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Frust, Frust, Frust
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Sabine Gerhard
Rang: Gastam 26.12.2004 17:45:57
Hallo Mitstreiter,
habe seit 22 Jahren Diabetes. Bin 35 Jahre
alt und mir hängt der Diabetes momentan
total zum Hals heraus. Seit vier Jahren bin ich Pumpenträgerin der H-Tron und war am Anfang auch ganz zufrieden damit. Aber
plötzlich bin ich total undiszipliniert, messe
nicht mehr regelmäßig, führe unregelmäßig Tagebuch und bin total depremiert, weil ich ja weiß, daß ich mir damit keinen Gefallen tue. Wer kann mir Tipps geben, damit ich aus diesem Tief wieder herauskomme ??
Auch nervt mich das leidige Thema, wohin
mit dieser Pumpe, z.B. beim Bikini oder Badeanzug, engem Kleid oder kurzem
Oberteil ? Bitte helft mir weiter.
Liebe Grüße Sabine von Sabine Gerhard -
Anke
Rang: Gastam 26.12.2004 18:54:07
Hallo Sabine !
Das klingt nach einem handfesten weihnachtlichen Frust ...
Wie wäre es, die Pumpe vorübergehend einmal abzulegen ?
Mit dem Diabetes selbst kann man das leider Gottes ja nicht machen.
Das würde für dich bedeuten: wieder zu festen Zeiten aufstehen bzw. aufbleiben zu müssen und die Mahlzeiten nicht allzu willkürlich legen zu können. Von Pumpe, Katheter und Co hättest du dafür eine Weile Ruhe. Und in einen neuen Rhythmus würdes du zwangsläufig kommen (müssen).
Alternativ kann ich nur empfehlen, sich
1. etwas zu gönnen. In dem Sinn, dass du dir etwas Schönes vornimmst, was schon zu lange nicht geklappt hat. Und dir als Preis quasi auferlegst, das
2. mit guten Werten zu unternehmen. Sprich: morgens messen, BE anpassen, in die Aktion starten und aber auch unter der Aktion regelmässig dafür sorgen, dass nicht nur du sondern auch deine Werte glücklich sind.
Wäre gut, für mehrere derartige Aktionen Urlaub zu haben ... hast du ? Sonst versuche doch, dich um die Feiertage krank schreiben zu lassen und. Eine gute Einstellung wäre das wirklich wert !!
Vielleicht hilft die Verbindung von Angenehmen mit dem Ziel von gleichzeitig guten Werten etwas aus dem (ach so verständlichen !) Frust raus ...
Ich drücke dir die Daumen !
Viele Grüsse Anke -
Markus
Rang: Gastam 26.12.2004 20:00:43
Hallo Sabine,
ich denke jeder macht zeitweise so eine Phase mal durch.
Ich habe jetzt seit Juni 1999 eine Pumpe und hatte auch mal vor einigen Jahren trotzt Pumpe schlechte Werte usw. nichts brachte etwas, war auch total gefrustet.
Damals hat sich das gesamte Praxisiteam und der Arzt echt super um mich gekümmert, daß hatte mir viel gebracht einfach mal über das ganze zu reden.
Damals habe ich mich trotzt allem irgendwie doch an alles gehalten aufschreiben ect.
Wenn ich heute nochmal in eine solche Phase fallen würde, dann würde ich mir erstmal jemanden suchen mit dem ich gut über das Thema reden kann, es reicht oft einfach aus wenn nur jemand gut zuhört.
Auch würde ich das ganze aufschreiben der Werte einfach lassen, was soll es dann fehlt halt mal ein Monat oder auch mehr, davon geht die Welt auch nicht unter...
Mach einfach nur das nötigste und laß den Rest zumindest für eine Zeit, dann wird es bestimmt besser und Du findest zur alten Motivation wieder zurück. von Markus -
Sabine Gerhard
Rang: Gastam 26.12.2004 20:25:48
Lieber Markus,
vielen Dank für Deine Rückantwort.
Du hast mir sehr geholfen mit Deinem Beitrag, denn es zeigt mir, daß nicht nur ich
probleme mit meinem Diabetes habe und
auch andere gefrustet sind.
Ich hoffe, daß ich bald wieder alles auf die
Reihe kriege.
Viele Grüße Sabine von Sabine Gerhard -
Sabine S.
Rang: Gastam 26.12.2004 23:32:54
Hallo Sabine,
diese Phasen hat jeder von uns, da bist Du bestimmt nicht allein.
Meine schlimmste Phase hatte ich vor 2 Jahren und habe sie dadurch überwunden, dass ich eine stationäre Pumpen- Auffrischungsschulung gemacht habe. Der direkte Kontakt zu anderen Pumpenträgern und zum Diabetes-Team haben mir damals wieder Halt gegeben. Meine Motivation wurde gestärkt.
Vielleicht kannst Du ja Ähnliches ausprobieren, falls Du selber aus dem Tief nicht mehr heraus kommst...
Viele Grüße
Sabine von Sabine S. -
Marc
Rang: Gastam 28.12.2004 12:23:48
Hallo Sabine,
das was Markus geschrieben hat, erscheint mir zur Zeit die beste Lösung. Vielleicht funktioniert es, einfach mal den Diabetes weniger zu beachten. Zu der Pumpe: Ich habe mal gelesen, dass es Schutzhüllen für Bh´s gibt, wo man die Pumpe einstecken kann. Dadurch hättest Du vermutlich eine bessere Möglichkeit enge Kleider o. ä. anzuziehen.
Deine Nullbockphase kenne ich auch. Bis vor kurzem habe ich die ICT-Therapie gemacht. Meine Motivation war gering geworden, daher entschloss ich mich, eine Pumpe zu testen. 6 Wochen benutze ich nun eine und zur Zeit bin ich sehr frustriert. Ich wollte konstante Werte erreichen, aber ich schaffe es einfach nicht. Derartige hohe Werte hatte ich bei der ICT nie und das obwohl ich die BE´s "höher" berechne. Nehme ich 4 BE zu mir, gebe ich 4,5 ein und 3 Stunden später habe ich 240 mg/dl. Jeden 2 Tag erhöhe ich mittlerweile die Basalrate und trotzdem sind die Werte schlecht. Spritz ich den Zucker runter, dann kommt eine schöne Unterzuckerung. Die Schwankungen machen mich fertig. Was vorher bei der ICT erklärbar war, ist nun mit der Pumpe für mich nicht mehr nachvollziehbar. Ich finde im Moment keine Lösung.
Vielleicht kannst Du mir mit Deiner Erfahrung helfen.
Marc -
Markus
Rang: Gastam 28.12.2004 14:23:45
Hallo Marc,
das kenne ich, ich wollte auch immer zwischen 80 und 140 mg/dl liegen.
Heute nach einer sehr langer Zeit habe ich endlich eingesehen das es unmöglich ist.
Der Körper ist so individuell bei jedem und es gibt so viele Faktoren die Du NICHT berücksichtigen kannst. Nehmen wir mal das Beispiel Stress, wie willst Du Stress messen ?
Auch reagiert der Körper fast jedesmal anders... es ist unmöglich diese ganzen Faktoren genau zu bestimmen.
Auch spielt es z.B. eine Rolle bei der Korrektur, ob der BZ zum Zeitpunkt x steigt oder sinkt.
Zur Basalrate kann ich nur sagen spiel nicht soviel an der Basalrate rum! Ich kann aus eigener Erfahrung sagen das geht total daneben... Durch die häufigen Änderungen gerät alles ins schwanken.
Ich habe z.B. auch die Basalrate immer wieder angehoben wg. hohen Werten anstatt niedriger wurde es manchmal sogar höher.
Ich hatte eine total schwankende Basalrate zum Schluss, es ist aber besser nur minimale Veränderungen in der BSR zu haben und über einen längeren Zeitraum eine konstante BSR zu haben.
Bei mir hat es echt wunder gewirkt, mit weniger Insulin habe ich ein besseres Ergebniss erreicht.
Diese Änderungen solltest Du allerdings nicht ohne Ärztliche Unterstützung durchführen.
Falls Du noch nicht bei einem Facharzt in Behandlung bist, würde ich Dir vorschlagen Dir einen Facharzt (Diabetologen) in Deiner nähe zu suchen.
Und mit Ihm Systemathisch die für Dich passende BSR herauszufinden. Das heißt natürlich erstmal viel messen und keine BE´s...
Und eins noch versuche nicht krampfhaft eine Erklärung zu finden, die gibt es manchmal einfach nicht...
Viel Erfolg!
von Markus -
Marc
Rang: Gastam 28.12.2004 16:23:45
Hallo Markus,
vielen Dank für Deine Info.
Ein Teil Deiner Ausführungen ist natürlich korrekt. Ich habe auch schon viele Erfahrungen sammeln können, mein Zucker und ich gehen bereits gut 7 Jahre gemeinsame Wege. Den Faktor Streß versuche ich auch nicht zu regulieren. Die erhöhten Werte akzeptiere ich auch, der aufkommende Streß ist leider nicht meßbar.
Mich stören zur Zeit die hohen Werte, weil ich sie mir nicht erklären kann. Ein Bsp.: Gestern um 19 Uhr hatte ich 38mg/dl, habe dann 3 BE Traubenzucker genommen, um 20.25 Uhr hatte ich 233 mg/dl. Kann ich schon nicht nachvollziehen! Dann habe ich 2 Brötchen mit Käse gegessen (max. 4,5BE), ich gab aber 6,5BE ein (sprich 23,3IE Insulin). Um 23 Uhr hatte ich plötzlich einen Wert von 313 mg/dl. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Die Basalrate hatte ich tagszuvor um 0,05IE (stündlich) geändert. Gleiche Schwankungen sind von morgens zum Mittag zu verzeichnen. Es ist für mich unerklärlich, bei der ICT war es doch nicht so gravierend!
Beim Diabetologen bin ich, ist auch ein klasse Doc, zumal er auch Pumpenträger
ist. Gleich haben wir ein Gespräch.
Vielleicht hast Du aber recht, dass ich die Basalrate zu hoch gesetzt habe, vielleicht steuert der Körper dagegen. Ich weiß es nicht. So jedenfalls hilft mir die Pumpe nicht weiter. Weißt Du was über Insuline die ggf. vom Körper abgelehnt werden? Ich benutze seit 7 Jahren Humalog. Vielleicht ist ein Insulinwechsel nötig.
Über weitere Pumpentipps würde ich mich freuen. So leicht wie ich es mir vorgestellt habe, ist es ja doch nicht.
Marc -
Sabine Gerhard
Rang: Gastam 28.12.2004 21:33:55
Lieber Marc,
vielen Dank für Deine Antwort auf meinen
Beitrag. Hat mir echt geholfen.
Nun zu Dir: Ich bin der Meinung, daß Du eher an Deinem Bolus etwas ändern mußt.
Die Bolusabgabe ist ja auch Tageszeiten bedingt. Bei mir ist es zum Beispiel so, daß ich morgens pro BE 2,0 IE Insulin benötige, mittags pro BE 1,5 IE und abends
nur 1,0 IE/BE. Vielleicht solltest Du daran
etwas verändern.
Bei Deinem oben genannten Beispiel bin ich der Meinung, daß es sich um eine Gegenregulation auf den UZ handelt, mit 3 BE Traubenzucker gut behandelt, aber dann das Essen müsstest Du evtl. mit mehr
Einheiten Insulin abdecken. Aber vor allem
da bin ich auch der Meinung von Markus,
mußt Du Deine Basalrate in den Griff kriegen. Dann klappt alles andere auch !!
Ich wünsche Dir viel Glück und verliere nicht den Mut, Du kriegst das sicher in den Griff.
Stehe Dir auch gerne für weitere Fragen zur
Verfügung.
Viele Grüße Sabine
von Sabine Gerhard -
Marc
Rang: Gastam 29.12.2004 12:32:11
Hallo Sabine,
vielen Dank für deine Information.
Gestern beim Doc eine Ist-Analyse gemacht, mit meiner Dokumentation kommt er schon gar nicht mehr zu recht. Liegt vielleicht daran, dass ich zuviel geändert habe. Ich will zu schnell optimale Werte erzielen! Hohe Werte passen nicht in mein Hirn.
Aber ich habe meinen Fehler gefunden. Bei der ICT habe ich 4 IE pro BE berechnet, die minimed Pumpe mit dem eingebauten Rechner akzeptiert max. 3 IE pro BE. Da wird der Bolus-Fehler liegen. Optimal wäre bei mir 3,5-3,8 IE pro BE. Ich hatte versucht mit der Basalrate die erhöhten Werte aufzufangen, was natürlich nicht funktionieren kann. Das war aber mein Denkfehler. Vorallem kenne ich kaum welche, die 4 IE pro BE benötigen, aber damit muss ich anscheinend leben. Jetzt werde ich erst mal die Basalrate eine Woche in Ruhe lassen, meine Bolus-Einheiten selber berechnen und schauen ob es hinkommt. Es ist ärgerlich, weil der Rechner an der Pumpe sehr gut ist, der berücksichtigt noch wirkendes Insulin. Die Funktion kann ich leider nicht mehr nutzen.
Vielleicht kannst Du mir aber noch einen Tipp geben. Mit dem Lantus Insulin bin ich mit Werten um 160mg/dl ins Bett gegangen. Welcher Wert ist bei der Pumpe sinnvoll?
Vielen Dank, Marc.