Umstellung in der Insulintherapie - was muß man beachten?

Wenn Diabetiker auf ein neues, anders wirkendes Insulin umgestellt werden, ändern sich einige Bedingungen und Abläufe in der Therapie. Das tägliche Bewegungsprogramm, die Abstimmung von Blutzuckerniveau, Mahlzeiten und Insulininjektionen oder das Ausgleichen von "Diätsünden".
Worauf man zum Beispiel achten muß, fragten wir Dr. med. Rolf Renner, Oberarzt im Städtischen Krankenhaus München-Bogenhausen.

Diabetes Ring:
Wie wenden Diabetiker neue, kurz wirksame Insuline wie das Insulin lispro an, wenn sie sich ein Stück Kuchen, ein Eis oder Schokolade genehmigen und diese rasch resorbierbaren Kohlenhydrate abfangen wollen?
Dr. Renner:
Für uns alle, aber besonders für Diabetiker, gilt, daß eine gesunde und ausgewogene Ernährung der vernünftigste Weg ist.
Bei den von Ihnen angesprochenen Nahrungsmitteln kann unmittelbar vor Beginn der Nahrungszufuhr ein sehr schnell wirkendes Analog-Insulin gespritzt werden. Dabei ist die Injektion am Bauch, wo das Insulin am raschesten absorbiert wird, vorteilhafter als am Oberschenkel. Genaugenommen können Sie allerdings derartige Nahrungsmittel nicht pauschal als rasch resorbierbar bezeichnen. Eine Schwarzwälder Kirschtorte mit ihrem hohen Fettgehalt wird viel langsamer resorbiert als ein Sandkuchen, das Nuß- und Schokoladeneis langsamer als das wässrige Zitroneneis.

Diabetes Ring:
Müssen sportlich aktive Diabetiker bei der Therapie mit Analog-Insulinen etwas Besonderes beachten?
Dr. Renner:
Ja, durchaus. Liegen im Blut hohe Insulinspiegel vor und der Diabetiker treibt Sport, setzt er sich dem Risiko einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) aus. Um dieser Gefahr zu begegnen, müssen insulinpflichtige Diabetiker, wenn sie Sport treiben wollen, ihre sonst übliche Insulindosis reduzieren. Die gleiche Einschränkung gilt bis etwa zwei Stunden nach der Injektion auch beim Analog-Insulin. Danach ist das Unterzuckerungsrisiko durch Sport allerdings geringer als bei einer Therapie mit herkömmlichen Insulinen.
Treibt der mit Analog-Insulin therapierte Diabetiker circa drei Stunden nach dem Essen Sport, ist die Reduzierung der Insulingabe vor der Mahlzeit jedoch nicht notwendig, da dann nur noch eine geringe Wirkung des Insulins vorhanden ist.
Wird also vor einer Mahlzeit Insulin lispro verwendet, ist es ratsam, nicht unmittelbar danach eine sportliche Aktivität auszuüben. Aus ernährungsphysiologischen Gründen kommt dieser Rat dem üblichen Verhalten des Menschen ohnehin entgegen. Sport kann somit einfacher werden.

Diabetes Ring:
Ist Insulin lispro auch für Pumpenbenutzer geeignet?
Dr. Renner:
Ja, nach mir bisher zugänglichen Daten kann Insulin lispro auch als Pumpeninsulin dienen. Leider steht die Auswertung der diesbezüglichen großen Pumpenstudie in Deutschland noch aus.

 

Diabetes Ring:
Wenn Menschen mit Altersdiabetes Insulin benötigen, weil die körpereigene Produktion ermüdet - welches Wirkprofil ist hier sinnvoll?
Dr. Renner:
Häufig fehlt dem Organismus in den frühen Jahren nach Aufdecken eines Typ-II-Diabetes lediglich ausreichend Insulin zu den Mahlzeiten. Folglich können solche Patienten allein mit Normalinsulininjektionen vor den Hauptmahlzeiten behandelt werden. Oft genügen zwei Spritzen, eine vor dem Frühstück und eine vor dem Abendessen. Sogenannte Analog-Insuline könnten hier eine interessante Möglichkeit darstellen, die natürliche Hormonsekretion vielleicht noch besser zu imitieren.
Vor einem unkritischen Einsatz von Insulin lispro ist allerdings bei älteren Diabetikern zu warnen, die durch Abgelenktsein, Vergeßlichkeit und aufgrund bisheriger Gewohnheiten einen oft erheblich variierenden Spritz-Eß-Abstand beibehalten. Diese Einschränkung gilt im übrigen auch für Patienten mit verzögerter Magenentleerung, eine Komplikation, die oft nicht bekannt ist.

Diabetes Ring: Vielen Dank für das Gespräch.

22.07.2000