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Sind diese Werte normal?
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Manuela
Rang: Gastam 18.02.2008 16:21:27
Hallo zusammen,
letztes Jahr war ich beim Diabetologen, weil meine Schwiegermutter mal bei mir Zucker gemessen hat und der Wert war bei 200. Daraufhin sollte ich mich mal untersuchen lassen.
Dort war alles in Ordnung. Langzeitwert bei 5,2. Einen OGTT hat er auch gemacht. Höchster Wert nach einer halben Stunde war 175. Dann fiel der Wert wieder langsam ab. Er sagte, ich sollte auf mich achtgeben, da ich erblich ziemlich vorbelastet bin. Aber ich habe kein Diabetes.
Meine Schwiegermutter hat mir ihr altes Messgerät vererbt. Ich habe hin und wieder gemessen, da mich interessiert hat, ob der Wert wieder so hoch steigt.
Das ist er zum Glück nicht mehr.
Aber ich habe regelmäßig Werte eine Stunde nach dem Essen von 180, nach 2 Std. von 140, nach 3 Std. 110.
Nüchternwert liegt so bei 90 im Schnitt.
Ich bin 40 Jahre, weiblich und habe Idealgewicht.
Muss ich denn jetzt irgendwie Angst haben, dass sich da doch noch ein Diabetes entwickelt? Ich lese hier immer unter 140 soll der Wert bleiben.
Allerdings, wenn Der Diabetologe kein Handlungsbedarf sieht. Dann ist doch eigentlich alles in Ordnung, oder?
Liebe Grüße von Manuela -
Tommi
Rang: Gastam 18.02.2008 18:49:09
Hallo Manuela!
Deine Werte sind noch im normalen Bereich!
Der Wert von unter 140 mg/dl nach dem Essen gilt für ca. 2 Std. nach einer Mahlzeit. Da liegst du also noch im Normbereich.
Bedenken muß man auch, daß die BZ-Geräte nicht so genau sind, wie ein Laborgerät.
Bei auftreten von möglichen Symptomen, wie vermehrter Durst, Müdigkeit etc. mal den BZ messen.
Gelegentlich, z. B. einmal im Jahr würde ich, um sicher zu sein, eine Laborkontrolle (HbA1c Wert) beim Hausarzt machen lassen.
Liebe Güße
Tommi von Tommi -
thomas2002
Rang: Gastam 19.02.2008 05:39:25
ich würde die werte etwas im auge behalten. beobachte doch bitte, welchen einfluß welches essen hat, und wie sich intensivierte bewegung nach dem essen hat.
die werte sind fachoffiziel mindestens hochnormal. von thomas2002 -
Manuela
Rang: Gastam 19.02.2008 09:07:48
Hallo,
vielen Dank für Eure Antworten.
Natürlich ist der Wert nach z.B. Müsli viel höher, als nach Fleischmahlzeiten.
Mein Problem ist, dass ich, wenn ich ein Brot esse (aus dunklem Weizenmehl), dann nach einer Stunde schon wieder Hunger, richtigen Heißhunger bekomme. Mir wird dann schlecht und flau im Magen. Wenn ich dann messe, habe ich Werte von 50 oder 60. Danach schießt der Blutzucker wieder hoch, wenn ich gegessen habe.
Oder, direkt nach dem Essen geht der Wert auf 150, nach einer Stunde wieder auf 105, um dann nach einer Stunde (ohne dass ich etwas gegessen habe) wieder auf 140 anzusteigen.
Irgendwie ist das komisch.
Wie kann ich das denn beeinflussen außer mit Bewegung?
lg, Manuela -
Pia
Rang: Gastam 19.02.2008 09:54:10
Liebe Manu,
auch ein Nichtdiabetiker kann unterzuckern. Ich weiß ja nicht, wie groß und womit das "Schnittchen" so belegt ist.
Wenn dein Hausarzt 1 mal im Quartal Blut checkt (es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, dass was im Blut fehlt) passt das schon. von Pia -
Jürgen
Rang: Gastam 19.02.2008 11:11:45
Moin Manuela,
gesund wird jedes Einverleiben von Glukose (Brot, Kartoffeln, Reis sind Glukose pur) mit Insulin in 2 Phasen beantwortet.
Phase1 besteht aus gespeichertem Insulin, das in dem Moment in den Blutkreislauf ausgeschüttet wird, in dem die erste Glukose aus dem Darm ins Blut gelangt.
Dafür wird diese Phase von einer Signalkette angesteuert, die schon beginnt, wenn im Mund von den ersten längeren Molekülketten die ersten Teilchen Traubenzucker abgespalten werden. Die Kette setzt sich durch Magen und Darm fort, so dass die Glukose beim Übertritt in den Blutkreislauf sofort von Insulin empfangen und weggepackt wird.
Wo diese Phase1 gesund funktioniert, steigt der Blutzucker direkt nach dem Input auch von besonders großen Mengen Glukose höchst selten nur wenig über 140.
Mit der Phase1 läuft auch die Phase2 mit verstärkter neuer Insulinproduktion an. Sie wird vom Blutzucker gesteuert und läuft so lange, wie die Glukose nach dem Abarbeiten der Phase1 noch einen Anstieg über normal machen will. Wenn auch die abgearbeitet ist, fährt sie wieder auf Leerlauf runter, und wir können wir uns vorstellen, dass sie dabei noch den Speicher für die nächste Phase1 auffüllt.
Dein BZ-Anstieg direkt nach dem Essen deutlich über 140 sagt, dass Deine Phase1 defekt ist. So ein Defekt ist die notwendige Grundlage für jeden Typ2 Diabetes. Damit muss die Phase2 die ganze Insulinantwort geben, und das tut sie in den ersten Monaten bis Jahren noch mehr als genug, wie Du selbst feststellst. Nach einem schnellen hohen Anstieg fällt Dein Blutzucker in den Keller, und Du musst schleunigst wieder essen. Wenn Du das einfach so machst, wird sich diese Blutzucker-Achterbahn insgesamt nach oben verlagern, und Du wirst mit der Zeit immer höhere Spitzen und immer weniger Keller messen, bis der Doktor Dich zum Diabetiker ernennt.
Wenn Du als Glücksfall wertest, dass Du Deinen Phase1 Defekt (dafür gibt es bis heute keine Reparatur) schon so früh entdeckt hast und wenn Du Deiner Phase2 mit Deiner sorten- und mengenmäßigen Futterauswahl so entgegen kommst, dass Dein BZ in der ersten Stunde nach dem Essen zu keiner Zeit über 140 steigt, hast Du gute Chancen, noch einige Jahre nicht auf Diagnose Diabetes vorrücken zu müssen :-)
Bisdann, Jürgen -
Manuela
Rang: Gastam 19.02.2008 11:24:37
Hallo,
tolle Erklärung! Danke.
Muss ich das dann so verstehen, dass wenn mein BZ erst ansteigt, dann kurze Zeit wieder abfällt, um dann wieder erneut anzusteigen, obwohl ich nichts zusätzliches gegessen habe, dass die zweite Insulinantwort auch gestört ist? Oder hängt es davon ab, was ich gegessen habe? Z.B. KH oder Fett.
Was muss ich denn jetzt tun? Zum Arzt?
Der hat ja gesagt, ich bin gesund.
Alles über 140 ist nicht ok. Hab ich das richtig verstanden? Ich kenne mich leider noch nicht so aus. Meine Schwiegermutter hat mir halt viel erzählt und mich damals zum Arzt geschickt.
Ich bin schon dabei, hier die Beiträge durchzulesen.
lg, Manuela -
Jürgen
Rang: Gastam 19.02.2008 12:26:47
Moin Manuela,
wenn Du Deinen Stoffwechsel mal ein bisschen systematischer erkundest - wann wie viel wovon gegessen und ne Stunde später was gemessen - wirst Du wahrscheinlich feststellen, dass bei Dir nur Stärke (Brot, Kartoffeln, Reis) und selbstverständlich Zucker, auch der in Obst, den BZ deutlich ansteigen lassen. Fett und Eiweiß brauchen zwar auch Insulin, aber das fällt erst messbar auf, wenn wirklich kein eigenes mehr produziert wird.
Wenn Dein BZ nach Spitze und Tal wieder ansteigt, misst Du da wahrscheinlich die ausgleichende Funktion Deiner Leber. Wenn der BZ unter sein persönliches Soll absinkt, gibt die nämlich Zucker aus. Davon hat sie ne Menge gespeichert (der Fluchtvorrat unsere Altvorderen) und kann aus Eiweiß jede Menge neu machen. Das heißt, Du brauchtest für einen gesunden Blutzucker eigentlich nie Stärke oder Zucker zu essen. Es gibt auch keine essentiellen Kohlenhydrate. Es gibt nur essentielle Eiweiße und Fette.
Wenn wir ganz genau zuschauen, verläuft ein gesunder Blutzucker keineswegs so geradlinig, wie es von weitem den Anschein hat, sondern er pendelt zickzack-artig immer ein bisschen nach oben und nach unten. Wenn er oben an so eine Art imaginären Deckel anstößt, wird ein bisschen mehr Insulin ausgegeben, wenn er darauf hin auf einen imaginären Boden absinkt, wird etwas mehr Zucker ausgegeben.
Bei Dir fehlt nun ein Teil der Insulinregelung, und damit schlägt der Verlauf Deines BZ weiter nach oben und nach unten aus. Tatsächlich gilt die Weite der Ausschläge, also die Differenz zwischen den Spitzen und Tälern im Kurvenverlauf, als krankmachender, als ein weniger unruhiger und beständig insgesamt etwas höherer Blutzucker.
Aber wahrscheinlich wirst Du in ein paar Tagen feststellen, dass Dein BZ sehr viel ruhiger verläuft, wenn Du nur darauf achtest, dass Du nach dem Essen immer unter 140 bleibst. Dann wird er sich wahrscheinlich zwischen den Mahlzeiten im völlig gesunden Bereich meistens um 65-85 einpendeln.
Das sind wahrscheinlich sehr viel niedrigere Werte, als Deine Schwiegermutter die aus ihrer Behandlung kennt. Das liegt zum einen daran, dass Therapierichtlinien immer an älteren Erkenntnissen und Wissensständen orientiert sind, und dann auch daran, dass ein wirklich gesund flacher & niedriger BZ-Verlauf mit Medis sehr viel schwieriger dazustellen geht, als wenn man sich auf eine wenigstens noch teilweise funktionierende BZ-Automatik stützen kann und die nur eben mit dem Essen ein bisschen zu unterstützen braucht.
Bisdann, Jürgen -
Tommi
Rang: Gastam 19.02.2008 14:08:51
Hallo Manuela!
Das sind hier alles ganz tolle Erklärungen.
Aber kurz gesagt. Du bist noch kein Diabetiker und mach dich mit den einzelnen Werten nicht verrückt. Am besten du Entsogst das Gerät.
Wie gesagt, Kontrollen durch deinen Hausarzt sind völlig ausreichend, um einen Diabetes rechtzeitig zu erkennen.
Bei gesunder Ernährung, ausreichend Bewegung und behalten des Idealgewichts wirst du wahrscheinlich auch niemals Diabetes Typ II bekommen.
Lieben Gruß von Tommi