Blutdruck und Diabetes: Blutdruckmessung: Was Sie wissen sollten
Die wichtigsten Entdeckungen zur Blutdruckmessung wurden von einem englischen Pastor, einem Wiener Professor, einem Arzt in Turin und einem Chirurgen in Rußland gemacht. Um 1707 wurde von dem englischen Pastor Stephen Hales zum ersten Mal der Blutdruck bei einem Pferd gemessen. Allerdings geschah dies mit einer blutigen Methode, die man beim Menschen nicht anwenden konnte. Unblutige Methoden zur Blutdruckmessung gibt es erst seit 1876. In diesem Jahr veröffentlichte Prof. Dr. S. von Basch in Wien die Beschreibung des ersten Blutdruckmeßgeräts, das allerdings noch etwas kompliziert aussah.
Das Blutdruckmeßgerät von Prof. Dr. S. von Basch war recht unhandlich. Viel einfacher war die Idee des italienischen Arztes Scipione Riva Rocci, der 1896 empfahl, eine Manschette um den Oberarm zu legen und diese aufzupumpen.
Der Blutdruck wird zu Ehren von Dr. Riva Rocci heute in RR angegeben. Der nächste entscheidende Fortschritt kam 1905 aus dem Militärhospital in Sankt Petersburg. Dort arbeitete der Chirurg Nikolai Korotkoff. Er veröffentlichte, daß man mit einem Stethoskop (Hörrohr) über der Armschlagader Töne hören kann, wenn die Luft aus der von Dr. Riva Rocci beschriebenen Manschette abgelassen wird und daß Beginn und Aufhören dieser Töne das Ablesen des oberen und unteren Blutdruckwerts erlauben. Zu Ehren von Korotkoff werden diese Töne heute Korotkoff-Töne genannt.
Wie entsteht der Puls?
Das Herz pumpt das Blut durch die Blutgefäße, indem es sich zirka 70mal pro Minute zusammenzieht und wieder erschlafft. Das Pumpen des Herzens können Sie über manchen Adern als Puls fühlen (zum Beispiel an der Innenseite des Handgelenks).
Wie entsteht der Blutdruck?
Beim Zusammenziehen des Herzmuskels (Systole) entsteht der obere Blutdruckwert (systolischer Blutdruck genannt). Wenn sich der Herzmuskel wieder entspannt (Diastole), entsteht der untere Blutdruckwert (diastolischer Blutdruck). RR (Riva Rocci) ist eine Abkürzung für Blutdruck. Der Blutdruck wird in der Maßeinheit mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben. Bei Erwachsenen liegt der systolische Blutdruck normalerweise unter 130 und der diastolische Blutdruck unter 85 mmHg. Kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation und die Hochdruckliga empfohlen, Blutdruckwerte von 130 bis 139 mmHg systolisch und 85 bis 89 mmHg diastolisch als „hochnormale“ oder „nochnormale“ Blutdruckwerte zu bezeichnen.
Normale Blutdruckwerte
Systolischer, oberer Wert
hochnormal: 130 bis 139 mmHg
normal: unter 130 mmHg
Diastolischer, unterer Wert
hochnormal: 85-89 mmHg
normal: unter 85 mmHg
Bluthochdruck
Eine arterielle Hypertonie besteht, wenn durch mehrere Blutdruckmessungen (an verschiedenen Tagen gemessen) erhöhte Blutdruckwerte ermittelt wurden. Bluthochdruck wird in verschiedene Schweregrade eingeteilt: Als milde Hypertonie bezeichnet man den Bluthochdruck, wenn systolisch Werte zwischen 140 und 159 mmHg und diastolisch Werte von 90 bis 99 mmHg erreicht werden. Eine mittelschwere Hypertonie liegt systolisch zwischen 160 und 179 mmHg und diastolisch zwischen 100 und 109. Bei schwerer Hypertonie liegen die Blutdruckwerte bei 180 mmHg systolisch oder darüber und diastolisch bei 110 mmHg oder höher. Eine isolierte systolische Hypertonie liegt vor, wenn die diastolischen Blutdruckwerte normal sind (unter 90 mmHg) und nur die systolischen Werte bei 140 mmHg oder darüber liegen.
Welche Zielblutdruckwerte sollten Sie erreichen?
Wünschenswert ist, daß Ihr Blutdruck dauerhaft unter 140 mmHg systolisch und unter 90 mmHg diastolisch liegt. Idealerweise sollten Werte unter 130 mmHg systolisch und 85 mmHg diastolisch erzielt werden. Die optimale Einstellung des Blutdrucks ist erreicht, wenn Ihr Blutdruck dauerhaft unter 120 mmHg systolisch und unter 80 diastolisch liegt.
Ist der Blutdruck immer gleich?
Der Blutdruck kann sich im Laufe des Tages ändern. In der Nacht ist der Blutdruck eher etwas niedriger als am Tag. Bei körperlicher Belastung kann der Blutdruck deutlich ansteigen. Schmerz, große Hitze oder Kälte können ebenfalls den Blutdruck erhöhen. Streß und Aufregung können zu kurzzeitigen Blutdruckerhöhungen führen (zum Beispiel, wenn man sich darüber ärgert, auf der Autobahn in einen Stau geraten zu sein und dadurch einen wichtigen Termin verpaßt). Auch bei gesunden Menschen kann bei solchen Anlässen der Blutdruck ansteigen, allerdings nur für kurze Zeit. Wegen solcher Schwankungen des Blutdrucks ist es wichtig, daß Sie vor der Messung des Blutdrucks drei Minuten ruhig sitzen. Nur so messen Sie vergleichbare Werte, die für die Behandlung brauchbare Informationen liefern. Wenn die Behandlung der Hypertonie besondere Probleme macht, kann eine Langzeit-Blutdruckmessung dem Arzt zusätzliche Informationen liefern. Das Gerät mißt über 24 Stunden Ihren Blutdruck automatisch. Die Auswertung erfolgt beim Arzt. Eine Langzeit-Blutdruckmessung ersetzt nicht die Selbstmessung des Blutdrucks. Auf die Dauer reicht die tägliche Selbstmessung, ergänzt durch Kontrollen beim Arzt, um festzustellen, ob Ihre Hypertonie gut behandelt ist.
Die Blutdruck-Selbstmessung
Übliche Blutdruckmeßgeräte bestehen aus einer Manschette, die um den Oberarm gelegt wird, einem mit der Membran in der Manschette befestigten Hörrohr (Stethoskop), einem Gummiball, verbunden mit einer Ventilschraube (oder einem Druckknopf) und der Skala zum Aufpumpen der Manschette. Die 12 bis 13 Zentimeter breite Standardmanschette für Erwachsene ist für einen Oberarmumfang zwischen 20 und 40 Zentimeter geeignet. Wenn der Umfang des Oberarms größer oder kleiner ist, müssen Spezialmanschetten verwendet werden. Die Skala des Blutdruckmeßgerätes zeigt Werte zwischen Null und 300 mmHg an. Der Zeiger sollte bei luftleerer Manschette auf Null stehen. Hier sehen Sie ein Blutdruckmeßgerät, das mit der seit Jahrzehnten benutzten Methode den Blutdruck mißt.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Blutdruckmeßgeräte mit elektronischer Anzeige: Man muß nur die Manschette anlegen, und fast alles andere erfolgt automatisch durch das Gerät. Diese Geräte können Menschen helfen, die Schwierigkeiten bei der Messung mit herkömmlichen Geräten haben (wenn zum Beispiel wegen Schwerhörigkeit die Geräusche beim Blutdruckmessen mit dem Stethoskop nicht mehr hörbar sind). Den Gebrauch dieser Geräte müssen Sie unbedingt erlernen. Besprechen Sie mit dem Arzt, welches Gerät für Sie sinnvoll ist. Bringen Sie Ihr Blutdruckmeßgerät mit in die Praxis. Neuerdings gibt es ein Gütesiegel für Blutdruckmeßgeräte, das die Hochdruckliga nur solchen Meßgeräten verleiht, die besonders exakt den Blutdruck erheben. Achten Sie beim Kauf darauf, möglichst ein Gerät mit diesem Gütesiegel zu erwerben. So funktioniert die Blutdruckmessung Der Blutdruck wird im Sitzen gemessen. Vor jeder Blutdruckmessung sollten Sie mindestens drei Minuten ruhig sitzen. Die Manschette wird so angelegt, daß sich die Membran des Stethoskops auf der Armschlagader befindet. Der untere Rand der Manschette soll zwei bis drei Zentimeter über der Ellenbeuge liegen. Die Manschette muß zwar locker angelegt sein, darf aber nicht verrutschen. Ärmel dürfen den Oberarm nicht einengen, sonst wird die Messung verfälscht. Legen Sie den Arm, an dem der Blutdruck gemessen wird, mit leicht gebeugtem Ellenbogen entspannt auf. Die Manschette sollte in Herzhöhe sitzen.
- Bei luftleerer Manschette fließt Blut in den Arm.
- Bei aufgepumpter Manschette fließt kein Blut in den Arm (Puls nicht mehr tastbar).
- Wenn durch das Luftablassen das Blut wieder zu fließen beginnt, kann man dieses mit dem Stethoskop über der Armschlagader als Klopfgeräusch hören.
So wird der Blutdruck abgelesen
Wenn Sie das erste Klopfen hören, lesen Sie den oberen, systolischen Blutdruck ab. Mit dem letzten Klopfen lesen Sie den unteren, diastolischen Blutdruck ab. Blutdruckwerte werden auf zwei Millimeter Quecksilbersäule genau abgelesen. Die Ablaßgeschwindigkeit sollte nicht mehr als zwei bis drei Millimeter Quecksilbersäule pro Sekunde betragen. Zur Blutdruckmessung wird die Manschette ungefähr 30 mmHg über den bekannten oberen (systolischen) Blutdruck aufgepumpt. Wenn Sie am linken Arm den Blutdruck messen, pumpen Sie mit der rechten Hand die Manschette auf. Achten Sie darauf, daß Sie den Arm, an dem Blutdruck gemessen wird, während der Messung nicht bewegen. Sollten Sie beim Luftablassen sofort Klopfgeräusche hören, müssen Sie die Messung abbrechen. Entleeren Sie die Manschette völlig, warten Sie eine Minute und messen Sie dann den Blutdruck erneut wie oben angegeben. Das Blutdruckmessen sollten Sie im Rahmen eines Schulungsprogramms erlernen. Falls Sie hierzu noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt. Heute werden auch Meßgeräte angeboten, die am Handgelenk oder am Finger angelegt werden. Hierbei können verschiedene Fehlerquellen zu abweichenden Blutdruckwerten führen: die falsche Lagerung (nicht in Herzhöhe), unregelmäßiger Herzschlag oder auch bestimmte Gefäßkrankheiten. Deshalb sollten Sie unbedingt durch Parallelmessungen des Blutdrucks bei Ihrem Arzt feststellen lassen, wie exakt Ihr Gerät mißt. Die meßtechnische Kontrolle der von Ihnen verwendeten Blutdruckmeßgeräte (spätestens alle zwei Jahre) kann entweder durch den Hersteller oder durch ein Fachgeschäft erfolgen. Beim Kauf sollten Sie erfragen, ob die Kontrolle dort erfolgen kann.
Der Blutdruck-Paß
Die selbstgemessenen Blutdruckwerte, Ihren Puls sowie die verordneten Medikamente gegen Bluthochdruck sollten Sie in Ihren Blutdruck-Paß eintragen. Bei jedem Arztbesuch sind diese Werte wichtig zur Beurteilung des Behandlungserfolgs. In der Spalte „Bemerkungen“ können Sie Besonderheiten wie körperliche Belastungen oder Aufregungen notieren.
Wie oft sollten Sie Ihren Blutdruck messen?
Sinnvoll ist es, den Blutdruck zweimal täglich zur gleichen Zeit und in gleichem Abstand zur Tabletteneinnahme, zum Beispiel immer vor dem Frühstück und Abendessen, zu messen. Auf diese Weise können Sie Ihre Blutdruckwerte gut vergleichen. Messen Sie auch den Blutdruck, falls Sie sich einmal unwohl fühlen, und notieren Sie alles im Blutdruck-Paß, um dies mit Ihrem Arzt zu besprechen. Manchmal wird Sie der Arzt bitten, häufiger als zweimal täglich zu messen. Besonders wichtig kann dies sein, wenn eine Behandlung mit blutdrucksenkenden Tabletten begonnen wird oder wenn die Medikamente geändert werden. Je nach Wirkungsablauf der Medikamente kann dann zeitweise auch ein Blutdruckwert spätabends oder nachts für den Arzt wichtige Informationen über die richtige Behandlung Ihrer Hypertonie liefern. Später genügt dann wieder die Blutdruckmessung zweimal am Tag.