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Wie ist das mir der fehlenden Erstantwort?

  • Johnny

    Rang: Gast
    am 16.07.2007 21:33:10
    Hallo,

    habe hier mehrmals über "die fehlende "Erstantwort" = die Ausschüttung des vorhandenen "Insulinvorrats" in der bsd" gelesen.

    Weiss jemand, warum der vorhandene Insulinvorrat nicht ausgeschüttet wird?
    Und kann man da etwas tun, um diese "Erstantwort" wieder anzuregen? Hilft da Ausdauersport?

    Danke!
    Johnny

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 17.07.2007 12:11:30
    Moin Johnny,

    Schema gesund: Glukose in Mund > Phase1=in den Inselzellen gespeichertes Insulin > schaltet ggf. Zuckerausgabe aus Leber ab und leitet neue Glukose direkt in die Zellen.
    Phase2=Anlauf Insulinneuproduktion in dem Maß, in dem noch Glukose, die Phase1 übrig gelassen hat, den Blutzucker erhöhen will.

    Schema Typ2: Gegessene Glukose erhöht mit dem Übergang ins Blut den Blutzucker. Die Erhöhung löst den Anlauf der Phase2 aus, die mit deutlicher Verspätung den Blutzucker wieder auf normal und häufig auch ein Stück darunter senkt.

    Mit beiden Phasen gesund zusammen wird das notwendige Minimum an Insulin so effizient aktiviert, dass der Blutzucker selten und kurz an 120 mg/dl ansteigt oder auch schon mal knapp darüber, aber praktisch nie über 140.
    In dem Maße, in dem die Phase1 abstirbt und die Phase2 die ganze Last übernimmt, steigt der Blutzucker nach dem Essen immer höher an und wird immer später mit immer mehr zuviel Insulin und meistens zunächst ein kleines, aber auf die Dauer im wahrsten Sinne des Wortes zunehmendes Stück, zu weit abgesenkt.

    In dem Maße, in dem die Phase2 den Insulinbedarf nicht mehr decken kann, steigt der Blutzucker immer höher an und überschreitet schließlich auch immer häufiger und weiter die 1974 für den ordentlichen Typ2 gesetzeten Diagnoseschwellen.

    Diese Vorgänge sind keineswegs laienhafte Spekulation, sondern seit Jahrzehnten gesichertes Schulwissen der Endokrinologie

    Eine Erklärung, warum die Phase1 abstirbt, habe ich bislang nirgendwo gefunden, auch keinen Hinweis darauf, dass das etwa mit zu fettem Essen oder zu viel Körpergewicht ausgelöst würde oder durch die so genannte Insulinresistenz.
    Es gibt nur Hinweise aus dem Erleben Betroffener, dass sich dieser wie auch der übrige Funktionsverlust der Inselzellen damit erheblich verlangsamen lässt, dass man der jeweils verbliebenen Restfunktion mit dem Essen so entgegen kommt, dass man zu allen Zeiten nach dem Essen etwa eine Obergrenze von 120 mg/dl selten und 140 praktisch nie überschreitet.

    Im Zusammenhang mit Actos und Byetta wird aus dem schnelleren Antworten auf Glukose gefolgert, dass damit die Phase1 wenigstens teil- und zeitweise wieder hergestellt würde. Und obwohl diese Folgerungen aus Medizinkreisen kommen, habe ich bislang nirgendwo einen wissenschaftlichen Nachweis dafür gefunden.

    Warum die Diabetologie als Spezialgebiet der Endokrinologie bis heute so tut, als wenn es die gesund 2phasige Insulinantwort überhaupt nicht gäbe und als wenn der mit solchem Aufwand sichergestellte flache & niedrige Schwankungsbereich des Blutzuckers völlig unnötiger Luxus wäre, magst Du spekulieren ;-)

    Bisdann, Jürgen
  • Johnny

    Rang: Gast
    am 17.07.2007 19:12:44
    Hallo Jürgen,

    danke für Deine tolle Antwort und dass Du - und auch die anderen: Klaus, Haschi, etc.. - hier Euer Wissen und Eure Erfahrungen weiter gebt! Ich stelle fest, dass ein Diabetiker, der selbst Manager seiner Krankheit ist, oft mehr weiß als mancher Arzt! Und bessere Tipps hat! Ärzte geben sich ja wirklich oft mit mäßigen Werten zufrieden.........naja, die Folgeschäden daraus trägt ja auch nicht er. Schön, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, uns (Anfänger) davon profitieren zu lassen.

    Zur Frage:
    Demnach würde ein guter HbA1c von z.B. 5 nicht unbedingt heißen, dass es keine ungesunden Spitzen gäbe, sondern dass diese möglicherweise nur durch ungesunde Unterzuckeruungen auf einen "guten Mittelwert" gehalten werden? Würde ein HbA1c von um die 5 in jedem Falle vor Folgeschäden schützen, auch wenn es solche hohen Spitzen gäbe?

    Herzliche Grüße
    Johnny
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 18.07.2007 14:41:26
    Moin Johnny,

    die Antwort ist JEIN :-( Oder auch, niemand weiß es genauer. Denn der Blutzucker wirkt negativ, indem er Eiweißteilchen verzuckert und dadurch in ihrer Funktion behindert bis verändert. Dieses Verzuckern kennen wir vom verzuckerten Eiweiß der roten Blutkörperchen, mit deren Prozentsatz der HBA1c angegeben wird. Alle etwa 80-120 Tage werden die erneuert, und nur deswegen kann unser HBA1c ja sinken. Wenn die alten erhalten blieben, könnte er immer nur steigen.

    Nun hat und braucht jeder Mensch Blutzucker, auch jeder gesunde. Und gesund ist der gesunde Mensch nicht deswegen, weil bei ihm nichts verzuckert, sondern weil bei ihm die Erneuerungsrate der Eiweißteilchen ausreichend weit über der Verzuckerungsrate liegt. Und auch dafür kann es kein eindeutiges Maß geben. Denn wenn Du dir zu jeder möglichen Folgekrankheit ein Fass vorstellst, und den Ausbruch der Krankheit, wenn das Fass über läuft und die verzuckerten Eiweißteilchen als die Tropfen, die die Fässer füllen, wird schnell klar, dass umso mehr dieser verzuckerten Eiweißteilchen ohne Schaden ertragen werden können, je gleichmäßiger sie sich auf alle Fässer verteilen, und dass schon vergleichsweise wenige für einen kapitalen Schaden ausreichen, wenn aus welchem Grund auch immer fast alle nur in einem Fass landen :-(

    An den Spitzen sowohl nach oben wie auch nach unten können wir sehen, dass es verschiedene Reaktionen von Eiweißen auf Verzuckern gibt: Die roten Blutkörperchen können ihren Zucker wieder abgeben, wenn die Verzuckerung weniger als etwa 2 Stunden dauert. Um also senkend wirksam zu werden, müsste eine Unterzuckerung auch wenigstens so lange anhalten.
    Anderen Eiweißen als denen der roten Blutkörperchen reicht schon der einmalige kurze Kontakt zur dauerhaften Verzuckerung. Deswegen kann man an den verzuckerten Eiweißen der Haut die gesamte Zuckerbelastung eines zurückliegenden Zeitabschnittes auch sehr viel zuverlässiger und deutlicher bestimmen, als aus dem Blut. Nur ist die Bestimmung des Zuckers in der Haut heute noch eine sehr aufwändige Prozedur.

    Die Geschichte mit dem Erkaufen einer guten Einstellung mit Unterzuckerungen stammt aus der Zeit, als niemand seinen BZ zeitnah messen konnte. Damals orientierten sich Betroffene und Doks am morgentlichen Nüchternwert. Wenn der zu hoch erschien, wurde die Medikation erhöht. Klar traten dann irgendwann Hypos auf, und die konnte man nun dafür ertragen, dass man mit einer so genannt besseren Einstellung einen niedrigeren Morgen- und als der denn später gemessen werden konnte, auch einen niedrigeren HBA1c-Wert erzielte, oder man ließ einen höheren Zielwert zu und vermied damit die meisten Hypos.

    Wer dagegen meint, dass er nur viele Hypos für einen niedrigen HBA1c-Wert produzieren muss, übersieht, dass der keine kurzzeitigen Spitzen registriert, weder nach oben noch nach unten.

    Bisdann, Jürgen