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LADA Diabetes normaler C-Peptid - Insulin sinnvoll?
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am 30.08.2020 21:24:42 | IP (Hash): 409965926
Hallo Ron,
bei mir sah es ähnlich aus.
Bei einer Routinekontrolle lag der Blutzucker nüchtern bei 135. HbA1C lag jedoch schon ein halbes Jahr vorher bei 6,5.
Irgendwann bin ich dann nach einem halben Jahr doch zum Diabetologen, nachdem Hausarzt meine Ängste nicht ernstgenommen hat. Mit oralen Glukosetoleranztest kam raus nüchtern 140, 2-Std.-Wert 215. Diabetes.. Ich habe selbst Morbus Crohn. Auch bei mir schlank, jung, etc. war ein Typ2 sehr unwahrscheinlich. Antikörper waren negativ. Da ich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung durch ein Crohn-Medikament ein Jahr vorher hatte, wurde die Diagnose pankreopriver Diabetes (ähnlich einem Typ 1 Lada) gestellt. Meine BSD produziert noch Insulin, jedoch zu wenig. Hat auch die Insulin und C-Peptid-Messung während dem OGTT ergeben. Der Typ1 Verdacht ist aber irgendwie nie vom Tisch. Wurde jetzt sogar aus Bad Mergentheim (Diabetes-Krankenhaus) mit der Diagnose Typ1 entlassen..
Wie ging es bei mir weiter:
erstmal haben wir gar nichts getan. "Diät" ist bei mir aufgrund vom Crohn und zahlreichen Unverträglichkeiten nicht möglich. Als ich dann nach einem halben Jahr mit BZ Messen angefangen habe, waren die Werte nüchtern so um die 120-140, die gemessenen Essenspritzen jedoch auch max. 180. Ohne irgendwelche Medikamente.
Habe dann sehr viel Sport getrieben (min. 14 Stunden die Woche), dabei waren die Werte 2-Stunden nach dem Essen mal eins-zweimal gemessen bei 120. Also Thema in den Hintergrund.
Nach der bestandenen Sportprüfung habe ich das Sport-Niveau deutlich reduziert. Plötzlich finden die Symptome an. Nüchtern min. 160, nach dem Essen stundenlang über 200, nach einem Marmeladenbrötchen sogar mal 325. Ja, dann kam das Insulin, 3/4 Jahr nach der Diagnose. Erstmal habe ich mit Basalinsulin (Lantus) angefangen. Langsam von 2 IE auf insg. 8 IE erhöht. Anfangs sah es auch gut aus, jedoch nach 2 Monaten stiegen die PP-Werte wieder ständig über 200. So dass ich nach 2 Monaten auch ein Mahlzeiteninsulin dazubekommen habe. Seit März habe ich - aus anderen Gründen - mittlerweile eine Insulinpumpe.
Ich brauche sehr geringe Mengen Insulin (insg. ca. 8 Einheiten Basal und Bolus am Tag). Meine BSD arbeitet noch soweit mit, dass ich nach oben eine Art Grenze habe. Selbst wenn mal aufgrund der Pumpe (Katheterprobleme,etc.) kein Insulin abgegeben wird, dann hat das keine Ketoazidose, sondern nur etwas höhere Werte zu folge. Also meinen Grundbedarf schafft meine BSD dann noch soweit zu decken für kurze Zeit. Aber nach einigen Tagen deutlich zu wenig Insulin steigen die Werte wieder an.
Ich würde an deiner Stelle echt mit dem Tresiba anfangen. Vllt würde ich mit frühzeitigerem Basalinsulin noch immer kein Mahlzeiteninsulin brauchen. Aber wer weiß das schon.
Komplett aufhalten wird das Basalinsulin die Zerstörung deiner Bauchspeicheldrüse vllt nicht. Aber umso länger du eine Restfunktion behältst umso länger sind deine Werte deutlich stabiler, i.d.R. Die Bauchspeicheldrüse wird durch das Basalinsulin nämlich soweit unterstützt, dass sie sich nicht ständig überarbeiten muss.
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am 31.08.2020 10:44:32 | IP (Hash): 974942215
Hallo July,
danke, dass Du Deine Geschichte mit mir teilst. Klingt ja in der Tat relativ ähnlich.
Ich habe nun seit Freitagabend, den 28.8. mit 2 Einheiten Tresiba angefangen. Einen großen Effekt sehe ich nicht, aber es scheint mir, dass der Nüchternblutzucker etwas stabiler geworden ist und im Schnitt bei 95 mg/dl liegt. Nach KH-reichem Essen ist der Anstieg nun etwas weniger (nicht über 160 mg/dl) und geht nach zwei Stunden auf +- 100 mg/dl runter. Ich denke, das ist schon mal nicht schlecht. Aber meine Diabetologin meinte, dass ich wahrscheinlich schon noch Mahlzeiteninsulin brauchen werde, sie meint, dass das ihr das Bauchgefühl sagt. Wir probieren jetzt noch 2-3 Wochen nur mit Tresiba und Low Carb und dann schauen wir mal, wahrscheinlich nehme ich dann Mahlzeiteninsulin dazu, wenn ich viele Kohlenhydrate nehme. Bei Low Carb sind so gut wie keine Anstiege zu verzeichnen.
Zu den Werten sei allerdings noch gesagt: ich habe jetzt seit 2 Wochen auch noch das Libre 2 bekommen, und da habe ich beobachtet, dass der manchmal niedriger misst (auch wenn ich 15 Minuten Latenzzeit beachte), teilweise 20-30 Einheiten Unterschied, daher sind die Werte jetzt auch nur deswegen "besser". Diabetologin meinte, dass die Abweichungen nur im niedrigen Bereich vorkommen, aber ich bin mir da nicht so sicher. Habe mir jetzt Libre Teststreifen bestellt, weil sie ja keine Vergleiche mit anderen (Accu Check o.Ä.) akzeptieren. Mal schauen, was da rauskommt und dann ggf mit Abbott telefonieren...
LG, Ron
Bearbeitet von User am 31.08.2020 10:45:14. Grund: Rechtschreibung -
am 31.08.2020 21:27:09 | IP (Hash): 409965926
Hallo Ron,
Tresiba braucht 3-5 Tage bis es überhaupt eine Wirkung aufbaut. Zudem wird i.d.R. mit geringen Dosen angefangen, welche langsam bei Tresiba im 5-7 Tage Abstand bis zur benötigten Dosis gesteigert werden um Unterzuckerungen zu vermeiden.
Da du ja auch Colitis hast, wie kommst du denn damit und gleichzeitig Diabetes klar? Ich habe z.T. immer mal wieder die Situation, dass bei starken Bauchschmerzen mein Insulinbedarf sinkt. So bin ich nur mit Basalinsulin unterzuckert. Darum war bei mir Tresiba absolut nicht geeignet. Auch Toujeo eigentlich nicht. Nur Lantus (hatte ich anfangs und nicht gut vertragen) und Levemir kamen bei mir nicht in Frage, womit man sowas besser abfangen kann. Ich will dir damit absolut jetzt keine Angst machen. Das muss definitiv nicht bei jedem mit CED auftreten. Ich weiß auch nicht, ob das nur bei Crohn oder auch bei Colitis ein Thema ist. Aber solltest du sowas bemerken, bzw. vllt sogar bereits bemerkt haben, dann solltest du mit deinem Diabetologen reden, ob ein kürzer wirksames Basalinsulin in diesem Fall nicht besser wäre.
Eine Mahlzeiteninsulin für größere KH-haltige Mahlzeiten bzw. mal zur Korrektur ist sicher sinnvoll. Am Anfang kann es sein, dass du gar nicht KH zählen musst, sondern beispielsweise bei einem Teller Nudeln oder einer Pizza oder so fest bspw. 2-3 Einheiten Insulin spritzt. Und sonst halt nicht. Solche Schemas sind keine Seltenheit in deiner/unseren Situation.
Zum Libre2: meine Erfahrung seit März (vorher Libre1) und liest man auch sonst immer wieder: es gibt Sensoren die messen perfekt und Sensoren die messen 20mg/dl konstant zu wenig.
Darüberhinaus gibt es natürlich immer mal wieder den ein oder anderen Schrott-Sensor bzw. dass es bei manchen Patienten einfach gar nicht funktioniert.
Abbott tauscht keine Sensoren, die "nur" 20mg/dl zu wenig messen. Ist bei denen noch in der Toleranz. Da helfen auch die teuren Abbott Teststreifen nicht.. Teilweise finden sich Aussagen im Netz, dass selbst bei Abweichungen um die 60mg/dl nicht getauscht wird. Bei 20mg/dl hast du keine Chance. Habe ich selbst probiert. Bei mir hieß es sogar einmal als ein Sensor nach dem Starten nur LO und keine Messwerte verfügbar im Wechsel angezeigt hat, dass ich 24 Stunden! warten muss, vllt. stellt sich der Sensor noch ein...
Da diese 20mg/dl zu tief Abweichung häufiger vorkommt bei den Sensoren benutzen etliche informierte Nutzer die inoffizielle Methode. Patched Libre App (mit oder ohne LibreView Anbindung) und Xdrip. Darüber kann man A) die Werte kalibrieren B) werden die Daten jederzeit ohne Scan auf dem Handy angezeigt (Voraussetzung Handy immer in der Nähe und Bluetooth an) und C) gibt es dort deutlich bessere Alarme: individuell erstellbare mehrfache Hoch/Niedrig-Alarme sowie erneuter Alarm, wenn nach einer einstellbaren Zeit der BZ immer noch zu hoch/tief ist
Ist halt DIY und eigenes Risiko.
LG -
am 31.08.2020 22:59:53 | IP (Hash): 464047665
Auch die meisten der Sensoren, die bei mir mit Lesegerät und App von Abbott Scans von lo bis 60 bei gepieksten 100 bis 120 mg/dl angezeigt haben, ließen sich mit mit ner Fremd-App täglich passend kalibrieren (ist normal bei normalen CGMs) und auf diese Weise einwandfrei nutzen.
Ich bin mir sicher, dass Abbott mit Leichtigkeit seine Ausgabeseite um die Möglichkeit des täglichen Kalibrierens erweitern könnte, und hab eigentlich kein Verständnis dafür, dass sie's nicht tun.
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Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 01.09.2020 09:34:57 | IP (Hash): 974942215
Hallo July,
das ist wirklich interessant, mit sich mit jmd in einer sehr ähnlichen Situation auszutauschen. Bei mir wurde ja das Thema mit dem Zucker zufällig neben der Colitis Diagnose entdeckt. Es sieht fast so aus, als wäre es gleichzeitig aufgetreten. Noch im Februar dieses Jahr hatte ich weder das eine noch das andere.
Zum Thema Unterzuckerung: nein, habe ich nicht mal ansatzweise, hatte seit gestern Abend irgendwann einen Anstieg von 90 auf 120 mg/dl (ohne was gegessen zu haben) und dann die Nacht über bei über 100 mg/dl, dabei hat mein Darm heute Nach die ganze Zeit Probleme gemacht. Will sagen, wenn sich die Colitis verschlimmert, habe ich eher das Gefühl, dass der Zucker ansteigt. Und das war auch ohne Insulin so.
Das mit dem Mahlzeiteninsulin werde ich in gut zwei Wochen thematisieren, da habe ich den nächsten Termin. Zählen tue ich jetzt schon alles, damit ich mich schon mal dran gewöhne und irgendwann möglichst gut schätzen kann, ich denke, die Zeit ist jetzt schon gut investiert.
Das mit dem Libre habe ich auch schon alles gelesen... Das mit PatchedLibre App muss ich mal versuchen, klingt interessant...
LG, Ron
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am 01.09.2020 09:39:04 | IP (Hash): 974942215
hjt_Jürgen schrieb:
Ich bin mir sicher, dass Abbott mit Leichtigkeit seine Ausgabeseite um die Möglichkeit des täglichen Kalibrierens erweitern könnte, und hab eigentlich kein Verständnis dafür, dass sie's nicht tun.
Bestimmt hat es was mit dem wirtschaftlichen Aspekt zu tun, weil die Entwicklung zu teuer ist. So was zu programmieren ist bestimmt kein Akt, aber es gibt wahrscheinlich ein Haufen Dinge im Hintergrund zu beachten, wie Haftung usw. Außerdem ist die Entwicklung bestimmt outgesourced. Es ist doch überall so unnötig kompliziert heutzutage, -
am 02.09.2020 09:32:28 | IP (Hash): 1562157417
...und da frage ich mich, warum es kein Gerät gibt, das einem Insulin oder Glucose vollautomatisch zuführt, so dass man rund um die Uhr perfekt eingestellt ist. Das müsste doch technisch heutzutage möglich sein.
Kein Messen und kein Rechnen mehr und die Praxen wären erheblich entlastet.. -
am 02.09.2020 11:41:02 | IP (Hash): 974942215
Hallo Chris,
ich denke, das Problem ist, dass das nur als Korrektur im Nachgang funktionieren kann, da solche Geräte ja nicht wissen, wie viel Du an Kohlenhydraten zu Dir nehmen wirst. Das heißt, um die Zählerei kommt man wohl leider noch nicht herum. Es wird aber an anderen Optionen geforscht. Stammzellen zu Betazellen umwandeln bzw entwickeln, diese dann so ummanteln, dass sie nicht vom den Antikörpern zerstört werden können, aber dennoch die Glukose aufnehmen und Insulin ausgeben können. Das soll dann als Implantat unter die Haut oder so ähnlich gepflanzt werden und dann die normale Funktion simulieren. Soll dann alle paar Jahre getauscht werden und sonst hat man keinen Aufwand mehr. Stammzellenforschung ist aber mW in Deutschland nicht erlaubt, da müsste man dann nach Dänemark fahren oder so. Hier ein Link zu einem Artikel dazu: https://focus-arztsuche.de/magazin/gesundheitstipps/ist-typ-1-diabetes-bald-heilbar
Dann gibt es wohl noch Forschungen bzgl einer Insulinpille, aber das klang nicht so vielversprechend erst Mal. Und kann mMn nur für Langzeitinsulin funktionieren. Hier ein Link: https://www.scinexx.de/news/medizin/insulin-tablette-statt-spritze/
Mal sehen, was sich da in den nächsten tut.
Vllt ist ja auch der von Dir gewünschte Ansatz irgendwann möglich, wäre auf jeden Fall eine Erleichterung und zwar eine massive.
LG, Ron -
am 02.09.2020 12:16:01 | IP (Hash): 991063678
Chris70 schrieb:
...und da frage ich mich, warum es kein Gerät gibt, das einem Insulin oder Glucose vollautomatisch zuführt, so dass man rund um die Uhr perfekt eingestellt ist. Das müsste doch technisch heutzutage möglich sein.
Hallo Chris,
um die Entwicklungen dazu zu sehen, musst du nach dem Begriff 'bi-hormonale Systeme' suchen. Allerdings wird dabei nicht, wie du dir das vorstellst, Glukose zugeführt, sondern das Hormon Glukagon, das dann die Ausgabe von Glukose aus der Leber veranlasst. Glukose bekommst du nicht in den erforderlichen Mengen durch das Unterhautfettgewebe ins Blut transportiert.
Die Probleme, die dabei zu lösen sind, werden z.B. in diesem Artikel
https://www.profil.de/blog/bi-hormonale-kuenstliche-bauchspeicheldruesen-systeme
angeführt. Ein zu lösendes Problem ist die Entwicklung von Glukagon-Formulierungen, die über einen längeren Zeitraum und nicht nur für 24 Stunden stabil bleiben. Wenn alle dieses und andere Probleme gelöst werden können, dann bleibt aber immer noch die zeitliche Verzögerung, mit der Insulin und Glukagon vollständig im Blut ankommen. Selbst mit superschnellem Insulin wird dafür so viel Zeit gebraucht, dass eine jederzeit perfekte Einstellung nie möglich sein wird.
Es ist also nicht so, dass dafür alle technischen Möglichkeiten bereits zur Verfügung stehen. Außerdem wird unter den Fachleuten heftig darüber gestritten, ob der viel höhere Aufwand für ein nur leicht verbessertes Ergebnis gerechtfertigt ist.
Bearbeitet von User am 02.09.2020 12:21:11. Grund: . -
am 02.09.2020 13:30:29 | IP (Hash): 974942215
Hallo Rainer,
sorry für die vllt blöde Frage: was soll denn Glukose bzw Glukagon Zufuhr nützen? Ich habe jetzt eher gedacht, es geht darum, dass bedarfsmäßig Insulin ausgeschüttet werden kann?
LG, Ron