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Steorid Diabetes. Erfahrungen?
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am 19.03.2025 11:16:49 | IP (Hash): 124463503
Hallo in die Runde :)
Kurz zu meiner Person: Weiblich, 62 Jahre, BMI 21,4. Ich habe seit 40 Jahren Morbus Addison und muss Cortisol 2x täglich (20mg+10mg) substituieren. Bei Stress und Infekten muss ich die Dosis weiter erhöhen. Dadurch hat sich bei mir leider über die Jahre ein Steorid Diabetes manifestiert, der schlecht einzuzstellen ist. Gibt es hier jemanden, der evtl. Erfahrung damit hat und vielleicht auch selbst betroffen ist? Ich würde mich über einen Austausch freuen.
Danke und Lieben Gruß -
am 19.03.2025 12:42:14 | IP (Hash): 2074459465
“Schlecht einzustellen” ist gut. Du hast einen Bedarf mit zeitweise großen Veränderungen, auf den du eigentlich mit jeweils passend großen Veränderungen in der Blutzuckerantwort reagieren müsstest.
Womit bewerkstelligst du denn bis jetzt deine schlechte Einstellung bzw. Blutzuckerantwort?
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Gestartet mit mehr als HbA1c 15,5 in 01.1991, ärztlich eingestellt Basal-Bolus ab 1998 mit Hba1c um 7 und um 140 IE/Tag Insulin. Gegen vielfachen ärztlichen Rat seit 2002 mit wenigen Ausnahmen 7/24 zwischen 60 und 140 mg/dl und HbA1c um 5 mit aktuell um 20 IE/Tag Insulin. - Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein bester Gesundheits-Coach :) -
am 19.03.2025 15:01:25 | IP (Hash): 124463503
Hi Jürgen,
Danke für deine Antwort. Seit kurzem bin ich eingestellt auf Abasaglar morgens 6 IE, welches ich zu meiner morgendlichen Medikamenteneinnahme spritze. Dazu noch Insulin Lispro wenn ich morgens schon einen Nüchtern-BZ von über 160 habe. Tagsüber spritze ich zu Mahlzeiten Lispro entsprechend meines Planes und korrigiere extra noch, ebenfalls mit Lispro wenn der BZ danach nicht ordentlich runter geht.
Bis letztes Jahr im Juni war ich eingestellt auf Glimipirid und hatte einen HbA1c von 6,4 - 6,8, hatte da aber auch ständig mit vielen Unterzuckerungen vor allem am späten Abend zu kämpfen. Die Dosis wurde immer mal wieder angepasst, die Unterzuckerungen bekam ich aber nicht in den Griff. Mein Hausarzt hat auch immer mehr auf den HbA1c geguckt und war damit zufrieden. So richtig schlimm mit dem Blutzucker wurde es dann letztes Jahr im Juli. Im Juni musste ich auf die Intensivstation wegen Septischen Schock und Addison Krise und ich wurde da regelrecht mit Cortisol vollgepumpt. Im Juli dann auf der Normalstation wurde ich auf Insulin Humalog und Januvia/Sitagliptin umgestellt, da ich ständig extrem hohe Blutzuckerwerte hatte. Ich bekam dort Humalog zu den Mahlzeiten und Januvia/Sitagliptin als Tablette morgens. Mein HbA1c war dann im September bei 7,5. Das Sitagliptin wurde im Dezember wieder abgesetzt bei einem HbA1c von 8,6. Mein letzter HbA1c kürzllich ohne Sitagliptin war ebenfalls bei 8,6. Mein Hausarzt war die ganze Zeit auch extrem geizig mit Pen-Nadeln und Teststreifen, so dass ich mich auch nicht an meinen Plan vom Krankenhaus halten konnte und ich nicht so messen und spritzen konnte wie ich eigentlich sollte. Er meinte immer, er schreibt auf was geht. Naja... Nun hat er mich endlich zu einem Diabetologen überwiesen und der versucht das nun irgendwie wieder in den Griff zu kriegen.
Ich denke das Problem ist bei mir, dass ich auch ohne irgendwas zu Essen immer diese hohen Werte habe, in der Regel morgens nüchtern zwischen 170 und 250. Ich bin auch ein extrem schlechter Esser und lasse Mahlzeiten ausfallen und nehme oft nur eine Mahlzeit täglich zu mir. Dadurch entfällt auch das Mahlzeiten Insulin, so das ich nun immer mal zwischendurch sporadisch messe um die hohen Werte zu korrigieren. Das Cortisol muss ich 2x am Tag nehmen, 2 verschiedene mit 2 verschiedenen Wirkungsweisen. Eins (Plenadren), das langsam bis zum frühen Nachmittag wirkt und eins das ich nachmittags nehme (Hydrocortison) und schneller wirkt. Bei Stress oder leichten Infekten muss ich die Hydrocortison-Dosis erhöhen bis aufs 3 bis 4-fache, was den BZ extra hochtreibt. Mein Diabetologe hat mich nun endlich mit ausreichend Nadeln und Teststreifen ausgestattet und will nun versuchen die richtige Dosis von den Insulinen zu finden, die dem BZ-Anstieg durch das Cortisol entgegen wirken, vor allem auch wenn ich meine Dosis erhöhen muss. Aber das ist halt erstmal nur ein Rumprobieren, auch mit den verschiedenen Cortisol-Dosierungen und ich hatte gehofft es gibt hier vielleicht jemanden der in der gleichen Lage ist und wegen steorid indizierten Diabetes behandelt wird und etwas Erfahrung damit hat um ein paar Denkanstöße oder Ideen zu bekommen.
Lieben Gruß, Bianka -
am 19.03.2025 20:39:33 | IP (Hash): 2074459465
Da hast du ja nun schon eine interessante Karriere hinter dir. Und nun bist du glücklich bei einem Diabetologen gelandet, der sich nach deinem Eindruck zumindest Mühe gibt. Deswegen mag ich jetzt eigentlich nicht so recht darauf los Texten, denn damit würde ich ihm bestimmt in sein Gehege kommen. Einstweilen von mir also nur ein paar Basics.
Da ist zuerst einmal ein fortlaufendes Tagesprotokoll, also der Aufschrieb von allem, was du wann und in welcher Menge an Medis genommen hast, was du wann wie viel wovon gegessen hast und wann du dich körperlich etwa wie lange und intensiv bewegt hast.
Bei mir ist das ein einfaches textdokument, dass ich praktisch von unten nach oben schreibe. Also mein erster Eintrag von heute steht für den 19 März unten um 8 Uhr, und mein bislang letzter Eintrag mit 18:30 Uhr oben usw. usw….
Dann die Gluconeogenese: Das ist die Produktion von Glucose aus Eiweiß in Leber und Nieren mit normal wenigstens 10 g pro Stunde. Diabetisch gestört kann die Leber sehr viel mehr Glucose produzieren und eben auch mehr ausgeben, als gebraucht wird. Das kann auch über mehrere Tage so funktionieren, wenn du nichts isst.
Ohne Essen haben wir mit dieser Glukoseausgabe meistens morgens einen Hügel bis einen Berg und ebenso manchmal auch abends. Die entsprechenden Täler haben wir meistens um Mitternacht und mitten am Tag.
Abasaglar soll das diabetische Zuviel an Blutzucker mit dieser Glukose im Rahmen einer ordentlichen Behandlung so ausgleichen, dass der BZ über 24 Stunden ohne Essen im Rahmen von 100-140 mg/dl verläuft.
Lispro soll nur den BZ-Anstieg vom nächsten Essen ausgleichen. Wenn die Dosis gepasst hat, ist der BZ im Auslauf etwa 3 Stunden nach dem Essen wieder etwa (plusminus 10 mg/dl) so hoch wie direkt vor dem Essen. Wenn er dann deutlich niedriger ist, war's zuviel Lispro, und wenn er dann deutlich höher bleibt, war's zu wenig.
WICHTIG: Wenn du um ne Stunde nach dem Essen misst, kannst du deinen BZ u.U. in unerwarteten Höhen erwischen und versucht sein, da sofort einige Einheiten Lispro hinterher zu schießen - und ne Stunde bis 2 weiter, wenn beide Mengen gut gewirkt haben, vielleicht ne tolle Hypo erleben.
Mit deinem Protokoll wirst du mit der Zeit sehen, wie viele Essensportionen und Insulinmengen trotz einer Riesenspitze nach ner Stunde im Wirkauslauf nach etwa 3 Stunden super zueinander passen.
Gutes Gelingen :)
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Gestartet mit mehr als HbA1c 15,5 in 01.1991, ärztlich eingestellt Basal-Bolus ab 1998 mit Hba1c um 7 und um 140 IE/Tag Insulin. Gegen vielfachen ärztlichen Rat seit 2002 mit wenigen Ausnahmen 7/24 zwischen 60 und 140 mg/dl und HbA1c um 5 mit aktuell um 20 IE/Tag Insulin. - Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein bester Gesundheits-Coach :) -
am 20.03.2025 09:11:25 | IP (Hash): 124463503
Jürgen, vielen Dank für deine ausführliche Antwort :) Das Tagesprotokoll erstelle ich schon seit langer Zeit mit der MySugr-App auf meinem Handy. Mein Blutzuckermessgerät sendet die Messwerte direkt in diese App, ich trage dann ein wieviel Einheiten ich wann Basal und/oder Bolus gespritzt habe. Mit der Apple Watch und Health werden die Zeitpunkte meiner Aktivitäten (Spaziergänge) und täglichen Schritte auch in diese App übertragen. Ich trage da manuell nur noch die Zeitpunkte und Dosis meiner Medikamenteneinnahme ein und mache vor dem Essen Fotos meiner Mahlzeiten und beschreibe sie noch extra. Z.B. gestern Abend, 2 Spiegeleier mit 3 Scheiben Kochschinken. Auch mein jeweiliges Körpergewicht trage ich da wöchentlich ein. Wenn ein Arztbesuch ansteht brauche ich das alles nur ausdrucken und man hat so eine prima Übersicht über alle Messdaten, Hypers und Hypos, was ich wann gegessen habe und wie der Blutzucker darauf reagiert hat und wie ich dann darauf reagiert habe mit der Korrektur.
Gestern hatte ich das erste Mal nach Jahren keinen einzigen Hyper, meine Messwerte bewegten sich zwischen 142 und 178 morgens nüchtern. Heute früh war ich dann leider wieder nüchtern vor Medikamenteneinnahme bei 194 und ich weiß nicht wieso und musste wieder mit Lispro korrigieren. Das Abasaglar scheint meiner Meinung nach nun aber so langsam anzuschlagen und hält meinen BZ tagsüber wenigstens etwas unten und das freut mich schon sehr. Da muss sicher noch mal nachjustiert werden um die BZ-Werte tagsüber konstant unter 140 zu halten, das überlasse ich aber dem Diabetologen. Vorgestern nach Haferflocken mit Banane und Griechischem Naturjoghurt mit 10% Fettgehalt hatte ich nach 3 Stunden immer noch einen BZ von 456 und lasse Haferflocken mit Banane nun erstmal weg, obwohl ich das sehr gerne mag. Oder vielleicht war es ja auch nur die Banane? Ich bin halt auch noch am Rumprobieren, die Lebensmittel zu finden die den BZ so hoch schießen lassen um die dann wegzulassen.
Zucker esse ich schon seit Jahren gar keinen mehr, außer der ist versteckt in diversen Lebensmitteln. Ich nehme nur noch Süßstoff, z.B. in meinem Kaffee oder trinke Zero Getränke, Wasser, Milch und Gemüsesäfte. Brot esse ich auch kaum noch. Eigentlich bräuchte ich darauf gar nicht achten und musste bisher auch keine Kohlenhydrate zählen und soll mich ganz normal weiter ernähren, auch damit ich nicht wieder so viel Gewicht verliere. In meinen schlimmsten Zeiten wog ich nur noch 37 kg, auch nach der Intensivstation letztes Jahr hatte ich wieder so viel Gewicht verloren, und obwohl ich in dieser Zeit dort künstlich ernährt wurde. Danach auf Normalstation bekam ich ganz normales Essen wie jeder andere auch, auch Weißbrot, Kartoffelbrei, Kuchen und süße Joghurts und Pudding und komische Getränke mit extra Kalorien, damit ich wieder zunehme. Alles was ich sonst ja überhaupt nicht mehr esse und vermeide und inzwischen habe ich wieder mein Normalgewicht erreicht und versuche das zu halten so gut es geht.
Mit meinem Diabetologen bin ich bisher super zufrieden. Die Sitzungen bei ihm dauern meist 1 Stunde, der guckt sich wirklich alles ganz genau an und bespricht alles mit mir und teilt mir seine Überlegungen und Einschätzungen mit. Bei meinem Hausarzt, bei dem ich im DMP bin, war ich meist schon nach 10 min wieder raus aus der Praxis und der hat kaum oder auch gar keinen Blick auf meine BZ-Aufzeichnungen geworfen. Er hat sich auch lange geweigert mich zum Diabetologen zu überweisen, erst jetzt als der HbA1c so schlecht wurde hat er es endlich getan. Ich sehe es auch ein, dass es etwas schwieriger wird mich korrekt einzustellen. Eine seltene Erkrankung (M. Addison) plus seltener Diabetesform (Typ 3e), da muss man dann wahrscheinlich auch etwas Geduld aufbringen. Er gibt sich auf jeden Fall aber sehr viel mehr Mühe als mein Hausarzt und versucht, denke ich, sein Bestes.
Lieben Gruß und hab einen wunderschönen Tag,
Bianka -
am 20.03.2025 10:34:35 | IP (Hash): 1479472083
Kann mal jemand den Rechtschreibfehler (Buchstabendreher) im Threadtitel ändern?
Bearbeitet von User am 20.03.2025 10:35:11. Grund: genauer -
am 20.03.2025 10:38:21 | IP (Hash): 124463503
Ja sorry.... hab das auch schon gesehen, muss Steroid heißen, hab aber nichts gefunden wo ich das selbst ändern kann. :) -
am 20.03.2025 11:59:30 | IP (Hash): 2081293611
SUPER Technik!
Dann mal zum Lispro. Das nutze ich auch, und zwar mit fünf Einheiten morgens und fünf Einheiten abends. Wenn ich die 10 Einheiten nur abends spritze, habe ich irgendwann bei 24-2 Uhr ne Hypo und schon vor dem nächsten Mittag wieder mehr als 100 mg/dl. Wenn ich die 10 Einheiten nur morgens spritze, brauche ich zum Mittag meistens kein Humalog, aber wache am nächsten Morgen mit mehr als 140 auf. Auf die zwei 5er Dosen morgens und abends aufgeteilt wirkt das Lispro bei mir just wie es soll.
Auch wenn es drauf steht, wirkt das Lispro nicht gleichmäßig über 24 Stunden. In kleineren Dosen nicht einmal 12. Klar will auch das Lispro Spiel geduldig und vorsichtig ausgetestet und angepasst werden.
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Gestartet mit mehr als HbA1c 15,5 in 01.1991, ärztlich eingestellt Basal-Bolus ab 1998 mit Hba1c um 7 und um 140 IE/Tag Insulin. Gegen vielfachen ärztlichen Rat seit 2002 mit wenigen Ausnahmen 7/24 zwischen 60 und 140 mg/dl und HbA1c um 5 mit aktuell um 20 IE/Tag Insulin. - Das Reframing vom Typ 2 ist mein Hobby und mein T2D mein bester Gesundheits-Coach :) -
am 20.03.2025 12:46:51 | IP (Hash): 1992718414
hjt_Jürgen schrieb:
Dann mal zum Lispro. Das nutze ich auch, und zwar mit fünf Einheiten morgens und fünf Einheiten abends. Wenn ich die 10 Einheiten nur abends spritze, habe ich irgendwann bei 24-2 Uhr ne Hypo und schon vor dem nächsten Mittag wieder mehr als 100 mg/dl. Wenn ich die 10 Einheiten nur morgens spritze, brauche ich zum Mittag meistens kein Humalog, aber wache am nächsten Morgen mit mehr als 140 auf. Auf die zwei 5er Dosen morgens und abends aufgeteilt wirkt das Lispro bei mir just wie es soll.
Auch wenn es drauf steht, wirkt das Lispro nicht gleichmäßig über 24 Stunden. In kleineren Dosen nicht einmal 12. Klar will auch das Lispro Spiel geduldig und vorsichtig ausgetestet und angepasst werden.
Du meinst definitiv nicht Insulin Lispro!(=Kurzzeitinsulin). Sondern Toujeo oder Lantus (=Langzeitinsuline). -
am 20.03.2025 12:59:50 | IP (Hash): 1992718414
Jetzt zum TE
Hallo erstmal,
bei seltenen Diabetesformen und Begleiterkrankungen ist die Einstellung oft schwierig. Super, dass du einen guten Arzt hast. Ich habe selbst einen Typ3c, deshalb weiß ich, wie es ist mit einer Diabetes-Sonderform..
Was mir sofort auffällt:
Fester Spritzplan: das gelingt, wenn man jeden Tag die gleiche Menge Kohlenhydrate isst. Aber nicht, bei unterschiedlichen Mahlzeitengrößen/mengen. Bspw. deine Insulinmenge passt für 1 Brötchen morgens, isst du jetzt aber nur 1/2 Brötchen unterzuckerst du, isst du mehr, bspw. 2 Brötchen oder starken KH-Mengen (Müsli mit Banane) kommen extrem hohe Werte.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
- Wenn man flexibel essen möchte, muss man die Kohlenhydrate berechnen und entsprechend seine Insulindosis vom Bolusinsulin anpassen
- Wenn man nicht die Bolusmenge selbst berechnen möchte (oder nicht kann geistig/körperlich), dann ist ein Spritzplan mit täglich gleichen KH-mäßigen Mahlzeiten nötig.
Ein Mix aus festen Plan und flexiblen Mahlzeiten führt unweigerlich zu Chaos.
Zwecks Kortison ist sowohl die Art des Kortisons wie auch die Menge entscheidend, wie stark die Kortisonbedingte Resistenz ist. Hier gibt es für Typ1er einen Rechner, wenn sie mal Kortison brauchen. Vielleicht hilft er dir auch:
https://www.alexeberth.bplaced.net/wordpress/insulindosisanpassung-bei-cortison/