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Es gibt keinen "schweren" Diabetes?

  • Emma Meyer

    Rang: Gast
    am 15.04.2010 12:55:13
    Hallo zusammen,

    ich habe hier im Forum Kritik bei einer Anfrage geerntet, weil ich von einen "leichten" Diabetes gesprochen habe. Nun wäre ich sehr interessiert zu wissen, ob es tatsächlich keinen Unterschied gibt?

    Ein Bekannter kann seinen "leicht erhöhten BZ" (so sagt der Arzt) mit entsprächender Diät und Sport) beeinflussen. D.h. braucht Null-Medikamente.

    Meine TAnte nimmt seit 20 Jahren Metformin, hat tolle Werte im Normalbereich...

    Ein Bekannter hat Hba1-Werte um die 8-10. Spritzt Insulin und geht jedes Jahr auf Kur, um seinen Bierbauch wegzubekommen.

    Ich selbst esse Schokolade im Überfluss ..! Und strapaziere meine arme Drüse bis zum Geht-Nicht-Mehr ..!! Bin ich dann Diabetes-Kandidatin? Übrigens ich test regelmäßig mit Blut-Test-Streifen. ...

    Mit freundlichem Gruß
    E.
  • Jürgen

    Rang: Gast
    am 15.04.2010 15:40:06
    Moin E,

    Diabetes ist, wenn der Blutzucker unter definierten Bedingungen eine definierte Höhe überschreitet. Da bricht also nix aus oder verändert sich oder macht sonst irgend etwas. Durch die Einführung einer neuen Definitionsgröße, mit der die Höhe niedriger angesetzt wird, die zur Diagnose überschritten werden muss, haben heute tatsächlich etwa doppelt so viele Menschen Diabetes, wie aktuell noch nach den bisherigen Definitionen diagnostiziert sind.

    Gemein ist, dass nach der bisher gültigen Definition bei Erreichen der Diagnose-Höhe schon 11-12 von 100 Betroffenen voll ausgebildete diabetische Schäden etwa an Gefäßen und Nerven haben. Mit der neuen Definition werden es dann vielleicht nur noch 8-9 sein, aber doch immer noch entschieden zu viele für eine gerade erst beginnende Krankheit. Aber das Krankmachende am zu hohen Blutzucker beginnt ja dann auch nicht erst, sondern ist dann längst im vollen Gange.

    http://www.med4you.at/laborbefunde/lbef2/
    lbef_blutzuckerbelastung.htm
    Auf dieser Seite hier (bitte zum Kopieren in den Browser Umbruch entfernen) findest Du eine interessante kleine Vergleichsgrafik zum Zuckerbelastungs-Test, unten die gesunde und oben die nach bisherigem Stand gerade diagnosereife diabetische. Wenn Du die Grenze von 200 auf 180 absenkst, entspricht das wahrscheinlich dem neuen Standard mit Diagnose Diabetes ab einem Langzeitzuckerwert HBA1c 6,5. Dem bisherigen Standard entspricht etwa 6,8-7. Der unteren gesunden Verlaufskurve entspricht eher um 5.

    So viel zur Allgemein-Info, aus der Du sehen kannst, dass leicht im Sinne von gerade erst langsam anfangend bei der Diagnose Diabetes nicht existiert bzw schon lange überschritten ist.
    Und schwer finde ich deswegen unzutreffend, weil höher als gesunde Blutzucker-Werte und Folgekrankheiten keine Folge einer sich notwendig verschlimmernden Erkrankung sind, sondern traurige Folgen akuter bis langjährig unzureichender Behandlung.

    Bisdann, Jürgen
  • rhfr

    Rang: Gast
    am 15.04.2010 18:37:15
    danke, jürgen! nichts anderes hatte ich in besagtem forum geschrieben. und, e., es war keine kritik, sondern einfach nur ein hinweis!
  • Emma Meyer

    Rang: Gast
    am 06.05.2010 12:02:53
    Hallo Jürgen,

    und danke für die ausführliche Information.
    Es ist eine sehr fundierte und sachliche Antwort, die einem Angehörigen sehr weiterhelfen kann.

    Diese Frage wurde so - und nicht anders - in einer etablierten Selbsthilfegruppe gestellt, ebenso wie andere Fragen auf diesem Forum...

    Eine Meinung, wie hilfreich entsprechende Antworten hier auf diesem Forum sind, kann sich ein jeder user selbst bilden.

    MfG E.
  • Katja

    Rang: Gast
    am 06.05.2010 19:37:12
    Hallo E.,

    wenn mich jemand fragt, ob ich einen schweren Diabetes habe, antworte ich immer: "Keine Ahnung! Ich habe ihn noch nie auf die Waage gelegt..."

    Ich habe seit mehr als 47 Jahren einen Typ-1-Diabetes und keine Folgeschäden. Ist er deshalb schwer?
    Und was ist mit denen, bei denen der Typ-2-Diabetes "nur" mit Tabletten behandelt wird - nachdem er aufgrund von Folgeschäden(!) diagnostiziert wurde? Haben die einen leichten Diabetes?
    Ich kann deshalb mit den Kategorien "leicht" und "schwer" im Zusammenhang mit Diabetes nichts anfangen!

    Viele Grüße

    Katja
  • Horst

    Rang: Gast
    am 06.05.2010 21:43:08
    Mit "leicht" u. "schwer" kann ich mich auch nicht anfreunden.

    Bin auch Typ 1. Allerdings habe ich trotz guter Langzeitwerte Probleme mit Nieren, Neuropathie usw. von Horst
  • Rainer

    Rang: Gast
    am 07.05.2010 11:28:35
    Hallo,

    meine Meinung dazu: natürlich gibt es (ausgenommen vielleicht den Typ 1) leichten und schweren Diabetes. Das kann nicht an solchen Größen wie z.B. dem HbA1c festgemacht werden, sondern daran, was die eigen BZ-Regeluing noch zu leisten in der Lage ist.

    Und da ist das Spektrum sehr breit - beginnend bei den leicht betroffenen, die ihren BZ einfach durch weglassen von KH und Bewegung gesund steuern können bis hin zu den schwer betroffenen, bei denen das nur mit ICT möglich ist. Aus meiner Sicht ist es vollkommen blödsinnig, alle betroffenen in eine Topf zu werfen und die Unterscheidung in leicht und schwer nicht zuzulassen.

    Ich habe einen leichten Diabetes (glücklicherweise früh genug entdeckt und gerade noch rechtzeitig wirksam gegengesteuert) und habe dank meiner Ernährungsumstellung auf LCHF absolut keine Einschränkungen durch den Defekt - mein ganzes Leben lang. von Rainer
  • Astrid

    Rang: Gast
    am 07.05.2010 13:59:16
    Hier werden einfach Äpfel mit Birnen verglichen:

    Ein Typ 1-Diabetes ist eine andere Erkrankung als ein Typ 2-Diabetes, nur die Symptome, ein zu hoher BZ, sind gleich.

    Wenn Leute mitkriegen, daß ich einen Typ 1-Diabetes habe und Insulin spritzen muß, werde ich erschrocken angeschaut und Äußerungen wie:
    " Du Arme, so schlimm ist dein Diabetes", kommen dann immer hinterher.
    Ein insulinpflichtiger Diabetes ist sicher kein schlimmer Diabetes, es ist einfach notwendig, wenn der Körper kein Eigeninsulin mehr produziert, und man kann gut damit leben.
    Aber wenn man nicht selbst betroffen ist, kennt man die Einzelheiten eben nicht, daß war ja bei mir genauso, es bedarf da schon einer Schulung.

    mfg von Astrid
  • Katja

    Rang: Gast
    am 07.05.2010 20:01:18
    Hallo Rainer,

    ich kann nicht mal schätzen, wie viele Typ-2-Diabetiker nur deshalb Tabletten nehmen, weil ihr Arzt keine Ahnung hat oder sie Spritzenangst haben oder die Spritze als "Strafe" für mangelnde Compliance oder als offensichtlichen Beleg für die Verschlimmerung des Diabetes ablehnen! Diese Auswahl an Gründen ist mit großer Sicherheit nicht vollständig! Haben die ebenfalls nur einen leichten oder villeicht mittelschweren Diabetes??? Haben alle insulinspritzenden Diabetiker (also alle insulinpflichtigen Typ-2er und alle Typ-1er) nur deshalb einen schweren Diabetes? Und was ist mit denjenigen, die Folgeschäden haben - egal, wie sie behandelt werden?

    Habe ich einen schweren Diabetes, weil mein Überleben in den letzten 47 Jahren nur durch Insulinspritzen möglich war - oder doch einen leichten, weil ich diese lange Zeit mit viel Disziplin und sehr viel Wissen folgenlos überstanden habe? Vielleicht eher einen schweren, weil mein Insulinbedarf sehr stark schwankt und ich alle paar Tage meine Insulintherapie anpassen muß? Oder doch einen leichten, weil mir mein umfassendes Wissen einen genauso flexiblen Tagesablauf ohne Einschränkungen wie Gesunden ermöglicht?

    Wie gesagt, ich kann mit dieser Einteilung nichts anfangen, weil ich keine klaren Kriterien für die Zuordnung erkennen kann!

    Viele Grüße

    Katja
  • Meinung

    Rang: Gast
    am 08.05.2010 17:02:55
    Hi Astrid und Katja,

    dieses "leicht" oder "schwer" scheint vermutlich daher zu kommen, dass man annimmt, alles, was der Hausarzt behandelt, ist leicht, wird man zu einem Facharzt überwiesen, wird die Krankheit plötzlich schwer.

    Einfach nur eine umgangssprachliche Auslegungsweise.

    Oder der Arzt sagt: Ihre Werte sind etwas erhöht..super.. mmmhhh ääähhh. Den Referenzwert dazu könnt er mal dazu nennen, damit nicht der Patienten sofort die Regale bei Rossmann oder Schlecker mit Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen leer kauft...

    Und der Satz: Ich MUSS Insulin spritzen ist genauso falsch wie der: Er hängt am Tropf!

    Er hängt am Tropf wird assoziiert mit: Intensivstation und letzte Beichte.

    Dass es das Beste und sicherste ist, wenn ein intravenöser Zugang (oder Erhaltungstropf) liegt, solange die gesundheitliche Situation z.B. nach einer OP
    noch nicht eindeutig stabil ist, sehen die meisten dann nicht.. und, dann hat der Delinquent oft noch ein weißes Hemdchen an, dann isset ganz aus.

    Wir haben oft gelesen, dass Diabetiker sich fast an den Hausarzt "klammern", weil sie da "NUR" Tabletten bekommen für den BZ und nach Hause geschickt werden, in dem Glauben, die Tablette wirds schon richten. Und vielleicht noch mit dem laschen Hinweis: Achten Sie bissel auf den Zucker..

    Und dann passiert auch noch dass, die Diabetiker essen genau EINEN Tag vor dem Labor keinen Zucker mit dem Satz: Heute müssen wir mal verzichten, denn morgen müssen wir zum "Zuckern". Nach dem Labor gehts dann wieder zum Bäcker;-))

    Anstatt die dämliche "Spritzenangst" abzubauen, sind die Leute oft viel zu lange mit ihrem DM beim Hausarzt. Der Begriff "Spritzen" ist für die Piekserei mit dem Pen nicht mehr gerechtfertigt.

    Und vermutlich möchte manch einer auch auf keinen Fall spritzen, weil er dann SELBST an seinem BZ-Management mitwirken muss. ..

    Und last but not least hat man ab und zu auch den Eindruck, als wäre es "nicht sco schlimm", wenn ein etwas älterer Mensch an DM erkrankt, weil er ist ja schon alt und da lohnt sich dat net mehr...die paar Jahre noch, da passiert nichts mehr groß an Spätfolgen..

    (Das ist NICHT meine Ansicht, das möchte ich betonen..ich find es schlimm.)



    von Meinung