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Einschränkung im Polizei-, Feuerwehr- u. Rettungsdienst durch Diabetes?
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Robin
Rang: Gastam 26.02.2014 00:21:35
Hallo zusammen, ich bin Robin 24 Jahre jung und habe seit nun mehr 15 jahre DM Typ I
und bin 2007 der FFw begrtreten und mit erfolg! Nun ja es gibt natürlich die kleine einschränkung mit der G26 (tragen von Atemschutzgeräten und arbeiten an Absturzgefährdeten stellen)
Mittlerweile bin ich Truppführer mit allen Ausbildungen die man dafür halt braucht inkl. Dienstzeit
und habe sogar mit 23Jahren meinen Personenbeförderungsschein gemacht und bekommen, also alles ne frage der Einstellung.
Jetzt mal eine Frage an euch: Ich will den nächsten schritt wagen und mich bei der BF bewerben hat da event. jmd erfahrung oder kennt ihr jemanden der mit Diabetes bei der Berufswehr ist?
(zur info hab nen Schwerb. Ausweis GdB: 50%, die Bundeswehr hat mich darauf hin abgelehnt)
Danke im Vorraus Robin -
am 20.10.2014 21:14:28
Hallo, endlich findet man mal ein passendes Thema. Zwar schon älter aber egal, vielleicht kann man dieses Thema ja wieder zum Leben erwecken. Also ich bin Hannes, 16 Jahre alt und habe schon seit über 13 Jahren Diabetes Typ 1. Ich besitze seit ca. 8 Jahren eine Insulinpumpe, wobei das ab und zu immer so ein Verhandlungsakt mit der Krankenkasse sein kann, da die BZ-Werte in dem Alter auch mal durch Wachstumshormone o.Ä. unvorhersehbar schwanken können. Trotzdem habe ich außer 1/2 Zwischenfällen im frühen Kleinkindalter noch keine Hypos mit Bewusstseinsverlust gehabt. Außerdem spüre ich das sofort, wenn der Blutzucker unter 60/70 mg/dl rutscht.
Nun rückt natürlich auch die Berufswahl nach dem Abi immer näher. Ich bin nicht der Typ für tagtägliche Büroarbeit und kann auch in meiner Freizeit trotz der "Krankheit" (die ich persönlich garnicht mehr als Krankheit ansehe) so gut wie an allem teilnehmen, wie jeder andere Mensch auch. Zudem sind wir doch alle nicht perfekt, im Normalfall hat jeder irgendwo eine und selbst noch so kleine Krankheit oder Macke. Deshalb finde ich das oft auch ziemlich erniedrigend, wenn man als Diabetiker als "behindert", "schwer krank" oder minderwertig angesehen wird. In den letzten Jahren hat sich so viel an der Diabetes-Therapie geändert, da brauch/darf man Diabetiker nicht mehr benachteiligen. Egal ob in der Berufswahl, Schule oder Sonstiges. Diese ganzen Richtlinien von wegen Diabetiker dürfen das und das nicht machen sind doch sowieso veraltet und wurden noch nicht aktualisiert.
Beispiel:
Wieso darf ein knapp 70-Jähriger, übergewichtiger, dauernd keuchender Busfahrer noch einen Schulbus fahren und bei einem Diabetiker würde es heißen, die Gefahr einer Unterzuckerung wäre viel zu hoch??? Da stimmt doch was nicht. Wer garantiert denn, dass der Busfahrer nicht jeden Moment einen Herzinfarkt bekommt oder im Straßenverkehr noch voll reaktionsfähig ist?
Zurück zur Berufswahl: Ich habe auch mal über die Berufsfeuerwehr nachgedacht. Werde auch höchstwahrscheinlich demnächst in den aktiven Dienst der freiwilligen Feuerwehr eintreten. Dort meinte einer mit bereits 26 Dienstjahren in der freiw. Feuerwehr zu mir, dass er selber auch kein Problem damit hätte wenn jemand mit Diabetes ein AGT wäre. Mit einziger Einschränkung, dass man denjenigen vielleicht nicht unbedingt z.B. bei einem Wohnungsbrand als Ersten in den Angriff schicken müsste. Jedoch ist das ja bei der Berufsfeuerwehr immernoch etwas anders. Man liest zwar auch von Einzelfällen im Internet aber hauptsächlich negatives, da sich die Berufsfeuerwehren auch immer nur die Besten rauspicken und wenn dann einer mit Diabetes ankommt wird der schon gleich aussortiert. Zwar liegt die Entscheidung auch hauptsächlich am Arzt, der die Erlaubnis zur G26.3 ausstellt, aber da reagieren die Ärzte angeblich auch immer verschieden.
Da man ja für die Berufsfeuerwehr sowieso eine handwerkliche Ausbildung oder Studium braucht, frage ich mich wirklich ob man überhaupt das Risiko eingehen kann, wenn es schon große Probleme bei der Einstellung von Diabetikern gibt. Trotzdem kann man an den aktuellen Richtlinien nichts ändern, wenn es niemand mit Diabetes versucht. Irgendwann müssen die Berufsfeuerwehren sowieso ihre Regeln lockern, wenn die unbedingt eine Frauenquote von über 5% haben wollen oder keine "perfekten" Leute mehr finden.
Wie denkt ihr über das Thema und was könnt ihr so an gemachten Erfahrungen berichten?
Wäre mal sehr interessant, Erfahrungen Anderer hier zu lesen.
MfG Hannes -
am 21.10.2014 07:13:25
Lieber Hannes
Deine Überlegungen haben sehr viel Richtiges an sich. Ich bin der Überzeugung, dass bei der Risikoabschätzung die Situation des einzelnen Diabetikers individuell betrachtet werden muss. Das Auftreten von Hypoglykämien ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Auch bei der Hypowahrnehmung gibt es wesentliche Unterschiede. (Ich bin seit rund 25 Jahren Diabetiker T1 mit Insulin. Nach wie vor habe ich eine sehr ausgeprägte Hypoempfindung, auch ein schnelles Absinken des Blutzuckers merke ich sehr schnell. Bisher ist es noch nie zu irgendwelchem Zwischenfall gekommen).
Ich gehe mir die einig, dass der Ausschluss von Diabetikern bei einigen Berufen überdacht und individuell angepasst werden sollte. Der Lösungsansatz kann aber meines Erachtens nicht darin bestehen, dass zB. Bei der Berufsfeuerwehr Diabetiker nicht als Erste an den Brandherd geschickt werden sollen. Wenn ein Diabetiker diesen Beruf ausübt, soll er ihn auch ganz normal, wie alle Anderen ausüben.
In meinem engeren Bekanntenkreis gibt es einen Diabetiker, welcher seit 8 Jahren bei einem Rettungsdienst arbeitet, bisher völlig komplikationslos. Ein weiter Kollege arbeitet bei einer körperlich stark geforderten Sondereinheit der Polizei (bei ihm trat der Diabetes auf, als er bereits bei der Polizei arbeitete). Er erfüllt seinen Polizeidienst ohne jegliche Einschränkungen, wie jeder Andere auch.
Zwischenzeitlich sind auch mehrere Spitzensportler bekannt, welche mit einem Diabetes leben und so zeigen, dass auch mit Diabetes sehr vieles möglich ist.
Leider kenne ich aber auch Diabetiker (einer davon ist Lastwagenfahrer), welche kaum mehr eine Hypowahrnehmung besitzen und so tatsächlich eine Gefahr darstellen können.
Ich vertrete die Meinung, dass beim heutigen Wissen um Diabetes und mit den modernen Insulinen die Situation wirklich überdacht werden muss.
Solange es nach wie vor Diabetiker gibt, die aufgrund des Diabetes (ohne Folgeerkrankungen) einen Schwerbehindertenausweis mit einer möglichst hohen GdB anstreben, kann nicht verübelt werden, wenn der Diabetes als Behinderung definiert wird.
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am 21.10.2014 10:44:06
Hilfreich zur individuellen Diabetes-Bewertung wäre dann allerdings schon, wenn die Medizin den Diabetes nicht ausschließlich als schwere chronische und sich selbst verschlimmernde Krankheit darstellen und den Grad der Verschlimmerung an der notwendigen Medikation festmachen würde.
Ideal wäre in meinen Augen die Darstellung der gesamten möglichen Bandbreite von der leichten und unabhängig von der Medikation voll gesund leistungsfähig ausgleichbaren Behinderung bis hin zur schweren sich selbst verschlimmernden und Gesundheit und Leistungsfähigkeit zunehmend einschränkenden Krankheit.
Damit die Allgemeinheit und z.B. auch der "Beamtengesetzgeber" die Möglichkeit der voll gesund leistungsfähig ausgleichbaren Behinderung ähnlich real auf den Schirm bekäme, wie diabetische Prommis, die im Zuckerschock in ner Pfütze ersaufen, müsste sich die Medizin allerdings auch zur systematischen Anleitung (lehrgangsmäßig aufbereitet, was sich Erich wie im Eingangsbeitrag selbst erarbeitet hat) zum voll gesunden Behinderungs-Ausgleich öffnen.
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Dank an die Medizin, die ihr Wissen längst demokratisch mit uns allen teilt ;)