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Was sagt der 1-Stunden-Wert nach dem Essen aus?
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LisaO
Rang: Gastam 21.08.2007 09:06:36
Hallo Helga!
Auch bei mir wurde Ende Februar Diabetes Typ 2 diagnostiziert. Auf der Suche nach Informationen bin auch ich auf dieses Forum gestoßen. Dieses Forum, mit den bekannten Experten hat mir sehr geholfen, den für mich so hoffe ich, richtigen Umgang mit meiner Erkrankung zu finden.
Ich bin auch froh darüber, dass sich jetzt eine Ärztin wie Anke die Mühe nimmt kompetent, auf die Fragen der Unwissenden zu antworten.
Was jeder der betroffenen Fragesteller für sich an Wissen in Anspruch nimmt, bleibt jedem selbst überlassen.
Ich für mich, habe mich für den Weg ohne Medikamente entschieden, mein Gewicht um fast 20 kg reduziert und meine Ernährung den Gegebenheiten angepasst. Die Werte bewegen sich zwar nicht ganz im Bereich dessen, was Jürgen als Formel beschwört, bin aber heute bei einem HBA1c von 5,7 welche Ende Februar noch bei 7 lag.
Ich bin in der „glücklichen Lage“ mittels Blutzuckermessung so ziemlich alles auszutesten und habe folgende Erfahrung gemacht.
Es ist richtig, dass sportliche Betätigung die Werte senkt. Von meinen anfänglichen NÜ Werten, welche sich bis zu 140 bewegt haben, bin ich Dank regelmäßigen bis unregelmäßigen Nordic Walking meistens unter 110 angelangt .
Weiters konnte ich feststellen, dass bereits 5 Minuten am Ergometer ausreichen um den 1 Stunden Wert von 155 auf 107 zu senken, denn nicht immer hat man nach dem Essen Zeit die Stöcke in die Hand zu nehmen oder einen Verdauungsspaziergang zu machen.
Liebe Helga, du fragst nach kleinen Helfern - ohne das man sich sportlich betätigt, auch die habe ich gefunden und Zwar in Form von E s s i g . 1 Stamperl Apfelessig also 2 cl, senken den BZ-Spiegel in etwa so als würde ich 5 Minuten am Ergometer strampeln. Seltsamerweise habe ich von Essig als blutzuckersenkendes Mittel weder hier noch anderswo gelesen. Bin auf die Meinung von Jürgen gespannt oder vielleicht kann Anke mir das Phänomen Essig erklären.
Ebenso hilfreich ist ein Gläschen Apfelwein zu einer guten Jause, da kann ich getrost auch etwas Süßes als Nachspeise zu mir nehmen.
Bei meiner letzten Kontrolle im Krankenhaus wurde ich sehr gelobt „der Mensch freut sich“ und meine Ärztin hat gemeint, wenn ich diese Ernährungsweise im Zusammenhang mit der sportlichen Betätigung beibehalte, könnte ich sehr lange auf Medikamente verzichten.
Liebe Helga, abschließend kann ich Dir nur raten, dass auch du für dich einen individuellen Weg findest und das Beste aus der Krankheit machst.
Mit lieben Grüßen
LisaO
P.S.: Der Urlaub in Kroatien war traumhaft schön und hat meinem Blutzuckerverlauf trotz einiger Gläschen kroatischen Weins nicht geschadet.
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Pia
Rang: Gastam 21.08.2007 09:24:20
Bitte bitte nicht gegenseitig persönlich angreifen:-(( Denkt bitte immer daran: Geschriebenes aber bleibt. Und ein Satz kann auch mal nicht korrekt interpretiert werden.
Wenn ich vielleicht auch heute immer noch nicht alles verstehe, was die Diabetes-Fiten wie z.B. Jürgen hier schreiben, so hat mir z.B. eins sehr sehr weitergeholfen. Und das hat mir kein Diabetologe erzählt.
"Max 140/120/100 mg/dl solltest Du 1/2/3 Stunden nach dem Essen als Deinen grünen Rahmen nicht überschreiten. "
Das finde ich ist eine ganz wichtige Richtlinie für die Ausprobierei, wieviel und was man essen darf. Dass man überhaupt selbst an seinen Insulindosen "herumschrauben" darf, hatte ich nicht gewusst und auch mir ohne ärztliche Absegnung nicht getraut, bis ich hier in diesem Forum die ersten Aaahh und Oohhh-Effekte hatte. Ich habe hier viel gelernt.
Und ich finde Jürgens "Gebetsmühlen" richtig gut. Und ich habe auch Respekt vor seiner Geduld, alles auch noch ein 100. mal zu erklären.
von Pia -
Jürgen
Rang: Gastam 21.08.2007 12:19:34
Moin Anke,
ich reagiere allergisch auf kommerzielle Angebote in Foren und Newsgroups und sehe Deine Beiträge zumindest so lange, wie Du für Dein Geschäft via HP wirbst, als Advertorials. Trotzdem rechtfertigt das keine aggressive Schreibe, und ich bitte dafür um Entschuldigung.
Als ich 1990 diagnostiziert wurde, galt ein HBA1c von 7 in der DM-Behandlung als unerreichbarer Goldstandard, obwohl schon damals zum Standardwissen der Inneren Medizin gehörte, dass bei Menschen mit intakter BZ-Automatik da ne 5 gemessen wurde. Und obwohl aus DCCT und UKPDS schon klar war, das die 7 zwar einstellungsschemamäßig schwer zu unterschreiten sein würde, dass aber die diabetischen Krankheitsrisiken auch darunter stufenlos weiter zu senken sein würden.
Obwohl längst fachgebietsübergreifend beklagt wird, dass zunehmend diabetische Schäden schon bei Menschen entdeckt werden, deren BZ sich noch deutlich unterhalb der Diagnose-Schwellen bewegt, die 1974 willkürlich gesetzt wurden, verkauft uns die Medizin ein Überschreiten dieser Diagnose-Schwellen aus meiner Sicht absolut wider besseres Wissen wie den Ausbruch einer Krankheit. So als wenn direkt darüber wesentlich mehr Unheil droht, als direkt darunter.
Und die Fachmedizin in D hat bisher noch nicht wie die in USA beschlossen, wenigstens einen weiteren BZ-Bereich darunter zwar nicht als DM, aber als behandlungsbedürftigen Prädiabetes zu klassifizieren.
Obwohl zum Standardwissen der Inneren Medizin gehört, dass die gesunde Insulinantwort auf jeden Glukoseeintrag in 2 genial aufeinander abgestimmten Phasen abläuft und dass weit im Vorlauf zu jeder BZ-Auffälligkeit in den noch immer dunklen Anfangszeiten der Entwicklung zum Typ2 die erste Phase abstirbt, werden die Betroffenen standardmäßig in keiner Weise darüber unterrichtet. Sie erfahren nicht, dass die zweite Phase zwar auch, aber nur verspätet das notwendige Insulin bereitstellen kann und dass das aber auch für die Glukose aus der Leber reichen muss, deren Ausschalten zu den Funktionen der gesunden ersten Phase gehört. Sie erfahren auch nicht, dass die zweite Phase alleine immer mehr Insulin ausgibt, als gesund beide Phasen zusammen in der selben Situation ausgeben würden. Sie erfahren auch nicht, dass dieser durch ein beständiges Zuviel an Insulin gekennzeichnete Zustand sich durch die gesamte Zeit zum und durch den Prädiabetes und auch noch Jahre in den diagnosereifen Diabetes hinein zieht. Sie erfahren auch nicht, dass...
Ihnen wird stattdessen erzählt, dass ihr Diabetes nur davon kommt, dass sie sich zu wenig bewegen und zu fett essen. Ich weiß von ner ganzen Reihe arztgläubiger Betroffener, die beim Übergang zum Insulin aus allen Wolken gefallen sind, weil sie nicht für das böse Fett spritzen mussten, sondern für die guten KHs. -
Sorry, aber ich bin der festen Überzeugung, dass ein großer Teil unseres Typ2-Problems wegen der irrsinnigen Kluft zwischen Fakten- und Behandlungswissen ein hausgemachtes Problem der Medizin ist.
Abgesehen davon finde ich Deine Art zu schreiben sehr ansprechend, und ich kann mir vorstellen, dass sich Patienten bei Dir gut aufgehoben fühlen.
Bisdann, Jürgen -
Haschi
Rang: Gastam 21.08.2007 12:40:03
Hallo Helga,
lass dich nicht kirre machen, bei dir besteht aufgrund ärztlicher Diagnose weder Diabetes noch ein pathologischer Defekt. Deine Blutglukosewerte sind normativ.
Postprandiale Hyperglykämie bedeutet offensichtlich per se höhere kardiovaskuläre Risiken. In diversen mir und meinen Ärzten (Internisten, Diabetologen, Kardiologen, Nephrologen) bekannten Studien gilt dies für Zweistundenwerte über 140 mg/dl. Höhere Risiken kurzfristiger postprandialer Peaks sind nicht belegt.
Abnorme Nüchternglukose ( Plasmawerte über 100 bis 125 mg/dl, Vollblut 90 bis 110 mg/dl) kann jedoch nach m.W. durchaus pathologische Bedeutung haben, ebenso wie postprandiale Zweistundenwerte zwischen 140 und 199 mg/dl.
Im Übrigen besteht auch zweifelsfrei Diabetes, wenn Zufallswerte in der Praxis (ohne oGTT) 200 mg/dl oder mehr betragen, wenn typische Symptome oder eine genetische Dispostion vorliegen.
von Haschi -
Helga
Rang: Gastam 21.08.2007 15:47:33
Liebe LisaO,
danke für Deine nette und hilfreiche Antwort! Ich möchte auch unbedingt den Weg gehen, den Du beschritten hast und möglichst lange nur mit Ernährungsanpassung und Bewegung klar kommen! Deine Tipps - auch mit dem Ergometer - sind klasse. Übrigens, das mit dem Essig habe ich gerade vor 1 Stunde noch auf der Internetseite von Hans Lauber entdeckt :-)) Er hat da noch einige andere "Zuckersenker" aufgelistet.
Ich finde Jürgens Credo 1-2-3 / 140-120-100 auch gut und würde das für mich gerne erreichen.
Du hast ja auch viel durch Messen getestet, z.B. wie Du auf welche Nahrungsmittel oder auf welche Bewegung reagierst. Dazu habe ich noch eine andere Frage, die ich aber gesondert stelle - wegen der Übersichtlichkeit :-)
Lieben Dank für Deine Unterstützung!
Herzliche Grüße
Helga
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Helga.
Rang: Gastam 21.08.2007 16:17:15
Hallo Haschi,
ich möchte ja auch nur zu gerne davon ausgehen, dass alles ok ist. Klar, hänge ich mich auch gerne an meine normalen Nüchtern- und 2-Stunden-Werte.
Mich lässt aber Jürgens Erklärung mit der 2-Phasen-Insulin-Ausschüttung nicht ruhen. Dass ich nach sehr KH-reichen Mahlzeiten nach 1 Stunde so hoch komme (170 o.ä.) und dass dies angeblich bei Stoffwechselgesunden trotz Mengen an KH und Zucker nicht passieren soll, macht mich sehr nachdenklich! Wenn das stimmt, dass Gesunde höchstens mal kurz bei 120 liegen, ja dann gibt mir mein 1-Stunden-Wert schon zu denken, auch wenn ich nach 2 Stunden wieder locker unter 100 liege.
Mein Arzt hat ja auch gesagt, dass der 1-Stunden-Wert nicht wichtig sei, nur der 2 -Stunden-Wert. Aber nach Jürgen zeigt gerade der 1-Stunden-Wert frühzeitig einen Defekt an, der, wenn man nichts tut, in jedem Fall im DM endet. Ärzte wissen aber doch auch, dass Gesunde trotz vieler Schokoriegel nach 1 Stunde nur vielleicht 120 oder gar weniger liegen. Ich habe gestern noch auf einer medizinischen Seite gelesen, dass der BZ - egal nach welcher Nahrung - max. um ca. 40 ansteigen würde.
Das ist alles noch sehr verwirrend für mich.
Danke für Eure Hilfe beim Orientieren!
Liebe Grüße
Helga von Helga. -
Franziska
Rang: Gastam 21.08.2007 17:42:01
Hi Helga,
bin zwar nicht Haschi, aber:
"Mich lässt aber Jürgens Erklärung mit der 2-Phasen-Insulin-Ausschüttung nicht ruhen. Dass ich nach sehr KH-reichen Mahlzeiten nach 1 Stunde so hoch komme (170 o.ä.) und dass dies angeblich bei Stoffwechselgesunden trotz Mengen an KH und Zucker nicht passieren soll, macht mich sehr nachdenklich! Wenn das stimmt, dass Gesunde höchstens mal kurz bei 120 liegen, ja dann gibt mir mein 1-Stunden-Wert schon zu denken, auch wenn ich nach 2 Stunden wieder locker unter 100 liege"
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Das ist bei vielen Diebetikern oder solchen, die es noch werden sollen, die erste Phase der Erkrankung: Es wird zu wenig Insulin gespeichert für die Erstausschüttung, zweitens wird der Lber nicht untersagt, mit dem Nachschub an Glucose aufzuhören. Beides führt zu den hohen 1h- Werten, später auch zu hohen 2h Werten.
Bei mir ist das leider auch so.
Inzwischen habe ich durch die 140-120-100 Regel gelernt, dass es sinnvoll ist:
- Laaangsam zu essen, am besten über Stunden
- stärkearm essen, Protein und Ballaststoffe bevorzugen.
- evtl. eine halbe Stunde vor der größeren Mahlzeit so eine Art 'Appetizer' zu nehmen (ca. 5g KH), der die Bauchspeicheldrüse stimuliert und ihr sagt, dass sie sich drauf einstellt, dass da was kommt...
- ich durch die Zugabe von Miglitol (so etwas wie Acarbose, eine Art Resorptionsverzögerer, der die Spaltung von Stärke und Zucker hemmt uns somit die schlagartige Resorption von Glucose aus der Nahrung) die BZ auch nach 1, 2 und 3 h unter 130 halten kann. Wegen der drohenden Blähungen darf man es aber trotzdem nicht mit den KH übertreiben, also besser kein Keiserschmarrn und Acarbose :-)
Also zusammenfassend: Was kaputt ist ist kaputt, aber die Art und Menge und Geschwindigkeit der Zufuhr an KH (s.o.)kann ich diesem Defekt anpassen. Das hilft schon enorm weiter. Und ich muss sagen, dass ich mich noch nicht mal sehr eingeschränkt fühle dadurch, da ich vieles esse, genau wie vorher, nur anders.
LG
Franziska
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Helga.
Rang: Gastam 21.08.2007 22:32:32
Danke, Franziska, für den "Appetizer"-Tipp.
Was nimmst Du da denn so zum Beispiel?
Liebe Grüße
Helga von Helga. -
Silke
Rang: Gastam 22.08.2007 01:35:27
Hallo Helga,
ich habe das gleiche Problem wie Du. Vor ca. 17 Jahren wurde das mal "per Zufall" festgestellt, da ja "offiziell" mit dem Nüchternwert und nach 2 Stunden immer alles ok war. Ich habe dann gerne den Ärzten geglaubt und das dann irgendwann "vergessen" und mindestens in den letzten 14 Jahren gegessen, was mein Appetit hergab, also auch Süßes, Kuchen, Croissants. Vor einem halben Jahr "fiel es mir dann wieder ein", dass ich ja mit dem 1-Stunden-Wert früher etwas hoch lag und das ganze nochmal wieder näher betrachtet. Es ist immer noch so wie vor 17 Jahren, nicht besser, aber auch nicht schlechter. Da ich aus anderen Gründen meine Netzhaut jährlich untersuchen lassen muss, weiß ich, dass da zumindest keine Auffälligkeiten sind.
Ich habe mir zwar vor einem halben Jahr wieder vorgenommen, nun etwas besser auf meine Ernährung zu achten und mich auch viel mit dem glykämischen Index beschäftigt, aber ich wollte Dir einfach nur berichten, dass es nicht unbedingt so sein muss, dass es sich nun innerhalb weniger Jahre stetig verschlechtert bis hin zum manifesten Diabetes. Vielleicht kann so ein "Zustand" auch einfach so bleiben, weil es noch andere Gründe gibt. Sonst müsste ich doch nach 17 Jahren und belastender Ernährung längst Diabetikerin sein!
Also, kein Aufruf, zum Schludern, sondern nur zur Entspannung, denn Stress ist auch wieder nicht gut für den BZ.
Alles Liebe
Silke -
Haschi
Rang: Gastam 22.08.2007 13:41:01
Hallo Helga,
ich kann mich ebenso wie "unserer" Medizinerin Anke auch Silke in diesem Thread nur noch anschließen, da beide alles und kompetent zum Thema gepostet haben.
Wenn du deine kurzzeitigen Butglukoseausflüge, die nach einer Mahlzeit mit hoher Glykämischer Last bei vielen Menschen auftreten, mit probaten Mitteln
(diätetisch oder medikamentös) kompensieren kannst, warum nicht?
Aber kirre machen brauch'st dich deshalb nicht. von Haschi