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Diabetes nach Schwangerschaft

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    Mitglied seit: 17.08.2020
    am 17.08.2020 14:16:58 | IP (Hash): 195084877
    Hallo in die Runde,
    ich bin neu in diesem Forum. Ich bin 34 Jahre alt und habe vor neun Wochen unser zweites Kind geboren. In beiden Schwangerschaften hatte ich einen grenzwertigen Schwangerschaftsdiabetes. Die Werte beim OGT waren beide Male ähnlich (80-180-120). Ich habe in beiden Schwangerschaften die Zuckerwerte streng kontrolliert und bin mit einer guten Ernährung selten über 120 nach dem Essen gekommen (ohne Spritzen).
    Ich habe in den letzten Wochen die Werte immer mal wieder kontrolliert und dabei fiel mir schon auf, dass sie viel höher als in der Schwangerschaft waren. Heute war ich deshalb beim Nachtest. Die Werte waren erschreckend: Nüchternwert 72, 1h-Wert 200, 2h-Wert 225. Der Hbca1-Wert lag absolut in der Norm bei 4,7. Meine Ärztin hat für eine eingehende Diagnostik Blut abgenommen, um verschiedene Parameter zu bestimmen. Erst wenn diese vorliegen, werde ich über das weitere Vorgehen informiert.
    Ich war nach den Werten absolut geschockt. Ich hatte zwar damit gerechnet, dass der Test grenzwertig ausfallen könnte, aber nicht mit so einem eindeutigen Ergebnis gerechnet. In mir sind nun tausend Fragen und ganz viel Angst und ich dachte, vielleicht kann mir hier jemand weiterhelfen:
    - Gibt es eine Erklärung dafür, dass die Werte in der Schwangerschaft so viel besser waren als jetzt? Bzw. wie kommt es zu dieser extremen Verschlechterung obwohl ich kein Insulin spritzen musste und die Werte in der Schwangerschaft gut im Griff hatte?
    - Wie ist es möglich, dass der Hbca-Wert noch so gut ist?
    - Momentan fallen die Blutzuckerwerte gefühlt jeden Tag etwas schlechter aus. Ist das möglich? Wie lässt sich das erklären?
    - Welche Laborwerte werden nun bestimmt? Was lässt sich daraus ablesen?
    - Vor drei Wochen wurde zudem festgestellt, dass meine Schilddrüsenhormone zu niedrig eingestellt sind. Der TSH-Wert lag bei 0,01. Ich hatte daraufhin in der Praxis angerufen und gefragt, ob der Test unter diesen Bedingungen überhaupt Sinn mache. Dort sagte man mir, dass es keinen Unterschied mache. Im Internet habe ich an verschiedenen Stellen jedoch andere Dinge dazu gelesen. Weiß jemand mehr dazu, wie es sich mit einer Schilddrüsenüberfunktion und der Insulinproduktion verhält? Kann es sein, dass die Ursache für die schlechten Werte in der Überfunktion liegt?
    - Ich stille unseren Sohn voll. Wie soll ich mich bis zum Vorliegen der weiteren Blutergebnisse verhalten bzw. was soll ich essen? Besteht für ihn eine Gefahr? Wird auch er "überzuckert"? Ich esse bereits ausschließlich Vollkornprodukte, wenig Obst, viel Gemüse und nur gesunde Fette. Zucker und Süßigkeiten habe ich schon längst aus meiner Ernährung gestrichen. Zudem versuche ich nur eingeschränkt Kohlenhydrate zu mir zu nehmen. Mein Problem ist allerdings, dass ich sowieso sehr schlank bin und bereits 2,5 Kilo weniger Gewicht habe als vor der Schwangerschaft (54 kg bei einer Größe von 172 cm). Ich habe das Gefühl nicht mehr viel an meiner Ernährungsweise ändern zu können.

    Vielen Dank und viele Grüße
    Finchen
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    am 17.08.2020 14:39:14 | IP (Hash): 1410810702
    Hallo Finchen,

    für deinen Sohn besteht, dadurch dass du stillst, keinerlei Gefahr. Sein Körper regelt den BZ alleine, da ist es egal, was er zu essen bekommt.

    Ehe du dir hier verschiedene Spekulationen anhörst, warte doch erst mal die weiteren Ergebnisse ab. Die BZ-Werte beim oGTT waren zwar nicht schön, aber absolut nicht in einem gefährlichen Bereich. Es besteht kein Grund, jetzt ganz schnell etwas zu machen.

    Ich wünsche dir viel Ruhe und Freude an deinem Jüngsten, Rainer
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    am 17.08.2020 16:18:18 | IP (Hash): 1784906990
    Finchen_85 schrieb:
    In mir sind nun tausend Fragen und ganz viel Angst


    Fragen kann ich mir gut vorstellen, aber warum Angst?

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 17.08.2020 22:32:24 | IP (Hash): 1106013482
    Hallo Finchen,

    ich kann mir ziemlich gut vorstellen, was dir gerade für 1000 Gedanken durch den Kopf schwirren. Mir erging es sehr ähnlich. Nach der Geburt im Januar, war ich im Juni zum Nachsorge-OGTT. Ich habe bis dahin eigentlich keinen Gedanken mehr an meinen Schwangerschaftsdiabetes verschwendet und war genau wie du total vor den Kopf gestoßen, als erhöhte Werte dabei raus gekommen sind.

    Wahrscheinlich kannst du im Moment an nichts anderes denken :-(

    Wie ist man denn drauf gekommen, das mit der Schilddrüse etwas nicht stimmt?

    Auch wenn es schwer fällt, aber versuche wirklich erst mal ruhig zu bleiben. Ich habe im Gegensatz zu "vielen alten Hasen" hier im Forum noch nicht viel Erfahrung. Aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Werte höher sind, je mehr man sich rein steigert. Ich habe nach dem OGTT wirklich viel meinen Blutzucker gemessen, mir einen Wecker gestellt, immer wieder auf die Uhr geschaut und wurde regelrecht nervös, wenn die Zeit zum nächsten Messen wieder ran war. Umso verrückter ich mich gemacht habe, umso höher waren auch die Werte.

    Ich drück dir die Daumen, dass du erst mal in Ruhe abwarten kannst, bis genaue Ergebnisse vorliegen. Meld dich doch mal, was raus gekommen ist.

    Viele Grüße und PS: herzlichen Glückwunsch zum Nachwuchs. Wahrscheinlich ist dein Baby so zuckersüß, dass es kein Wunder ist, dass die Blutzuckerwerte verrückt spielen :-)
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    Mitglied seit: 17.08.2020
    am 18.08.2020 06:16:19 | IP (Hash): 195084877
    Vielen Dank für eure ermunternden Worte.
    Ja, ich bin ziemlich vor den Kopf gestoßen, weil die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes von der Ärztin damals aufgrund der Werte sowieso in Frage gestellt wurde und sie meinte, sie müsse sie aufgrund der Richtlinien stellen. Ich verstehe nicht, warum die Werte plötzlich so aus dem Ruder laufen, zumal ich nicht ungesund lebe / gelebt habe.
    Ich habe seit ein paar Jahren nur noch eine halbe Schilddrüse. Der TSH-Wert wurde von der Frauenärztin bei der Abschlussuntersuchung erhoben. Ich hatte gestern keine Zeit bei der Ärztin diesen Befund anzugeben. Ich weiß auch nicht, welche Werte nun standardmäßig bei einem auffälligen OGTT bestimmt werden und ob die Schilddrüse dazu gehört. Wisst ihr das?
    "Angst" bereitet mir die Vorstellung, mir nun immer Gedanken über meine Mahlzeiten, Blutzucker etc. machen zu müssen und niemals spontan irgendwo zugreifen zu können. Zumindest habe ich es in der Schwangerschaft so erlebt und empfand es als sehr kräftezehrend. Nur dass ich da immer ein festes Ziel bzw. einen festen Zeitraum im Auge hatte.
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    am 18.08.2020 09:45:19 | IP (Hash): 799796177
    Hallo Finchen,

    meines Wissens gibt es zwischen den SD-Werte und den BZ-Werte keinen oder zumindest keinen starken Zusammenhang. Du musst die zwei Probleme getrennt betrachten.

    Aus deiner Beschreibung geht hervor, dass du dich ein wenig KH-reduziert ernährst. Wenn das so ist, hast du dann die 3 Tage vor dem oGTT jeweils mindestens 150g KH gegessen? Falls nicht, dann kann das den Test verfälscht haben und eventuell die Ursache für die hohen Werte sein.

    Wenn du noch ein paar Teststreifen hast, dann miss doch einfach mal den BZ in 1 und in 2 Stunden nach einer von deinen normalen Mahlzeiten. Wenn dabei normale Werte rauskommen, dann brauchst du dir nur wenig Sorgen zu machen und kannst ganz in Ruhe die nächste Untersuchung abwarten.

    Alles Gute, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 18.08.2020 09:45:56. Grund: .
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    am 18.08.2020 10:47:01 | IP (Hash): 195084877
    Vielen Dank für deine Antwort. Leider weiß ich nicht so richtig, was die normalen Werte sind. Bei der Schwangerschaftsdiabetes war der Richtwert 140 nach einem Stunde. Bei Diabetes 2 lese ich meist von 140 nach zwei Stunden. Was zählt denn nun? Wie hoch sollte der Wert vor einer Mahlzeit sein?

    Der Zusammenhang zwischen Schilddrüse und einem gestörten Glukosestoffwechsel wird hier beschrieben:
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/183181/Schilddruese-und-Diabetes-Interaktion-wird-unterschaetzt

    Ich habe vor dem OGTT nicht kohlenhydratreduziert gegessen. Ich messe schon wieder eine ganze Weile. Auf jeden Fall sind die Werte deutlich höher als in der Schwangerschaft und ich habe den Eindruck, dass sie tendenziell bei gleicher Ernährung von Woche zu Woche steigen.

    Mich frustriert am meisten, dass ich mich schon lange an die gängigen Empfehlungen (Bewegung und gesunde Ernährung) halte. An den Schrauben kann ich nicht mehr viel drehen (wenn überhaupt). Und auch abnehmen ist nicht mehr möglich. Im Gegenteil, mein Gewicht sinkt momentan rapide. Heute morgen waren es plötzlich wieder 600g weniger auf der Waage. So einen plötzlichen Gewichtsverlust hatte ich in den letzten Wochen des öfteren. Dabei befinde ich mich laut BMI schon im Untergewicht.



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    am 18.08.2020 10:49:50 | IP (Hash): 195084877
    @EmEd: Gibt es bei dir eine Erklärung, warum der Diabetes geblieben ist? Wie kommst du damit zurecht?
    Ich hoffe, es ist ok, dass ich das frage.
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    am 18.08.2020 15:39:57 | IP (Hash): 1318109534
    Hallo Finchen,

    man kann nach der Schwangerschaft grundsätzlich einmal jede Art von Diabetes entwickeln, z.T. auch unabhängig vom Schwangerschaftsdiabetes.

    Wie hoch sind denn deine gemessenen Werte nach dem Essen genau?
    Normalerweise gilt als gesund nach dem OGTT für NICHT-Schwangere, wenn der 2-Stunden Wert unter 140 liegt. Und der Nüchternwert unter 100. Daran solltest du dich orientieren.
    In der Schwangerschaft gelten als Schutz fürs Baby deutlich strengere Grenzwerte. Vergiss bitte diese Werte, die haben momentan für dich keinerlei Bedeutung, da du ja jetzt nicht mehr schwanger bist.

    Wichtig wäre mir wirklich, wie deine selbst gemessenen Werte sind und wann du die Ergebnisse vom Arzt bekommst. Ich vermute, dabei wurde C-Peptid (zeigt, wie viel Insulin deine Bauchspeicheldrüse produziert) und ggf. Antikörper untersucht.
    Weil ggf. könntest du auch einen Typ1 Diabetes entwickeln. Dieser kann auch plötzlich ausbrechen unabhängig von deiner Schwangerschaft. Auch die Gewichtsabnahme könnte - muss aber nicht - auf einen Typ1 hinweisen. Jetzt kommt es natürlich darauf an, wie hoch deine Blutzuckerwerte sind? Hast du sonst weitere Beschwerden?

    Andere Möglichkeit: du reduzierst ja die Kohlenhydrate, wenn du diese nicht mit etwas anderem ersetzt, dann kommst du natürlich nicht auf deine Gesamtkalorien und nimmst ab. Deshalb schau. Man kann nicht unendlich an der Stellschraube Ernährung drehen und du solltest dringend schauen, dass du nicht weiterabnimmst.

    LG July

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    am 19.08.2020 21:39:34 | IP (Hash): 1390397251
    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Du dich für Deinen möglichen Diabetes verantwortlich machst so in der Art: Du hast den gekriegt, weil Du irgendwas nicht richtig gemacht hast. Oder Du wirst den nicht los, weil Du irgendwas nicht richtig machst.
    Wenn allgemein bekannt wäre, was einen Diabetes ursächlich auslöst, und wenn Du das dann trotzdem gewohnheitsmäßig gemacht hättest oder machst, wärst Du in der Tat wenigstens ein gutes Stück weit verantwortlich.
    Aber bislang ist noch keine einzige Ursache bekannt, die sich gezielt vermeiden ließe. Also hättest Du allenfalls Lotto-mäßig irgendwas richtig oder falsch machen können. Folglich ist völlig sinnbefreit, sich mit solchen Nicht Richtig Gemacht
    Haben Schuld-Gedanken zu belasten.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
    Bearbeitet von User am 19.08.2020 21:41:27. Grund: Ergänzung