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Erfahrungen mit einer Insulin-Pumpe
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am 17.08.2019 23:45:06 | IP (Hash): 1594655782
Guten Abend Zusammen,
ich habe jetzt fast vor einem Jahr die Diagnose Typ-1 bekommen und für mich ist das alles dennoch sehr neu. Ich muss dazu sagen, dass ich meine Krankheit mir auch bis vor kurzem nicht richtig eingestanden habe und mein Diabetologe auch keine große Hilfe war, nach dem sie festgestellt hatten, dass mein Bruder die selbe Diagnose zwei Monate vor mir bekommen hatte. Wie auch immer, aktuell trage ich den FreeStyle Libre 2 und komme auch gut mit diesem zurecht, jedoch fällt es mir in letzter Zeit immer schwerer meine Werte in den Griff zu bekommen. Bisher vor ein paar Wochen hatte ich keine Probleme mit dem Spritzen, meine Werte haben sich im Rahmen gehalten. Seit kurzem haben ich aber zunehmend das Problem, dass egal wie viel ich spritze ich keine anständige Kurve mehr bekommen. Ich habe mich darauf hin etwas schlau gemacht und die Insulin-Pumpe wird von vielen sehr gelobt, deshalb hätte ich einfach gerne ein paar Erfahrungsberichte von euch gehört und wie ihr zur Pumpe steht.
Mir wurde bereits schon gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit das mir die Pumpe genehmigt werden sollte nicht so hoch ist, da meine Diagnose ja noch nicht allzugange her ist.
Dennoch bin ich für jeden konstruktiven Beitrag dankbar.
Danke,
Ariadna
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am 18.08.2019 14:44:17 | IP (Hash): 1847314431
Zur Pumpe kann ich Dir nix schreiben, aber vielleicht etwas zu Deiner Beobachtung von unbefriedigenden Kurvenverläufen. Hast Du da denn schon mal mit nem Fingerpieks nachgeschaut, ob der Scan nicht vielleicht mehr oder weniger sehr weit vom tatsächlichen BZ abweicht?
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Alle Aussagen bezüglich Diabetes und Behandlung in diesem Beitrag sind mutmaßlich, denn ich bin kein Arzt. Genauso wie ich von einem mutmaßlichen Mörder schreiben muss, wenn ich gesehen hab, wie einer einen anderen erschossen hat. Denn zum Mörder darf den nur zum entsprechenden Ende eines ordentlichen Verfahrens ein ordentlicher Richter ernennen ;) -
am 18.08.2019 15:28:30 | IP (Hash): 193616188
Nach nem knappen Jahr wird die Remission langsam zu Ende gehen.
Wo bisher deine Eigenproduktion noch mitgeholfen hat, fehlt jetzt ganz einfach Insulin. Und wenn die Werte über einige Stunden zu hoch sind, braucht man u.U. sehr viel mehr Insulin, um das wieder zu korrigieren.
Besprich bitte mit deinem Arzt, wie du anpassen/korrigieren sollst.
Zum Thema Pumpe:
Die macht nicht einfach alles automatisch. Auch da musst Du wissen, was zu tun ist, um eine gute Einstellung hinzubekommen. Und das immer und immer wieder. Nach fast 40 Jahren Typ1 und davon etwa die Hälfte mit Pumpe sehe ich mir regelmäßig (alle 1-2 Wochen) meine Verläufe an und passe die Einstellungen in der Pumpe dementsprechend an. Deshalb ist es auch wichtig, erstmal ICT halbwegs zu beherrschen, ohne dass die Remission hilft oder auch dazwischenfunkt.
Die Pumpe ist sehr hilfreich, eine annähernd physiologische Basalrate zu bekommen - besonders dann, wenn der Bedarf an frühen Morgen und am Abend sehr viel höher ist als zu anderen Zeiten (Dawn- und Dust-Phänomen) und es ist natürlich genial mal schnell zwischendrin `nen Bolus abgeben zu können, ohne vorher groß rumkramen zu müssen.
Nachteil einer Pumpe:
Du hast keine dauerhafte Basalversorgung - fällt die Pumpe aus und dummerweise spinnt gerade auch noch das CGM/FGM, ist der Weg zu Ketoazidose deutlich kürzer als unter ICT. Nicht wirklich schlimm, aber sollte man wissen.
Du hast im allgemeine mehr Geraffel dabei (oder deponiert): Katheter, Reservoirs, Batterien, ... und möglichst ein oder zwei Einmalspritzen für den Supergau.
Das Ding ist IMMER da. Stört mich im Allgemeinen nicht, kann aber manchmal schon etwas nervig sein. Kurze Zeit ohne oder auch ein paar Stunden geht natürlich, muss dann entsprechend kompensiert werden.
Zusammenfassend:
Ich möchte nie wieder ohne Pumpe und CGMS sein!!!
Der Weg zur Pumpe:
Du brauchst sehr detaillierte Tagebücher (3 Monate). Die mindestens 4-5 Messungen sollten durchs Libre abgedeckt sein. Zu jedem Bolus dazuschreiben, wie du auf die Menge gekommen bist (Faktoren, BEs; Sport). Hohe und niedrige Werte mit Erklärungen versehen (sofern sie erklärbar sind). Deine Probleme kennzeichnen und dazuschreiben, wie du versucht hast sie zu lösen. Basaländerungen und Faktoränderungen begründen (Werte der vergangenen Tage, Zyklus, Stress, Urlaub, ...)
Der MDK muss dir glauben, dass du das alles durchaus verstanden hast, es aber einfach nicht funktioniert und deshalb eine Pumpe die Therapie verbessern kann.
Dazu noch ein Rezept und ein Gutachten deines Diabetologen.
Bearbeitet von User am 18.08.2019 19:43:20. Grund: Korrektur2 Benutzer dankten für diesen Nützlichen Beitrag. -
am 18.08.2019 22:10:01 | IP (Hash): 1594655782
Danke für die ausführliche Erklärung, so kann ich mir ein besseres Bild von der Pumpe machen. Ich nehme auch an das die schwankenden Werte durch die Remissionsphase kommen. Möchte mich trotzdem einfach mal nach möglichen Alternativen zur Insulingabe umsehen. Das der Antrag für die Pumpe und die zu erfüllenden Kriterien nicht ganz ohne sind habe ich auch schon gelesen. Aber das Tagebuch führe ich schon bereits, einfach um herauszufinden woher meine komischen Werte kommen. Wie bereits gesagt, Danke für die ausführliche Erklärung!!
Ariadna -
am 18.08.2019 22:12:10 | IP (Hash): 1594655782
Hei,
Ja ich habe schon mehrfach die Ergebnisse des Sensors abgeglichen, auch mal mit dem Gerät meines Bruder um ein Gerätedefekt auszuschließen, aber im Großen und Ganzen sind die Werte fast identisch mit dem was mir der Libre vorher schon angezeigt hatte.
Trotzdem Danke für die Hilfe!