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Dringend Ratschlag gesucht/Angst vor Folgekrankheiten
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am 13.12.2018 01:21:38 | IP (Hash): 944795464
Hallo zusammen.
Mir geht es zurzeit ziemlich miserabel, weswegen ich mich nun entschieden habe mich hier anzumelden, um Gleichgesinnte zu finden. Es kommt ein wenig viel Text, ich warne euch schon mal vor...
Ich bin 22 und vor 2 Jahren wurde ich mit Typ 1 diagnostiziert. Die erste Zeit mit der Krankheit habe ich mit peniblen Spritzen und Messen verbracht und habe nur 3 Mahlzeiten am Tag zu mir genommen. Tagebuch habe ich auch sehr diszipliniert geführt. Ich brachte meinen hb1c Wert von 10 auf 7 innerhalb kürzester Zeit.
Doch heute geht es mir schlecht. Mein Leben läuft mir ein wenig aus dem Ruder und darunter leidet auch mein Körper sowie auch meine Disziplin. Ich will nicht lügen, seit ca. einem Jahr habe ich stark nachgelassen was die Diabetes angeht. Ich messe so gut wie kaum noch. Ich habe permanenten Überzucker, ein normaler BZ ist für meinen Körper schon so ungewohnt, dass bei guten Werten meist schon Unterzuckersymptome auftreten. Ich habe große Schwierigkeiten die Diabetes zu akzeptieren. Die Routine die ich noch vor einem Jahr hatte ist untergegangen und die neue Routine sorgt dafür, dass ich vergessen will das ich mich eigentlich um meinen Zucker kümmern muss. Mein letzter hb1c Wert lag bei 11.
Die einzige Routine die mir geblieben ist ist das Spritzen des Langzeitinsulins. Das Kurzzeitinsulin, naja, kommt momentan zu Kurz. Ich achte nicht gut genug auf meine Ernährung und Bewegung habe ich auch keine. Mir fällt es schwer alles wieder unter Kontrolle zu bekommen - regelmäßiges Messen und das strenge Spritzen von Insulin, sowie das Tagebuch führen. Ich versuche es immer wieder in meinen Alltag zu integrieren, scheitere daran allerdings gnadenlos.
Nun und gerade habe ich Angst. Ich liege im Bett und fürchte mich vor Folgen. Seit einigen Tagen verfolgen mich Taubheitsgefühle an Arm und Bein. Es brennt an den Beinen. Abgenommen habe ich auch wieder, ohne Absicht. Ich habe Angst dass meine Nerven von dieser „kurzen“ Zeit der Nachlässigkeit geschädigt sind und dass dieses Kribbeln, die Taubheit und das Brennen nicht mehr aufhören werden. Es nagt an mir und ich bin psychisch so schon total angeschlagen. Ich möchte mich nicht länger quälen.
Kann sich jemand mit mir identifizieren? Mir vielleicht Rat geben?
Ich brauche dringend Zuspruch oder Ratschläge von euch Erfahreneren.
Lg,
Cori -
am 13.12.2018 08:52:20 | IP (Hash): 1983084240
Hallo Cori,
wenn es beginnende Neuropathien sind, was allerdings nicht unbedingt sein muss, dann kann muss es noch nicht zu spät sein.
Beginnende Neuropathien lassen sich oft durch sehr gute BZ-Führung wieder zurückdrehen. Es dauert allerdings seine Zeit, bis für die geschädigten Nervenzellen neue nachgewachsen sind. Du braucht also etwas Geduld, aber der Aufwand lohnt sich.
Viel Erfolg, Rainer
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Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen. -
am 13.12.2018 10:19:23 | IP (Hash): 1327666170
Hallo Cori,
Eins sollte Dir klar sein - Du hast Diabetes und es wird auch immer so bleiben. Du musst Dich darum kümmern!
Wer kann Dir in Deinem Umfeld helfen, Eltern, Partner? Ich könnte mir vorstellen, dass Du vielleicht psychologische Unterstützung brauchen könntest, besprich das mit Deinem Arzt (und geh auch zum Arzt). Du kannst lernen, Dich so zu akzeptieren, wie Du bist. Mit 22 hast Du noch so viel vor Dir, noch so viel zu erleben. Mach Dir das nicht selbst kaputt.
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am 13.12.2018 12:33:38 | IP (Hash): 234962149
Wie komme ich aus meinem Scheißegal-Modus? So verstehe ich jedenfalls Deinen Beitrag. Denn wie’s mit dem BZ im brauchbaren Rahmen geht, kannst Du. Du hast nur irgendwann bei diesen 3 Mahlzeiten aufgehört und die Erfahrungen daraus nicht nach und nach auf jede Einverleibung ausgetestet und ausgeweitet. Wie ich’s verstehe, bist Du damit in dem ersten sehr engen und strengen Plan stecken geblieben, in dem man halt nur von dem Gefühl eingeengt sein kann, dass der Diabetes 24/7 die volle Kontrolle über alles hat, was man macht.
Klar könnte ich Dir jetzt aus meiner Opa Perspektive was vom Leben schreiben, was alles noch vor Dir liegt, und an Deinen Verstand appellieren und... Aber wahrscheinlich hast Du auch ein Smartphone so wie hier https://www.managebgl.com/
Die gute Technik könnte da vielleicht ein Stück weiter helfen, vor allem, wo sie inzwischen in der kostenlosen Version schon super funktioniert. Vielleicht kannst Du dich ja mal zum Kennenlernen und ausprobieren aufraffen? Daumendrück :)
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Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;) -
am 13.12.2018 13:16:43 | IP (Hash): 2056608727
Hallo Cori,
ich kann das so gut nachvollziehen und dich so gut verstehen. Ich bin jetzt 27 und bin seit 16 Jahren Typ 1 Diabetikerin. Mir ging es auch sehr oft, genau so wie du es beschrieben hast. Eine zusätzliche Belastung war dann auch noch, dass ich jedes Mal geschimpft wurde vom Arzt, bis ich dann jahrelang gar nicht mehr zum Arzt gegangen bin. Die Folgen waren verheerend. Ich bin an diabetischer Retinopathie erkrankt und musste 2 Jahre lang abwechselnd Lasern und habe Augenspritzen bekommen. Sehr unangenehm.
Natürlich lag die Schuld komplett bei mir und meine mangelnde Disziplin, dennoch muss ich sagen, dass mit ein Grund war, dass ich mich nie wirklich verstanden gefühlt habe und den Eindruck hatte, ich werde einfach nach dem Schema X aus irgendeinem Medizinbuch behandelt.
Ich will dich aufmuntern und dich motivieren und im selben Moment rede ich auch zu mir! Es ist in Ordnung, dass dich dein Diabetes nervt. Tut es mich auch, aber die Wahrheit ist, du allein kannst es kontrollieren.
Als ich schlechte Phasen hatte, habe ich auch kaum gemessen und ich kann mich immer noch an dieses überwältigend schlechte Gefühl erinnern, dass ich immer hatte, falls ich mal doch gemessen habe und da auf einmal 480 stand.
Das Problem ist aber, der Wert 480 ist real, ist da, unabhängig davon, ob du misst oder nicht misst. Wenn du misst, kannst du was dagegen tun. Wenn du nicht misst, richtet es erheblichen Schaden an. Somit würde ich dir empfehlen einfach damit zu beginnen, zu messen. Miss einfach, auch wenn du einen schlechten Wert hast. Nur so kannst was dagegen tun.
Außerdem würde ich dir eine Insulinpumpe wärmstens empfehlen, denn mit einer Insulinpumpe werden viele Routinen so viel einfacher. Ich habe zB. ein Messgerät, dass meine Messwerte sofort an meine Insulinpumpe überträgt und per Knopfdruck einfach den Insulinbedarf ausrechnet. Die Werte, Insulinmengen und BEs bleiben auf der Pumpe gespeichert und wenn ich zum Arzt gehe, steckt er die Pumpe an und hat so meine Zuckerwerte, kein Tagebuch, kein Aufschreiben.
Ich weiß nicht, ob du regelmäßig zur Kontrolle gehst, aber das solltest du auf jeden Fall wieder machen, auch wenn es eine Mordsüberwindung kostet.
Es ist so wichtig, dass du dich darum kümmerst. Ich hoffe, dir geht es bald besser und wünsche dir viel Erfolg und alles Gute!
Bearbeitet von User am 13.12.2018 13:17:12. Grund: Fehler -
Elfe
Rang: Gastam 13.12.2018 17:31:18 | IP (Hash): 1651450962
Kann euch beide sehr gut verstehen.
Dich, Miriam, hat es ja noch jünger erwischt.
Und diesem Alter ist so viel los - Schule, Zeugnisse, welcher Beruf; Freunde … Wer bin ich und was will ich, also in der Entwicklung.
Bei Cori, mit 20 Jahren, ist das immer noch ein Sturm der Entscheidungen.
Selbst mir, als LADA-1er im schon reichlich Erwachsenenalter, ist mir der Umgang und Disziplin schwergefallen.
Und da war's - nur - Berufsstress, wenn man kaum Essenszeiten einhalten kann, weil der Chef auf den Füßen steht. Familienumfeld auch eher unverständig: Wo ist das Problem, spritz halt Insulin.
Gehe jedoch regelmäßig jedes Quartal zum Diabetologen und bespreche mit ihm die Werte, im Zwiegespräch. Da wird man schon immer wieder erinnert, auf was man achten soll.
Bekomme auch regelmäßig Schimpfe vom Arzt, aber in Bezug aufgrund von zu vielen niedrigen BZ-Werten (bis zu 30er). Meint, aufgrund meiner Angst vor Folgeschäden wäre ich zu streng in der BZ-Steuerung.
Messe regelmäßig, vor und 3 h nach der Mahlzeit (Insulin per Pen).
Dazwischen ggfs. höhere Werte will ich gar nicht sehen, denn eigentlich erst nach 4 h darf ich Korrektureinheiten spritzen.
Cori, Nervenschädigung innerhalb der kurzen Zeit zu vermuten, wäre ungewöhnlich.
Schon lange im Bett liegen, kann solche Symptome wie Taubheitsgefühle verursachen.
Das eigene Körpergewicht drückt die Durchblutung ab an den Auflageflächen, zumal in der waagerechten der Kreislauf sowieso nicht so gut funktioniert.
Langzeitinsulin ist definitiv zu wenig. Wenigstens ab und zu mal aufraffen zum BZ-Messen und ggfs. Korrekturkurzzeitinsulin spritzen.
Wünsche euch beiden alles Gute !