Schenkkreise - lassen Sie die Finger davon!
Schenkkreise oder Herzkreise sind private Treffen, zu denen Teilnehmer mit dem Versprechen hoher Geldgewinne und gegenseitiger Solidarität und Unterstützung angeworben werden. Unter dem Deckmantel eines sozialen, gar wohltätigen Anspruches werden oft auch Menschen angesprochen, die von Krankheit oder persönlichen Problemen betroffen sind und daher nicht selten als leichte Opfer gelten. Auch bei Diabetes-Selbsthilfegruppen ist in letzter Zeit verstärkt beobachtet worden, daß für eine Teilnahme in einem solchen Schenkkreis geworben wurde. In diesem Heft möchten wir Sie informieren, was solche Schenkkreise sind - und warum Sie besser die Finger davon lassen sollten.
Schenkkreise oder Herzkreise: Unter dem Deckmantel eines sozialen, ethisch hochstehenden oder sogar wohltätigen Anspruches werden Treffen im privaten Kreis organisiert, zu denen Teilnehmer mit dem Versprechen hoher Geldgewinne und gegenseitiger Solidarität und Unterstützung angeworben werden.
Zunehmend ist auch in Diabetes-Selbsthilfegruppen in letzter Zeit verstärkt beobachtet worden, daß für eine Teilnahme in einem solchen Schenkkreis - oder besser: Pyramidenspiel - geworben wurde.
Wie das Pyramidenspiel funktioniert...
Das Ganze funktioniert so, daß das neue Mitglied einem anderen Teilnehmer der Gruppe ein Geldgeschenk macht, meistens nicht unerhebliche Beträge von mehreren tausend Euro.
Im Gegenzug wird man dann selbst auf eine Warteliste gesetzt und erhält das Versprechen, nach einiger Zeit dann von bis zu 8 (!) Leuten in gleicher Höhe zurückbeschenkt zu werden.
Hierbei appellieren die Veranstalter häufig an Herz und Gefühl - zumindest am Anfang wird behauptet, daß das Geld im Hintergrund stehe; vielmehr ginge es nur um die mit dem Schenken verbundenen, positiven Erfahrungen; einfach das Gefühl, „Gutes zu tun“ ...
Gerne wird auch betont, daß man bedürftigen Teilnehmern durch das Geschenk quasi ermögliche, selbst zu Geld zu kommen - und man so ein gutes Werk tue.
Vertrauen durch scheinbare Ehrlichkeit
Teilweise treten auch andere Werte daneben - die „Tafelrunde“ für ausschließlich männliche Teilnehmer setzt beispielsweise auf Ritterlichkeit, Ehrlichkeit und Gemeinsamkeit. Oder mit esoterischem Ansatz: In einer an potentielle Mitspieler verteilten Broschüre sind Slogans enthalten wie „Geld schenken heißt loslassen zu lernen“.
Oftmals wird zwar durch die klare Aussage, daß es keine Garantie auf eine Rückschenkung gebe, Vertrauen erweckt; und es wird versichert, daß das Spielsystem rechtlich unbedenklich sei.
Gleichzeitig wird dann aber doch von einer hohen Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes geschwärmt; immer finden sich Teilnehmer, die scheinbar schon eine Menge Geld erhalten haben und auf das System schwören.
Was steckt nun dahinter?
Gespielt wird meist nach einem dreistufigen System: Ein Mitspieler steht wie in einer Stufenpyramide an der Spitze, drei Teilnehmer folgen auf der zweiten Stufe; ganz unten stehen dann neun andere neue Mitglieder: Diese neuen Teilnehmer zahlen der Person an der Spitze jeweils einen Geldbetrag, beispielsweise 5000 Euro; dieser glückliche Gewinner steigt dann - hier um 40000 Euro reicher - aus dem Kreis aus. Alle anderen Teilnehmer rücken eine Stufe höher, und es entstehen drei neue Kreise mit jeweils einem neuen „Oberhaupt“. Der Haken: Jeder, der gerade selbst gezahlt hat, muß mindestens drei neue Mitglieder gewinnen, die dann auch tatsächlich bezahlen und ihrerseits es auch schaffen, wieder neue Mitspieler anzuwerben.
Eine einfache Rechnung mit kühlem Kopf zeigt, daß nur ganz wenige Menschen - meist die Initiatoren eines örtlichen Schenkkreises - hiervon profitieren: Damit alle Teilnehmer ihren Gewinn erhalten, müßten schon nach der 10. Teilung nämlich fast 180000 Personen mitspielen; schon nach der 20. Teilung würde die gesamte Erdbevölkerung nicht mehr ausreichen!
Und eigentlich ist es logisch: Woher soll denn die wundersame Geldvermehrung kommen?
Jeder Teilnehmer, der tatsächlich gewinnt, tut dies auf Kosten der anderen, nachrückenden Teilnehmer - in den allermeisten Fällen ist aber der komplette Einsatz verloren.
Oft folgt Streit mit Freunden
Das Schlimme daran ist, daß durch den enormen Bedarf an nachrückenden Neumitgliedern oftmals versucht wird, Freunde und Bekannte zur Teilnahme zu überreden: Kritik oder eine Weigerung, ebenso wie ein Ausstieg aus den Zirkeln führen nicht selten zu heftigen Auseinandersetzungen.
Zum Ende auch langjähriger, enger Freundschaften kommt es oft spätestens dann, wenn der Kreis ins Stocken kommt und Mitspieler erkennen müssen, daß ihr Einsatz trotz aller Versprechen verloren ist. Und auch wenn die Mitglieder eines Schenkkreises es oft nicht wahrhaben wollen - eine Teilnahme birgt durchaus auch strafrechtliche Risiken: Da man notgedrungen ja auch wieder neue Teilnehmer suchen und diese zur Teilnahme überreden muß, wird häufig mit der wahren „Gewinnerwartung“ hinterm Berg gehalten - und das kann durchaus den Straftatbestand des Betruges erfüllen; oder wenn man in mehreren solcher Kreise mitmacht, kann das auch eine strafbare progressive Kundenwerbung in einem Schneeballsystem sein.
Was tun, wenn man mich fragt?
Wenn Sie auf eine Teilnahme an einem solchen Schenkkreis angesprochen werden oder gar schon dort mitmachen:
Das Risiko, gute Freunde oder Bekannte zu verlieren, ist recht hoch - spätestens dann, wenn diese ihren Einsatz verlieren. Möglicherweise müssen Sie mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen und riskieren auch, von angeworbenen Personen schadenersatzpflichtig gemacht zu werden.
Und bedenken Sie auch: Mit Moral, Ethik und Wohltäterei hat ein Schenkkreis nun wirklich nichts zu tun! Durch Ihre Teilnahme unterstützen Sie ein betrügerisches System, das schon viele Menschen ins Unglück gestürzt hat und durch das nur ganz wenige Personen „reich“ geworden sind.
Und: Es ist auch nicht davon auszugehen, daß ausgerechnet Sie zu diesen Glücklichen gehören...