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Tägliche Extremwerte

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    Mitglied seit: 17.10.2024
    am 17.10.2024 09:54:52 | IP (Hash): 120507201
    Hallo zusammen,

    Ich freue mich, hier zu sein und danke Euch für Eure Hilfe.

    Meine Partnerin (35 Jshre), hat seit 31 Jahren Diabetes und schon einige Erlebnisse und Folgeschäden hinter sich (bspw. Nierenleistung bei 20%).
    Pro Tag hat sie mindestens einen "Extremwert", also über 200, oftmals aber auch mehrfach pro Tag (ca. 4mal) und auch über 400/500.

    Unterzuckerung von unter 50 vielleicht 2-10 mal pro Woche. Eine Pumpe möchte sie nicht. Dafür spritzt sie 6-12 mal am Tag.

    Ich versuche sie so gut es geht zu unterstützen. Sie meint, dass solche Werte und die Häufigkeit nicht ungewöhnlich sind.

    Stimmt das? Ist das normal, so häufig solche starken Werte / Schwankungen zu haben? Jetzt hat sie aktuell 20% ihres Körpergewichtes als Wassereinlagerungen bekommen, was die Insulinaufnahme und die Werte zusätzlich erschweren.

    Ich freue mich auf Eure Antwort und danke euch sehr für Eure Erfahrungen.
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    am 17.10.2024 13:18:26 | IP (Hash): 109094905
    Deine Partnerin hat gelernt, dass ihr Blutzucker vor dem Essen im Bereich von 100-140 mg/dl sein soll und dass es egal ist, wie hoch er zwischendurch ansteigt. Da geht er bei vielen auch öfter bis täglich mehrmals über 300.
    Als ganz scharfe Einstellung gilt vor dem Essen 80-120 und in den Spitzen um etwa 1 Stunde nach den Mahlzeiten nicht über 200. Aber das sollte nur machen, wer sich damit nicht unerträglich viele Hypos macht.

    Deine Partnerin hat auch gelernt, dass schwere Hypos zu vermeiden sind und leichte Hypos zum normalen Leben mit Diabetes gehören.
    Schwere Hypos sind die mit deutlich weniger als 50 und meistens sogar weniger als 30 mg/dl, wenn man sich vorübergehend(!) nicht mehr selbst helfen kann, weil der Verstand mehr oder weniger ausgeschaltet ist.
    Leichte Hypos machen häufig Hunger und beschleunigten Puls und Schwitzen und ein insgesamt mieses Befinden, das häufig auch noch mehrere Stunden nach der Normalisierung des Blutzuckers anhält.

    Diabetische Folgen an Pipelines und Pumpe, Fenstern und Wasserwerken usw. gelten mit zunehmender Diabetesdauer als zunehmend normal und treten bei der einen eben früher und bei dem anderen halt später auf.
    Solche Folgen lassen sich nach dem heutigen Erkenntnisstand zwar mit dem Blutzucker die meisten von 24 Stunden im völlig gesunden Bereich vermeiden, aber zu einer so engen Steuerung gibt es bislang keinerlei diabetologische Anleitung.

    Langer Schreibe kurzer Sinn: Dass du dich sorgst, kann ich verstehen, aber der Diabetes deiner Partnerin ist ihr Diabetes. Sie entscheidet, wie sie damit umgehen will, und die Adresse für internette Typ 1 Anregungen ist insulinclub.de

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    Gestartet mit mehr als HbA1c 15,5 in 01.1991, ärztlich eingestellt Basal-Bolus ab 1998 mit Hba1c um 7 und um 140 IE/Tag Insulin. Gegen vielfachen ärztlichen Rat seit 2002 mit wenigen Ausnahmen 7/24 zwischen 60 und 140 mg/dl und HbA1c um 5 mit aktuell um 20 IE/Tag Insulin. - Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein bester Gesundheits-Coach :)
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    am 17.10.2024 13:48:15 | IP (Hash): 1880247831
    Zitat: ... und dass es egal ist, wie hoch er zwischendurch ansteigt. Da geht er bei vielen auch öfter bis täglich mehrmals über 300. Zitatende

    Hallo Jürgen,

    ist das din Ernst? Hohe Spitzen zwischendurch sind völlig okay?


    Bearbeitet von User am 17.10.2024 14:12:20. Grund: korrektur
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    am 17.10.2024 17:57:01 | IP (Hash): 109094905
    Alltägliche postprandiale Spitzen über 200 mg/dl sind im normalen Einstellungsbereich mit 100-140 mg/dl vor dem Essen und insgesamt HbA1c um 7 völlig normal. Und normal wird diabetologisch bislang meines Wissens nicht dazu angeleitet, die niedriger zu begrenzen.

    Persönlich finde ich beides völlig daneben

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    am 17.10.2024 22:32:57 | IP (Hash): 627466721
    NIHH schrieb:

    Pro Tag hat sie mindestens einen "Extremwert", also über 200, oftmals aber auch mehrfach pro Tag (ca. 4mal) und auch über 400/500.



    200 mg/dl und 400/500mg/dl sind ein gravierender Unterschied.
    Ist dieser Unterschied in seinem Ausmaß hinreichend klar?
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    am 18.10.2024 11:00:08 | IP (Hash): 1255735865
    200-300 mg/dl sind bei normaler Einstellung mit HbA1c um 7 täglich mehrmals normal. Aber viele INSULINER machen sich 8 und mehr und damit vollautomatisch auch deutlich höhere Spitzen.

    Mit absoluter Sicherheit weiß die betreffende Lebenspartnerin nach 30 Jahren mit Typ 1, wie weniger hohe Spitzen und insgesamt weniger BZ geht und dass sie sich mit öfter mal 500 und vielleicht sogar mehr ne Ketoazidose mit Rückwärtsessen und Notfall machen kann. Und dass sie damit ihre ohnehin geschädigten Nieren weiter schädigt.


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    am 18.10.2024 17:20:47 | IP (Hash): 1858308464
    Ganz so ist es beim Typ1 nicht und war es auch nie. Die PP-Werte sollten sich schon vor 30-35 Jahren im Allgemeinen bei 160 bis 180mg/dl aufhalten, in Ausnahmefällen mal bei über 200 mg/dl. Werte über 300 mg/dl haben mir ein tadelndes Kopfschütteln eingebracht, wenn zu häufig eine "Einladung" zur Therapieanpassung... Davor galt, möglichst keine Glucose im Urin - da darf es auch keine großen Ausflüge über 200 mg/dl geben...

    Habe mich vor einiger Zeit mit meiner Diabetologin unterhalten. HbA1C-Werte in tiefen 6er Bereich oder auch darunter werden durch Sensoren und AID-Systeme immer häufiger.

    Wofür sehe ich denn den Sensorwert und bekomme den Alarm, wenn nicht zum adäquaten Handeln!?

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    juveniler Typ 1 seit 1979; xdrip+ und AAPS im FCL mit Dana-i und Dexcom G6
    Bearbeitet von User am 18.10.2024 17:35:15. Grund: Ergänzung
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    am 18.10.2024 19:18:56 | IP (Hash): 1255735865
    Wir müssen schon unterscheiden zwischen Betroffenen wie dir, die sich selbst aktiv kümmern, und der weit überwiegenden Mehrzahl derer, die sich ohne eigenes Mitdenken und mit über die Jahre oft abnehmender Compliance nach der ärztlichen Einstellung richten.

    Nachtrag:
    Es geht sogar 24/7 völlig gesunder BZ, wie Doc Bernstein und viele seiner Patienten zeigen. Aber jede Menge Amputationen und diabetisch blinde Netzhäute und … zeigen, dass sich jeden Tag viele um Welten über der gesunden Spur bewegen.


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    Bearbeitet von User am 18.10.2024 19:26:06. Grund: Nachtrag
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    am 24.10.2024 10:36:51 | IP (Hash): 120507201
    Hallo zusammen,

    herzlichen Dank erst einmal für Eure wertvollen Antworten.
    Die geben wir einen guten Einblick und auch Überblick, wie unterschiedlich die Sicht- und Handlungsweise bei den Betroffenen und in der Medizin sind.

    Meine Partnerin ist da eher so, wie Jürgen es beschreibt. Sie ist auch als Kind mit Diabetes in einer Zeit aufgewachsen, in der psychologisch sehr viel falsch gemacht wurde (laufend Kuren, die viel mehr Schäden anrichten als geholfen haben). Damit neigt man dazu, der Krankheit auch mal "bockig" zu begegnen und sie weitestgehend zu ignorieren. Zumindest konnte ich sie dazu bringen, dass sie einen Libre nutzt (vorher hatte sie das "nach Gefühl" gemacht, was natürlich überhaupt nicht funktioniert). Eine Pumpe wären dann der nächste Schritt (sie weigert sich da noch, da sie damit schlechte Erfahrungen gemacht hat, die sich aber nur auf alte Pumpensysteme beziehen).

    Leider sind die Folgeschäden bei Überzuckerungen sehr umfangreich und gravierend, was ihr jetzt auch mehr und mehr "auf die Füße fällt". Deswegen versucht ich sie dafür etwas zu sensibilisieren, ohne sie damit zu nerven.

    Ich denke da eher wie Hape und Heike, dass man mit den richtigen Methoden und Lebensstil Diabetes sehr gut im Griff haben kann. Man muss sich nur konstant kümmern. ABER das sage ich natürlich als jemand, der diese Krankheit und den Lebens- und Leidensweg damit nicht hat. Von Aussen lässt sich sowas ja immer leicht anders betrachten.
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    am 24.10.2024 15:31:22 | IP (Hash): 956339417
    Moderne AID-Systeme (Automated Insulin Delivery) nehmen einem einfach, wenn sie einmal gut eingestellt sind/ richtig gelernt haben, ganz viel ab, indem sie Insulin dazugeben oder auch reduzieren in Abhängigkeit vom Sensorwert.

    Moderne Insulinpumpen sind kein Vergleich zu Pumpen vor 30 Jahren. Ich habe meine erste Pumpe vor 25 Jahren bekommen. Davor wollte ich auch auf keinen Fall, weil mein Bild von Insulinpumpen auch geprägt war von antiquierten Dingern, die schon ne Menge Ärger gemacht haben und einfach riesig waren. Ich habe meine Entscheidung nie bereut.

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