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Seit 10 Jahren Diabetes - Trotzdem keine Akzeptanz

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    Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 1
    Mitglied seit: 15.11.2014
    am 15.11.2014 20:55:01
    Hallo!

    Ich weiß, wahrscheinlich gibt es solche Themen schon genug. Der Ein oder Andere ist leid, es zu lesen.
    Das bin ich doch auch! Aber ich bekomme einfach nicht die Kurve!

    Seit 10 Jahren habe ich nun Diabetes Typ 1. Mit 14 kam die Erstmanifestation.

    Ich war jedes Jahr, mehrere Male im Krankenhaus. In super guten Kliniken! Quakenbrück, Hamburg-Rissen... Alle auf Diabetes spezialisiert.

    Irgendwie kann ich es nur nciht annehmen. Den Diabetes.

    Vielleicht etwas zu meiner Vorgeschichte:

    Mit 10 Jahren habe ich eine ziemlich schlimme Erfahrung machen müssen. Das zog eine Posttraumatische Belastungsstörung mit sich her. Bis vor 3 Jahren war ich deshalb immer noch in Behandlung. Die Zeit war nicht einfach. Was den Diabetes betraf, ebenfalls nicht.
    Meine Familie meinte, immer alles besser zu wissen, hat mich belehrt, obwohl ICH es besser wusste.
    In der Schule war es noch viel schlimmer. Ich wurde nicht mehr von Mitschülern eingeladen, wenn sie z.B. Geburtstag feierten.
    Meine Lehrerin schlug mir mal vor allen in der Pause den Muffin aus der Hand. Eine andere belehrte mich vor der Klasse, wie schädlich Cola Light für meinen Zucker wäre und hat den Flascheninhalt weggekippt.
    Einmal fing meine Pumpe aufgrund eines Alarms an zu piepen. Mein Lehrer kam, riss mir die Pumpe aus der Hand und meine Stahlnadel hat mir eine ziemlich fiese Verletzung eingebracht.
    Im Sportunterricht bin ich aufgrund von einer starken Hypo umgekippt und alle meinten, ich simuliere. Erst als irgendwer den Notarzt verständigte und er allen klar gemacht hat, wie schlimm das war, haben sie damit aufgehört. Nicht meine Mitschüler, die sich während der Pausen weg zum Bäcker geschlichen haben, was natürlich verboten war und dann jedes Mal meinten, ich hätte sie geschickt, weil ich COla bräuchte. Was ich nie nie niemals gemacht habe.

    Irgendwann bin ich von der Pumpe auf ICT und jedesmal, wenn ich mein Insulin in der "Öffentlichkeit" gespritzt habe, war es nur wieder ein weiterer Grund, mich für aufmerksamkeitssuchend abzustempeln.

    Ich habe alles versucht, meinen Diabetes zu akzeptieren. Aber ich schaffe es nicht. In den letzten Jahren habe ich mich so sehr verändert, in der Therapie an mir gearbeitet. Meine Therapeutin meinte, sie hätte diese Kraft nciht gehabt und bewundere mich. Aber der Diabetes ist voll untergegangen.
    Ich möchte endlich aufhören, nach Fehlern zu suchen. Ich weiß, dass dieser Fehler bei mir liegt! Aber es is wie so ein kleiner Gremlin, der sich in mein Bein gebissen hat und nicht mehr loslässt.

    Wie sieht es bei euch aus? Gibt oder gab es ähnliche Situationen? WIe habt ihr euren inneren "Zuckerteufel" besiegt? Oder lebt ihr neben ihm her?
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    Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 891
    Mitglied seit: 26.02.2014
    am 15.11.2014 21:55:26
    hallo passion,

    ich bin von einer anderen fraktion als t1. vielleicht kann ich dennoch interessante informationen breitstellen. ich habe kürzlich an einer sehr interessanten studie einer renomierten uniklinik teilgenommen, bei der es um achtsamkeit ging. das reizwort wäre wohl meditation. grob gesagt wurde danach gefragt, inwiefern sich automatisiert stattfindendende gedankenmuster, die ein selbst-schadhaftes verhalten induzieren, bewusst gemacht werden und dadurch an schärfe verlieren. bzw. durch bewusstmachung den autopiloten abzuschalten. dieser autopilot-modus ist völlig normal und auch überlebenswichtig, jeder mensch hat ihn. nur kann er unter umständen dazu führen, dass auch negative verhaltensweisen ohne hinterfragung automatisch immer wieder abgespult werden.

    anhand deiner schilderungen könnte man zb. in die richtung deuten, dass deine negativen referenzerlebnisse sich mit der zeit als autopilotenmodus verfestigt haben. teilweise so, dass du es zb. gar nicht mehr bemerkst, oder aber wenn sich die spirale bereits dreht. die betroffenen erfahren sich dann nicht selten als übermannt, oder machtlos ob der situation und es fallen typische aussagen wie "Ich möchte endlich aufhören, nach Fehlern zu suchen. (...) Aber es is wie so ein kleiner Gremlin, der sich in mein Bein gebissen hat und nicht mehr loslässt."

    es besteht grund zu der annahme, dass dieses grübeln in vielen fällen eine verbesserung der situation nicht herbeiführen kann. im gegenteil, werden betroffene mit einer art gummiband wieder zur ausgangsposition zurückgeführt. der ansatz hier ist deshalb zu erlernen, sich dieser gedanken/gefühle/regungen wieder bewusst zu werden, sie lediglich zu betrachten und wahrzunehmen. undzwar wertfrei, um stück für stück wieder bewusstsein und akzeptanz zu erlangen, woraus sich dann eine verhaltensänderung ergeben kann.

    die studie ist noch nicht ausgewertet, aber man konnte bereits jetzt am vorher/nachher mrt erkennen, dass sich die aktiven hirnbereiche etwas verschoben. die stimulation durch einen typischen negativreiz hat also nach dem training ein besseres responding zur folge gehabt.
    vielleicht könntest du von so einem training als flankierende maßnahme profitieren.

    für alle konkreten t1 fragen können dir andere betroffene hier sicher hilfreiche tipps geben.
    Bearbeitet von User am 15.11.2014 21:59:01. Grund: .
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