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Schwangerschaftsdiabetes - darf ich jetzt kaum noch KH essen?
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Gast
Rang: Gastam 11.01.2014 14:20:31
Hallo, bei mir wurde gestern leider Schwangerschaftsdiabetes festgestellt :-(. Ich habe dazu ein paar Fragen an euch.
Meine Werte: Nüchtern 79, dann 75 ml oGTT, nach 1 Stunde 184, nach 2 Stunden 179. Ich habe ein bisschen gelesen und herausgefunden, dass ich auf Süßigkeiten und süßes Obst verzichten sollte. Schwierig genug... aber die anderen Kohlenhydrate wie Brötchen, Pizza, Kartoffeln soll ich auch einschränken??
Ich liebe Kekse, Eis und Schokolade, esse aber auch viel Obst, Gemüse und Getreide. Ich wog zu Beginn der Schwangerschaft bei 1,60 m Körpergröße 59 kg, jetzt habe ich 6 kg zugenommen, für den 7. Monat wohl ganz normal. Ich habe Angst, jetzt monatelang keine Süßigkeiten mehr essen zu dürfen. Ist das so?
Außerdem gruselt mir vor dem Fingerpieken (ich kann kein Blut sehen) und davor, vielleicht Insulin spritzen zu müssen. Nächste Woche habe ich einen Termin bei einer Diabetologin, will die Blut abnehmen? Oder was macht die mit mir? Ich finde das alles sehr beunruhigend, bin nur noch am Weinen seit ich die Diagnose habe und hoffe, ihr könnt mir helfen.
Marie -
am 11.01.2014 15:32:42
Moin Marie,
erstmal Glückwunsch zum Familienprojekt :)
Und Glückwunsch dazu, dass der Defekt Deiner Blutzucker-Automatik jetzt schon entdeckt worden ist. Ohne Defekt sorgt diese Blutzucker-Automatik beständig dafür, dass immer genug und nie zuviel Zucker=Glukose im Blut ist. Der Blutkreislauf ist ja unser großes Transport-Unternehmen, und die Glukose ist bei uns der Standard-Treibstoff für alle Zellen unseres Organismus.
Immer genug heißt bei den einen meistens 60mg/dl und bei den anderen meisten 90mg/dl, und nicht zuviel in der Spitze nach dem Essen heißt bei den einen für ein paar Minuten maximal 110mg/dl und bei den anderen für ein paar Minuten 140mg/dl. Und bei den meisten halt irgendwo dazwischen. Und damit die werdenden Kinder in der Schwangerschaft möglichst gesunde Wachstumsbedingungen haben, gelten nüchtern 90 und in der Spitze (meistens) 1 Stunde nach dem Essen (&Trinken) 140 als Obergrenzen, die nach Möglichkeit eingehalten werden sollen.
Herausforderungen sind:
+ Frau kann mit ihren 5 Sinnen nicht wahrnehmen, ob der BZ passt oder zu hoch ist. Das geht nur mit dem Fingerpieks zu messen.
+ Frau kann mit dem Einfüllen von kleineren KH=Zucker-Portionen für weniger Anstieg nach dem Essen sorgen.
+ Frau kann mit Bewegung direkt nach dem Essen für weniger Anstieg nach dem Essen sorgen.
+ Wenn Futterauswahl und Portionswahl und Bewegung nicht dafür ausreichen, den BZ in der Spitze unter 140 zu halten und zwischen den Mahlzeiten wieder auf 90 zu senken, ist als Medikament während der Schwangerschaft und Stillzeit nur Insulin zugelassen.
Dein Test sagt, dass Du mit Deinem Nüchtern-Zucker noch kein Problem hast, aber dass Deine Blutzucker-Automatik Schwierigkeiten mit größeren Zucker-Portionen hat. Vielleicht kommt sie ja noch mit ausgewählten kleineren Portionen ganz gut klar. Das könntest aber nur Du selbst ein bisschen systematisch per Fingerpieks herausfinden. Vielleicht magst Du ja mal lesen, wie eine andere werdende Mutter im LOGI-Forum mit ihren Herausforderungen zurecht kommt.
WICHTIG, und da musst Du ggf. selbst aktiv werden und drauf bestehen: Du hast praktisch Schwangerschafts-Diabetes.
Deine Test-Werte werden von manchen Doks noch nicht als ausreichend für die Diagnose Schwangerschafts-Diabetes angesehen. Aber dann musst Du die Teststreifen selber kaufen und die kosten echt teuer.
Und für die gesunde Entwicklung Deines Kindes sind Spitzen über 140 zu vermeiden, egal, ob Du beim Test nun 170 oder 180 oder 280 hattest.
NOCH wichtiger: Du bist eine von vielen werdenden Müttern, die jeden Tag mit der Schwangerschaft solche Zucker-Herausforderungen meistern müssen und das jeden Tag schaffen - Du ganz sicher auch :)
Daumendrück, Opa Jürgen
Bearbeitet von User am 11.01.2014 15:33:47. Grund: Ergänzung -
Gast
Rang: Gastam 11.01.2014 19:11:54
@ Jürgen: Vielen Dank für deine gut verständlichen Erklärungen.
Meine Hauptsorge ist eigentlich, dass es Auswirkungen auf das Kleine haben könnte oder ich nach der Schwangerschaft den Diabetes behalte. Ich habe noch nicht so ganz verstanden, was ich jetzt essen kann und was nicht. Kohlenhydrate = Zucker, soweit klar. Also möglichst wenig davon, und wenn dann aus Vollkornprodukten, soweit habe ich das verstanden. Süßigkeiten habe ich erst mal verbannt.
Aber ist es jetzt okay, zwischendurch einen Apfel zu essen? Oder eine Handvoll Erdnüsse? Eine Mandarine? Genau diese Dinge habe ich gerade da und würde ich gern essen. -
am 11.01.2014 20:34:20
Moin Marie,
meine Kristallkugel reicht nicht bis zu Dir :(
Nach dem OGTT würde ich annehmen, dass in der Größenordnung von 1/2 Scheibe Brot zum ersten und zum zweiten Frühstück und zwischendurch 1 oder 2 Mandarinen und nachmittags ein Apfel und zum Abend ne Scheibe Brot im Rahmen von unter 140 bleiben könnten. Aber ob das wirklich bei Dir so ist, kannst tatsächlich nur Du messen.
Wenn Du erst ein eigenes Messgerät hast, kannst Du nach diesem weltweit vieltausendfach bewährten Rezept im Zeit-Rahmen von 2-3 Wochen systematisch austesten, welche Mengen von Welchen Lebensmitteln Dein Organismus noch im Rahmen von maximal 140 in der Spitze nach dem Essen verträgt.
Ein paar Tage ein bisschen darüber wird eher keinen Schaden anrichten, länger viel darüber vielleicht auch nicht. Nur wenn anschließend irgendwas mit dem Kind wäre, würdest Du dir allein schon für die höheren BZs bis heute große Vorwürfe machen :(
Also tu Dir den Gefallen, lass es mit den KHs ein bisschen langsamer angehen und sieh zu, dass Du in den nächten Tagen an ein Messgerät und Messstreifen kommst, und nach Möglichkeit vom Arzt, damit Deine kranke Kasse die Streifen zahlt.
Daumendrück, Jürgen