ICT steht für gute Blutzuckerwerte und hohe Lebensqualität
Immer mehr insulinbedürftige Typ-II-Diabetiker wenden die intensivierte konventionelle Insulintherapie (ICT) an. Die Methode erlaubt zum einen eine präzisere Stoffwechseleinstellung und gewährt Diabetikern weitgehend Unabhängigkeit, was Zusammenstellung und Zeitpunkt der Mahlzeiten angeht. Neue, kurz wirkende Insuline bieten weitere Vorteile für die ICT, die für Stoffwechseleinstellung und Lebensplanung der Diabetiker von Bedeutung sein können. Dr. Frank Merfort, Oberarzt im Evangelischen Krankenhaus "Bethesda", Mönchengladbach, erklärt, worum es geht:Diabetes Ring:
Wenn Diabetiker auf eine intensivierte Insulintherapie eingestellt sind, spritzen sie ca. 30 Minuten vor dem Essen die gewählte Dosis eines kurz wirksamen Insulins. Wie funktioniert das nun, wenn ein neues, noch kürzer wirksames Insulin verwendet wird?
Dr. Merfort:
In der Regel sollten Diabetiker mit einer intensivierten Insulintherapie bei der Anwendung von "Normalinsulin" einen Spritz-Eß-Abstand von 15 bis 30 Minuten einhalten. Das hängt damit zusammen, daß das herkömmliche Normalinsulin bis zur Entwicklung eines ausreichenden Wirkspiegels im Blut eine Zeit von etwa 30 bis 45 Minuten braucht. Bei einem Analog-Insulin tritt die Wirkung deutlich schneller ein. Daher kann man bzw. sollte man auf einen Spritz-Eß-Abstand verzichten. Bei niedrigen Blutzuckerwerten vor einer Mahlzeit kann es vorteilhaft sein, es während oder sogar nach einer Mahlzeit zu injizieren
Diabetes Ring:
Verhält sich der Blutzuckerspiegel nach der Mahlzeit anders, als wenn man normales Human-insulin verwendet?
Dr. Merfort:
Ja. Durch den schnelleren Wirkeintritt und das schnellere Erreichen des Wirkmaximums kommt es nach Verabreichung dieses sehr schnell wirkenden Insulins zu einem verminderten Blutzuckeranstieg nach der jeweiligen Mahlzeit. In verschiedenen Untersuchungen konnte man diesen erwünschten Effekt unabhängig vom Ausgangsblutzuckerwert nachweisen.
Diabetes Ring:
Das Analog-Insulin lispro wird aus dem Fettgewebe unter der Haut viel schneller ins Blut aufgenommen als herkömmliches Humaninsulin. Bedingt das nicht die Gefahr von Unterzuckerung?
Dr. Merfort:
Die schnellere und auch stärkere Wirkung des Insulin lispro deckt sich eher mit den natürlichen Regulationsvorgängen zur Abstimmung von Blutzuckeranstieg durch Zufuhr von Kohlenhydraten und Insulinwirkung. Es verhält sich also unserem körpereigenen Insulin ähnlicher als das herkömmliche Humaninsulin. Wenn sich die Diabetiker an die Empfehlung halten, Insulin lispro ohne Spritz-Eß-Abstand zu injizieren, besteht keine Gefahr einer frühen Unterzuckerung. Unter der Therapie mit humanem Normalinsulin treten hingegen Unterzuckerungen auch zwei bis drei Stunden nach den Mahlzeiten auf. Zu diesem Zeitpunkt ist die Kohlenhydrataufnahme schon abgeschlossen, während die Wirkung des humanem Normalinsulins noch anhält. Patienten müssen daher bei der Verwendung von humanem Normalinsulin Zwischenmahlzeiten einnehmen, um Hypoglykämien zu vermeiden.
Diabetes Ring:
Muß man trotz dieser Weiterentwicklung nach wie vor Zwischenmahlzeiten einnehmen?
Dr. Merfort:
Da das Analog-Insulin deutlich kürzer als herkömmliches Humaninsulin wirkt, sind Zwischenmahlzeiten zur Verhinderung von Hypoglykämien nach Mahlzeiten nicht mehr erforderlich. Wollen Patienten eine Zwischenmahlzeit einnehmen, müssen sie diese zusätzlich mit Insulin abdecken.
Diabetes Ring: Vielen Dank für das Gespräch.