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LADA Diabetes und Reisen

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    am 27.02.2024 12:44:03 | IP (Hash): 425567946
    Hallo zusammen,
    ich bin neu hier und suchte seit Freitag sämtliche Beiträge zum Thema LADA Diabetes. Leider habe ich diese Diagnose nun auch bekommen und kann damit noch gar nicht umgehen. Ich weiss, ich werde das über kurz oder lang müssen, aber im Moment könnte ich nur weinen.
    Eigentlich steht bei mir ab nächster Woche eine sechswöchige Reise nach Neuseeland und Fiji an. Ich bin aber nun total verunsichert, ob ich das tun sollte. Ich bekomme morgen eine Schulung, aber ich hab wirklich keine Ahnung von spritzen, oder von Hypos oder DKA. Ich hab das jetzt alles hier durchgelesen und mein Kopfkino lässt sich nicht mehr ausschalten. Außerdem weiss ich nicht, ob ich meine Situation noch verschlechterte, wenn ich nicht sofort mit einer Behandlung beginne. Wie wirkt sich der Zeitunterschied und der Stress, den eine Reise mit sich bringt, aus? Kann ich überhaupt in Zukunft noch Fernreisen unternehmen? Alles ist neu und ich freu mich, wenn mir jemand vielleicht ein bisschen Input geben kann, wie ich damit umgehen soll.
    Meine Werte waren übrigens HbA1c 5,7% (allerdings hab ich jetzt auch total auf Kohlenhydrate verzichtet, weil mein Hausarzt erst einen Typ2 diagnostiziert hat; ich dachte das bekomme ich mit Ernährung wieder in den Griff. War leider eine Fehleinschätzung)
    GDAAK +44 IU/ml und C-Peptid-Wert nüchtern 1,39 ng/ml
    Freu mich sehr über Nachricht,
    liebe Grüße
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    am 27.02.2024 13:12:48 | IP (Hash): 315446755
    Momo22 schrieb:
    Eigentlich steht bei mir ab nächster Woche eine sechswöchige Reise nach Neuseeland und Fiji an. Ich bin aber nun total verunsichert, ob ich das tun sollte.

    Hallo Momo.

    es ist verständlich, dass das keine gute Diagnose für dich ist.

    Langfristig musst du dich auf jeden Fall stark damit beschäftigen, aber für die nächsten Monate oder vielleicht sogar Jahre musst du nur erst mal etwas vorsichtig sein. Die in Kürze geplante Reise wird es ganz bestimmt nicht betreffen. Bei so einem hohen C-Peptid-Wert wirst du bestimmt noch lange mit entsprechender angepasster Ernährung auskommen. Trotzdem ist es sehr gut, dass du frühzeitig eine entsprechende Unterstützung mit Insulin bekommst. Falls es dir besser passt, kannst du bestimmt auch erst nach deiner Reise damit anfangen - sprich mal mit deinem Arzt darüber.

    Alles Gute, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 28.02.2024 14:01:55. Grund: BBCodes
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    am 27.02.2024 19:17:29 | IP (Hash): 425567946
    Vielen Dank für Deine schnelle und empathische Antwort. Ich hab noch so viele Fragen, aber ich werde wohl erst einmal morgen diese Schulung abwarten und vielleicht darf ich mich dann ja nochmal an dich wenden.

    Liebe Grüße
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    am 29.02.2024 09:29:53 | IP (Hash): 1852253373
    Hallo,

    klar ist die Diagnose erstmal ein kleiner oder auch großer Schock. Daher ist es normal, dass du erstmal etwas Zeit brauchst.

    In der Anfangszeit ist ein Typ1 Lada i.d.R. viel ruhiger zu behandeln als ein klassischer Typ1. Dein C-Peptid ist sehr gut, so dass du noch viel eigene Restfunktion hast. Das erleichtert dir die Einstellung anfangs.

    Solange du eine Restfunktion hast, brauchst du dir über DKA noch keine großen Gedanken machen.

    Häufig wird bei Lada erstmal nur mit einem Basalinsulin angefangen. Das wirkt über ca. 12 oder 24 Stunden (je nach Insulintyp) langsam und relativ gleichmäßig und verursacht so nur selten starke Hypos.

    Es gibt einige, die mit Basalinsulin und Ernährung längere Zeit ihren Lada gut in Griff haben.

    Irgendwann kommt dann auch Bolusinsulin dazu. Das macht die Diabetestherapie deutlich komplexer. Bolusinsulin hat ein höheres Hyporisiko als Basalinsulin. Dafür kannst du spätestens mit Bolusinsulin einen Blutzuckersensor beantragen, der dich bei hohen oder tiefen Werten warnt. (Z.T. reicht für einen Libre auch nur die Diagnose "insulinpflichtiger Typ1" und du bekommst auch nur mit Basalinsulin z.T. bereits einen Libre).

    Wenn sich alles eingespielt hat, sind auch lange Fernreisen kein wirkliches Problem. Es gibt viele Berichte von Menschen mit T1, was sie trotzdem alles geschafft haben (Fernreisen, Berge besteigen, lange Segeltour, Leistungssport, Extremsport, ...). Es geht also ;)

    Ich hoffe du hast mittlerweile schon gute Infos von deiner Diabetespraxis bekommen, so dass die ersten Ängste genommen wurden.
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    am 03.03.2024 12:18:00 | IP (Hash): 425567946
    Auch Dir herzlichen Dank für Deine Antwort.
    Leider hat sich der Schock bei mir noch überhaupt nicht gelegt. Eher das Gegenteil ist der Fall. Den Libre Sensor hab ich mit schon Anfang Januar selbst zugelegt und meine Werte gemessen. Deshalb bin ich überhaupt erst drauf gekommen, dass das kein Typ 2 sein kann. Ich hatte nach einer Butterbreze auf nüchternen Magen plötzlich eine Spitze bei 280 mg/dl und da ich vor 17 Jahren bei meinem dritten Kind eine Schwangerschaftsdiabetes hatte wusste ich schon, dass das nicht normal ist. Von da ab hab ich ganz genau drauf geachtet, was ich esse, weshalb sich auch mein HbA1c von 5,8 auf 5,7 verbessert hat. Ich hatte immer noch gehofft, dass ich Typ 2 bin und dachte mir ich schaff das über Ernährung. Ist mir in der Schwangerschaft ja schon mal gelungen. Ich hab inzwischen ein echt gestörtes Verhältnis zum Essen. Trau mich kaum Kohlenhydrate zu essen, weil ich panische Angst habe vor dem Spritzen.
    Die Ärztin hat mir jetzt Insulin verschrieben, dass ich spritzen soll, wenn ich so auf 280 hochgehe. Sie meinte ich soll meine Neuseelandreise auf alle Fälle machen. Mittwoch würde ich fliegen, aber ich hab echt Angst. Was wenn sich das dort ganz schnell verschlechtert? Und wie weiß ich, wann ich lieber spritzen sollte? Sie sagte sie würde mit einer Einheit beginnen. Was passiert, wenn ich das tue? Kann ich dann gleich eine Hypo bekommen?
    Und warum steigt mein Blutzucker, wenn ich intensiv Sport mache? Ich jogge morgens mit 100 los und hab nach ner halben Stunde 140. Bei einem Wettkampf war ich auch schon bei 200, also nur wegen Sport. Hab nichts gegessen davor. Ist das der Insulinmangel?
    Fragen über Fragen und ich bin leider überhaupt nicht entspannt.
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    am 03.03.2024 12:56:48 | IP (Hash): 1786613509
    Momo22 schrieb:
    Die Ärztin hat mir jetzt Insulin verschrieben, dass ich spritzen soll, wenn ich so auf 280 hochgehe. Sie meinte ich soll meine Neuseelandreise auf alle Fälle machen. Mittwoch würde ich fliegen, aber ich hab echt Angst. Was wenn sich das dort ganz schnell verschlechtert? Und wie weiß ich, wann ich lieber spritzen sollte? Sie sagte sie würde mit einer Einheit beginnen. Was passiert, wenn ich das tue? Kann ich dann gleich eine Hypo bekommen?



    Wenn du bei einem Wert über 250mg/dl 1 IE spritzt ist eine Hypo nahezu ausgeschlossen. Zwischen zwei Injektionen solltest du aber mindestens 3-4 Stunden warten und beobachten wie weit und ob überhaupt eine Einheit deinen Blutzucker senkt (deine Restproduktion spielt da auch noch mit) Mit zunehmender Erfahrung kannst du dann deinen Blutzucker gezielter absenken, oder einen Anstieg von vornherein verhindern.

    Genieße deine Reise!

    _______________________________________________________
    juveniler Typ 1 seit 1979; xdrip+ und AAPS im FCL mit Dana-i und Dexcom G6
    Bearbeitet von User am 03.03.2024 13:06:54. Grund: Korektur
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    am 03.03.2024 14:19:02 | IP (Hash): 847352621
    HeikeOV schrieb:
    Genieße deine Reise!

    Hallo Momo,

    genau das wünsche ich dir auch. Glücklicherweise kannst du auch aus Neuseeland deine Fragen hier im Forum stellen und dir Unterstützung suchen. Die Gefahr, dass sich dein Diabetes ganz schnell verschlechert, ist sehr gering und in dem unwahrscheinlichen Fall, dass es trotzdem passiert, dann hast du ja Insulin.

    Zum Risiko einer Hypo konnte dich Heike hoffentlich schon beruhigen. Wenn andererseits der BZ zu hoch ansteigt, gibt es eigentlich kaum Probleme. Ein Risiko, das sehr gering ist aber auch nicht ausgeschlossen, ist die Entstehung einer Ketoazidose. Die ensteht aber nicht durch den hohen BZ, sondern von absolutem Insulinmangel. Dagegen würde helfen, wenn du Insulin spritzt. Du hast eigentlich noch genügend Eigeninsulin, so dass ein absoluter Insulinmangel gar nicht erst entstehen kann. Das wäre nur in dem unwahrscheinlichen und von dir befürchteten Fall einer schnellen und starken Verschlechterung - dafür hast du dann das Insulin.

    Der BZ-Anstieg bei Sport kann übrigens durch die Stresshormone erklärt werden, die den BZ ansteigen lassen. Die Reaktion auf Sport ist sehr individuell und auch abhängig von der Sportart, es ist also nichts ungewönliches. Irgendwann später kannst du das genau beobachten und üben, entsprechend gegenzusteuern. Aktuell brauchst du nichts dagegen zu machen, dabei passiert nichts schlimmes.

    Genieße deine Reise und frage einfach hier nach, wenn etwas unerwartetes passiert. Mit dem Insulin in der Hinterhand kannst du auf fast alle möglichen und unmöglichen Situationen angemessen reagieren. Es wird aber bestimmt nichts ungewöhnliches passieren - ich drück dir die Daumen.

    Beste Grüße und eine angenehme Reise, Rainer

    ____
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    Bearbeitet von User am 04.03.2024 18:09:26. Grund: BBCodes
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    am 04.03.2024 12:01:56 | IP (Hash): 1158356454
    Vielen Dank für eure Nachrichten! Ich muss mich damit noch sehr stark befassen und die Angst überwinden mir ein hochwirksames Medikament zu spritzen. Mein Leben lang hab ich so gut wie nie irgendetwas genommen, noch nicht mal gegen Kopfweh. Wenn doch, hatte es immer irgendwelche Konsequenzen. Einmal musste ich ein Antibiotikum nehmen, danach lag ich mit Ausschlag am ganzen Körper im KH und musste mit Kortison behandelt werden. Das ist zwar schon mehr als 10 Jahre her, vergisst man aber nicht. Im Dezember hatte ich einen Hörsturz und mir wurde geraten Kortison zu nehmen. Ich denke das war der Trigger oder zumindest ein Verstärker, dass ich jetzt diese Diagnose bekommen habe. Deshalb hab ich auch so Angst, dass es sich ganz schnell verschlechtert. Letztes Jahr hatte ich noch einen normalen Nüchternzucker unter 100 mit einem Hba1C von 5,6. Nach der Kortison Therapie hatte ich im Januar einen Check up und plötzlich war mein Nüchternwert bei 135. Allerdings wurde mir das Blut nach einem Belastungs EKG abgenommen. Als ich mir dann den Libre gekauft habe konnte ich feststellen, dass meine Werte unter Belastung oder Stress immer ansteigen. Im Moment liege ich nüchtern immer so um die 100, wobei es tendenziell immer niedriger ist, wenn ich blutig messe. Hab ich Freitag bekommen und seither beobachte ich die Werte. Das ist schon ein großer Unterschied. Libre zeigt 142 und blutig 122.
    Hilft nichts, ich muss mich damit abfinden. Vielen Dank euch allen und ich würde mich wirklich gerne melden, wenn ich in NZ Fragen habe.
    Liebe Grüße
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    am 04.03.2024 12:42:34 | IP (Hash): 66231338
    Momo22 schrieb:
    die Angst überwinden mir ein hochwirksames Medikament zu spritzen. Mein Leben lang hab ich so gut wie nie irgendetwas genommen, noch nicht mal gegen Kopfweh.


    Dann mal dringend den Denkansatz überprüfen: Du spritzt das Insulin nicht gegen etwas, sondern zum Ausgleich/Ersatz des Insulins, das deine absterbenden Beta-Zellen nicht mehr herstellen können. Und dann mal Daumendrück für gutes Gelingen von nem interessanten Ausflug!

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    Typ 2 Diagnose 01.1991, Basal-Bolus seit 1998, HbA1c 5,5 und besser seit 2002.
    Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein engster Lebenspartner und bester Gesundheits-Coach :)
    Bearbeitet von User am 04.03.2024 12:44:04. Grund: .
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    am 16.05.2024 10:42:21 | IP (Hash): 388670922
    Hallo Zusammen,

    ich wollte mich gerne nochmal melden und berichten, dass ich wieder wohlbehalten von meiner langen Reise ans andere Ende der Welt zurück bin. Herzlichen Dank, dass ich von euch ermutigt wurde zu reisen, denn sonst hätte ich viel verpasst.
    Meinen Diabetes konnte ich mit Ernährung alleine gut steuern, außer dass ich ab und Spitzen in meinem Profil hatte, die aber eigentlich nie über 200 mg angestiegen sind. Und hier setzt jetzt auch meine Frage an: ab welchem Zeitpunkt sollte man eigentlich mit dem Spritzen von Insulin beginnen? Ich war inzwischen zur Kontrolle bei meiner Diabetologin. Meine Werte sind fast gleich geblieben. Hba1c war bei 5,7 %, mein C-Peptid ist um 0,01 auf 1,38 gesunken, allerdings bei einem Nüchternzucker von 110 mg/dl. Nachts bewegen sich meine Zuckerwerte immer unter 100 und in einer fast geraden Linie, nur morgens nach dem Aufstehen geht`s gleich auf 104 bis 110. Besser ist es, wenn ich abends ein Glas Wein trinke:)
    Meine Ärztin hat mir nun Toujeo verschrieben. Ich könne das einmal täglich spritzen und sie würde mit 4 IE beginnen. Da ich immer noch sehr viel Angst vor einer Hypoglykämie habe meinte sie, ich könne das auch morgens tun. Sie hat es mir aber freigestellt, ob ich nun mit Insulin anfangen möchte oder nicht. Metformin wollte sie mir nicht geben, da das in Deutschland nicht zum Behandlungsschema gehört.
    Ich ernähre mich low carb und komme eigentlich ganz gut damit zurecht. Ich fühle mich sogar besser als früher, weil ich abgenommen habe und mir das beim sporteln entgegen kommt. Ich habe inzwischen viel gelesen, unter anderem ein sehr empfehlenswertes Buch, das "Kickass healthy Lada" heißt. Was ich aber nirgends finde ist eine wirkliche Strategie. Es erscheint mir eigentlich logisch zuerst ein Bolusinsulin zu spritzen, wenn der Blutzuckerspiegel noch einigermaßen normal ist. Nur: wieviel spritzt man dann? Meine Betas arbeiten ja noch. Und wie schlimm ist es, wenn der Blutzucker z.B. bei schnellen Kohlenhydraten wie Eis oä nach oben schnellt, aber dann auch wieder schnell sinkt? Vermeide ich so etwas auch durch ein Basalinsulin? Es ist natürlich einfacher nur einmal am Tag zu spritzen. Oder mache ich einfach weiter wie bisher und ernähre mich vorwiegend ohne Kohlenhydrate? Wobei ich ganz ohne einen süßen Snack wirklich nicht auskomme:) Ich habe das Gefühl, dass man bei solchen Entscheidungen doch sehr allein ist. Oder kann mir von Euch jemand einen guten Rat geben?
    Würde mich sehr darüber freuen.
    Herzliche Grüße
    Momo