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Wie reagiert das Umfeld?

  • Kiwi

    Rang: Gast
    am 15.05.2008 18:30:15
    Hallo zusammen

    Am 23. April 08 erhielt ich die Diagnose, habe auch schon hier gepostet: "Bin nun auch ne Süsse" und "Anfänger-Frage". Bin derzeit dabei, Medikamente zu nehmen, am nächsten Montag 2. Termin bei Dia-Doc, er meinte beim 1. Termin, ob Typ 1 oder 2 sei nicht ganz klar, könnte trotz Übergewicht und mangelnde Bewegung auch Typ 1 sein. Ich werde es ja dann sehen.

    Derzeit beschäftige ich mich halt - weil ganz neu und akut - sehr mit dem Thema - und ich informiere auch mein Umfeld. Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Eine Freundin meinte: "haben ja ganz viele, ist nicht schlimm, musst halt einfach die Ernährung umstellen". Und meine Mutter fragt mich bei jedem Anruf: "Und, passt du gut beim Essen auf?" Ich bin seit ich 16 J. bin am Kämpfen mit dem Gewicht, IHR grosses Unglück, eine dicke Tochter zu haben. Sie reagierte nun auf die Diagnose ganz spontan mit den Worten: "Ach, du musst es einfach als Chance nehmen, endlich abzunehmen."

    Ich habe ihr nun empört gesagt, mein Gewicht solle nie mehr das Thema sein, sie könne sich nach meinen Blutzuckerwerten erkundigen, nicht aber nach meinem Essen und dem Gewicht!

    Sie sagte, davon verstehe sie halt nicht viel. Sie könnte ja auch mal ins Internet gehen!

    Danke fürs Zulesen - süsse Grüsse, Kiwi
  • klausdn

    Rang: Gast
    am 15.05.2008 19:00:59
    ja da hast du ein heißes eisen angefasst,
    mich sprechen inzwischen nur noch betroffene an, denn bei unbeteiligten bekommst du absolut nur schwachsinn zu hören. jeder versuch gegen tv "wissen" anzugehen isz verlorene zeit.
    schon dieser blöde begriff ernährungsumstellung ist sowas von hirnrissig, (sofern du dich bisher nicht ausschließlich nur von bonbons ernährt hast)
    oder glaubt wirklich jemand , daß iman plötzlich sachen ißt vor denen man sich sein leben lang geekelt hat ?
    du bekommst eine mail von mir , den anhang druck dir aus, er stammt von der uni graz, und bezieht sich auf die vorstufe des diabetes.
    mfg, klaus von klausdn
  • Kiwi

    Rang: Gast
    am 15.05.2008 19:27:42
    Klaus, dein Eintrag tut mir so was von gut! Ja, eben, die liebe Ernährungsumstellung und der tolle Sport! Wenns soooo einfach ginge, wäre ich schon lange eine schlanke Dauerjoggerin! Mich erfreuen halt Pizza, Pasta, Süssigkeiten, Kultur, Gespräche und Kinderlachen viel mehr, als den Hintern wund auf dem Fahrrad treten und Knäckebrot mit Hüttenkäse!

    Ein witziger "Tipp" eines Unwissenden gestern auf meine Botschaft, ich hätte Diabetes und müsse die Ernährung umstellen: "Iss doch nach jedem Essen eine Kugel Sorbet (Eis), dann verdaust du besser!"

    Vergnügte Grüsse und DANKE, Kiwi
  • Maria N

    Rang: Gast
    am 15.05.2008 20:42:51
    Liebe Kiwi!
    Ja, die Reaktion: "Damit kann man heute doch gut leben" kenne ich auch. Sehr hilfreich! Natürlich ist es leichter als vor 20 Jahren (ich denke dabei an die Insulinpens, die feinen Nadeln,die BZ - Messgeräte). Aber das Bewusstsein, mit Diabetes einen Begleiter zu haben, den man nie mehr los wird, beim Essen immer alles kritisch betrachten und Be schätzen zu müssen,
    die Wirkung des Insulins richtig zu berechnen, Ausnahmesituationen entsprechend zu beurteilen- das alles ist
    dennoch belastend, mal mehr, mal weniger. Gerade wenn die
    Diagnose neu gestellt wurde, brauchst du keine Besserwisser.
    Vielleicht findest du Kontakt zu Diabetikern in deiner Umgebung,
    da kannst du eher aufgefangen werden, denn sie haben Erfahrung, können dir Tipps geben und wissen auch, wie man
    sich kurz nach Diagnosestellung fühlt.
    Alles Gute!
    Maria N

  • Martina M.

    Rang: Gast
    am 15.05.2008 22:54:39
    Hallo,

    ja das ist auch für mich schwierig. Ich habe seit Dezember 2006 die Diagnose Diabetes, bin perfekt im Umgang mit dieser Krankheit (Hba1c von 5,2) und erzähle trotzdem nur ganz wenigen Personen in meinem Umfeld davon. Warum ist das so? So ganz genau weiß ich das eigentlich auch nicht, geht aber wahrscheinlich in die Richtung "selber Schuld, bischen mollig, eher unsportlich", auf diese Diskussion habe ich nur wenig Meinung! mfG

    Martina M.
  • Tom

    Rang: Gast
    am 16.05.2008 09:46:11
    Liebe Kiwi,

    auch, wenn ich sage, Du hast ein Recht darauf, wenn Du Deine Mutter bittest, dass das Thema "Gewicht" in Zukunft nicht mehr Gesprächsthema sein soll, möchte ich sie doch auch in Schutz nehmen.

    Diabetes ist für Nichtdiabetiker sicher einfach oft ein Schreckgespenst. Und in sofern kann ich es nachvollziehen, dass sie sich einfach nur "Sorgen um ihr Kind macht".

    Deshalb ist vielleicht manchmal eine Kritik besser, die mit dem Satz beginnt:
    Ich finde es ganz lieb von Dir, dass Du Dir Sorgen machst, ABER ich bitte Dich Darum, dass Du in Zukunft...

    Durch die Medien werden gern Klischees bedient zum Thema Übergewicht überhaupt.
    Dein Umfeld zu informieren, hat vielleicht den Vorteil, dass plötzlich Einer zu Dir sagt, ja, kenn ich, ich bin AUCH Diabetiker und Du kannst Dich mit demjenigen austauschen, wenn Du willst, aber ansonsten halte ich mich mit der Information auch zurück. Ich finde es wichtig, dass dass UNMITTELBARE Umfeld wie Chef oder enger Mitarbeiter wissen, dass ich DM bin, damit sie in einem Fall einer tiefen Unterzuckerung wissen, was sie zu tun haben. Aber ansonsten finde ich, ist Diabetes im Gegensatz zu "schlimmen Krankheiten" zwar lästig, aber handlebar.

    Die Ernährung umzustellen, heißt nicht, dass du nur auf Knäckebrot herumknabbern sollst. Es geht nicht um eine DIÄT (Ich hasse das Wort). Ob du etwas für oder gegen Gewichtszunahme tust, bleibt allein DEINE ganz eigene Entscheidung, aber Du solltest dich schon ausgewogen und einigermaßen gesund ernähren und wissen, was in den Lebensmitteln WIRKLICH drin ist. Es wird Niemand sagen: Sie MÜSSEN Insulin spritzen oder Sie MÜSSEN dies oder das... DU ganz allein triffst Entscheidungen, was dumit deiner Gesundheit anstellst. Diabetiker sollen nicht auf alle "Leckerlis" verzichten, ABER auf das eine oder andere solltest du verzichten zukünftig. Spätfolgen des Diabetes können brutal und irreversibel sein: Amputation, Nierenversagen, Erblindung.
    Das solltest du nicht vergessen.

    Liebe Kiwi, ich wollte dich auf keinen Fall belehren, nur zum Nachdenken anregen. Wenn du mir sagst: Du Armleuchter, das posting konntest du dir sparen, ist es auch OK. Alles Liebe und Gute für Dich.
    von Tom
  • TomNachtrag

    Rang: Gast
    am 16.05.2008 09:50:14
    .. aber du bist erst am Anfang und schreibst ja, du beschäftigst dich akut mit dem Thema DM zur Zeit, damit hast du ja den ersten Schritt schon getan. Und alles Andere kommt step by step. von TomNachtrag
  • Petra

    Rang: Gast
    am 16.05.2008 12:11:08
    Moin Kiwi,
    schön das du hierher gefunden hast. Ich habe das auch noch nicht so lange, gehe aber sehr offen damit um, auch in der Arbeit oder bei Freunden/Bekannten. Die Standardantwort ist erstmal och, meine Oma,Tante u.s.w. hat das auch die darf halt nichts mehr süsses. Ich schiebe mir dann demonstrativ mein Twix hinter die Kiemen und sage dann macht sie was verkehrt *g*. Ich persönlich finde es ist leichter ein 1er zu sein weil man eben mit Insulin darauf reagieren kann. Als 2er muß man sich sicher mehr einschränken. Dir wünsche ich vor allem erst mal eine gute Schulung die NICHT von irgendwelchen Ernährungsaposteln geleitet wird die einen dazu überreden wollen "gesunde" sachen zu essen. Sport, mache ich, Muskelaufbau, damit mein Körper mehr KH umsetzen kann, und für leckeres Essen mache ich fast alles *g*. Und die Blicke der echten Fitnesstussis die mich nach dem Sport lecker Erdbeerkuchen essen sehen sind echt filmreif!
    Lass dich nicht unterkriegen!
    Schönen Tag noch
    Petra
  • Tom

    Rang: Gast
    am 16.05.2008 12:16:02
    ...Ich persönlich finde es ist leichter ein 1er zu sein weil man eben mit Insulin darauf reagieren kann. Als 2er muß man sich sicher mehr einschränken....
    ----------------

    Da ich 2er bin, muss mal dumm und laienhaft nachfragen, wieso es 1er da leichter haben? Ich dachte, die 1er haben es schwerer, weil sie gar kein Insulin mehr haben? Warum müssen wir uns mehr einschränken?
    von Tom
  • Kiwi

    Rang: Gast
    am 16.05.2008 12:43:52
    Danke Euch allen für die wissenden, weiterführenden und erklärenden Postings!

    @Tom: Danke auch dir für deine offenen Worte, du hast natürlich recht - ich bin einfach derzeit ein bisschen sensibel und das Thema "Gewicht" ist ein Dauerbrenner zwischen meiner Mutter und mir... Klar macht sie sich Sorgen - aber ich würde mir echt wünschen, sie sähe auch "dahinter" und würde meine Panik spüren, mich nun derart gezwungen zu sehen, abnehmen zu müssen. Um jeden Preis!

    Zur Diskussion Typ 1 oder 2 - was ist "einfacher" kann ich als Neuling nicht viel sagen. Beides steht bei mir ja noch zur Dikussion. Bei Typ 1 ist Insulin definitiv gegeben - ich müsste mir aber keine Schuld mehr geben, Typ 1 passiert auch Schlanken. Bei Typ 2 wäre ich ganz klar zu einem hohen Anteil selber "schuld", jedoch kann man in diesem Fall mit Gewichtsreduktion und Bewegung viel selber zu einer Besserung beitragen - und das von mir noch sehr gefürchtete Thema Insulin ist nicht sakrosankt gegeben.

    Ich grüsse Euch alle - schön, dass ich hier einen Ort gefunden habe, um mich auszutauschen, bin sehr froh :-) Kiwi