Diabetes und Internet
| Nach neuesten Statistiken haben mittlerweile über 75 Prozent aller Bundesbürger Zugriff auf das Internet – sei es über den eigenen PC zu Hause, am Arbeitsplatz, über die Universität oder öffentliche Einrichtungen. Immer mehr Menschen jeglichen Alters nutzen die vielen Angebote des „World Wide Web“, um sich zu informieren, zum Zeitvertreib oder zur Weiterbildung. Auch für Diabetiker ist das Internet eine wahre Fundgrube an Informationen und Angeboten, die jedoch mitunter nicht immer einfach zu handhaben sind. Auch ist es häufig schwer, seriöse und inhaltlich richtige Informationen von purer Werbung oder Quacksalberei zu unterscheiden. In diesem Titelthema geben wir Ihnen Tips, wie gerade Diabetiker vom Internet profitieren können. Hinweis des Herausgeber-Teams: Autor Oliver Ebert ist an einigen der im Titelthema vorgestellten Dienste unmittelbar oder mittelbar beteiligt; insbesondere an den Internetangeboten diabetes-forum.de, diabetes-friends.de, diabetes-timer.de und diabetes-und-recht.de. Wir müssen aber nicht hervorheben, daß selbstverständlich dennoch eine objektive Darstellung gewährleistet ist. Mehr zu Computerprogrammen zur Führung des Diabetes-Tagebuchs und zur Datenübertragung aus Blutzuckermeßgeräten gibt es im nächsten Heft. In einer der folgenden Ausgaben werden wir uns auch noch mit aktuellen Entwicklungen der Telemedizin befassen. | ||||
Informationen aus dem Netz Das Internet ist eine wahre Fundgrube an Informationen – zu jedem Thema gibt es heutzutage viele frei zugängliche Seiten. So natürlich auch zum Thema „Diabetes“. Trotz – oder gerade wegen – dieser vielen Informationen ist es gar nicht immer so einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen und tatsächlich brauchbare und zuverlässige Hilfe zu finden. In diesem Artikel möchten wir Ihnen wichtige Tips für die Recherche im Internet geben. Für den Internetsurfer ist es zunächst einmal nicht ohne weiteres ersichtlich, ob eine Informationsquelle zuverlässig, seriös und unabhängig ist. Oder ob persönliche Meinungen als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis verkauft werden sollen bzw. ob hinter einer vermeintlich unabhängigen Informationsseite nicht tatsächliche handfeste Marketinginteressen eines Pharmakonzerns stecken. Und auch die Nutzung des Internets ist nicht ganz unproblematisch – denn nicht immer sind Anonymität und/oder Datenschutz gewährleistet. 1. Suchmaschinen: Suchbegriffe präzisieren Zwischenzeitlich sind mehrere Milliarden Internetseiten zu allen erdenklichen Themen frei abrufbar. Als wertvolle Hilfe in diesem Dickicht an Informationen dienen Suchmaschinen (z.B. google.de, yahoo.de, altavista.de), bei denen Sie anhand bestimmter Suchbegriffe eine Auswahl an Treffern finden. Allerdings sind gerade bei pauschalen Oberbegriffen (wie beispielsweise „Diabetes“) die Ergebnisse vielmals kaum brauchbar: Die Eingabe des Suchworts „Diabetes“ bei Google beispielsweise ergibt knapp 200 Mio. Suchergebnisse zum Thema, wobei sich allerdings zahlreiche themenrelevante Seiten nicht notwendigerweise am Anfang der Liste befinden. Hierzu sollten Sie wissen, daß ein vorderer Platz in manchen Suchmaschinen mitunter durch Anzeigen erkauft oder aufgrund technischer Manipulationen „erschlichen“ wird. Vielmals findet auch gar keine redaktionelle Prüfung statt, sondern die Katalogisierung erfolgt automatisiert. Sehr häufig finden sich so Beiträge an vorderster Stelle, die offensichtlich mit dem Suchbegriff nichts oder nur wenig zu tun haben. Um hier nicht schnell enttäuscht – oder kurzfristig frustriert – zu werden, sollten Sie sich im Vorfeld Gedanken machen, wie Sie die Suche etwas präzisieren können. Statt eines pauschalen Oberbegriffes sollten Sie daher die gewünschten Themen möglichst durch mehrere Worte beschreiben und eingrenzen.
Tip 1: Versuchen Sie, das gesuchte Thema durch möglichst viele Suchbegriffe einzuschränken. 2. Spezielle Suchmaschinen nutzen Für manche Themenbereiche gibt es spezielle Suchdienste, die nur themenrelevante Angebote verschlagworten. Im Gegensatz zu den Standardsuchmaschinen erfolgt dort vielmals eine redaktionelle Prüfung, so daß die Ergebnisse weitgehend frei von sachfremden Inhalten sind. Nachteil bei solchen themenspezifischen Suchdiensten: Man ist auf die redaktionelle Objektivität des Anbieters angewiesen; auch sind dort im Verhältnis nur vergleichsweise wenige Seiten verschlagwortet. Mitunter werden hier Seiten auch nur gegen Bezahlung aufgelistet.
Tip 2: Gerade medizinisch-wissenschaftliche Informationen erhalten Sie schnell über spezifische Suchmaschinen. 3. Themenportale und Linklisten nutzen Globale Suchmaschinen wie google.de sind nicht auf das Thema Diabetes spezialisiert. Schneller und meist zielführender dürfte daher oftmals ein Besuch spezieller Internetseiten sein, die sich dem Thema Diabetes widmen. Diese werden meist von Organisationen, Herstellern, Verlagen, Händlern, Apotheken, Ärzten oder engagierten Betroffenen bzw. Selbsthilfegruppen betreut und bieten häufig zuverlässige Informationen. Nützlich zu wissen: Auf den zahlreichen Themenseiten zum Bereich Diabetes haben Internet-Benutzer bzw. -betreiber teilweise sehr ausführliche Verzeichnisse mit deutschsprachigen Links zum Thema Diabetes mellitus zusammengetragen. Tip 3: Nutzen Sie die Link-Sammlungen der Seiten, die sich auf das Thema Diabetes spezialisiert haben. 4. Qualifikation und Seriosität prüfen Die besten Suchergebnisse bringen natürlich nichts, wenn die erhaltenen Informationen nicht verläßlich sind. Das Internet ist ein wahrer Tummelplatz an Meinungen und bietet grundsätzlich jedem die Möglichkeit, seine mehr oder weniger persönliche Auffassung der Dinge in die Welt zu setzen. In Diskussionsforen, aber auch – auf den ersten Blick – seriös anmutenden Internetportalen werden häufig Informationen präsentiert, die so einfach nicht stimmen. Nicht selten werden dort persönliche Meinungen als allgemeingültig „verkauft“ oder laienmedizinische Kenntnisse als gesicherter Stand der Forschung präsentiert. Sie sollten sich daher unbedingt über die Seriosität und Fachkunde der entsprechenden Informationsquelle vergewissern, bevor Sie medizinischen oder juristischen Informationen aus dem Internet vertrauen. Bei Internetseiten ist hier immer eine entsprechende Quellenangabe, eine Angabe des Verfassers sowie dessen Qualifikation zu fordern; bei Teilnahme an Diskussionen sollten Sie sich über den fachlichen Hintergrund Ihrer Gesprächspartner informieren, bevor Sie deren – mitunter recht überzeugend vorgetragener – Auffassung unbesorgt Glauben schenken. Schließlich ist es wünschenswert, daß die Textbeiträge mit einem Datum versehen sind – denn nur dann können Sie abschätzen, ob die Informationen tatsächlich auch heute noch gültig bzw. verwertbar sind. Ein 10 Jahre alter Beitrag mit rechtlichen Informationen mag beispielsweise damals inhaltlich richtig gewesen sein – in der Zwischenzeit könnte sich da jedoch einiges geändert haben... Anbieter von Internetangeboten sind im übrigen gesetzlich verpflichtet, in einem Impressum über ihre Identität sowie die verantwortlichen Personen zu informieren. Dieses Impressum muß leicht zugänglich sein; dort ist u.a. eine vollständige Adresse sowie Name und Vorname mindestens einer verantwortlichen Person zu benennen. Internet-Seiten ohne vollständiges Impressum sollten Sie mit Vorsicht begegnen. Tip 4: Vergewissern Sie sich über Qualifikation und Seriosität der Informationsquelle. 5. Vorsicht bei Diskussionsforen Diskussionsforen sind eine hervorragende Möglichkeit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen. Im Gegensatz zu redaktionellen Beiträgen ist dort jedoch meist nur wenig über die Identität des Verfassers zu erfahren. Gerne werden solche Foren von Egozentrikern, Weltverbesserern, Sektierern oder Streitsüchtigen als Bühne genutzt, um sich wenigstens im Internet (vermeintlich) zu profilieren bzw. darzustellen – im „normalen“ Leben haben solche Leute aber meist nicht viel Vernünftiges zu vermelden. Hinzu kommen auch noch Personen mit einem übersteigerten Sendungsbewußtsein, die im Internet medizinische Ratschläge erteilen, Therapieempfehlungen geben oder Rechtsberatung durchführen. Sind Sie vielleicht ein Internet-Neuling? Gerade dann sollten Sie sehr aufpassen, daß Sie nicht allzu leichtgläubig sind und auf solche Wichtigtuer hereinfallen – vor allem bei medizinischen bzw. juristischen Fragen sollten Sie sich daher immer bei Ihrem Arzt bzw. bei einem Rechtsanwalt bzw. Steuerberater rückversichern. Tip 5: Schätzen Sie die Beiträge in Diskussionsforen als mitunter wertvolle (Lebens-)Hilfen – vertrauen Sie aber letztendlich nur nachgewiesen kompetenten Fachpersonen. 6. Werbung erkennen Viele Informationsportale zum Thema Diabetes werden von engagierten Patienten und Selbsthilfegruppen ins Leben gerufen und mit teilweise recht hohem Aufwand kontinuierlich gepflegt. Die meisten Portale werden jedoch von kommerziellen Anbietern betrieben und dienen daher dem Marketing und/oder dem Produktverkauf. An der Schaltung von Werbung (beispielsweise in Form von Bannern oder Logos) ist prinzipiell nichts auszusetzen; der Betrieb solcher Dienste ist recht kostenintensiv und muß ja in irgendeiner Form auch finanziert werden. Allerdings ist unbedingt zu fordern, daß Anzeigen und Werbung auch klar als solche gekennzeichnet sind. Ist beispielsweise ein Hersteller von Blutzuckermeßgeräten bzw. von Insulin beteiligt, so besteht doch zumindest die potentielle Gefahr, daß dort die Informationen nicht wirklich unabhängig und objektiv vermittelt werden. Tip 6: Prüfen Sie genau, wer hinter einem Internetangebot steckt und ob möglicherweise die Gefahr besteht, daß Informationen nicht objektiv vermittelt werden. 7. Qualitätssiegel Die Unabhängigkeit und Seriosität von Angeboten kann mitunter auch durch Qualitätssiegel dokumentiert werden. Für Gesundheitsinformationen können beispielsweise von unabhängigen Institutionen wie dem aktionsforum gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V. (http://www.afgis.de) oder der Health On the Net Foundation (http://www.hon.ch) entsprechende Qualitätssiegel verliehen werden – allerdings nur, wenn der Seitenbetreiber deren (Qualitäts-)Anforderungen nachweislich einhält. Umgekehrt darf man aber keinesfalls den Schluß ziehen, daß nur Seiten mit solchen Siegeln verläßlich sind: Manchmal kosten Prüfung und Vergabe eines solchen Logos eine nicht unerhebliche Gebühr – viele Seitenbetreiber können oder wollen sich dieses nicht leisten, bieten aber dennoch eine gute Qualität. Gänzlich davon zu unterscheiden sind nichtssagende Auszeichnungen wie „Diese Seite zählt zu den 5000 wichtigsten Web-Seiten“, „Top of the Web“ etc. – hier handelt es sich meist um Siegel, die keinen nachprüfbaren Vergabevoraussetzungen unterliegen und im Prinzip von jedermann „verliehen“ werden können. Einem Webangebot, das solche „Werbung“ nötig hat, sollte man eher kritisch begegnen. Tip 7: Ein Qualitätssiegel einer unabhängigen Institution mit transparenten Vergaberichtlinien deutet meist auf eine seriöse Seite hin. 8. Datenschutz im Auge behalten Auf vielen Seiten besteht die Möglichkeit, daß Sie aktuelle Informationen per E-Mail-Newsletter oder auch per Post anfordern können. Grundsätzlich müssen Sie aber vor Preisgabe Ihrer persönlichen Daten vom Seitenanbieter darüber informiert werden, was konkret mit Ihren Daten geschieht. Auch steht Ihnen ein jederzeitiges Widerrufsrecht zu, über welches Sie ebenfalls belehrt werden müssen. Tip 8: Nur wenn eine ordnungsgemäße Information erfolgt, sollten Sie Ihre Daten weitergeben. Wenn Sie anonym bleiben möchten, aber dennoch nicht auf aktuelle Newsletter per E-Mail verzichten wollen, dann empfiehlt sich die Einrichtung eines separaten, anonymen E-Mail-Accounts. Unter beispielsweise www.hotmail.de können Sie kostenlos ein E-Mail-Postfach einrichten, ohne daß jemand von Ihren tatsächlichen Personalien erfahren muß. Wenn Sie dann nur diese Mail-Adresse weitergeben, bleibt Ihre Privatsphäre recht gut geschützt. Das ist jedenfalls die Erfahrung vieler Internet-Nutzer. Tip 9: Verwenden Sie eine anonyme E-Mail-Adresse. Schließlich sollten Sie auch da-ran denken, daß das Internet quasi nichts vergißt: Wenn Sie heute einen Beitrag in ein öffentliches Forum, ein Gästebuch oder eine Newsgroup schreiben, so ist dieser mitunter noch Jahre später sichtbar. Probieren Sie es einmal selber aus und recherchieren mit einer Suchmaschine nach Ihrer E-Mail-Adresse! Gerade Arbeitgeber nutzen mittlerweile auch verstärkt das Internet, um ein Profil des Bewerbers zusammenzustellen: Wer also mit seiner E-Mail-Adresse und seinem richtigen Namen im Internet Beiträge zu Diabetes-Themen schreibt, der könnte vielleicht einmal gefragt werden, aus welchem Grund man sich denn für dieses Thema interessiert... Und: Wenn ein „Max Mustermann“ unter dem Pseudonym „Max12“ auftritt, dann sollte er auch keine E-Mail-Adresse wie „max.mustermann@t-online.de“ verwenden, die den vollen Namen letztlich doch jedermann verrät. Tip 10: Vermeiden Sie, Ihren vollständigen Namen oder Ihre offizielle E-Mail-Adresse in Diskussionsforen zu veröffentlichen. Wenn Sie diese Tips beherzigen, dann sollte einer unbeschwerten Internet-Nutzung nichts mehr entgegenstehen. Bitte vergessen Sie aber nicht, daß vielleicht auch Ihre Familie und Ihre Freunde noch etwas von Ihrer Zeit haben wollen. Und wer nicht gerade über eine Flatrate verfügt, sollte auch die Gebühren für den Internetzugang nicht gänzlich außer Acht lassen. Last but not least: Nicht irgend jemand aus dem Internet, sondern ausschließlich Ihr Arzt sollte (und darf!) Therapieentscheidungen treffen! |