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Blutzuckerwerte eines Nicht-Diabetikers *bitte eure meinung!*
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Xanni
Rang: Gastam 19.11.2008 09:54:27
Hallo zusammen,
ich bin selbst diabetiker typ 1 seit 2003, aber im moment ein wenig ratlos. es geht um meine mutter (45j) und ihre werte.
ich weiss wohl, welcher bereich des blutzuckers bei einem gesunden menschen toleriert wird, aber ich finde die bz-werte die meine mutter an den tag legt irgendwie seltsam.
morgens kommt sie noch recht gut nüchtern raus mit 100mg/dl - 115mg/dl. im laufe des vormittags steigert sich der wert durch cappucino und milchkaffe auf werte teilweise um die 170mg/dl (kein frühstück wohlbemerkt) um die mittagszeit. nach dem mittag (2 kl. brötchen, 1 0,2l gl. kakao) steigt der wert teilweise auf 250mg/dl (1h nach dem essen) und 2h nach dem essen unterschiedlich: mal gut 110 mg/dl auch mal schlecht mit 200mg/dl.
gegen abend ca. 18 uhr und zwischenzeitlichen milchkaffees ist der wert immer okay und auf bis zu 100 mg/dl gesunken. Nach dem essen dann wieder ein anstieg bis zu 180mg/dl (1h nach dem essen) und vorm zu bett gehen mit vorherigen nascherein um die 220 mg/dl.
dieses schema ist so ziemlich jeden tag gleich.
ist das nun ein beginnender diabetes oder woran kann sowas liegen?
sie ist asthmatikerin und nimmt geringe dosen cortison ein, leidet an hypertonie (beta-blocker) und einer schilddrüsenunterfunktion die mit jod-tabletten behandelt wird.
können eventuell diverse medikamente sich auf den blutzucker auswirken?
kann diese "entgleisung" auch an den wechseljahren liegen?
2 ihrer geschwister haben bereits einen typ 1 entwickelt in der zeit von 40-45 jahren.
ich weiss, ihr seid auch keine götter in weiss, aber ich würde mich über die meinung von euch schon freuen.
ich finde diese werte schon irgendwie besorgniserregend.
ist das denn jetzt schon so dramatisch oder wie seht ihr das ganze??
ich danke euch schonmal im vorraus für eure antworten.
lg
xanni
von Xanni -
Rainer
Rang: Gastam 19.11.2008 12:09:14
Hallo Xanni,
natürlich beeinflussen Cortison und Beta-Blocker den BZ. Deshalb ist es auch ganz wichtig, dass ein T2-Diabetes bei deiner Mutter nicht unentdeckt bleibt. Nach Typ1 sieht es eher nicht aus.
Wild messen hilft euch nicht viel, den Status kannst du leicht und gut mit einem oGTT rausbekommen. Den sollte deine Mutter beim Arzt machen lassen, ihr könnt ihn aber auch schon mal zuhause selbst durchführen. Dabei müsst ihr unbedingt die vorgegebenen Rahmenbedingungen (Nüchternphase, normale Bewegung u.s.w.) beachten. Der 1h-Wert, also wie hoch der BZ steigt, lässt das Ausmaß der Insulinresistenz erkennen. Der 2h-Wert gibt Auskunft darüber, ob und wie gut die Betazellen noch arbeiten. Ob Diabetes oder Prädiabetes vorliegt, kannst du in den Tabellen ablesen. Der 0h-Wert, also der NBZ kann zwar auch interessant sein. Aber dazu ist dein Messgerät nicht genau genug, da solltet ihr euch nur auf Laborwerte verlassen.
von Rainer -
Xanni
Rang: Gastam 19.11.2008 12:21:34
Hallo rainer,
danke fuer deine anwort. die ist ja schon mal sehr informativ und aussagekräftig.
gibt es dieses zeug fuer einen ogtt denn so zu kaufen ohne rezept?
aber ich denke, dass wird warscheinlich auch zu ungenau mit einem normalen bz-messgerät...
auf die laborwerte kann man sich ja nun verlassen.
lg
xanni von Xanni -
Jürgen
Rang: Gastam 19.11.2008 13:12:26
Moin Xani,
OGTT heißt Oraler GlukoseToleranzTest. Dafür werden 75g Traubenzucker in nem Glas Wasser gelöst (lecker) getrunken. Wo Du dich mit BEs auskennst, geht das zuhause im Prinzip genau so gut z.B. mit der entsprechenden Brötchenmenge zum Frühstück oder Mittag oder ..., oder auch mit jeder anderen Sorte BEs.
Allerdings kann ich nicht so recht nachvollziehen, warum Du dich an ner Diagnose festhalten willst. Denn gesund wacht der Mensch mit um 60-80 mg/dl auf, hat ne Stunde nach 75 und mehr g Traubenzucker oder welchem Input auch immer für ein paar Minuten an die 120 oder knapp darüber und ist nach 2 Stunden dann lange wieder zurück bei um 80. Und wo JEDER BZ-Ausflug darüber sein Stückchen zum diabetischen Schadenspotential beiträgt, kann die Frage nicht sein, was "man" als gesund toleriert, sondern wie Ihr den alltäglichen BZ-Verlauf bei Deiner Mutter auf ein möglichst gesundes Maß begrenzt kriegt.
Noch einmal ganz ausdrücklich: Die Schadwirkung des zu hohen BZ fängt nicht erst bei den Diagnosegrößen (nüchtern über 125 mg/dl und 2 Stunden nach Zuckerwasser über 200 mg/dl) an, und nichts passiert darüber deutlich mehr oder darunter deutlich weniger. Diese Diagnose-Größen sind vor etwa 30 Jahren in einem Verwaltungsakt so gesetzt worden, als der BZ praktisch nur im Labor zu messen ging.
Nur mal als Anhaltspunkt: Betroffenen mit ner PNP wird zur Linderung der Beschwerden empfohlen, nach Möglichkeit jedes Stückchen BZ-Verlauf über 140-150 mg/dl zu vermeiden - und das ist auch die einzige als wirksam eingeschätzte Maßnahme, wenn man sich diese weit verbreitete Plage gar nicht erst anlachen will. Das ist auch dann genau so sinnhaft, wenn der Dok noch nicht zum Diabetiker ernennt :-)
Bisdann, Jürgen -
Xanni
Rang: Gastam 19.11.2008 13:27:33
wie meinst du das nun mit "an der diagnose festhalten"?
wenn ichs richtig interpretiere, dann meinst du warscheinlich, warum mir jetzt jemand sagen muss ob es nun ein diabetes ist oder nicht, wobei es warscheinlich nur darum geht diese entgleisungen in den griff zu bekommen. egal ob diabetes oder nicht.
richtig?
naja, ich sage mal so:
wenn es kein diabetes wäre, sondern medikamentenabhägig oder durch sonstige einflüsse bedingt (wie z.b. wechseljahre oder vllt sogar eine anstehende erkältung), dann könnte man darauf eingehen und diese beseitigen oder durch einen medikamentenumstieg wieder normalisieren.
sollte es allerdings nun doch auf einen diabetes rauslaufen, dann wäre ja nunmal ohne frage eine medikation notwendig.
aber wenn es sich vermeiden ließe?
da ich mich nicht soo genau mit der materie auskenne, sondern nur allgemein mit meinem diabetes typ1, kann ich nur spekulieren und vermuten ob es eventuell auch andere gründe für zuckerentgleisungen gibt. vielelicht gibt es ja hier den ein oder anderen, der sich in der richtung auskennt und mir dazu was sagen kann. ich weiss selbst, dass ein test beim arzt das aussagekräftigste ist und letztendlich nur der uns bzw ihr helfen kann.
letztendlich läuft es sowieso auf die frage heraus: besteht bei erhöhten bz-werten _grundsätzlich_ ein DM oder nicht?
lg
xanni
von Xanni -
Jürgen
Rang: Gastam 19.11.2008 15:25:39
Moin Xannie,
für ein gutes Stück Ty2-Info lies einfach mal hier die ersten 19 Seiten
www.online-cme.de/cme/downloads/Fortbildung_Insulinresistenz.pdf
Der Rest sind Quellenangaben.
Was wesentlich beim Diabetes mellitus krank macht, ist der höher als gesunde BZ in der Zeit, für die wir ihn hoch lassen, und zwar bei allen Typen gleich.
Was die Typen unterscheidet, sind die Gründe dafür, dass die BZ-Regelung nicht mehr automatisch funktioniert.
Beim Typ1 gibt es keine Inselzellen mehr. Beim Typ2 gibt es bei Überschreiten der Diagnoseschwellen ein "Gemisch aus
+ eine gestörte Insulinausgabe. Die Phase1 der gesund 2phasigen Insulinantwort versiegt.
+ 50-80% weniger Inselzellen
+ mehr oder weniger stark erhöhter Anteil von Pro-Insulin im Blut, bei Gesunden so gut wie gar nicht. Pro-Insulin hat nur 10% BZ-Senkwirkung, fördert aber dafür besonders Adipositas und Arteriosklerose.
+ 30-60% fehlgesteuertes Mehr an Zuckerausgabe aus der Leber (s.Link)
Für keinen dieser Punkte gibt es eine bekannte und behandelbare Ursache. Behandelt wird wesentlich
+ die erhöhte Zuckerausgabe aus der Leber mit Tabletten, die die Leberfunktion so bremsen, wie das auch von Alkohol bekannt ist.
+ die verringerte Insulinausgabe der verbliebenen Inselzellen mit Tabletten, die den verbliebenen Zellrest praktisch dauernd mit voller Leistung laufen lassen.
Ziel der Behandlung: So lange wie möglich den BZ ohne Insulin absenken, weil der zielführende Umgang mit Insulin als zu kompliziert gilt.
Neu und teuer unter den Medis für Betroffene mit einem noch ausreichenden und ausreichend funktionierenden Restbestand an Inselzellen ist Byetta, das den abgestorbenen Signalweg für die Phase1 der gesunden Insulinantwort wieder herstellt und das wohl auch in einem schon messbaren Umfang den Pankreas zur Neubildung (leider wohl nicht bei Typ1) von Inselzellen anregen kann.
Bisdann, Jürgen -
Xanni
Rang: Gastam 19.11.2008 15:43:21
Danke fuer den link, aber dazu muss man ja balde studiert haben um das zu verstehen ;)
naja, wir werden am montag so oder so einen arzt befragen.
der wird uns dann schon sagen, was sache ist.
lg
xanni von Xanni -
Jürgen
Rang: Gastam 19.11.2008 17:18:04
Moin Xannie,
das mit dem Studieren macht schon Sinn, denn ich kenne keinen Typ2, der seinen "Freund" schon 20 Jahre und mehr Jahre hat und ansonsten gesund ist, der nicht wenigstens so viel über Typ2 und speziell über seinen eigenen wüsste, wie sein Arzt.
Und ich kenne viele Typ2, die kürzer dabei sind, sich allein nach dem Arzt richten, und schon ne Menge Plagen auf sich versammelt haben, Bluthochdruck, PNP, diabetische Netzhautschäden usw.
Denn die fachoffizielle Typ2-Therapie ist noch heute stark an der für Altersdiabetes orientiert, die die Betroffenen von 65-70 bis Ende beschwerdefrei halten sollte.
Also keine besondere Perspektive aus Mitte Vierzig :-(
Als pro-aktiver Diabetiker würde ich Deiner Mutter empfehlen, sich unabhängig von der Diagnose am Mo so zu verhalten, dass sie 1-2-3 Stunden nach jedem Essen unter 140-120-100 bleibt.
Übrigens lassen sich Typ1 und Typ2 diagnostisch nicht unbedingt voneinander unterscheiden, so lange Typ1 noch im Werden ist. Dafür werden in aller Regel erst mal mehrer Quartale mehere Sorten und Kombinationen von Pillen ausprobiert bevor schließlich zum LADA ernannt wird und Insulin zum Spritzen bekommt.
Bisdann, Jürgen -
Arwa
Rang: Gastam 19.11.2008 18:21:07
Hallo Jürgen
Hier einmal die Mutter von der Xanni. Kannst du mir denn dann auch verraten wie ich an die Werte 140-120-100 kommen soll? Ich esse nun wirklich nicht viel wenn dann aber Mittags schon 2 Scheiben Brot und ein Actimel zuviel sind...na dann weiss ich es auch nicht.
Trotzdem danke für die Tips und die Aufklärung, die auch ich nicht verstehe da ich total neu auf dem Gebiet bin.
lg Arwa -
Xanni
Rang: Gastam 19.11.2008 18:41:07
Im auftrag von arwa:
Ich habe vergessen mal die Werte mit rein zu schreiben, dies tu ich dann jetzt mal.
Nach den 2 Scheiben Brot und dem Actimel:
1Std danach 237
2Std danach 214
von Xanni