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Mein Neuntausender
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am 26.06.2019 23:06:39 | IP (Hash): 745078574
Vielen Dank für Eure Beiträge! Ja, ich glaube, ich hatte wirklich großes Glück, Kinga Howorka schon bald nach meiner Diagnose zu begegnen - zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die erste Einschulung dauerte eine Woche, musste mir Urlaub dafür nehmen, und war unheimlich individuell gestaltet. Von mir verlangte Kinga Howorka, dass ich während der Einschulung täglich 15 km lief, um reale Lebensbedingungen herzustellen. Lebensbedingungen, die eben für mich ganz speziell gelten. Das hat mir in der Zukunft sehr geholfen, denn ich habe mit Sport kaum Probleme bei der Insulintherapie, eher mit Tagen ohne Sport. Heute halte ich oft Vorträge für Frau Dr. Howorka, an der Uni, bei Diabetiker- und Fachpersonal-Einschulungen. Im Spaß sage ich dann oft, dass sie mich (uns) so gut geschult hat, dass sie sich selbst unnötig gemacht hat. Sie protestiert dagegen, ebenfalls im Spaß. Aber ein Körnchen Wahrheit ist da schon dran - ich komme oft ein Jahr lang ohne (Fach)Arzt über die Runden und kann mich doch an die unterschiedlichsten Lebensformen anpassen - sicher nicht immer mit Traumwerten, aber so halbwegs ok. Jährlich veranstaltet Howorka ein zweitägiges FIT-Update, wo wir Patienten wieder auf den neuesten Stand der Wissenschaft gebracht werden, denn seit meiner Einschulung vor 30 Jahren hat sich ja einiges getan.
Diabetespannen passieren mir eher beim "normalen" Leben in der Heimat, weil ich da oft wesentlich unachtsamer bin als auf Reisen und in den Bergen. Bei meiner 8100km langen Radtour hatte ich einen BZ-Mittelwert von 111 mg/dl, bei den insgesamt 500km an Wanderungen in den Bergen des Himalaya 114 mg/dl - eigentlich Superwerte, obwohl ich es mir nicht habe schlecht gehen lassen und riesige KH-Mengen geschaufelt habe, die mein Körper bei 8-12 Stunden Sport pro Tag auch gebraucht hat. Nur in den ganz großen Höhen, über 7500 Meter, wo mein Körper nie genug Sauerstoff bekommen konnte, habe ich meinen BZ nicht in den Griff bekommen und die Werte sind nach oben abgerauscht. Aber da oben hat jeder seine Probleme, die Körperfunktionen spielen verrückt, die Devise heißt: irgendwie überleben und wenn möglich, auch den Gipfel schaffen - gilt für Diabetiker und Nicht-Diabetiker gleichermaßen. Zum Glück sind die Phasen des Aufenthalts in der Todeszone relativ kurz, bei mir 4 Tage - längere Aufenthalte dort oben könnte man sowieso nicht überleben. Nach langen Zeiten guter BZ-Werte sind einige Tage schlechter Werte für den Durchschnitt nicht so schlimm. In der Situation selbst sind die hohen Werte aber doch recht unangenehm, da sie mir viel an Kraft genommen haben, und das in einer Lebenswelt, in der der Sauerstoffmangel sowieso so viel Kraft kostet. Trotzdem: es war ein unbeschreibliches Erlebnis und hintennach bleiben sowieso nur die positiven Erinnerungen.
LG Geri
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am 29.06.2019 16:33:27 | IP (Hash): 1671175161
Geri schrieb:
Die erste Einschulung dauerte eine Woche, musste mir Urlaub dafür nehmen, und war unheimlich individuell gestaltet. Von mir verlangte Kinga Howorka, dass ich während der Einschulung täglich 15 km lief, um reale Lebensbedingungen herzustellen. Lebensbedingungen, die eben für mich ganz speziell gelten.
Da habt Ihr sicher nicht nur die Testwerte unmittelbar vor den Mahlzeiten und den vor dem Zubettgehen genommen, oder?
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Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;)