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Ernährungstherapie auf Rezept - Erfahrungen?

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    Mitglied seit: 13.11.2024
    am 13.11.2024 18:06:42 | IP (Hash): 1326149898
    Liebe Foren mitglieder,

    Ich lese schon ne Weile mit, aber war nie registriert.

    Ganz kurz zu mir: Fast 40, Typ II Diabetes seit knapp 4 Jahren, hatte in beiden Schwangerschaften schon Gestationsdiabetes, der nur mit Insulin zu managen war. Ich nehme aktuell 2x 500mg Metformin ein, und konnte mit Sport und Ernährung den Hba1c zwischen 5,8 und 6,2 halten.

    Ich habe Übergewicht, bei 1,70 hab ich im Höchststand 95kg auf die Waage gebracht, meist aber eher so 85 kg.

    Ich möchte nun gerne bis auf ca. 75kg abnehmen. Unter anderem, um eventuell das Metformin loszuwerden und den Diabetes vielleicht ein paar Jahre in die Remission zu schicken.

    Ich habe mir heute eine Ernährungstherapie verschreiben lassen. Ist das brauchbar? Hat euch das geholfen?

    Gibt es Ernährungstherapie jenseits von den klassischen DGE Empfehlungen? Ich ernähre mich aktuell Low Carb und esse zwei Mahlzeiten am Tag, damit komme ich gut zurecht und nehme gut ab. Ich erhoffe mir ein bisschen Hilfe was Motivation angeht und eventuell speziellere Ernährungsfragen. Grundsätzlich kenne ich mich aus, habe Biologe studiert und arbeite im medizinischen Umfeld.

    Viele Grüße
    Stiefelkind
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    am 13.11.2024 21:15:11 | IP (Hash): 184461474
    Bei der Durchsicht von einigen Vorstellungsseiten und einigen Nachfragen bei den Anbietern fällt mir immer wieder auf, dass es da praktisch nirgendwo alltäglich um Blutzucker geht. Und schon gar nicht darum, den völlig ohne Medis und damit ohne jedes Unterzucker-Risiko gezielt in den gesunden Bereich zu senken. Bin echt gespannt auf deine Erfahrungen!

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    Gestartet mit mehr als HbA1c 15,5 in 01.1991, ärztlich eingestellt Basal-Bolus ab 1998 mit Hba1c um 7 und um 140 IE/Tag Insulin. Gegen vielfachen ärztlichen Rat seit 2002 mit wenigen Ausnahmen 7/24 zwischen 60 und 140 mg/dl und HbA1c um 5 mit aktuell um 20 IE/Tag Insulin. - Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein bester Gesundheits-Coach :)
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    am 13.11.2024 23:32:26 | IP (Hash): 2010155330
    Stiefelkind schrieb:
    Ich habe mir heute eine Ernährungstherapie verschreiben lassen. Ist das brauchbar?
    Gibt es Ernährungstherapie jenseits von den klassischen DGE Empfehlungen

    Hallo Stiefelkind,

    ob die Ernährungstherapie brauchbar ist oder nicht, hängt stark von der angebotenen Therapie ab. Bis vor wenigen Jahren mussten rezeptierte Ernährungstherapien zwingend nach DGE-Richtlinien erfolgen. So eine Ernährungstherapie würde dir als erstes deine Low Carb Ernährung ausreden, weil sie angeblich gefährlich ist.

    In den aktuellen Leitlinien wurde die DGE-Bindung aufgehoben, trotzdem laufen die meisten Ernährungsberatungen noch im gleich Stil ab. Du müsstest also nach einer Ernährungsberaterin suchen, die deine gut geeignete Ernährung unterstützt und dich dabei weiter berät. Wenn du so eine findest, dann kann so eine Beratung wertvoll sein, falls nicht, dann ist es eher Zeitverschwendung.

    Ehe du deine Zeit verschwendest, könntest du dich, falls du keine geeignete Ernährungsberaterin findest, nach dieser einfachen und wirkungsvollen Anleitung richten:
    https://a7582688-a1e5-4056-88a2-dfd422642832.filesusr.com/ugd/32a606_db20057cf9b5496ea94c7d7d2d6f0cde.pdf
    (Quelle: https://lottadata.wixsite.com/bloodsugar101/download-the-lower-your-blood-sugar )

    Viel Erfolg, Rainer

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    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 15.11.2024 18:12:16. Grund: BBCode
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    am 14.11.2024 00:36:11 | IP (Hash): 627466721
    * Du bist mit 2 x 500 mg Metformin bei einem HbA1c von 6, 0
    * hast selbständig von 95 auf 85 kg abgenommen,
    * ernährst Dich low-carb, kennst Dich also mit Nahrungsmittel und deren Kohlenhydratgehalt gut aus
    * bist studierte Biologin.

    Was soll eine Ernährungsberaterin Dir da noch erzählen?
    Mit wenig Eigenstudium weißt Du schnell mehr als Deine Beraterin.

    Ich halte es da für schwieriger sich zu ausreichender Bewegung zu motivieren.
    Möglichst täglich 30 Minuten f.lotter Spaziergang, oder Nordic Walking, oder bei Regen Ergometerrad.
    Nordic walking in der Gruppe (oder zu zweit) kann da manchmal sehr motivierend sein.




    Bearbeitet von User am 14.11.2024 10:04:24. Grund: Ergänzung
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    am 14.11.2024 03:49:06 | IP (Hash): 1531505263
    Da hat der Hape recht. 👍

    Meine Motivation habe ich aus den regelmäßigen BZ-Messungen gewonnen, jeden Morgen und etwa 2 Stunden nach jeder Mahlzeit. Jeden Tage habe ich die Makros jeder Mahlzeiten genau aufgeschrieben, die Verbindung zum BZ wird so sehr anschaulich. Und ich habe mir täglich einen Plan für das morgige Essen gemacht. Dabei habe ich die KH soweit wie möglich reduziert, so dass keine BZ-Schwankungen auftraten, somit auch das Insulin immer niedrig ist. Viel Insulin verhindert den Fettabbau und macht Hunger. Es gilt also, möglichst solche Dinge zu essen, die keinen großen Insulinausstoß bewirken. Dann klappt das mit dem Abnehmen sehr gut.
    Konkret: kein Blutzucker über höchtsens 130mg/dl nach den Mahlzeiten, keine Happen zwischendurch, keine Kompromisse und keine Ausnahmen.

    Low Carb ist ein weiter Begriff, das geht von 0 bis 250g KH. Ich weiß nicht was du isst, aber wenn du medikamentenfrei werden willst, wäre eine Ernährung sinnvoll, die die KH so weit wie möglich reduziert, die Kalorien moderat begrenzt, aber trotzdem sättigt und befriedigt. Kein Obst, keine Obstsäfte, Fruktose ist nicht gut.

    Genug Protein ist dabei wichtig, das volle Aminosäurenprofil ist erforderlich, um sich satt zu fühlen und den Körper gut zu nähren. Eier haben das, Fleisch, insbesonders Rindfleisch, Geflügel, Fisch.
    Fett ist wichtig, für die Energie und für die Hormone, die Enzyme um das Protein zu verwerten, für die Verdauung, die Haut, das Gehirn und vieles mehr.
    Auf die KH kann man ganz verzichten, das was der Körper an Glucose braucht, kann er selbst nach Bedarf herstellen.
    Überschüssige KH werden, wenn nicht sofort verbraucht, als Fett eingelagert. Dank Insulin wird es auch nicht mehr hergegeben.

    Um abzunehmen, muss man nicht unbedingt Sport betreiben, das bringt kaum etwas, macht aber durchaus Stress für den Körper, was kontraproduktiv ist, wegen Cortisolerhöhung.
    Bewegung ist natürlich schon gut. Guter und ausreichender Schlaf ist sehr wichtig!

    Ich habe mich daran gehalten und mein HbA1c war nach einem Jahr um die 5%, mein Gewicht etwa minus 30 kg. Ohne Hunger oder Entbehrungen.

    Dein HbA1c ist schon noch ziemlich hoch, das wird aber sicher noch sinken, wenn du dranbleibst, dann geht auch das Gewicht runter. Ich würde idealerweise Normalgewicht anstreben, wenn du den BZ gut senkst, geht das auch ziemlich zügig.

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    DM2 in Remission ohne Medikamente 😎
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    am 14.11.2024 12:09:55 | IP (Hash): 1439014814
    Moin ihr alle!
    Danke für die Antworten!

    Hm, dann überlege ich mir das noch mal mit der Ernährungsberatung. Ich brauche schon jemanden, der das Vorhaben ("Abnehmen mit wenig KH um Metformin loszuwerden") unterstützt. Mein Arzt will Metformin gerne aufdosieren..

    Bewegung ist hier nicht das Zünglein an der Waage, ich mache seit Jahren mehr oder weniger regelmäßig Sport in Form von Home - Workouts, 4-6x die Woche für 30-45 Minuten. Klassisches Zirkeltraining mit Kraft (Hanteln, Eigengewicht übungen) und Cardio. Mein Ziel ist Muskelaufbau, obwohl das im Kaloriendefizit schwieriger ist. Mehr Muskeln = mehr Verbrauch von Glucose, selbst im Ruhezustand. Bewegung in Form von Fahrrad Fahren und Spazieren sehe ich nicht als "Sport" an, ist hier aber täglich auch dabei. Wir machen hier fast alles mit dem Fahrrad, da kommen an manchen Tagen hier locker 10-20km "nebenbei" rum.

    Ernährung: ich tracke nichts, sondern überschlage grob, vor allem beim Protein. Ich halte mich grob an "so wenig KH wie möglich, wenn dann Vollkorn". Und versuche, auf genug Protein zu kommen, vor Fett habe ich keine Angst. Im Famienalltag mit zwei Grundschulkindern und einem sehr schlanken Mann muss ich ab und zu Kompromisse eingehen und esse z. B. einmal die Woche VK Nudeln, allerdings eine übersichtliche Portion.

    Mein Problem ist definitiv das Süße (Schokolade, Kekse). Ich bin dazu noch ein emotionaler Esser und esse bei Stress und Kummer. Von beidem gab es in den letzten Jahren mehr als mir lieb war (ich bin/ war depressiv), sodass jedwede Abnehmerfolge durch schwierige Phasen im Leben wieder von mir zunichte gemacht wurden. Ich kann auch super diszipliniert sein, aber das hält nicht lange an.

    Ich hoffe, die Ernährungsberatung kann mir gerade in diesem Punkt (emotional essen) helfen und Strategien geben. Ich weiß, dass das auch eher das Feld von Therapeuten ist, bin aber verdammt froh, meine aktuelle Psychotherapie bald beenden zu können. Dort ging es um die Depression, Essen war nie Thema dort und macht auch nicht jede Therapeutin.

    Puh, erstmal viel Infos von mir...

    Ach so: Blutzucker gemessen habe ich tatsächlich auch schonmal, hat mich teilweise aber mächtig frustriert. Eventuell fange ich aber wieder an. Ist ja schon spannend zu wissen, auf was mein Blutzucker reagiert...

    Viele Grüße
    Stiefelkind
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    am 14.11.2024 12:38:53 | IP (Hash): 1531505263
    Es liegt in deiner Hand, niemand anderes kann das für dich regeln. Trau dir nur was zu.

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    am 15.11.2024 18:57:56 | IP (Hash): 444784876
    Hallo Stiefekind,

    Du benötigst keine Ernährungsberatung.
    Das hast Du ja schon selbst gemacht.

    Der Schlüssel bei dir ist der Hang zum Süßen, würde ich mal behaupten.
    Und natürlich auch die von Dir angesprochene Depression.

    Schau "einfach nur" auf die KH.
    Kekse würde ich weglassen, dann besser Schokolade.
    Je höher der Kakao-Gehalt desto besser, aber desto weniger schmeckt es dann natürlich süß.
    Ich esse mittlerweile täglich 25 bis 50 g dunkle Schokolade.
    Ohne negative Effekte, eher das Gegenteil ist der Fall.

    Oder ersetze die Süßigkeiten vielleicht mit Beeren. V.a. Heidelbeeren haben auch eine Menge KH, aber weit weniger als Süßigkeiten.

    Viel Erfolg!

    PS: Hatte ich ganz vergessen. Es gäbe noch einen anderen Ansatz. Reduziere an anderer Stelle die KH. Weniger Brot, Pasta und Kartoffeln - und wenn überhaupt- nur in Maßen, keine Bananen etc.


    -- Typ DM 2 - aktuell keine und bisher noch nie Medikamente - HbA1c unter 5,7 -- Stand: 08/2024
    Bearbeitet von User am 15.11.2024 19:37:49. Grund: PS zugefügt.
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    am 16.11.2024 14:20:58 | IP (Hash): 1500626124
    Hallo Buttermilch,

    Vielen Dank auch für deinen Input.

    Ja, das Süße in Kombination mit emotionalem Essen ist definitiv (m)ein Problem.

    Auf andere Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Reis) verzichte ich weitestgehend, das fällt mir auch gar nicht soo schwer. Heute gab es für mich Rinderbraten mit Soße und Tomatensalat, der Rest der Familie aß Kartoffeln, Knödel und Rotkohl dazu.

    Mit dem Süßkram hab ich aktuell nen guten Kompromiss für mich gefunden. Ich verzichte nicht 100%. Maximal 3-4x die Woche gönne ich mir ein wenig Süßes, tendenziell dann definitiv direkt nach den Mahlzeiten. Das kann dann wirklich nur ein Keks sein, oder ein wenig dunkle 85er Schokolade (Moser Roth, Aldi) oder ähnliches. Damit komme ich klar. Und seitdem ich verstärkt auf KH verzichte, hab ich auch weniger Verlangen nach Süßen und brauche es weniger oft.

    Momentan lebe ich aber auch extrem Stress-befreit. Auf Grund der Depression habe ich im Sommer meinen Job aufgegeben... Home-Office mit wöchentlichen Dienstreisen (mit Übernachtungen) und viel Druck auf Arbeit, ich hatte nie das Gefühl, mit meinen Augaben fertig zu werden (Pharma Branche). Ich habe fast Panik-Attacken bekommen, wenn ich morgens in Outlook gucke wollte/sollte um die drölfzig - hundert Emails zu lesen, die da über Nacht von den Amis/ Asiaten geschrieben worden sind.. Das alles neben zwei Kindern mit meinem Mann großziehen hat mich in den letzten Jahren zerlegt.

    Mit Verlassen meines Jobs geht es mir 95% besser, die Depression ist gefühlsmäßig "überstanden", obwohl ich Angst vor Rückfällen habe. Aber ich möchte und muss auch wieder arbeiten und hoffe, nicht wieder in alte Ess-Muster zu fallen,wenn es wieder stressig wird.

    Vielen Dank für die Hinweise, ich werde berichten wie es weiter geht. Aktuell warte ich auf meinen neuen Langzeitwert.

    Viele Grüße
    Stiefelkind





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    am 16.11.2024 14:53:43 | IP (Hash): 1873835440
    Stiefekind schrieb:
    Blutzucker gemessen habe ich tatsächlich auch schonmal, hat mich teilweise aber mächtig frustriert. Eventuell fange ich aber wieder an. Ist ja schon spannend zu wissen, auf was mein Blutzucker reagiert ...

    Wahrscheinlich wirst du ziemlich schnell feststellen, wie motivierend Erfolg sein kann. Wenn du mit der BZ-Messung heraus bekommst, welche Sachen du in welchen Mengen essen kannst, um mit dem BZ in deinem Zielbereich zu bleiben, dann stellen sich die Erfolgserlebnisse bestimmt sehr schnell ein. Über einzelne Ausreißer musst du dich auch nicht ärgern, nimm zum Lernen für die Zukunft.

    Die Frustgefühle kannst du am besten vermeiden, wenn du deinen Zielbereich am Anfang etwas höher absteckst, z.B. unter 180mg/dl und dann schrittweise verringerst, bis du meistens unter den gesunden 140mg/dl bleibst. Das bietet sich auch deshalb an, weil das BZ-Niveau am Anfang nur langsam runter geht.

    Alles Gute und viel Erfolg, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 16.11.2024 19:40:44. Grund: BBCodes