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  • Monika

    Rang: Gast
    am 21.03.2005 00:11:16
    Lieber Leidensgenosse,
    mir geht es genau so wie dir. Auch ich denke sehr oft, daß ich all die dunklen Bilder nicht mehr aushalte. Und dann überleg ich mir, wie ich mich im geeigneten Augenblick wohl um die Ecke bringen könnte, elegant und ohne viel Aufhebens zu machen.
    Auch ich suche nach dem ultimativen Schalter, den man einfach umlegt und damit hat sich's. Licht aus.

    Ich habe mich schon vor Jahren an die Gesellschaft für Humanes Sterben gewandt und mich mit diesem Thema eindringlich beschäftigt. Aber das Ganze war damals so unappetitlich und finster, daß ich es habe sein lassen.

    Menschen wie Du und ich sollten uns ein wenig mit Buddhismus oder Ähnlichem beschäftigen und erkennen, daß die Bilder der Angst eben doch nur Maja, d.h. Täuschungen im Augenblick sind. Ersetzen wir sie doch mit besseren. Ich übe das schon seit geraumer Zeit und es hilft mir viel. So viel, daß ich es mitlerweile darauf ankommen lasse, was mit mir geschehen wird, ohne Panikatakken zu kriegen. D.h. daß ich kämpfe, mich so gut wie möglich gesund zu erhalten und hoffe, daß wenn meine Zeit gekommen ist, ich diesen Kampf wie viele andere aufrecht durchstehe.
    Und wer sagt denn, daß es so arg kommen muß für uns beide?

    Allerdings will ich alles tun, daß man an mir nicht ganz zuletzt herumexperimentieren wird. (Patientenverfügung etc.) und ich hoffe, daß der Gesetzgeber bald festlegt, daß ein Patient im finalen Zustand auch ein Recht auf einen eigenen Willen und größtmöglichste Schmerzbekämpfung hat, selbst auf die Gefahr hin, daß dies das Leben verkürzt. (Was Ärzte, die für das Leben kämpfen nicht gern einsehen wollen.)
    Ich wünsche Dir - uns allen die Kraft, die Dinge gelassen hinzunehmen, die wir nicht mehr ändern können.
    Übrigens gibt es mehr mitfühlende Ärzte, als du denkst.
    Und noch eins - das klingt reichlich zynisch - ist aber eine Überlegung wert. Wie lange glaubst Du, tragen die Krankenkassen noch die hohen Kosten für eine kostenintensive Behandlung einer überalterten Gesellschaft?
    Kann sein, daß man dann nichts dagegen hat, wenn wir schnellstens den Löffel abgeben, wie es der naßforsche FDP Politiker neulich schon mal angedacht hat.
    Guck Dir mal den Film Soylent Green an. Dann weißt Du, was ich meine. (Gibt's bei Amazon auf DVD)
    Anonyme Grüße
    und die allerbesten Wünsche
  • Christian Litz

    Rang: Gast
    am 19.05.2006 18:12:32
    Hallo Anonym,

    ich bin 42 Jahre alt, seit 31 Jahren Diabetiker. Ich wurde noch mit Mischinsulin eingestellt, habe also, in der Pubertät und auch später, oft schlechte, richtig schlechte Blutzuckerwerte gehabt. Eigentlich müssten, denke ich, langsam die Spätfolgen, die Du ja auch so fürchtest, kommen. Meine Panik davor war und ist riesig. Aber: nichts.
    Allerdings, jetzt zu Deinem Hauptpunkt: in den vergangenen Jahren hatte ich oft depressive Anfälle, wirklich schlimme Momente. Ich habe schon angefangen, den Selbstmord zu planen und kam immer wieder auf die Methode: Überdosis Insulin, zurück. Ich bin dann zu einem Therapeuten, bin über ein Jahr zu den Gesprächen und heraus kam, und das sehe ich heute wirklich als Fakt an: die Depressionen hätte ich auch als Nicht-Diabetiker gehabt. Und die Selbstmord-Idee per Insulin ist ein Zeichen dafür, dass ich nie einen Selbstmord machen werde. Denn: es wäre die, auf den ersten Blick jedenfalls, einfachste Methode. Man hat das Zeug ja immer bei sich. Nur habe ich viel recherchiert und kam darauf, dass es so nicht funktionieren würde. Mir wurde mal von jemandem erzählt, der drei Ampulen spritze und seitdem im Koma in einem amerikanischen Krankenhaus vor sich hinvegetiert. Das Risiko nur noch schlimmere Spätfolgen zu haben, ist also viel zu gross. Wenn also Selbstmord, warum dann nicht richtig? Tja, und da kommt immer dieser eine Moment. Dazu hätte ich keinen Mumm. Es wäre, rein psychologisch betrachtet, nur mit Insulin gegangen, aber wie gesagt, das funktioniert nicht. Es gibt nur wenige Beispiele von Morden mit Insulin, und die auch immer nur bei älteren Menschen und vor allem bei Nicht-Diabetikern! Mit Insulin funktioniert es nicht, da bin ich sicher. Jetzt kannst Du Dir natürlich Gedanken machen, ob Du eine andere Methode machen willst. Und sei dabei ehrlich: Du willst es nicht, sonst hättest Du über die Methode schon nachgedacht. Deshalb: schau doch einfach, wie Du mit dem Diabetis klar kommst, mach das beste daraus und falls Du mal in der Gefahr bist, dass Dein Bein amputiert werden muss (was statistisch kaum noch passiert), fang an, nachzudenken. Vorher hilft es nicht.
    Grüsse
  • Li

    Rang: Gast
    am 02.08.2006 20:23:28
    hallo anonym!

    Ich bin kein Diabetiker und kann deine frage wie man sich im falle eines falles am besten umbringt trotzdem sehr gut verstehen! Ich habe auch oft schon darüber nachgedacht, obwohl ich wie gesagt weder Diabetiker, noch sonst irgendwie ernsthaft krank, noch depressiv bin. ich denke ich bin (wir sind) einfach realistisch. ich mache im moment ein praktikum im krankenhaus, und sehe menschen (dieabetiker und nicht-diabetiker) dahinvegetieren, so möchte ich nicht enden, und daher mache ich mir genau wie du gedanken darüber, wie man dies vermeiden kann.
    auch glaube ich dir, dass du die lösung nicht für jetzt suchst, sondern nur als absicherung, geht mir genauso. vermutlich lebst du sogar besser, freier, unbeschwerter wenn du endlich weisst was die lösung ist. ich glaub das haben die anderen, die hier was von "damit leben lernen" und psychotherapie schreiben nicht wirklich mitbekommen. (natürlich solltest du das tun, keine frage, aber das steht in keinem zusammenhang zu deiner ausgangsfrage.)

    wollte dir hier nur mal bekunden, dass es doch jemanden gibt der dich richtig verstanden hat und nicht nur lauwarme halb-psychologische ratschläge auf lager hat. allerdings weiß ich auch nicht wie und womit man sich am besten umbringt, aber ich werde das noch recherchieren, und das mit vollkommen klarem verstand, ohne depressive verstimmung oder psychotische sympthome ;o) falls dieses forum überhaupt noch aktiv ist, werde ich dir natürlich vom ergebnis meiner nachforschungen berichten.

    alles gute bis dahin,
    Li
  • Friedrich M. Birk

    Rang: Gast
    am 05.08.2006 01:04:46
    Man merkt den Experten, der von der Problematik Diabetes die VOLLE Ahnung hat.

    von Friedrich M. Birk
  • Norbert Mattmüller

    Rang: Gast
    am 19.09.2006 21:02:33
    hallo anonym:

    Ich möchte sagen, dass ich Dich auch verstehen kann. Ich bin auch Diabetiker. Bei mir war das leider so, dass ich das lange Zeit nicht wusste. Mit 40 hat man mir den grossen Zeh am linken Fuss amputiert, eine Spätfolge des Diabetes. Bis dato wusste ich gar nicht was Diabetes ist. Das lag natürlich daran, dass ich so gut wie nie zum Arzt gegangen bin. Ich hege von Kindheit an ein abgrundtiefes Misstrauen gegen Ärzte aller Art. Auch ich befasse mich immer wieder mit dem Gedanken meinem Leben rechtzeitig ein Ende zu setzten, bevor ich diesen Monstern ausgeliefert bin und ein unwürdiges Dasein fristen muß. Ich habe mal kurz über die Insulinmethode nachgedacht und habe sie wieder verworfen, weil ich glaube, dass man sich auf diese Art keinen Gefallen tut. Ich bin zur Zeit damit beschäftigt, mir eine vernünftige Pistole zu besorgen. Von den Dingern gibt es auf unserer Welt ja genug. Es ist nur nicht so einfach sich danach zu erkundigen, ohne gleich mit terroristischen Bewegungen in Verbindung gebracht zu werden. Für mich ist das von allen Methoden die schnellste und sicherste, um aus dem Leben zu treten. von Norbert Mattmüller
  • Hardbody

    Rang: Gast
    am 22.09.2006 12:54:19
    Die Insulinmethode funktioniert. Ein Bekannter von mir, Oberarzt am Krankenhaus, hat sich zu seinem Fünfzingsten damit umgebracht. Ich kann Dich gut verstehen - habe auch schon oft darüber nachgedacht. Der Trick dabei ist, Du musst Dir eine Insulininfusion legen, damit das Zeug über einen längeren Zeitraum in den Körper geht - dann klappt's:-) Nur Spritzen ist zu gefährlich, dass es nicht reichen könnte. Dazu ein paar Dormicum und Du schläfst schon vorher ein und bekommst nichts mehr mit von Deinem Abgang. Viel Glück - aber denk dran! Überlege gut, bevor Du was machst, was man nicht mehr rückgängig machen kann.
  • pesi

    Rang: Gast
    am 06.06.2007 00:55:55
    Die Depressiven sind die wahren Realisten.
  • Helmut Eckel

    Rang: Gast
    am 16.07.2008 13:10:29
    an anonym - Verfasser:
    seit 14 Jahren bin ich selber Diabetes Typ2 krank (in der Zeit Tabletten), seit etwas mehr als einem Jahr nehme ich Insulin, mehrmals täglich und habe so meinen Zuckerhaushalt ziemlich im Griff.
    Was ich allerdings schwer beherrsche, sind meine Depressionen bzw. Angstzustände. Ob sie durch Insulin ausgelöst werden, ober aber durch die Vorgeschichte meiner 2 Bandscheibenvorfälle, kann ich nicht beurteilen. Auch ich habe mich bereits intensiv mit Suizidgedanken herumgeschlagen und durch lange Gespräche mit Therapeuten einigermaßen in den Griff bekommen, oder auch verdrängt.
    Wenn dann noch beruflicher Streß dazukommt, wird es wirklich kritisch. Dann kommen die negtiven Gedanken hoch, ich denke an den Freitod und auch an erhöhtes Insulin...
    Im Gespräch mit meinem Diabetesarzt wurde mir jedoch dringend von erhöhter Insulineinnahme abgeraten, weil vielfältige Folgeerscheinungen (durch gleichzeitige Medikamenteneinnahme über viele Jahre) eintreten könnten, die dann sogar bis zum Pflegefall gehen könnten. Also lieber nicht an den Insulintod denken !

    Durch lange Wanderungen in den Natur, intensiven Umgang mit Freunden - gemeinsam etwas unternehmen und dadurch abgelenkt sein - und Beschäftigung mit einem erfüllenden Hobby oder Freizeitaktivitäten, kriegt man dann doch wieder alles ins Lot.

    Selbstmord ist also keine Lösung, sie kann nur noch größere Probleme bringen, an die man zuvor niemals gedacht hat.
    Such die wirkliche Freunde, vielleicht in einer Selbsthilfegruppe von Diabetikern oder
    für Selbstmordgefährdete zu finden, laß Dir einfach von Menschen helfen die ähnliche wie Du denken.

    Alles Gute und vor allem helle Gedanken wünsche ich Dir auf Deinem weiteren Lebensweg und verzweifle nicht, es gibt viele Menschen wie Dich... DU BIST NICHT ALLEIN !!!

    PS: Du kannst mir gerne eine e-mail schicken von Helmut Eckel
  • Honoré de Balzac

    Rang: Gast
    am 10.10.2008 21:13:13
    Ich habe während mehreren Jahre für meine Familie einen Job gemacht, den ich ohne Familie nie gemacht hätte. Ich habe parallel dazu eine andere Arbeit gesucht, aufgrund der Arbeitsmarktsituation aber keine gefunden. Erschwerend kam dazu, dass meine Schwiegermutter an einem Hirntumor erkrankte und daran starb und zwar am gleichen Tag wie meinem jüngeren Sohne die krebsüberwucherte Niere (er war gerade 4 Jahre alt) herausoperiert wurde. Mein Sohn überlebte. Drei Jahre davor hatte mein Vater einen Hirnschlag und ist seither vollständig pflegebedürftig meine Mutter ist zudem ebenfalls an einer Immunschwäche erkrankt und muss ab und an mehrere Woche ins das Spital.
    Als ich schliesslich einen neuen Job gefunden hatte, mein Sohn sich von seiner schweren Krankheit erholte erhoffte ich mir für dieses Jahr (2008) erstmals seit mehreren Jahren ein gutes Jahr. Doch es kam anders. Bereits am dritten Januar eröffnete mir meine Frau, dass sie sich scheiden lassen wolle.
    Das war zuviel für mich. Ich wollte und konnte nicht noch einmal ein schwieriges Jahr durchgehen. Ich habe mir deshalb rund 180 Einheiten Insulin (NovoRapid) gespritzt in der Meinung, dass dies innert wenigen Minuten zum Tod führen wird. Dem war nicht so. Als nach rund 40 Minuten mein Sohn - ich hatte beide Jungs zu Bett gebracht - zu weinen begann und sich nicht mehr erholen konnte, habe ich einen Notarzt angerufen und den Selbstmord abgebrochen. Man hat mir dann hochkonzentrierte (bis 40%-ige Glukoselösung!) die ganze Nacht verabreicht. Ich spürte nicht einmal eine Unterzuckerung. Die Vene tat weh, wegen der hochkonzentrierten Glukoselösung aber sonst war nichts besonderes zu bemerken.

    Fazit: Es braucht verdammt viel Insulin und rechne genügend Zeit ein um daran zu sterben. Wieviel und wie lange, dass weiss ich nicht. Aber auf jeden Fall verdammt viel mehr als ich dachte.

    PS: Ich habe meinem Sohn versprochen, mich nicht umzubringen. Ich wäre aber froh, wäre ich tot.
  • simon

    Rang: Gast
    am 02.12.2008 19:26:59
    mann genau dasselbe denke ich auch :). bevor ich ein pflegefall, blind, oder sonst was bekomme gebe ich mir doch lieber im suff nen goldenen schuss oder ??? von simon