 500 ab. Bei Einlieferung in die Notaufnahme kurze Zeit später war er aber wieder auf 880 gestiegen!
Wie kann das sein, daß sein BZ von 300 auf 880 steigt, obgleich er nur eine Mahlzeit mit einem halben Liter Bier eingenommen hat und in diesem Zeitraum insgesamt 20 Einheiten (11+9) plus 14 Einheiten Toujeo gespritzt wurden? -
am 07.02.2024 21:14:48 | IP (Hash): 1903137132
Was ich’s verstehe:
Vor dem Mittagessen wurde beim Opa 300 gemessen und 11 Einheiten Insulin gespritzt, und dann hat er eben zum Mittag gegessen und den halben Liter Bier getrunken. Vor dem Abendessen wurden dann 600 gemessen.
Das sagt mir, dass die 11 Einheiten für Mittag und Bier zu wenig waren.
Die folgenden 9 Einheiten waren ausreichend für das Absinken von 600 auf 500. Der folgende Anstieg, den die 9 Einheiten wahrscheinlich ein bisschen verzögert haben, ist wahrscheinlich den 12 Einheiten Toujeo geschuldet. Die sind die Basalversorgung, die der Opa auch völlig ohne Essen braucht und sollen recht gleichförmig über 24 Stunden wirken, also mit ner halben Einheit pro Stunde. Die sind wahrscheinlich viel zu wenig und haben am Abend dann halt keine Wirkung mehr, und der Blutzucker kann munter weiter ansteigen.
Vielleicht solltet Ihr mal mit der diabetologischen Praxis sprechen, die das Heim betreut?
Allerdings kann ich mir eine Verbesserung der Situation auch dann nur schwer vorstellen, wenn die praktische Behandlung aus Messen + Spritzen und das entsprechend dem, was er isst und trinkt, auch zwischendurch, vom Personal geleistet werden muss.
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Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein engster Lebenspartner und bester Gesundheits-Coach :) -
am 07.02.2024 21:38:02 | IP (Hash): 1794495517
Der genaue Ablauf war so:
1. Vor dem Mittagessen um 12:30 wurde bei ihm 313 mg/dl BZ gemessen und daraufhin 11 Einheiten gespritzt.
2. Nachmittags hat er 0,5 l Bier getrunken, aber nichts weiter gegessen.
3. Vor dem Abendessen um 17:30 lag sein BZ dann bei über 600, wo die Skala des Meßgeräts aufhört. Es wurden ihm 9 Einheiten plus 14 Einheiten Toujeo gespritzt. Das Abendessen selbst wurde ihm wegen seiner hohen Werte nicht gegeben.
4. Um 18:30 lag sein BZ immer noch bei 590, woraufhin der Notarzt gerufen wurde.
5. Der eingetroffene Notarzt mißt einen BZ von 500.
6. Bei der Einlieferung in die Notaufnahme des Krankenhauses etwas später lag sein BZ bei 880.
hjt_Jürgen schrieb:
Der folgende Anstieg, den die 9 Einheiten wahrscheinlich ein bisschen verzögert haben, ist wahrscheinlich den 12 Einheiten Toujeo geschuldet. Die sind die Basalversorgung, die der Opa auch völlig ohne Essen braucht und sollen recht gleichförmig über 24 Stunden wirken, also mit ner halben Einheit pro Stunde. Die sind wahrscheinlich viel zu wenig und haben am Abend dann halt keine Wirkung mehr, und der Blutzucker kann munter weiter ansteigen.
Wie kann denn der Blutzucker von den 500 auf 880 wieder ansteigen, selbst wenn die Wirkung von Toujeo praktisch verpufft sein sollte?
hjt_Jürgen schrieb:
Vielleicht solltet Ihr mal mit der diabetologischen Praxis sprechen, die das Heim betreut?
Die Pflegerinnen haben die Möglichkeit einer Entzündung in das Spiel gebracht. -
am 07.02.2024 21:57:12 | IP (Hash): 1180009489
Hallo Stefan,
Wenn der Blutzucker Deines Großvaters ohne viel Kohlehydrate auf 800 angestiegen ist, kann man annehmen, dass er neuerlich eine Ketoazidose entwickelt hat. Dies gilt es vorab abzuklären. Das Heim scheint den speziellen Notfallplan für Ketoazidosen nicht zu kennen und behandelt Deinen Großvater so als ob er bloß einen zu hohen Blutzucker hätte. Die Therapie einer Ketoazidose unterscheidet sich deutlich von den üblichen Korrekturalgorithmen mit Bolusinsulin. Den Notfallplan erlernt heute jeder Typ1er in den Schulungen. Große Mengen an Bolusinsulin in kurzen Abständen (eigentlich das, was sonst verboten ist) und große Flüssigkeitsmengen bei ständiger Überwachung des Blutzuckers. Wenn er dann normal ist, ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange, es ist zu erwarten, dass der Blutzucker wieder nach oben schnellt, wenn man die Bolusinsulin-Behandlung gleich beim Erreichen des Normalwertes abbricht. Im Krankenhaus hätte man die besten Möglichkeiten, die Ketoazidose in den Griff zu bekommen: Infusionen mit Bolusinsulin und Ringer-Lösung. Nur wenn man kein Krankenhaus zur Hand hat, muss man sich mit den oftmaligen Spritzen und dem vielen Trinken begnügen.
Wenn Dein Großvater wieder einen stabilen Blutzucker hat, sollte man abklären, welche Faktoren zur Übersäuerung des Blutes geführt haben können. Unbedingt die Sauerstoffsättigung über einen längeren Zeitraum beobachten (da gibt es Geräte um 5 Euro, die das können).
LG Geri