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  • Haschi

    Rang: Gast
    am 03.07.2007 15:07:04
    Hallo,

    nach den Praxis-Leitlinien Der Diabetologen (DDG) ist für Diabetiker ein Therapieziel für den HbA1c von < = 6,5 % anzustreben. Bei einem Wert von 7,0 % ist eine Intervention erforderlich, um chronischen Komplikationen vorzubeugen.
    Langzeitwerte am oder über dem Interventionspunktl sollten eine Therapieanpassung zur Folge haben.

    Ein HbA1c ist jedoch nur dann gut, solange er ohne große Blutzuckerschwankungen und mit möglichst wenig Hypos erzielt wird. Neigen Diabetiker zu schweren oder häufigen Hypos, kann auch ein höherer HbA1c toleriert oder vereinbart werden.

    Ob deutlich niedrigere Langzeitwerte, vor allem wenn sie nur mit rigiden Einschränkungen der Lebensqualität erzielt werden, weitere Vorteile für Diabetiker bieten, ist nach der derzeitigen Studienlage ungewiss.
    von Haschi
  • Fuchs

    Rang: Gast
    am 05.07.2007 12:00:01
    Mag ja sein, dass die Richtlinien das so vorsehen. Sind halt Richtlinien - also mehr DAS GROSSE VORBILD/Ziel.

    Wenn aber der Eindruck erweckt wurde, dass jeder Wert oberhalb von 6,5 "schlecht" oder "mäßig" sei, so ist dies -pardon- Humbug und widerspricht jeder Lebensrealität.

    Fuchs
  • Haschi

    Rang: Gast
    am 05.07.2007 15:19:42
    Hallo Fuchs,

    es mag ja sein, dass es nicht der "Lebensrealität" vieler Menschen entspricht, ihre Lebensweise nach den gesundheitlichen Erfordernissen zu gestalten. Das schafft aber keine Rechtfertigung, deshalb auch anderen Betroffenen eine ungesunde Lebensweise zu propagieren.

    Das HbA1c ist immer noch der wichtigste Parameter bei Diabetikern für die Beurteilung der Stoffwechselführung. Werte deutlich über dem Bereich für Gesunde bergen nachgewiesenermaßen nun mal höhere Risiken chronischer diabetischer Komplikationen. Leider ist der Durchschnittswert aller mit Insulin behandelten Diabetiker in D mit um die 8 %
    nicht mehr in einem Bereich, der nur niedrige gesundheitliche Risiken bedeutet.
    Dies belegt auch die relativ hohe Zahl an Ereignissen, die zumindest partiell auf die schlechte Blutzuckerführung zurückgeführt werden können.

    Diabetiker, die gesundheitsbewußt leben möchten, sollten deshalb mit ihrer Lebensweise und Therapie versuchen, gute Langzeitwerte(< = 6,5 %) zu erreichen.
    von Haschi
  • Fuchs

    Rang: Gast
    am 05.07.2007 16:57:07
    @Haschi

    Moment mal. Ich propagiere also ungesunde Verhaltens- bzw. Lebensweisen? Glaubst Du das?

    Polemik und Unterstellungen helfen hier nicht weiter. Halte Dich bitte mal ein wenig mit Deinen gedrehten Formulierungen zurück. Danke.

    Mir ist absolut klar, dass die Werte möglichst niedrig sein sollten. Aber nicht auf Teufel komm raus "unter 6,5", wenn dadurch z.B. die Gefahr schwerer Entgleisungen überprportional ansteigt. Ich habe doch lieber einen konstanten hbA1c von 7,0 ohne jegliche Anstengung, als einen von 6,4, wenn ich im Gegenzug andere Probleme damit habe.

    Ja sicher, es gibt D., die bekommen auch unter 6,5 locker und gut hin. Aber nochmal: Das ist nicht der Maßstab für ALLE, wenn viele von ganz oben, z.B. hbA1c größer 10 kommen.

    Ganz langsam noch einmal zum Mitschreiben: Der hier erwckte Eindruck, Werte oberhalb von 6,5 seien mies, den teile ich nicht.

    Wenn ein Patient dauerhaft einen Wert von ca. 6,8 oder 7 hat, und dieser Wert ist so ohne weiteres nicht zu optimieren, dann ist der Patient für mich immer noch "gut" eingestellt. Von mir aus nicht perfekt. Aber diesen Anspruch muss ich ja nicht immer erheben.

    Wir sollten mal ein wenig auf dem Teppich bleiben mit der Werte-Hinterherhechelei.

    Fuchs



  • diesel

    Rang: Gast
    am 07.07.2007 09:27:29
    Hallo Haschi,

    ich denke, der HbA1C ist nicht der wichtigste Wert zur Beurteilung eines Diabetikers.
    Was nützt ein teuer erkaufter HbA1C? Zum Beispiel, wenn man ständig hohe Werte hat, trotzdem einen HbA1C von rund 6%, diesen aber nur durch viele Hypos zwischendurch erreicht hat? NICHTS!!! Meine Mutter hatte zu Zeiten vor der politschen Wende auch einen Typ II Diabetes. Die Werte beim Arzt waren immer super! Sie hatte eine Woche vor dem Arzttermin auch super Diät gelebt. Zwischen den Arztterminen allerdings hat sie normal gelebt. Die Möglichkeit den HbA1C zu bestimmen gab es damals (zumindest im Osten) noch nicht. Als Folge des falsch und damit bei ihr viel zu hoch eingestellten Diabetes ist sie an Herzinfarkt mit nur 66 Jahren verstorben. Da wäre die HbA1C- Bestimmung wichtig, um dem Arzt zu zeigen, wie verhalten sich gerade Typ II-Patienten außerhalb der Praxis.

    MfG

    Gerd von diesel
  • Haschi

    Rang: Gast
    am 07.07.2007 14:27:26
    Hallo Fuchs,

    eigentlich beantworte ich solche
    &#8222;Schmarrn&#8220; nicht und ignoriere in der Folge auch User, die mir ungerechtfertigt Polemik vorwerfen, selbst aber mit Beleidigungen nicht geizen.

    Aber ausnahmsweise trotzdem:

    Leider ist es suboptimal, allen Diabetikern einreden zu wollen, Langzeitwerte über die &#8222;Sieben&#8220; wären gut. Sicherlich gibt es eine Reihe solcher Betroffener, denen aus medizinischen Gründen ( z.B. Brittle, Hypoglykämieneigung) keine niedrigeren Zielwerte wegen schwerer oder allzu häufig auftretender Entgleisungen empfohlen werden können. Bei ihnen muss halt ein entsprechendes HbA1c toleriert werden.

    Die große Masse täte aber schon gut daran, als Zielwert HbA1c < = 6,5% anzustreben. Ärzte sollten bei Werten von &#8222;Sieben&#8220; unbedingt intervenieren. Gut eingestellte Diabetker haben nun mal die wenigsten chronischen Komplikationen, eine längere Lebensdauer und verursachen deutlich weniger Kosten. Das ist nun mal Fakt, und Maßstäbe gelten allgemein, wenn auch mit Ausnahmen.

    Ich bemühe mich wie auch viele Diabetologen einer differenzierteren Ausdrucksweise in der Beurteilung der Langzeitwerte. Sie können übrigens nur dann &#8222;gut&#8220; sein, wenn sie ohne schwere und häufigen Entgleisungen und großen Blutzuckerschwankungen erreicht werden. Damit stimmen wir wohl überein.

    Hier aber die mehrheitliche Beurteilung der Fachleute:

    ne 5 vor dem Komma: Sehr gut
    Kleiner 6,5 : Gut
    Unter 7 : Befriedigend
    Bis 8 : Mäßig
    Über 8 : Schlecht
    Über 10 : Katastrophal

    Sich Zielwerte zu setzen ist bestimmt kein &#8222;Hinterherhecheln&#8220; guter Werte.
    Was nicht ist, kann ja noch werden.

    In diesem Sinne,
    Haschi
  • rudi

    Rang: Gast
    am 07.07.2007 15:26:20
    hallo gerd,

    der hba1c ist nicht der wichtigste wert zur beurteilung eines diabetikers.
    jedoch kann man sich einen niedrigen hba1c nicht durch viele hypos teuer erkaufen.
    es gehen nur die bz-spitzen (glykierte rote blutkörper) über eine längere zeit in den langzeitwert ein.
    gefährlich für die nerven und gefässe ist ein ungleichmässig verlaufender bz.
    z.b. 2 std. nach dem essen 200 mg/dl, dann abfall zu 70 oder darunter.
    kenne einige typ 1er, welche nie unter hba1c von 7 gekommen sind und einen gleichmässigen bz verlauf haben, ohne hyops, ohne hohe bz-spitzen.
    auch nach 30 jahren keine folgeschäden.

    gruss rudi

  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 07.07.2007 22:08:36
    Moin Fuchs,

    die meisten, die davon faseln, dass man sich einen guten HBA1c mit Hypos erkauft, haben sich noch nie ernsthaft auf den Weg dazu gemacht. Der Weg dahin geht nicht über die schärfere Einstellung mit nem niedrigeren Zielbereich. Wer das schon mal ausprobiert hat, ist mit einiger Sicherheit auf die Nase gefallen. Aber das hätte er auch vorher überlegen können ;-)

    Wir flachen vielmehr den zu hohen BZ-Bogen gezielt ab, den alle mit höheren als gesunden BZs zwischen den Mahlzeiten produzieren, indem wir z.B.
    1. die passende Menge spritzen. Die passt, wenn der BZ nach Auslaufen der Boluswirkung wieder auf der Höhe von vor dem Spritzen angekommen ist.
    2. zur passenden Zeit spritzen. Die passt, wenn die Insulinwirkung zusammen mit der vom Essen einsetzt. Das geht nicht nach Waschzettel oder Arztempfehlung, sondern ausschließlich nach bei einem selbst ausprobieren.
    3. nur so viele BEs auf einmal einfüllen, wie wir in unserem grünen Rahmen umsetzen können. So funktionieren bei mir auf einmal nur 2BE. Weitere 2 BE kann ich mir dann erst ne Stunde weiter einverleiben, wenn ich meinen Rahmen nicht überschreiten will.

    Der gesamte BZ-Verlauf wird dabei nur immer in dem Maße abgesenkt, in dem sich die Schwankungsbreite zwischen den Höchst- und den Tiefstständen verringert. Einen BZ, der weniger nach unten auszackt, kann man eben mit der selben Sicherheit näher an der Hypogrenze führen, als einen, der weiter nach unten auszuzacken pflegt.
    Wer ausgeteste hat, wie lange und wie intensiv sein Insulin zu welcher Tageszeit wirkt, erspart sich das unerwartete Auszacken nach unten durch etwas Bewegung wie Supermarktjogging, wenn die noch aktive Menge vom Bolus mit dieser Verstärkung noch für ne Hypo reichen könnte. Dann gönnt er sich nämlich nen extra Boms :-)

    Damit will ich kurz und knapp sagen, dass ein BZ-Verlauf mit max 140/120/100 mg/dl 1/2/3 Stunden nach dem Essen und nem HBA1c um 5 keine Hexerei und kein Erkaufen mit Hypos ist, sondern ganz einfaches gezieltes und systematisches Ausnutzen der Möglichkeiten. Und das kann jeder lernen, der mental noch zum Autofahren imstande ist und der nicht wie einige wenige von uns unter unberechenbaren Medi-Unverträglichkeiten leidet, ich denke, Du auch :-)

    Bisdann, Jürgen