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Diabetes nach Schwangerschaft

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    am 24.08.2020 17:14:11 | IP (Hash): 195084877
    Die Werte wurden ca. 3 Stunden nach der Glucosegabe bestimmt.
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    am 24.08.2020 18:07:17 | IP (Hash): 1271908337
    Finchen_85 schrieb:
    Wie würdet ihr das bewerten?


    https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/dme.12039 ist ein bisschen gemein, aber Google hilft Dir sicher übersetzen/verstehen. Und die Zusammenhänge werden auch dann deutlich, wenn nicht jedes bisschen wörtlich eingeordnet werden kann.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 25.08.2020 09:39:22 | IP (Hash): 1830576234
    Danke für den Link. Ich meine folgendes verstanden zu haben:
    - Das C-Peptid ist immer eine Momentaufnahme, kein Langzeitwert.
    - Mein Körper produziert ausreichend Insulin. Es wirkt aber nicht richtig, deswegen entsteht das C-Peptid.
    - Ein manifester Diabetes 2 würde vorliegen, wenn das C-Peptid niedrig wäre. Allerdings besteht das Risiko, dass die Bauchspeicheldrüse durch die hohe Insulinproduktion erschöpft und sich ein DM2 entwickelt.
    - Jetzt ist Handeln höchst sinnvoll, um den Ausbruch zu verhindern.

    Sind meine Annahmen so korrekt?
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    am 25.08.2020 11:52:06 | IP (Hash): 740336689
    Noch ein bisschen mehr zum Verwirren:
    Die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse produzieren beständig Proinsulin in ihre Winzigspeicher. Wenn sie dann die Aufforderung zur Ausgabe bekommen, teilen sie normalerweise jedes Teilchen Proinsulin in 1 Teil C-Peptid und 1 Teil Insulin.
    Gibt also bei der Ausgabe normal immer gleich viel von beidem. Aber im Blut ändert sich das.
    Insulin hat im Blut eine Halbwertzeit von knappen 5 Minuten. Von Hausnummer 2 Gramm Insulin ist nach knappen 5 Minuten nur noch 1 g da, nach weiteren 5 Minuten nur noch 0,5 usw., und zwar auch dann, wenn nix davon verbraucht wird. Lässt sich also immer nur zeitlich sehr kurz messen.
    C-Peptid hat im Blut eine Halbwertzeit von gut 20 Minuten, ist also deutlich länger nachweis- und messbar, als das zusammen damit ausgelieferte Insulin und lässt darauf auch dann noch rückschließen, wenn davon schon praktisch alles aufgelöst ist.


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    am 25.08.2020 12:24:38 | IP (Hash): 195084877
    Da die Blutwerte etwa drei Stunden nach Testbeginn erhoben wurden, würde das also bedeuten, dass die Bauchspeicheldrüse in dieser Zeit sehr viel Insulin freigegeben hat, dies aber einfach nicht gewirkt hat und die Glukose nicht abtransportiert wurde. Hmm, und woran kann das liegen? Ist es möglich, dass die Zellen plötzlich insulinresistent sind?
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    am 25.08.2020 20:11:05 | IP (Hash): 740336689
    Wenigstens auf den ersten Blick sind Zellen insulinresistent, wenn sie wie auch immer Insulin nicht in der erwarteten Menge annehmen. Nur, was macht das viele Insulin im Kreislauf, wo für die ausreichende Versorgung aller Zellen normal sehr viel weniger ausreicht? Es versucht im Sinne dieser Resistenzsicht, dem (zu)vielen Zucker im Blut den Einlass in die Zellen zu erzwingen. Und diesem doch wenigstens auf den ersten Blick sehr vernünftigen Ansinnen widersetzen die sich die resistenten Zellen einfach, oder?

    Diese Resistenzsicht hat einen einfachen Haken: Ihre gesunden Grundvoraussetzungen fehlen!

    Gesund lädt die Leber den Kreislauf fortlaufend immer nur mit so viel Glukose und dazu passend Insulin auf, wie in diesem Kreislauf gerade verbraucht wird.
    Wenn Langstreckenlauf, dann andauernd viel, wenn Wochen lang bettlägerig, dann Ẃochen lang wenig, und zwar selbst dann, wenn dabei mit gutem Appetit eifrig genascht und gefuttert wird. Die Ergebnisse sind zwar dann häufig deutlich gewichtiger als vorher, aber sie haben allermeistens keinen Blutzucker, der längst durch die Decke gegangen ist, weil er nicht in die Zellen konnte, weil die ja praktisch nix verbraucht und abgenommen haben.

    Ihre Lebern haben schlicht ihre Arbeit gemacht und gespeichert, was nicht verbraucht wurde. Als Glykogen (eine Form, in der Glukose weniger Wasser wasser bindet) für den Sofortgebrauch und als Triglyzeride zur Speicherung in den Schwimmhilfen.

    Und nun wissen wir seit Prof. Taylors Info in 2012 (und einigen Jahren Vorlauf dazu), dass Typ-2-mäßig defekte Lebern dazu neigen, von den Triglyzeriden, die sie ganz ordentlich aus Glukose bilden, einen Teil nicht ordentlich in die Schwimmhilfen zu schicken, sondern unordentlich für sich selbst abzuzweigen und bei sich selbst und u.a. im Pankreas einzulagern.
    Mit dem Ergebnis, dass sie selbst mit der Zeit zunehmend immer mehr Glukose ausgeben, als verbraucht wird, und dass die Betazellen das Signal zur Erstantwort auf neu ankommende Einverleibungen nicht mehr mitbekommen und eben nicht mehr sofort mit einer größeren Insulinausgabe beantworten.

    Zur Erinnerung, bei gesunden Menschen bestellen Darmhormone beim Passieren neuer Glukose durch die Darmwand die passende Menge Insulin dazu. So treffen dann die neue Glukose ihr Insulin in der Pfortader zusammen und werden auf den Zentimetern da super durchgemischt in die Leber gespült und da drin verarbeitet und aufbereitet und daraus in einer fortlaufenden Just-in-Time-Lieferung eben beständig ausgegeben.

    Entsprechend Deinem Bild: Die Glukose wird nicht zu wenig aus dem Kreislauf abtransportiert, sondern zu viel hinein gegeben.

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    am 27.08.2020 07:58:58 | IP (Hash): 389568788
    Finchen_85 schrieb:
    Ich habe mir eben eine Kopie der Laborwerte geben lassen. Der Peptid-C- Wert liegt bei 8,6. Als Obergrenze wird 4,4 angegeben. Im Internet habe ich gelesen, dass solch erhöhten Werte auf eine beginnende Diabetes 2 hinweisen. Der Arzt sprach am Telefon nur von einer geringen Erhöhung. Aber ist diese wirklich nur gering? Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass es vielleicht doch nicht so harmlos ist. Bzw. dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, noch ohne Medikamente entgegenzusteuern.
    Die Werte wurden ca. 3 Stunden nach der Glucosegabe bestimmt.

    Hallo Finchen,

    ich halte die Aussage deines Arztes zu deinem C-Peptid-Wert mit der geringen Erhöhung für richtig. Als oberer Normalwert bei Belastung mit einem oGTT wird allgemein 5,7 angegeben. Deine 8,6 liegen darüber, aber bei richtig insulinresistenten sind Insulin und C-Peptid um das 5 ... 10-fache erhöht. Dein bisschen ist dabei für den Arzt nicht stark besorgniserregend und muss es auch für dich nicht sein. Dass der Wert nach 3 Stunden noch so hoch war, hängt mit deinem BZ-Verlauf zusammen. Du hattest an diesem Tag aus irgend einem Grund ja auch nach 2 Stunden den höchsten BZ-Wert. Das passt also zusammen.

    Es macht natürlich Sinn, jetzt schon ohne Medikamente einer Verschärfung der IR entgegen zu wirken. Allerdings brauchst du in dem Stadium nicht mit Kanonen nach Spatzen zu schießen, was ja auch mit deinem Säugling zur Zeit nicht so richtig passen würde. Aus meiner Sicht reicht es aus, wenn du noch ein bisschen mehr auf eine geeignete Ernährung achtest. Geeignete Ernährungen gibt es verschiedene, sehr empfehlen kann Ich dir die LOGI-Ernährung. Mit seiner moderaten KH-Reduzierung und dem Schwerpunkt auf Gemüse ist sie auch für dich in deiner jetzigen Situation alltagstauglich.. Rezepte und Anregungen kannst du dir z.B. im LOGI-Forum ( https://forum.nicolai-worm.de/ ) ansehen. Wenn du etwas mehr über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Diabetesentwicklung lesen willst, dann kannst du dir das Buch "Stopp Diabetes, das Praxisbuch" besorgen.

    Viel Erfolg und alles Gute, Rainer

    ____
    Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
    Bearbeitet von User am 27.08.2020 08:01:26. Grund: .
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    am 27.08.2020 08:17:48 | IP (Hash): 195084877
    Vielen Dank für eure sehr hilfreichen Antworten. Ihr helft mir sehr, die ganze Situation besser einzuschätzen und dadurch mehr zur Ruhe zu kommen. Leider neige ich dazu, zu viel zu grübeln und die Dinge zu verbissen anzugehen.

    Ich werde mich auf jeden Fall mit Logi beschäftigen. Vielen Dank für den Tipp! Auch in das andere Buch lese ich auf jeden Fall mal rein.

    Eine Verständnisfrage habe ich noch: Wenn meine Leber zu viel und kontinuierlich Glucose in den Blutkreislauf abgibt, würde der Blutzucker dann nicht dauerhaft erhöht sein? Er geht aber immer wieder runter auf durchschnittlich 80 und nüchtern liegt er meist zwischen 70 und 80. Und wäre dann nicht auch der Langzeitwert höher?
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    am 27.08.2020 10:15:23 | IP (Hash): 389568788
    Hallo Finchen,

    ehe du dich zu sehr in Jürgens Theorien verstrickst und du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kannst, könnten dir vielleicht zwei Bemerkungen helfen:

    1. Die Frage, ob Insulinresistenz und speziell die hepatische IR, existiert oder nicht, ist für die praktischen Maßnahmen ohne Bedeutung. In jedem Fall geht es darum, mit geeigneter Ernährung und Bewegung einer weiteren Verfettung der Leber (nichtalkoholische Fettleber NAFL) entgegen zu wirken und schrittweise das in Leber, BSD und anderen Organen falsch eingelagerte Fett abzubauen.

    2. hjt_Jürgen ist der einzige Mensch auf der ganzen Welt, für den Insulinresistenz nicht existiert. Er hält nicht einmal die physiologische IR für möglich. Daraus lässt sich nur schließen, dass Jürgen entweder ein bisher nicht erkanntes Genie, so eine Art Einstein für den menschlichen Stoffwechsel ist oder dass er diesbezüglich spinnt. Er wird sich bestimmt darüber freuen, wenn du ihn als Einstein betrachtest, ich persönlich neige eher zu der anderen Variante.
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    am 27.08.2020 11:37:42 | IP (Hash): 724596095
    "Täglich werden knapp 2.000 Liter Blut durch die Leber gepumpt. Das entspricht etwa 1,5 Liter pro Minute." https://fet-ev.eu/leber/ (sehr gut lesbar!)
    Und dann messen wir den Glukosegehalt von 1 Liter Blut aus einem Tropfen davon am Finger schon ein "Stückchen" weiter weg von der Ladestation. Voll genial, oder?
    70-80 mg/dl zeigt Dein Tacho nüchtern, also 0,7-0,8 Gramm Glukose pro Liter Blut.

    Und wenn ich mir nun weiter vorstelle, dass das Blut die Ladestation mit z.B. mit Hausnummer 90-100 mg/dl, 0,9-1,0 Gramm pro Liter, verlassen hat, dann sind da auf dem Weg pro Liter 0,2 Gramm an Verbraucherzellen abgegeben worden, bei 2.000 Litern am Tag 400 Gramm.
    Und wenn wir jetzt noch berücksichtigen, dass bei normal glukogener Ernährung ein Erwachsener in Ruhe in 24 Stunden im Schnitt 200 g Glukose verbraucht, kann der Verbrauch tatsächlich nicht am Blutzucker ablesbar sein, weder am Fingerpieks, noch am Verlauf mit kontinuierlicher Messung.
    Woraus "Jürgen Einstein" messerscharf schließt, dass sich mit dem BZ im ganz normal gesunden Rahmen niemand um seine ausreichende Versorgung zu sorgen braucht :)
    UND nicht zu vergessen bei dem, was Insulinresistenz genannt wird: Wenn da bei gleichem BZ am C-Peptid mehr Insulinumsatz gemessen wird, kann die Leber entsprechend mehr Glukose ausgeben, die aber mit dem Mehr an Insulin noch BZ-neutral verarbeitet wird :)

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