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Wie viel Lebenseinschränkung durch Diabetes Typ I?
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Gast
Rang: Gastam 14.07.2014 19:37:29
Den Beitrag habe ich schon gemeldet - hoffe, er wird baldigst gelöscht. -
Harzhexe
Rang: Gastam 15.07.2014 10:20:22
Ich habe seit meinem 6. Lebensjahr Typ 1, also seit nunmehr fast 35 Jahren.
Es war nicht immer leicht, denn als Kind empfindet man die Krankheit ja doch anders. Besonders wenn man damit zu DDR-Zeiten in Berührung kam. Denn damals wurde essentechnisch viel verboten, was heute erlaubt ist. Außerdem konnte ich erst Ende der 80er Jahre erstmals meinen Blutzucker mit Teststreifen messen (Farbvergleich). Das war schon ein Fortschritt.
Ich habe nicht immer auf meinen Zucker geachtet, habe während der Pubertät vieles schleifen lassen - ich hatte Glück - es stellten sich keine Folgekrankheiten ein.
Erst als ich diese "live" gesehen hatte, stellte sich ein Umdenken ein.
Damals empfand ich die Krankheit schon als belastend.
Aber die Forschung schritt ja immer weiter fort und mittlerweile bin ich auch seit fast 16 Jahren Pumpenträger (wollte ich anfangs auch nie werden). Die Pumpe erleichtert den Alltag doch sehr, allerdings muss man auch hier konsequent an sich arbeiten und die Werte mit der Insulinanpassung durch die Pumpe vornehmen.
Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass die Krankheit mir irgendwelche Einschränkungen gegeben hätte. In meinem Beruf (arbeite im Büro) bin ich voll einsatzfähig. Ich habe meinen Kollegen und meinem Chef gleich von Anfang an gesagt dass ich Diabetiker bin und auf was sie im Fall aller Fälle mal achtgeben sollten.
Ich habe aber auch schon gehört, dass es Arbeitgeber gibt, die gern auf Diabetiker verzichten. Bei einigen Berufen kann ich mir das ja auch erklären, aber das muss ja nicht sein.
Ich habe mir jedenfalls zum Lebensmotto gemacht: Der Zucker beherrscht mich nicht- ich beherrsche meinen Zucker. Zu dieser Erkenntnis bin ich aber auch erst nach einigen Jahren gekommen. -
Gast
Rang: Gastam 15.07.2014 10:45:38
Hi Hexe
Klasse Beitrag, Du bist wirklich jemand der echt Mut macht, toll wie Du damit umgehst. Das was Du schreibst sollte auch für andere die davon betroffen sind Normalität werden.
"Der Zucker beherrscht mich nicht- ich beherrsche meinen Zucker. "
Dieser Satz ist Spitze!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Gruß Michael -
Harzhexe
Rang: Gastam 15.07.2014 11:49:55
Hallo Michael,
es freut mich, dass dich mein Beitrag motiviert.
Leider denken auch viele Diabetiker heute noch nicht so wie ich. Wir haben hier im Ort eine Selbsthilfegruppe für jüngere Typ 1er aufbauen wollen - es kam Keiner.
Dann sollte eine Gruppe für Pumpenträger aufgebaut werden - ebenfalls ein Reinfall.
Daher kann ich nicht begreifen, dass sich so viele Diabetiker aufregen, das nichts getan wird. Wir wollten was tun und was wurde daraus - nichts.
Das war schon de-motivierend.
Mittlerweile haben wir eine gemischte Gruppe aufgebaut - ich bin dort die Jüngste. Das Durchschnittsalter liegt über 65 - das kann es doch echt nicht sein.
Wir geben die Hoffnung jedoch nicht auf und geben weiterhin Hilfe zur Selbsthilfe, denn wir lassen uns von unserem Zucker nicht unterkriegen! -
Harzhexe
Rang: Gastam 15.07.2014 12:00:49
Ich vergaß auch noch zu erwähnen, dass ich bei meinem Diabetologen oder Hausarzt immer wieder auf Diabetiker treffe, die über die Fähigkeiten des Arztes nörgeln und unzufrieden sind.
Sie begreifen einfach nicht, dass sie selber was dazu beitragen können und müssen, dass die Zuckerwerte gut sind, sie nicht zu dick sind/werden, sich eben auch mal mit der Krankheit auseinandersetzen müssen.
Weiterhin kann ich diesen ganzen Rummel um die sogenannten "Diabetes-Warnhunde" nicht verstehen. Letzten Endes kann der Hund zwar auf eine Über- oder Unterzuckerung hinweisen, aber den Zucker testen muss ich immer noch selber. Die ganze Verantwortung auf einen Hund abzuschieben geht einfach nicht!
Wir sind für uns selber verantwortlich! Wir haben es selber in der Hand, ob der Zucker uns beherrscht, oder wir den Zucker ........... -
am 16.07.2014 14:56:28
Moin Harzhexe,
Deine Typ1-Erlebenskizze erinnert mich an diese hier. Sorry, geht nur auf Englisch. Doc Bernstein war der erste Diabetiker, von dem ich weiß, dass er beides auf einander abgestimmt hat, sein Insulin und sein Essen und ausgerichtet am eigenen BZ-Messer, und zwar mit dem Ziel eines nach Möglichkeit völlig gesunden BZ-Verlaufs.
Auf der anderen Seite hab ich gerade ein Precision Neo in Dienst gestellt, das mir bei voller Nutzung zur Blutzuckermessung vor dem Essen die passende Insulin-Dosierung verspricht, vorausgesetzt, ich hab meinem Doc erlaubt, meine aktuellen Faktoren dort einzupflegen.
Nein, mein Doc kennt meine Faktoren nicht. Ich übrigens auch nicht wirklich. Ich spritze meistens für das, was ich aus Gewohnheit auf dem Teller erwarte oder mir an Glukose abschätzend vorstelle, wenn die Gewohnheit das eine oder andere Mal unterbrochen wird.
Und überhaupt messe ich höchst selten vor dem Essen.
Generell scheint mir das Selbersteuern des eigenen Blutzuckers nicht nur bei INSULINERn völlig out - oder nie wirklich in gewesen zu sein. Als ich Ende der 90ger Jahre vom Tabletter zum Insuliner mutierte, hab ich ja auch diese Protokoll-Heftchen kennen gelernt. Und erwachsene Leute, die die mit irren BZs voll geschrieben haben, ohne auch nur die geringste Veränderung ihres alltäglichen Spritz-& Essverhaltens.
Muss mal wieder ins Krankenhaus nach X zu Professor Y zur Einstellung. Der macht das immer wirklich gut, pflegte ein Ingenieur dazu zu sprechen, den ich damals für seine berufsmäßigen technischen Leistungen bewunderte. Wahrscheinlich hat er inzwischen ne Dosier-App auf seinem i-Phone.
Die Entwicklung scheint mir insgesamt auf immer smartere Programm-Vorgaben hinaus zu laufen, mit denen in den nächsten Jahren der Standard herkömmlich guter Einstellungen erreicht werden kann. Ohne den eigenen Kopf zu bemühen ist das sehr viel mehr, als heute mehrheitlich mit Kopf erreicht wird.
Wer dann noch selbst dosiert, wie wir beide, ist selber schuld ;)
Bisdann, Jürgen
Bearbeitet von User am 16.07.2014 14:59:52. Grund: automatischen Link entfernt