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Liprolog wirkt nicht?

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    am 24.11.2020 16:40:13 | IP (Hash): 348257371
    creasot schrieb:
    Ich melde mich kurz wieder mit dem Thema Liprolog.

    Zwischen Mahlzeiten bewege ich mich nun stabil bei ca. 120. Nach dem Essen steigt der Zucker ziemlich schnell (nach 0,5 bis 1 Stunde) auf Werte von 250-270, dabei spielt es keine Rolle, wie viel Liprolog ich gespritzt habe und wie hoch der Zuckerspiegel vor dem Essen war. Beim Frühstück ist es besonders krass: selbst nach einem Salatteller bekomme ich einen Schuss von 100 auf 250 oder mehr.

    Danach fällt der Zucker wieder, nun aber klar nach Liprolog-Dosis. Je mehr gespritzt wurde, desto schneller und tiefer ist der Fall. Es ist sogar paar mal zu Unterzuckerung gekommen.

    Spritzen tue ich immer ca. 15 Minuten vor dem Essen. Ist es falsch? Soll ich vielleicht damit noch früher anfangen oder sind solche Sprünge wenn nicht in Ordnung, dann zumindest nicht soooo schädlich?



    Insulin benötigt Zeit um zu wirken, auch bei den immer schneller werdenen Mahlzeiteninsulinen.
    Liprolog ist ein schnelles Mahlzeiteninsulin, jedoch auch hier viele Patienten einen SEA (Abstand zwischen Spritzen und Essen). Ich selbst benutze Fiasp, das ist ein nochmal schnelleres Insulin. Aber auch hier benötige ich je nach Ausgangswert, Kohlenhydratart und Tageszeit unterschiedliche SEA.

    Hast du ein Libre? Ich habe meine geeigneten SEA Abstände wie folgt rausgefunden.
    Mit normalen Ausgangswert, eine bestimmte Mahlzeit essen und mit geringen Abstand vorher spritzen. Dann schauen, wie die Kurve aussieht. Steigt der Wert zu stark an, habe ich um weitere 5 min verlängert. Immer so weiter, bis es gepasst hat. Also kein zu starker Abfall zwischen Spritzen bis Essensbeginn und dann kein zu starker Anstieg.
    Wichtig, bei mir bspw. ist Reis ein wenig schwierig. Ich steige hier gerne stark an, mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich mit 45 min SEA der Blutzucker vor dem Essen ca. um 20mg/dl abfällt (also schon stärker, aber noch nicht in die Hypo) jedoch dann steil ansteigt. Das ist das beste, was ich persönlich mit Reis erreichen kann. Das Bsp. verdeutlicht, man kann nicht endlos den SEA verlängern, sonst rutscht man vor dem Essen zu stark ab.

    Meine persönliches Ziel - bis auf bei Reis, da klappt es bei mir nicht so gut - ist ein Anstieg um max. 60-80mg/dl vom Ausgangswert.
    Sollte der Ausgangswert unter 100 sein, verkürze ich den SEA entsprechend, sollte der Wert recht hoch sein, verlängere ich den SEA deutlich. Das ist allerdings alles ein wenig ausprobieren. Vor paar Tagen hatte ich erst vor dem Essen einen Wert von 180 und dann sollte es auch noch Reis sein. Der SEA betrug dann fast 1,5 Stunden und damit hat es dann super hingehauen. Aber bitte, sowas nicht einfach so nachmachen, sondern langsam austesten, wie lange man persönlich braucht.

    Solltest du mit Liprolog (Insulin Lispro) am Morgen gar nicht zurecht kommen, könntest du deinen Diabetologen nach Lyumjev (Ultra Rapid Insulin Lispro) fragen. Das ist ein nochmal schnelleres Insulin, jedoch mit gleichen Insulinart. Ich kenne etliche Typ1er die beim Frühstück Fiasp (Fast Insulin Aspart) spritzen, und den restlichen Tag dann Novorapid (Insulin Aspart). Das Lyumjev ist jetzt total neu und das zweite "Turbo-Insulin" statt Aspart halt mit Lispro. Man sollte nicht zu häufig die Insulinsorten wechseln, aber bei diesen Paaren ist es kein Sortenwechsel. So, dass du ohne Probleme - sollte Der Diabetologe mitspielen - mal das Lyumjev ausprobieren könntest.
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    am 24.11.2020 18:11:47 | IP (Hash): 1282935450
    Super, danke für den Tipp! Ich werde die Frau Doktor ganz vorsichtig darauf ansprechen, damit sie sich nicht beleidigt oder übergangen fühlt. Aber eigentlich soll sie bei Libre-Auswertung schon mal sehen, wie stark der Zuckerspiegel nach der ersten Mahlzeit des Tages steigt.

    Gleichzeitig möchte ich mich langsam von Victoza verabschieden. Dieses Medikament spritze ich seit 6 Jahren und habe nicht mehr das Gefühl, dass es überhaupt was bringt. Ich senke die Dosis kontinuierlich. Von 1,8 mg bin ich innerhalb von einem Jahr auf 1,02 mg heruntergegangen.

    Lantus bleibt natürlich bei 32-34 IE, stört ja ehe nicht.
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    am 24.11.2020 23:34:22 | IP (Hash): 396512642
    creasot schrieb:
    Gleichzeitig möchte ich mich langsam von Victoza verabschieden. Dieses Medikament spritze ich seit 6 Jahren und habe nicht mehr das Gefühl, dass es überhaupt was bringt. Ich senke die Dosis kontinuierlich. Von 1,8 mg bin ich innerhalb von einem Jahr auf 1,02 mg heruntergegangen.

    Kannst du mir mal verraten, was das soll? Wenn du die Dosis von Victoza fast halbierst, kann es natürlich auch nicht mehr voll wirken.

    Ob es noch wirkt und ob es noch erheblich wirkt, kannst du ganz einfach heraus bekommen: lasse es weg und sieh nach, was deine BZ-Werte machen, besonders die nach den Mahlzeiten. Dazu brauchst du kein heimliches Ausschleichen. Wenn du feststellst, dass du es unbedingt brauchst, dann nimmst du es wieder, sinnvollerweise in der vollen Dosis.

    Es wäre möglich, dass du nicht mehr genug Eigeninsulin hast und dass Victoza deshalb nicht mehr wirkt. Das kannst du aber - siehe oben - ganz exakt feststellen. Du kannst aber nicht einfach Victoza weglassen oder heimlich reduzieren. Du musst dann Mahlzeitinsulin nehmen und zwar zu jeder Mahlzeit und in der passenden Dosierung nach ICT. Wie du mit deinen Diabetesmedikamenten spielst ist vielleicht lustig - sinnvoll ist es wirklich nicht.
    Bearbeitet von User am 24.11.2020 23:35:32. Grund: .
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    am 25.11.2020 17:45:14 | IP (Hash): 1282935450
    Früher wirkte Victoza tatsächlich. Anfangs hatte ich mit 1,2 mg gute Werte. Dann wurden sie immer schlechter und schlechter, Hb1C - bei 11 und dann bei 12. Nüchternwert über 200, nach Gras-Frühstück - 300, nach einem "normalen" Frühstück - fast 400. Auch Werte über 400 (bis 450-470 am hellsten Tage) waren eine Seltenheit. Erhöhung von Victoza auf 1,8 hatte rein gar nichts gebracht, Insulinbehandlung aber schon. Selbst wenn der Thread so heißt, wirkt Liprolog doch sehr gut.

    Als 1,8 Victoza überhaupt keine Wirkung mehr zeigte, hat mir die Diabetologin vorgeschlagen, es komplett wegzulassen. Aber irgendwie war ich unsicher und dachte, es bringt was, wenn ich das Medikament immer weniger einspritze.

    Aber gut, ich versuche jetzt ganz ohne Victoza. So wie ich es jetzt verstehe, besteht dabei kein Risiko.
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    am 25.11.2020 18:03:05 | IP (Hash): 218823049
    Vergleichst Du eigentlich immer nur die HBA1c-Werte? Nie die täglichen BZ-Verläufe und welche Änderungen Du darin selbst im Rahmen von 2-3 Stunden direkt bewirken kannst?

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 25.11.2020 18:15:52 | IP (Hash): 389568730
    creasot schrieb:
    Aber gut, ich versuche jetzt ganz ohne Victoza. So wie ich es jetzt verstehe, besteht dabei kein Risiko.

    Kein Risiko, außer dass der BZ dann weiter nach oben geht. Victoza und auch die anderen GLP-1-RA entfalten ihre Wirkung besonders nach den Mahlzeiten. Wenn Victoza bei dir doch noch wirkt, dann wirst du ohne es höhere BZ-Spitzen und keinen ausreichenden Rückgang des BZ nach den Mahlzeiten haben. Das musst du dann mit dem Mahlzeitinsulin regulieren.

    Hast du dich schon mal mit dem Spritzen von Mahlzeitinsulin beschäftigt, entsprechend den KH die du essen willst? Sehr gut kannst du das hier auf den Seiten für Fortgeschrittene machen:
    https://www.diabetesinfo.de/
    Sehr gut wäre auch eine entsprechende Schulung. Rede mal mit deine Diabetologin, ob sie dir eine geeignete Schulung für die Insulintherapie nach ICT anbieten kann.

    Alles Gute, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 25.11.2020 20:02:49. Grund: .
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    am 25.11.2020 18:34:10 | IP (Hash): 1282935450
    hjt_Jürgen schrieb:
    Vergleichst Du eigentlich immer nur die HBA1c-Werte? Nie die täglichen BZ-Verläufe und welche Änderungen Du darin selbst im Rahmen von 2-3 Stunden direkt bewirken kannst?



    Seitdem ich Libre habe, messe ich BZ immer morgens beim Aufstehen, dann vor jedem Essen, damit ich Liprolog-Dosis einschätzen kann. Dann mehrmals nach dem Essen, um die Entwicklung zu verfolgen und ggf. die Taktik anzupassen.

    Vor Libre, als ich noch stechen musste, habe ich den Nüchternwert gemessen und dann 2 Stunden nach jedem Essen.
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    am 25.11.2020 19:08:45 | IP (Hash): 218823049
    Und reicht die Taktik inzwischen für 100-140 vor jeder Mahlzeit?

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    am 25.11.2020 21:28:20 | IP (Hash): 1282935450
    Absolut. Habe ich nie gedacht, dass es funktionieren wird, aber das tut es doch. Vor den Mahlzeiten habe ich meistens 100-120.

    Auch wenn Liprolog 200 identisch zu 100 sein soll, hatte ich an den ersten Tagen massive Ausbrüche nach oben. Danach hat der Körper anscheinend kapiert, dass er keine Wahl hat und dass Liprolog-100 nicht mehr kommt, und hat sich ziemlich schnell wieder beruhigt.

    Nachdem in den letzten 30 Jahren kein Arzt willens bzw. imstande war, mein Asthma zumindest minimal erfolgreich zu behandeln und die inzwischen weit fortgeschrittene Krankheit zu einer unerträglichen Tortur geworden ist, war ich in Sache Diabetes äußerst skeptisch. Ich hatte null Hoffnung gehabt, dass die BZ-Werte irgendwann überhaupt unter Kontrolle kommen. Zur Diabetologin bin ich nur deswegen gegangen, weil ich keinen Bock auf Streit mit dem Hausarzt hatte. Aber die Insulin-Behandlung hilft ja wirklich! Das zeigen objektive belegbare Auswertungen sowie von Tages- als auch von Langzeitwerten. Ist ja eine unbestrittene Tatsache.