Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Gibt es eine Störung der Glukoseausschüttung der Leber?

  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 05.01.2014 15:00:16
    Moin Karin,

    die schlechte Nachricht zuerst: wie ein gesunder Mensch beliebig viele KHs essen und trinken, ohne dass Dein BZ über die Gesund-Grenzen von nüchtern 90mg/dl und in der Spitze etwa 1 Stunde nach dem Einfüllen von viiiiielen KHs für ein paar Minuten über 140mg/dl ansteigt, wird nicht mehr wieder und ist bis heute auch mit den tollsten Medis nicht zu erreichen.

    Aber nach allem, was Du bis jetzt geschrieben hast, könntest Du gute Chancen haben, die Defekte in Deinem System so weit zu minimieren, dass Du Deinen Blutzucker noch viele Jahre ohne Medis in gesunden Grenzen halten und damit de facto praktisch völlig gesund leben kannst. Vielleicht sogar für immer, aber das muss erst noch die Erfahrung zeigen, denn die ältesten systematisch beobachteten Beispiele in der Art sind man gerade knapp 10 Jahre.

    Dieser Berappelt-Halten-Zustand hat sogar einen offiziellen Namen, heißt Remission, sogar vollständige Remission jedes Jahr, in dem das Jahr lang ohne Medis (aber z.B. mit LoCarb oder sogar NoCarb) nüchtern unter 100mg/dl und HBA1c bis 6 gemessen werden. So lange diese Werte gemessen werden, ist für die Remission egal, zu welchen schwindelnden Höhen sich der BZ etwa nach ner großen Cola aufschwingt.

    Hintergrund sind bariatrische OPs von Magenband bis Magenumgehung bei extrem schwergewichtigen Typ2, bei denen bei noch vergleichsweise jungem Diabetes (bis 4 Jahre nach der zeitnahen Diagnose) im Zeitrahmen von ner Woche bis 10 Tage nach der OP und noch vor jedem nennenswerten Abschmelzen eine weitgehende bis häufig sogar vollständige Normalisierung von Insulin- und Glukose-Verlauf beobachtet werden. Also auch kein erhöhter Insulin-Spiegel bei gesundem BZ mehr, wie er mit der sogenannten Insulinresistenz für den Vorlauf zum Typ2 charakteristisch ist.

    Lange Zeit wurde allerlei durch die OP verursachter organischer Hokuspokus zur Erklärung dieses Phänomens bemüht, bis ein Londoner Prof 2005 eine Gruppe von schwerstgewichtigen Freiwilligen dazu überreden konnte, statt sich gleich operieren zu lassen zunächst einmal einfach für 14 Tage nur so wenig zu essen, wie nach ner OP noch möglich wäre, VLCD=Very Low Calorie Diet, 600-800kcal/Tag. Und siehe da, die Gruppe konnte die gleichen Erfolgs-Ergebnisse präsentieren, wie bis dahin nur mit OP.

    Die bisher dafür vorgewiesene Erklärung: In den ersten Tagen mit besonders kleinem Schmalhans wird vor allem unsere zentrale Stoffwechselfabrik Leber von eingelagertem Fett entlastet und gewinnt ihre gesunde Regelfunktion zur Zucker- und Insulin-Regelung zurück. Diese Erklärung stützt, dass das Spiel nur bei Start mit Fettleber funktioniert.

    Inzwischen gibt es das Konzept im praktischen Paket mit neuer Formula-Diät unter ärztlicher Kontrolle, aber wie Du hier lesen kannst, hab ich mit ganz normalem Wenigessen und mit mehr als 20 Diabetes-Dienstjahren und mehr als 10 davon als INSULINER, im Juli 2013 ein vergleichsweise ähnlich gutes Ergebnis erzielen und zumindest bis heute halten können :)

    Bisdann, Jürgen
  • Gast

    Rang: Gast
    am 05.01.2014 15:41:24
    Hallo Jürgen,

    danke für die Antwort. Vielleicht sollte ich mal 14 Tage so mit 600 bis 800 kcal probieren. So richtig dolles Übergewicht hab ich nicht. Bin 1,62 und wiege 64 kg. Aber meine Leber hat gewiß Stress, weil ich auch ganz gern Wein trinke. Hab ich zwar jetzt auch gelassen, aber vielleicht wär s gut, der Leber mal eine Regenerationszeit zu gönnen, von zwei Wochen Schmalhans, damit, wie Du schreibst, sie ihre Fettreserven aufbraucht?

    Auf leckeres Weinchen, Süßes, Nudeln etc. bis zum Ende meines Lebens zu verzichten, erschreckt mich doch gewaltig. Jetzt, wo es mir gut geht, kann ich, wenn auch schwer, drauf verzichten, aber ich weiß genau, wenn ich mal Stress habe, dann kriege ich das nicht mehr gezügelt. Was macht man mit so Kandidaten wie mir? Einfach in Kauf nehmen, daß es immer wieder mal Ausrutscher gibt oder medikamentös arbeiten? So wie ich das sehe, gehöre ich zu den Leuten, die zwar im Normalbereich bleiben, wenn sie sich entsprechend ernähren, aber wenn sie das nicht tun, dann haben sie Zucker. Für mich ist das schon echt eine Herausforderung. Meine Disziplin hält sich in Grenzen. Es würde nur gehen, wenn ich Gefallen an dem neuen Futter finde. Denke mal, wenn man lange keinen Zucker, Nudeln, Brot oder so gegessen hat, dass dann auch die Lust drauf weniger wird. Merk ich ja jetzt schon, aber für Frustfraß reichts sicher noch.

    Grüße

    Karin
  • Bild User
    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 1233
    Beiträge: 8857
    Mitglied seit: 20.02.2011
    am 05.01.2014 18:12:24
    Moin Karin,

    Dein Messgerät weist Dir Deinen Arten- und Mengen-mäßigen Weg, wenn Du schaust, dass Dein BZ in der Spitze nach dem Essen oder/und Trinken meistens unter 140mg/dl bleibt. Die Spitze wird zwischen etwa 45 und 75 Minuten nach dem Essen erreicht. Kann man für sich selbst in mehreren Messreihen genauer zu finden versuchen. Ohne so individuelle Bestimmung wird die Spitze allgemein etwa 1 Stunde nach dem Essen angenommen.

    Ab und zu mal 160 oder auch 180 werden eher nicht stören, aber generell ist sicher hilfreich, die Schwankungen zwischen den Tälern und den Gipfeln, die der BZ-Verlauf beschreibt, auf 60-80mg/dl zu begrenzen, also auf gesund bis etwas mehr als gesund. Denn größere Schwankungen sollen unabhängig von der Blutzuckerhöhe ein eigenständiges Risiko für die Gefäße darstellen.

    Der Geschmack kann sich mit der Zeit ändern. So empfinde ich z.B. schon wenige Stücke der Schokolade, die ich früher nach Tafeln gegessen hab, heute als unangenehm süß, und wenn ich wo zu Besuch bin, fällt mir schwer, mich an die normalen Beilagen-Portionen zu halten und nicht stattdessen das spärliche Gemüse nicht alleine aufzuessen, wo mir früher ein großer Teller mit Kartoffeln und Soße völlig gereicht hätte. Im Restaurant ist der große Salatteller ohne Brot mein Ding.

    Klar sind lange nicht alle Leberfaster so LC-verdorben. Die meisten stellen sich für ihre Zukunft z.B. 1 Fastentag pro Woche und die übrigen normales Essen vor. Ob und wie und mit welchem Erfolg sich das durchhalten lässt, werden wir in den einschlägigen Foren in den nächsten Monaten und Jahren vermehrt lesen können. Einstweilen probieren wir halt alle für uns selbst, was am besten passt. Und der eine oder die andere vermeldet in den Foren schon mal, dass nach längerer Zeit mit gesundem BZ mal ne ausnahmsweise Portion mit eigentlich recht hoher Treibkraft den BZ gegen alle Erwartungen kaum erhöht hat :)

    Daumendrück, Jürgen
  • Gast

    Rang: Gast
    am 09.01.2014 23:19:12
    hjt_Jürgen schrieb:

    und wie erklärt Deine Entzündungs-Hypothese...


    Das ist nicht meine Hypothese. ;-)

    Schau Dich mal nach Stichworten wie Interleukin 1b und Anakinra um. Da zeigen sich so einige Zusammenhänge. Für Entzündung kannst Du auch Apoptose setzen.

    Ansonsten meine ich, dass wir das Thema auch schon hatten?

    Gruß
    Joa