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Mein Kampf gegen Diabetes Typ II

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    Mitglied seit: 17.06.2014
    am 17.06.2014 14:50:29
    Als ich im Dezember 2011 mit einem Blutzuckerwert von 360 ins Wilhelminen Spital eingeliefert wurde brach eine Welt für mich zusammen. Nicht nur, dass mein Augenlicht sich in den letzten Wochen drastisch verschlechtert hatte, plagte mich ständig ein unbändiger Durst.

    Wieso traf es gerade mich und wie sollte mein Leben jetzt weitergehen? Tausende Dinge gingen mir damals durch den Kopf und die Tage im Krankenhaus lehrten mich Demut vor dem Leben und all den gesunden Menschen draußen in Freiheit.

    Einzig das Schicksal eines jungen Mannes, den es noch schlimmer als mich erwischt hatte – seine Diagnose war Diabetes Typ 1 – konnte mich ein wenig aufrichten, konnte ich lt Aussage der Ärzte - so ich denn Typ 1 wäre - mit tägl Einnahme Medikamenten ein fast normales Leben weiterführen.

    So jedenfalls stellte sich mir damals die Situation dar. Leider ist dies, wie sich nun fast drei Jahre nach der Diagnose herausstellte nur die halbe Wahrheit. Und genau darum richte ich mich an Euch, denn ich vermute es gäbe die Möglichkeit viel mehr Menschen wirklich zu helfen.

    Angefangen hat meine Fehlbehandlung damit, dass im Wilhelminen Spital alle Diabetes Patienten gemeinsam mit sehr alten pflegebedürftigen Patienten in ein und demselben Trakt zusammengelegt werden. Ich musste drei Tage lang am Gang liegen und kam so 2 Nächte lang nicht zum Schlafen.

    Spannend war zu dieser Zeit für mich jedoch nur eines, kein Arzt und keine Schwester fühlten sich bemüßigt mich auch nur irgendwie über meinen Zustand zu informieren oder mich medikamentös zu behandeln. Außer ein paar Infusionen mit Kochsalzlösung passierte einfach gar nichts….

    Da die Infusionen aber keinerlei Wirkung zeigten mutmaßte man dann am dritten Tag ich wäre wohl Typ 1 Diabetiker und spritzte mir Insulin. Auch dies konnte meinen Blutzuckerwert nur marginal senken und so war ich ziemlich ratlos bezgl. der weiteren Vorgehensweise.

    Irgendwann am 4ten Tag gelang es mir dann mit dem zuständigen Oberarzt kurz zu sprechen und dieser eröffnete mir, dass körperliche Betätigung – also Sport – den Stoffwechsel aktivieren würde und dies helfen könnte, leider wären aber auf der Station keinerlei Ergometer resp Crosstrainer oder Laufbänder vorhanden!!

    Ein absoluter Wahnsinn wenn ihr mich fragt, da werden kiloweise Medikamente verabreicht, wo ein einzelner HeiMTRainer dem behandelnden Arzt ein wesentlich genaueres Bild über den Zustand des Patienten geben könnte.

    Ich nahm meine Behandlung dann in eigene Hände und nutzte das vorhandene Treppenhaus um eine ganze Stunde lang bis zur totalen Erschöpfung die Stufen rauf und runter zu gehen.

    Natürlich zeigte dies Augenblicklich Wirkung und im Laufe der nachfolgenden Tage im Krankenhaus stabilisierte sich mein Blutzuckerhaushalt auf einen wie die Ärzte meinten verträglichen Wert (zw 160 u 180) und ich wurde entlassen.

    Leider war aber weder das Gespräch mit der jungen Diätologin noch der später erzwungene einwöchigen Kurs in selbigem Krankenhaus zum Thema richtige Ernährung für mich brauchbar resp anwendbar.

    Einem Menschen zu erklären er müsse sein Leben lang Diät halten und dürfe nie wieder Alkohol trinken ist ca. so als wenn man einem Rennfahrer verbieten wollte Auto zu fahren. Alleine die Diagnose Diabetes Typ 2 (Altersdiabetes) impliziert geradezu, dass es sich bei den Patienten um ältere meist schwer übergewichtige Menschen handelt, die sich ihr ganzes Leben lang falsch – oder wie in meinem Fall einfach viel zu gut - ernährt haben.

    Wenn man so wie ich bei stattlichen 187cm Körpergröße und einem muskulösen Körper über 120kg auf die Waage bringt müsste ein jeder Arzt wissen was zu tun ist. Schade, dass dem nicht so ist, denn die Diagnose die bei jedem Patienten gestellt wird lautet: Einmal Diabetiker immer Diabetiker!
    Nachdem ich nun zweieinhalb Jahre lang Metformin 1000mg 2mal täglich plus Onglyza 5mg genommen habe kann ich voller Stolz sagen, dass dies Unsinn ist und die Ärzte keine Ahnung haben.

    Wieso?

    Weil sich meine Blutzuckerwerte auf die Werte eines völlig gesunden Menschen stabilisiert haben und ich seit 2 Monaten auch ohne Medikamente alles essen kann was ich will.

    Wie das geht fragt ihr euch?

    Es ist ganz simpel. Man muss seine Essgewohnheiten ändern und ein ganz klein wenig Sport machen und das nicht einmal täglich.

    Ich habe durch weglassen der Kohlehydrate in den letzten beiden Monaten über 10kg abgenommen obwohl ich mir nach wie vor ein Gläschen Rotwein genehmige. Und die 30min 6 mal wöchentlich am Crosstrainer sind wirklich nicht der Rede wert.

    Allerdings ärgert mich, dass man von keinem Arzt auch nur auf eine solche Möglichkeit angesprochen wird. Niemand hat auch nur mit einem einzigen Wort mir gegenüber erwähnt, dass man der Diabetes durchaus ein Schnäppchen schlagen kann und seine Pankreas wieder zum Funktionieren anregen kann.
    Ich messe nun 2 bis 3mal täglich meinen Blutzuckerwert und komme dabei nüchtern nie über 110 und auch 2 Stunden nach Mahlzeiten nicht über 140!

    Liebe Grüße

    Wolfgang Steiner
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    am 17.06.2014 19:41:58
    Schön das es bei dir so gut geklappt hat-
    das ist leider nicht die Norm.!
    Diabetes ist vielschichtig und bei jedem anders-
    jeder vernünftige Diabetologe informiert seine Patienten umfangreich über Ernährung und Bewegung - das kann helfen,muss aber nicht.
    Viel Erfolg weiterhin für dich-
    ich selbst treibe Sport , habe Idealgewicht und bin Typ 2 - Insulinpflichtig egal was ich esse!
    MfG
  • Gast

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    am 17.06.2014 20:27:34
    endlich mal eine normale meinung , danke.
    auch ich bin insulinpflichtig egal was und sogar ob ich esse, gute schulung, der rest eigen know how, und kann mir die og beschreibung nicht vorstellen (mittelalter) , übrigens daß insulin nicht den bz bei t2 runterbekommt ist keine frage des könnens sondern des wollens.
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    am 18.06.2014 11:50:46
    Gast schrieb:
    Schön das es bei dir so gut geklappt hat-
    das ist leider nicht die Norm.!
    Diabetes ist vielschichtig und bei jedem anders-
    jeder vernünftige Diabetologe informiert seine Patienten umfangreich über Ernährung und Bewegung - das kann helfen,muss aber nicht.
    Viel Erfolg weiterhin für dich-
    ich selbst treibe Sport , habe Idealgewicht und bin Typ 2 - Insulinpflichtig egal was ich esse!
    MfG



    Mir ist bewusst, dass ich "Glück" habe, allerdings ist dieser derzeitige Zustand hart erkämpft und wird sicher nicht ewig andauern. Ich dachte nur, dass es unter Umständen andere interessiert, denn trotz meines Interesses bzgl der Krankheit bekam ich von allen Ärzten nur falsche Informationen.

    Niemand, aber auch gar niemand wies mich darauf hin, dass auch nur eine winzige Chance besteht die Sache mittels Ernährung in Kombination mit Sport auf natürliche Art in den Griff zu bekommen. Und darum geht es mir mit meinem Beitrag hier.

    LG Wolfgang

    http://www.wolfgangsteiner.com
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    am 18.06.2014 12:58:04
    Moin Wolfgang,

    gratuliere zum guten Erfolg! Bedauerlich, dass Du nicht von Anfang an auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht worden bist, denn die sind heute Standardwissen in der Diabetologie. Wenn Du 1 Jahr lang ohne Medis regelmäßig morgens nüchtern unter 100mg/dl misst und einen HBA1c bis 6 einhältst, heißt das Kind vollständige Remission.

    Allerdings kommt sehr selten vor, dass jemand mit seiner Remission wieder alles essen kann, ohne dass sein BZ ungesunde Ausflüge macht. Bislang kenne ich außer Dir niemanden, auch nicht in solchen Foren wie diesem. Da bist Du der erste.

    Wenn Du z.B. hier schaust, kannst Du sehen, dass ich trotz meines alltäglichen Einsatzes in Deiner Größenordnung längst nicht alles essen kann und für meinen gesunden BZ auch noch Insulin brauche. Oder nimm Grit, die sich alltäglich noch deutlich mehr als ich bewegt und fast keine Medis mehr braucht, aber mit jeder normalen KH-Portion ihren BZ weit über 200 schießen könnte.

    Du hast einen super Stand erreicht. Dazu herzlichen Glückwunsch und Daumendrück, dass Du ihn Dir möglichst lange erhalten kannst!

    Bisdann, Jürgen
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    am 18.06.2014 13:49:40
    hjt_Jürgen schrieb:
    Wenn Du 1 Jahr lang ohne Medis regelmäßig morgens nüchtern unter 100mg/dl misst und einen HBA1c bis 6 einhältst, heißt das Kind vollständige Remission.



    Hallo Jürgen!

    Danke für Deine Erfahrungen. Um ehrlich zu sein kenne ich überhaupt keine Diabetiker und ich weigere mich auch selber einer zu sein. Nach den 2 Jahren in Behandlung habe ich beschlossen mein Leben quasi wieder "selber in die Hand zu nehmen!"

    Das dazu eine ganz ordentlich Diät erforderlich ist bzw. war, steht außer Frage, nur schreibe ich nicht gerne draüber, da es sowieso keinen interessiert.

    Und weil ich keinerlei Kontakt in Foren und privat mit anderen Diabetes-Patienten habe, kann ich auch schwerlich darüber berichten wie es anderen mit dieser Krankheit ergeht.

    Ich wollte nur fragen ob Du mit den von dir angegeben Werten nicht etwas übers Ziel hinaus schießt? Unter 100 nüchtern haben viele "gesunde" Menschen in meiner Umgebung nicht und ich finde, dass ein nüchtern Blutzuckerwert zwischen 100 und 115 absolut perfekt ist - für einen Ex-Diabetes Patienten - wenn ich an die Werte der anderen Typ I Patienten im Krankenhaus denke. Die wären schön froh über 160 gewesen, samt Insulin und Medikamenten.

    Mir ist bekannt das der HBA1c bei einem gesunden Menschen unter 6% liegen sollte um Langzeitschäden an inneren Organen zu verhindern, aber 6% entspricht einem Mittelwert von ca. 115 Blutzucker, was bei mir letztens erst wieder erreicht wurde (5,8).

    Allerdings noch kein ganzes Jahr, sondern erst 2 Monate!

    LG Wolfgang

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    am 18.06.2014 15:26:02
    Moin Wolfgang,

    bei einem gesunden Menschen ist die Insulin-Ausgabe bei etwa 60mg/dl gewissermaßen im Leerlauf, steigt dann so langsam mit dem BZ an und erreicht so bei 100-120 ihr Maximum. Für wenige Minuten in der Spitze nach dem Essen.

    Den Typ1 kratzt das nicht, denn bei dem kommt wenn überhaupt, dann nur noch verschwindend wenig eigenes Insulin.

    Aber wenn ich mir als Typ2 den Luxus von beständig 100-120 leiste, also die volle Pulle Insulinausgabe, mache ich beständig das, womit mir mein Typ2 erklärt wird: Ich überfordere meine Insulin produzierenden Beta-Zellen.
    Und die danken mir die beständige Überforderung einmal mit ihrem weiteren beständigen Abnibbeln und mit der beständigen Ausgabe von besonders viel intaktem Proinsulin, das als besonders förderlich für Pipeline-Verkalkung gilt.

    Die Idee, dass aber viele Gesunde einen BZ beständig über 100 hätten, beruht auf dem Missverständnis, dass alles unter den Diagnose-Grenzwerten gesund sei. Dazu mal einfach zum Vergleich:
    Gesund misst morgens nüchtern bis maximal 90mg/dl, Diabetes morgens nüchtern ab 126mg/dl.
    Gesund misst in der Spitze etwa 1 Stunde nach 75g Glukose bis maximal 140mg/dl, Diabetes noch 2 Stunden nach dem Einfüllen ab 201.
    Du siehst, zwischen Gesund und Diabetes erstreckt sich ein weites Niemandsland.

    Bisdann, Jürgen
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    am 18.06.2014 15:51:27
    hjt_Jürgen schrieb:
    Aber wenn ich mir als Typ2 den Luxus von beständig 100-120 leiste, also die volle Pulle Insulinausgabe, mache ich beständig das, womit mir mein Typ2 erklärt wird: Ich überfordere meine Insulin produzierenden Beta-Zellen.
    Und die danken mir die beständige Überforderung einmal mit ihrem weiteren beständigen Abnibbeln und mit der beständigen Ausgabe von besonders viel intaktem Proinsulin, das als besonders förderlich für Pipeline-Verkalkung gilt.



    Ich muss gestehen, dass ich nun etwas verwirrt bin, allerdings habe ich durch meine Unkenntnis auch nicht Dein Wissen.

    Bewusst dumm gefragt:
    Was müsste theoretisch passieren wenn ein Typ II Diabetiker (mit Werten zwischen 100 und 140), welcher so wie ich 2x tgl 1000mg Metformin und 1x tgl 5mg Onglyza verschrieben bekommt weder Morgens noch Mittags Nahrung zu sich nimmt, am Nachmittag aber 1 Std am Crosstrainer steht und dabei 500 kcal verbrennt?

    Die Frage richte ich an ALLE hier im Forum!

    LG Wolfgang
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    am 18.06.2014 16:09:30
    Ich denke, er wird Hunger haben. Ansonsten wird wahrscheinlich nix anderes passieren, als wenn er gegessen hätte. Aber warum probierst Du's nicht einfach aus?
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    am 18.06.2014 16:40:33
    hjt_Jürgen schrieb:
    Ich denke, er wird Hunger haben. Ansonsten wird wahrscheinlich nix anderes passieren, als wenn er gegessen hätte. Aber warum probierst Du's nicht einfach aus?



    Nur Hunger? Kein Unterzucker?

    LG Wolfgang