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Einschränkung im Polizei-, Feuerwehr- u. Rettungsdienst durch Diabetes?

  • Erich

    Rang: Gast
    am 14.11.2005 15:33:49
    Hallo

    Bin seit 18 Jahren im Polizeidienst (Bundespolizei-ehem.BGS) und im Januar mit Typ 1 diagnostiziert worden. Nach einer kleinen, fünfwöchigen Pause zu Hause machte ich zunächst 3 Monate eingeschränkt Dienst. Das heißt, ich durfte keine Dienstfahrzeuge fahren und keine Einsatzbereitschaft machen, hab aber schon wieder an Übungen teilgenommen oder Dienst auf der Einsatzzentrale gemacht, also Dienst mit Waffe. Seit 01.06. mache ich nun wieder ohne jegliche Einschränkung Dienst, d.h. ich fahre auch wieder sämtliche Einsatzfahrzeuge meiner Einheit. Das sind u.a LKW und Boote. Meinen Personenbeförderungsschein durfte ich auch behalten und bereits mit dieser Krankheit machte ich kürzlich die Ausbildung zum LKW-Ladekranführer. Bedingung seitens meiner Betriebsärztin war lediglich der quartalsweise Nachweis meines HBA1C (natürlich im grünen Bereich), stabile BZ-Werte sowohl nach oben und unten und die Auflage, jedes Jahr ein augenärztliches Gutachten erstellen zu lassen.
    Meine Frage ist nun: Wer aus den o.a. Berufsgruppen macht wie ich wieder uneingeschränkt Dienst und bei wem ging das ähnlich reibungslos ab wie bei mir. Bzw. wer hatte Anfangs wie ich keine Probleme bezüglich seines Berufes, später aber schon. Sei es durch veraltete Bürokratie oder Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Ich lese hier in den einzelnen Foren immer nur von Kollegen die Probleme haben bezügl. ihrer Dienstfähigkeit, habe auch schon den einen oder anderen Kommentar geschrieben, aber keine Antwort bekommen. Würde mich auch mal interessieren, weshalb es Probleme bei einigen gegeben hat. An der Krankheit selbst kann es nicht liegen, die kann man heute sehr gut behandeln, sehe ich ja an mir selber. Und sollten etwa irgendwelche Betonköpfe im Wege stehen, dann müssen die Beiseite geschafft werden und da helfe ich gerne mit, hab nämlich keinen Bock bei einem evtl. Dienststellenwechsel auf einen solchen zu stoßen. Überhaupt würde ich gerne mal mit einigen Vorurteilen bezügl. dieser Krankheit aufräumen, auch hier im Forum. Hab hier schon einige gute Tipps bekommen, nur diese ständige Heulerei was Diabetiker angeblich nicht können und dürfen nervt mich gewaltig. Ich kann immer noch alles und zwar wirklich alles machen wenn ich das will, nur nicht auf die Spritze verzichten. Nicht schön aber kann man halt nicht ändern (noch nicht zumindest). Also, meldet euch!

    Gruß an alle Diabetiker
    von Erich
     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.
  • Heiner

    Rang: Gast
    am 16.11.2005 09:46:32
    Hallo Erich,
    vorab zu meiner Person, bin selbst seit 37 Jahren Typ 1 und Beamter, aber im Verwaltungsdienst. Ich habe also auch einige Kenntnisse, was Einstellungsvoraussetzungen betrifft und vor allem die uneingeschränkte Dienstfähigkeit. Die Kriterien sind zwangsläufig je nach Anforderungsprofil des Einsatzgebietes auch unterschiedlich. Als Beamter der Bundespolizei hälst Du dich ja sicherlich nicht nur auf eurem Dienstgelände auf, sondern fährst auch ausserhalb herum und dieses wohl auch im Schichtdienst. Zu allem Überfluss trägst Du dabei wahrscheinlich auch eine Dienstwaffe. D.h., dass das entsprechende Anforderungsprofil wesentlich höher ist, als in meinem Fall.
    Es freut mich für Dich, dass dein HBA1 im grünen Bereich liegt, wobei sich trefflich darüber streiten ließe, wo grün anfängt bzw. aufhört. Dieser grüne Bereich bietet keine Gewähr dafür, dass in den vorangangenen Monaten nicht auch einmal ein BZ im zu niedrigen bzw. zu hohen Bereich dabei waren. Wie verhälst Du dich in einem solchen Fall, wie jeder andere Diabetiker auch, Du steuerst dagegen. Kein Problem, solange der Normalfall gegeben ist. Was tust Du aber in einer beruflich kritischen Situation, in der vielleicht die Schusswaffe mit im Spiel ist? Sagst Du dann "Moment, 10 Minuten Auszeit, ich bin Diabetiker und habe eine Unterzuckerung!"?
    Entschuldige, wenn ich das so drastisch sage, aber ich halte Deine Einstellung für grob fahrlässig, verantwortungslos und realitätsfremd. Bei Anlegen entsprechender Kriterien von "veralteter Bürokratie" zu sprechen, halte ich für abwegig. Diese Kriterien wurden aufgestellt, um sowohl die betreffenden Leute als auch die Öffentlichkeit zu schützen und nicht um jemandem den beruflichen Werdegang zu verbauen. Wenn Du dich vor 18 Jahren als Diabeitker beim BGS beworben hättest, wärst Du von vorn herein abgelehnt worden. Wenn Du bisher noch keine Hypo hattest, bei der Du geistig vollkommen weggetreten warst und dich hinterher an nichts mehr erinnern kannst, sei froh. Sollte dies jedoch irgendwann einmal der Fall sein, wirst Du vielleicht Deine Meinung überdenken. Ich möchte keinem Diabetiker mit einer Schusswaffe in der Hand begegnen, dessen Bz. weit ausserhalb des "grünen Bereichs" liegt.
    Nichts für ungut,
    Heiner
  • etmariellsche

    Rang: Gast
    am 16.11.2005 16:18:56
    Hallo,
    erst mal möchte ich mitteilen, wie klasse ich es finde wenn jemand mit der Krankheit sehr diszipliniert umgeht, denn nur dann können wir viele Dinge wenn nicht sogar fast alles bewältigen.
    Ein grosses Kompliment an Erich.
    Habe mit keinem der o.g. Berufe zu tun, weiß aber auch von Fällen, die nur noch Innendienst schieben durften, allerdings weiß ich von diesen Menschen auch, dass sie nicht konsequent gewesen sind.
    Ich selber habe seit 5 Jahren Diabetes und auch leider meinen Job aufgeben müssen, wobei ich allerdings nicht sehr viel Zeit hatte Job und Krankheit abzustimmen, da mir meine Arbeitgeber ( ich bin kein Beamter )nicht ausreichend Zeit ließen.
    Ich habe kein Problem damit wenn ein gut eingestellter Diabetiker mein Leben retten würde, oder Dienst an der Waffe tut ( die Verantwortung Dienst an einer Waffe auszuüben, sollte jedem bewußt sein, auch den sog. Gesunden) Vorausgesetzt die Untersuchungen werden regelmäßig durchgeführt und kontrolliert und das ist ja wohl bei der Bundespolizei gegeben!? Davon gehe ich jetzt einfach mal aus.
    Lieben Gruss
    Marie
    von etmariellsche
  • Erich

    Rang: Gast
    am 16.11.2005 20:17:25
    Hallo Heiner,

    erst einmal vielen Dank für Deinen Kommentar. Liest sich zwar nicht sehr positiv aber ich bin für jegliche Kritik offen. Gerade die Punkte die Du ansprichst, geben mir immer wieder Anlass und Motivation, diese zu entkräften.
    Vorweg: Mein HBA sollte nicht höher als 6 liegen. Bei 6,5 liegt die noch zu vertretende Schmerzgrenze und hätte für mich zunächst eine gelbe Karte zur Folge. Derzeit liegt meiner bei 5,7. Meine durschnittlichen Messwerte (14 Tage Ø) sollten zwischen 80 und 120 liegen. Sind bei mir meistens zwischen 95 und 110. Aber das nur am Rande.
    Der Gefahr von Unterzuckerungen bin ich mir von Anfang an bewusst gewesen. Wie kommt es denn zu solch heftigen Unterzuckerungen? Für mich gibt es dafür nur zwei Gründe, lass mich aber gerne eines besseren belehren: A) Es wurde mehr Insulin injiziert, als für die Verstoffwechslung der zugeführten Kohlenhydrate notwendig B) Die körperliche Betätigung nach einer Injektion wurde bei der IE Berechnung nicht gebührend berücksichtigt
    Insulin und Alkohol schließ ich mal nicht mit ein. Wenn ich meinen Körper und seine Reaktionen doch genau kenne und weiß wie er auf Kohlenhydrate und Insulin reagiert, wieso sollte ich dann so heftig unterzuckern wie Du es oben beschreibst? Ich höre immer wieder von solchen Fällen und kann ehrlich gesagt nur noch den Kopf schütteln und sagen: Selbst schuld! Falls es eine Form von Typ 1 gibt, die schwerer in den Griff zu bekommen ist als mein Diabetes, klär mich bitte auf. Nach meiner Diagnose gab mir meine Betriebsärztin 8 Monate Zeit, um mich auf den sicheren Umgang mit dieser Krankheit einzustellen. Ich machte zwar Dienst, mir war aber absolut freigestellt wie ich diesen gestaltete. Ich bekam Teststreifen soviel ich wollte, konnte auf der Dienststelle kochen, im Internet surfen und trainieren, trainieren, trainieren, da mich die Krankheit ziemlich gerupft hatte. Zum Zeitpunkt der Diagnose hatte ich zehn Kilo verloren und bestand nur noch aus Haut u. Knochen. Ich hab mich bis zu 20-mal am Tag gemessen, klingt ein bisschen viel, aber ich wollte zu jedem Zeitpunkt wissen, wie mein Körper reagiert. Alles habe ich haarklein dokumentiert, einschließlich meiner körperlichen Betätigung nach einer Injektion und die BE sogar bis aufs Gramm genau. Meine Kameraden und Vorgesetzen waren von Anfang an informiert und haben mich genial unterstützt, gerade beim Sport. Ich habe zig Stunden auf dem Laufband und im Kraftraum verbracht und alle Arten von körperlicher Belastung simuliert. Nach 6 Wochen nahm ich wieder an den ersten Übungen teil, natürlich mit Waffe (selbstverständlich nicht geladen wie bei Übungen üblich). Auch hier wurde immer Rücksicht darauf genommen, wenn ich mal kurz ne Pause zwecks messen und protokollieren brauchte. Auch machte ich extremere Versuche. Einmal verzichtete ich 24 Stunden komplett auf Kohlenhydrate oder führte absichtlich eine Unterzuckerung herbei um ein Gefühl für mögliche Unterzuckerungen zu bekommen. Dabei war ich natürlich unter Aufsicht und immer in der Nähe meines gut sortierten Kühlschrankes. Nach weniger als vier Monaten hatte ich meinen HBA1c von 11,2 auf 6 gesenkt und ich durfte wieder ohne Einschränkung meinen Dienst verrichten. Ich bekam alle meine Führerscheine wieder und kurze Zeit später nahm ich an einem Einsatz teil. Ich hatte seither nie eine Unterzuckerung und musste auch keine Pause in Anspruch nehmen um dagegen zu steuern! Und ich werde alles dafür tun damit das so bleibt. Jetzt wirfst Du mir mangelnde Verantwortung vor? Mein privates sowie berufliches Umfeld konnte ich davon überzeugen, dass nicht alle Diabetiker regelmäßig Traubenzucker lutschend, zitternd und schweißüberströmt bis hin zur absoluten Handlungsunfähigkeit in der Ecke hocken und vielleicht noch zu vierzig-fünfzig Prozent schwerbehindert sind. In der Tat würde ich meine Meinung gewaltig überdenken, wenn ich mal so heftig unterzuckere, dass ich mich anschließend nicht mehr daran erinnern kann. Aber ich bin diszipliniert genug um dies zu verhindern. Nur weil einige das nicht sind, lass ich mir meinen beruflichen Werdegang nicht versauen.
    Ich denke, wozu Betroffene fähig sind muss endlich individuell entschieden werden und nicht mehr pauschal. So etwas empfinde ich persönlich als Diskriminierung und dagegen will ich was unternehmen.

    Das dazu und damit nicht genug, wo ich gerade mal beim Tippen bin. Hand aufs Herz: Hattest du schon einmal eine solch heftige Unterzuckerung wie du sie oben beschreibst? Und dann hast du womöglich noch einen Führerschein und fährst regelmäßig Auto? Wahrscheinlich benutzt du auch noch regelmäßig deutsche Autobahnen. Wenn ja prima, wenn nicht nehme ich dich jetzt mal als Beispiel. Es hat schon einige heftige Unfälle, die von Diabetikern im unterzuckerten Zustand verursacht wurden, gegeben. Stell Dir mal vor so etwas geschieht Dir in einer geschlossenen Ortschaft, mit einem von Fußgängern hoch frequentierten Bürgersteig und du semmelst da voll rein. Als erstes kämen dann die Kollegen von Polizei und Rettungsdienst, die versuchen würden, zu retten, was noch zu retten ist. Vielleicht käme auch noch die Feuerwehr und ein evtl. an Diabetes erkrankter Feuerwehrmann schneidet dich aus deinem Wrack. Neben unzähligen Prozessen wäre dein Führerschein garantiert weg. Es dürfte jedem PKW-Fahrer bekannt sein, dass ein Kfz auch schon bei geringen Geschwindigkeiten, zum absolut tödlichen Geschoß wird und damit zu einer potentiellen Waffe. Nehmen wir einmal an alle 6-8 Millionen Diabetiker in Deutschland (genaue Zahl weiß ich nicht ) wären PKW-Fahrer und nutzen ein Auto aktiv, dann müssten doch alle nach deinem allgemeinen Rechtsverständnis spätestens jetzt ihren Führerschein abgeben. So etwas könnte ja immer wieder passieren. Schließlich sind sie ja Führer von potentiellen Waffen. Stell dir mal vor was das wirtschaftlich für Folgen hätte? 6-8 Millionen Kunden gehen nicht mehr tanken, schließen keine Kfz-Versicherung ab, zahlen keine Kfz-Steuer mehr und kaufen auch keine neuen PKW. Der Schaden ginge in die Milliarden. An das Thema geht man daher doch besser gar nicht seitens der Behörden ran. Aber ich soll meine Dienstwaffe nicht mehr führen dürfen? Die trage ich übrigens nur passiv. Die stecke ich seit 18 Jahren vor Dienstbeginn in ein für Behörden vorgeschriebenes Holster und hol sie da nach Dienst, unverrichterter Dinge wieder raus (ich hoffe das bleibt auch so!). Sie dient mir nämlich nur im Notfall zum Schutz von Unschuldigen und meiner Eigensicherung.
    Noch ein Beispiel: Dr. Carsten Fischer ist praktizierender Chirurg und auch Typ 1 Diabetiker (Ex-Hockey Nationalspieler und Olympiasieger aber das nur am Rande). Zur Ausübung seines Berufes gehören Instrumente wie Skalpell, Knochensäge usw. (weiß leider nicht wie das in der Fachsprache heißt). Er operiert Menschen und das über Stunden. Würde er bis zur Handlungsunfähigkeit bei einer OP unterzuckern könnten seine Instrumente zu potentiellen, absolut tödlichen Waffen werden. Und er nutzt diese aktiv. Aber ist im Umgang mit seiner Krankheit absolut diszipliniert und bestimmt hervorragend in seinem „Handwerk“ ausgebildet. Sollte er sich auch seiner Verantwortung bewusst werden und besser als Kinderarzt praktizieren? Oder den OP-Kittel ganz an den Nagel hängen? Wie bereits erwähnt führe ich meine Waffe nur passiv und bin nachweislich hervorragend im Umgang mit Schusswaffen sämtlicher Art ausgebildet worden. Aber es sollten Diabetiker wie ich keine Waffen führen dürfen?
    Letztes Beispiel: Es gibt tausende Jäger und Sportschützen in Deutschland. Die meisten davon mit Waffenschein bzw. WBK (Waffenbesitzkarte). Keiner kann sagen wie viele davon an Diabetes erkrankt sind, weil diese nicht verpflichtet sind ihre Erkrankung zu melden. Es werden aber einige sein. Die Jäger die ich bisher kennen gelernt habe, hatten ein regelrechtes Waffenarsenal zu Hause. Teils Waffen mit Kalibern, die für die deutsche Polizei gar nicht zulässig sind. Die meisten Jäger sind nicht so gut an Waffen ausgebildet worden wie ich, dürfen diese auch mit Diabetes führen und leisten sich noch den Luxus, bei widrigen Wetterbedingungen während der Jagd zum Flachmann zu greifen. Aber ich sollte das Deiner Meinung nach nicht dürfen? (ich meine nicht den Flachmann!).
    Ich glaube nicht, dass ich grob fahrlässig, verantwortungslos und realitätsfremd handele. Im Gegenteil, die Krankheit hat mich noch mehr sensibilisiert. Wäre sie nicht im letzten Moment noch erkannt worden, wäre ich jetzt nicht das was ich jetzt wieder bin. Und damit das so bleibt, halte ich mich an den alten Polizeigrundsatz: Prävention vor Repression!

    So, fahre jetzt mit meinem PKW nach Hause, habe diese Zeilen nämlich alle direkt nach Dienst geschrieben. Dort trinke ich gemütlich ein Diätpils, will mir ja nicht meinen HBA versauen. Und meine Waffe lasse ich natürlich hier.

    In diesem Sinne,
    Erich


  • Erich

    Rang: Gast
    am 16.11.2005 20:18:48
    Du bist ein Engel ;-).

    Melde mich später mal! von Erich
  • klausdn

    Rang: Gast
    am 16.11.2005 23:26:21
    hallo an alle,
    ich bin froh daß die entwicklung weitergeht, zunehmend mit dem fortschritt dmler ganz normal ins arbeitsleben zu integrieren, denn ein brittle-dmler der von hypo zu hyper und zurück bewegt, wird sich nicht als busfahrer bewerben.
    zu den bedenken mit der waffe hat erich ja schon geschrieben. und daß polizisten ihre waffe schon mißbraucht haben ist bekannt, nur das waren keine dmler.
    der letzte buszwischenfall- die lehrer haben im letzten moment eingegriffen, der fahrer war kein dmler.
    - was mich bei der deutschen bürokratie dabei noch verwundert, : die lehrer haben kein schreiben bekommen, daß sie eigentlich ohne persbefschein den bus nicht hätten lenken dürfen. - ;-))
    wer oft hypos hat und unkontrollierte(brittle ausgenommen) sollte dringend seine therapie überprüfen.
    ich habs schon geschrieben dmler können bei nachweis stabiler stoffwechselage, den taxi sogar den busschein machen.
    in usa gibt es viele privatpiloten mit dm, sogar verkehrspiloten, auch da hinkt deutschland
    hinterher.
    vor kurzem ist ein dmler um die erde geflogen.
    ohne hypo, es geht.
    und für uns dmler : im notfall, was könnte uns besseres passieren, als wenn der rettungsani dmler wäre? wenigstens einer der bescheid weiß.
    mfg klaus von klausdn
  • Erich

    Rang: Gast
    am 17.11.2005 00:22:38
    Danke Klaus!

    Habe gerade gelesen, daß in Großbritanien seit kurzem die Diskriminierung von chronisch Erkrankten (u.a. Diabetikern) in den o.a. Berufen verboten wurde. Und die USA sind generell bei so etwas wesentlich weiter, auch wenn ich nicht gerade ein Fan vom "Land of the free" bin. Wird Zeit, daß man hier auch umdenkt. Aber das schaffen wir auch noch!

    Gruß, zurück Erich
  • Heiner

    Rang: Gast
    am 17.11.2005 14:26:51
    Hallo Erich,
    hier meine erbetene Antwort. Ich glaube, man kommt bei derartigen Diskussionen automatisch vom „Hölzchen aufs Stöckchen“, wie man im Rheinland sagt und muss entsprechend aufpassen.
    Vorab einige Punkte, die vielleicht meine zugegebenermaßen etwas kritische Haltung erklären. Bei Dir wurde der Diabetes vor ca. 11 Monaten diagnostiziert. Du kennst nichts anderes als die Möglichkeiten der totalen Kontrolle des Diabetes mit allen sich auch aus den neuen Insulinen ergebenden Möglichkeiten und dem heutigen Wissen zu einer flexibleren Lebensgestaltung. Als bei mir der Diabetes festgestellt wurde, war ich 13 Jahre alt und ähnlich wie bei Dir war mein Gewicht ca 40 % unter dem Soll, der Bz. lag bei fast 700 und damit bin ich ca. 1 Jahr ohne zu wissen was los war rum gelaufen. Insulin vom Schwein, 2x täglich, Glaskolbenspritzen, wieder verwendbare Kanülen sterilisieren etc., Teststreifen – ein noch nicht realisierter Traum. Ich fuhr mit meinem Vater alle 4 Wochen ins Krankenhaus zum Test, das wars. Meine Umstellung auf den Pen erfolgte vor ca. 20 Jahren. Um diese Zeit kamen auch die ersten Teststreifen auf den Markt zum Preis von 0,90 DM/Stück und keine Kasse – sofern ich mich recht entsinne – bezahlte diese. Einfach gesagt: die Entwicklung der letzten 20 Jahre war rasant, davor war finsterste Steinzeit in fast jeder Hinsicht. Gegen Ende dieser Steinzeit hatte ich meine erste Hypo, bei der ich total weg war, zumindest geistig. Damals sagte mir eine Ärztin, das hinge mit der Gewöhnung des Körpers an Unterzuckerungen zusammen und der Körper würde die entsprechenden Alarmsignale nicht mehr aussenden. Insgesamt hatte ich 5 derartige Entgleisungen, die jeweils auf starkem physischen oder psychischen Stress beruhten.
    Auch für mich hat sich seither durch die Kontrollmöglichkeit und die neuen Insuline viel zum positiven geändert. Hinsichtlich meines HBA1 kann ich durchaus mit Dir mithalten. Aber selbst der beste Wert schließt eine oder auch mehrere massive Entgleisungen in der zurückliegenden Zeit nicht aus – die Ursachen hierfür können vielfältig sein.
    Ich habe ca. 30 Jahre lang intensiv Sport getrieben und bin dabei über die Schwimmerei nach einigen Jahren beim Volleyball gelandet. Dabei weiß man zwar, dass man Sport treibt aber die Intensität ist nicht immer vorher klar, weshalb ein Gegensteuern zwar möglich ist aber ob man genügend oder zu wenig vorher isst, weiß man evtl. erst wenn die Hypo einsetzt. Damals hörte man von den Ärzten noch, wenn eine Entgleisung, dann besser zu niedrig als zu hoch. Du betätigst dich, aufgrund der beruflichen Anforderungen zumindest, auch sportlich. Wenn Du dir dabei eine Muskel- oder Sehnenentzündung, einen Faserriss zuziehst, wirst Du evtl. merken, dass der Bz. dabei durchaus anfängt Achterbahn zu fahren und man Probleme bekommt, ihn wieder einzufangen. Ähnlich verhält es sich bei Entzündungen jedweder Art, grippalen Effekten und ähnlichen Dingen.
    Das Wissen über diese Dinge hat für mich die Konsequenz, dass ich z.B. vor jeder Autofahrt und bei längeren Fahrten alle 2 Stunden messe. Sollte es mir nicht gut gehen, fährt meine Frau.
    Soviel zu meiner Situation und meinen Erfahrungen. Auch ich könnte dazu noch vieles mehr schreiben, aber das würde wohl den Rahmen sprengen.
    Wahrscheinlich bin ich gedanklich manchmal noch zu sehr in der diabetischen Steinzeit behaftet und sehe deshalb einige Dinge etwas übervorsichtig. Aber auch als alter Sack mit 37 Jahren Diabetes lässt man sich ja durchaus von guten Argumenten und Enthusiasmus überzeugen. Aus heutiger Sicht der Dinge hast Du mich deshalb durchaus zumindest zu ca. 90 % überzeugt. Die verbleibenden 10 % sind für die Fälle, die durch Unvernunft und/oder Folge- bzw. Parallelerkrankungen wohl zwangsläufig durchs Rost fallen müssen.
    Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du dir deinen Enthusiasmus, deinen guten HBA 1 und deine Betriebsärztin erhältst, je länger desto besser, denn diese bieten die Gewähr für ein langes und gutes Leben mit dem Diabetes. (Philosophie beendet)
    Eines noch zum Ende: jeder einzelne Diabetiker, dem in der Öffentlichkeit ein größeres Missgeschick (wie z.B. ein Unfall) aufgrund seines Diabetes widerfährt, reißt letztendlich alle Diabetiker mit in den Keller.
    Mit besten Grüßen
    Heiner
  • klausdn

    Rang: Gast
    am 17.11.2005 14:39:33
    hallo alle, besonders heiner,
    finde dein post absolut gut, und möchte da du die zeit mit auskochen, monatliche kontrolle, wahrscheinlich auch sauerkraut und magerquark noch kennst,
    einige anmerkungen als noch älterer machen.
    ich habe damals chemie studiert, und kenne den dm hickhack von einem mitstudenten.
    wir hatten die möglichkeit den bz zu bestimmen, da wir die damals "modernsten" geräte zur verfügung hatten. als er das mal sagte, galt das als
    "majestätsbeleidigung" und die docs hätten ihn am liebsten ge--------.
    immer nach devise - hauptsache der patient hat angst-
    auch ich will die usa nicht in den himmel loben, aber die wissenschaftlichen erkenntnisse setzen sich dort wesentlich schneller durch
    als in amerika schon der bz gemessen wurde und dementsprechend gespritzt,( da kommt ict her),
    wurde in deutschland noch "10 jahre später von professoren darüber diskutiert ob patienten überhaupt ihren bz selbst messen dürfen"
    selbst heute gibt es noch hausdocs, die fragen warum man denn auch nach dem essen mißt.
    auf dem forum hier bei diskussion war ein post aus östereich, da hat der doc auf die frage nach den hohen bz werten geantwortet : messen sie nicht so oft dann sind sie nicht beunruhigt.
    es ist noch viel zu tun.
    mfg klaus von klausdn
  • Heiner

    Rang: Gast
    am 17.11.2005 15:08:12
    Hallo Klaus,
    sagen wir es doch einmal ganz hart, das Wissen vieler Ärzte hinsichtlich Diabetes bewegt sich immer noch auf dem von mir o.g. Niveau. Oft genug muss man froh sein, wenn die wissen, wie man Diabetes schreibt. Das Wissen über die Zusammenhänge, Erfordernisse, Folgeerkrankungen etc., was darf ich einem Diabetiker medikamentös verabreichen und was nicht, ist bei den meisten Fachärzten (Internisten nehme ich einmal wohlwollend heraus) nur rudimentär. Der Diabetiker, der sich mit seiner Erkrankung nicht so intensiv beschäftigen möchte, sucht sich meistens einen nichts ahnenden (wissenden) Mediziner als Hausarzt und wundert sich dann Jahre später über die Konsequenzen. Immerhin wird heute Diabetes als Krankheit und nicht mehr einfach als Mangelerscheinung eingestuft. So war es noch vor 30 Jahren oft.
    Ich habe das Glück, dass die Tochter meines Hausarztes selbst betroffen ist. Somit hat dieser Arzt eine entsprechendes Fachwissen, von dem ich nebebei profitiere.
    Gruß Heiner