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Da bin ich - neu mit Typ-2
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am 09.10.2020 12:49:38 | IP (Hash): 2012107717
Hallo zusammen,
ich wollte mich mal kurz vorstellen, da ich nun auch Mitglied im Club bin.
Andreas, 51, Softwareentwickler
- übergewichtig mit 112kg bei 180cm
- erblich vorbelastet, da beide Elterteile Diabetes Typ-2 hatten
Vorerkrankungen:
- Colitis Ulcerosa (seit dem 20 Lebensjahr, mit monoklonaler Antikörper-Therapie sehr gut im
Griff)
- Bluthochdruck (mit Medikamenten im Durchschnitt bei 130/82)
Bewegung:
- täglich 60min bei moderater Belastung (Puls bei 120)
Lebensstil:
- passionierter Hobbykoch und von allem "zu viel und zu gut"
Durch die Behandlung der Colitis bin ich aller 8 Wochen zur Infusion im Krankenhaus, wo jedes Mal
Blutbild gemacht wird. Sporadisch auch der Zuckerwert. Letzter HbA1c war von Januar 2020 und lag
bei 5,5. Alle Laborwerte in den Jahren zuvor lagen nie über 5,6.
Vor einer Woche war wieder Infusionstag und diesmal haben die Gastroentereologen mich mit
HbA1c von 7 und errechnetem Durchschnittszucker von 8,5 "rausgefischt".
Damit bin ich zu meinen Hausarzt, der nochmals den HbA1c bestimmt hat, diesmal 6,9
Therapie: Ernäherungsumstellung, Gewicht runter, Metformin bginnend mit 500mg einschleichen
Hausarzt meint, aller 12 Wochen HbA1c kontrollieren. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich mein BZ verhält (der Ingenieur braucht Zahlen und Diagramme) habe ich mir ein Contour Next One zugelegt. Meine ersten Messversuche lassen es mir klar den Rücken runterrieseln...
Gestern, nach den 60min körperlicher Belastung gemessen: 5,7. Eine Stunde später, vor dem Abendessen: 7,1. Zwei Stunden nach dem Abendessen 10 und 4 Stunden nach dem Abendessen 9,7. Heute Morgen nüchtern: 8,1 Fühlt sich für mich ernüchternd an.
Um mich jetzt nicht völlig "verrückt zu messen", welchen Mess-Rhythmus würdet ihr mir empfehlen? Die Regeln für eine Ernäherungumstellung sind mir klar. Worauf ich im Büro aber gaaanz schwer verzichten kann ist Kaffee. Ohne Zucken, mit ca. einem Esslöffel fettarmer Milch. Ist der ok???
Besten Dank! -
am 09.10.2020 14:11:02 | IP (Hash): 1176515177
Andreas_SQL schrieb:
Die Regeln für eine Ernäherungumstellung sind mir klar. Worauf ich im Büro aber gaaanz schwer verzichten kann ist Kaffee. Ohne Zucken, mit ca. einem Esslöffel fettarmer Milch. Ist der ok???
Hallo Andreas,
da hat sich doch gleich ein Fehler in deiner Query eingeschlichen. Wieso soll die Milch fettarm sein? Für den BZ-Anstieg ist am wenigsten Fett und auch relativ wenig das Eiweiß verantwortlich. Ab jetzt musst du besonders auf die KH achten, sowohl auf die Menge als auch auf die Qualität. Wenn du die KH reduzierst, kannst du unter Beachtung der Gesamtkalorienzahl Fett und Eiweiß erhöhen. Beispiele für diabetesgeeignete Ernährungen, die auch gleichzeitig das Abnehmen erleichtern, sind LOGI mit moderater und LCHF mit starker KH-Reduzierung.
Eine Hardcore-Anleitung zum BZ messen hast du hier:
https://a7582688-a1e5-4056-88a2-dfd422642832.filesusr.com/ugd/32a606_b02597c39b5c4f6e9b6f2291ca6c9d08.pdf
(Quelle: https://www.bloodsugar101.com/download-the-lower-your-blood-sugar)
Du kannst dich im Prinzip an dieser Anleitung orientieren, wobei du auch gut mit weniger Messungen auskommst. Den Nüchternwert brauchst du nur jede Woche einmal zu messen, mit dem passiert - außer zufälligen Schankungen - nicht viel. Jetzt am Anfang dürfte der Nüchternwert erst mal von Woche zu Woche etwas besser werden. Nach den Mahlzeiten genügt eine Messung. Ob du nach 1 oder nach 2 Stunden messen willst, kannst du dir aussuchen. Den anderen Wert kannst du dir von Zeit zu Zeit stichprobenartig ansehen. Die angegebenen Zielwerte wirst du natürlich erst mal nicht erreichen. Stelle dir machbare Zwischenziele, die du dann nach unten nachjustierst. Mit dem Messen findest du schnell heraus, welche Mahlzeiten gut für deine BZ sind und welche nicht und wie du die Bewegung sinnvoll einbauen kannst. Das du gerne selber kochst, ist dafür ein Riesenvorteil.
Wichtig wäre noch die Info, dass du dir viel Zeit zum Lernen nehmen kannst. Es kommt wirklich nicht auf ein paar Wochen oder Monate an, nur nach hinten musst du dann bis an dein Lebensende durchhalten können. Das klingt schlimm, ist es aber überhaupt nicht, wenn du die für dich passende Strategie findest. Für mich und meinen Diabetes habe ich vor 12 Jahren LCHF entdeckt. Am Anfang war die Umstellung nicht einfach, aber diese Anfangsprobleme haben sich schnell verflüchtigt und jetzt lebe ich sehr gut damit - ein bisschen wie die Made im Speck.
Viel Erfolg, Rainer
____
Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 10.10.2020 10:41:19. Grund: . -
am 09.10.2020 20:27:58 | IP (Hash): 734933497
Hallo Rainer,
herzlichen Dank für deine Ausführungen.
Ja, mein Query-Statement war und ist noch etwas anfällig - alleine durch die Masse an Informationen. Diese muß ich erstmal sinnvoll ordnen und filtern :-)
Einen Weg finden, das habe ich ja schon mit der Colitis gelernt. Vor allem, dass jeder seinen für sich idealen Weg finden muss. Ich bin da auch sehr selbstkritisch, da ich ja weiß, dass der Lebensstil der letzten Zeit nicht ideal war. Viel Streß und diesen durch viel Genuß kompensiert. Die grundlegenden Zusammenhänge im Stoffwechsel kenne ich - jahrelang sehr intensiv Radsport betrieben.
Ich werde mir jetzt erstmal einen sinnvollen "Messplan" erstellen und dann schrittweise die Kohlenhydrate runterfahren und die körperliche Belastung hoch. Werde mich aber primär am Gewichtsverlust orientieren, als an Zacken in der Messkurve pro Tag.
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am 09.10.2020 21:13:40 | IP (Hash): 360149376
Hallo Andreas,
ist denn sicher, dass du wirklich ein Typ2er bist?
Klar du hast Übergewicht, aber durch die Colitis Ulcerosa könntest du halt auch einen langssamen Typ1 (Lada) entwickelt haben, da beides Autoimmunerkrankungen sind. Wurde das mal getestet?
Häufig entwickelt sich ein Diabetes Typ2 erst über Jahre langsam und schleichend. Daher kommt mir Januar alles in Ordnung, jetzt Diabetes etwas schnell vor.
Nimmst du denn neben Remicade momentan auch Kortison?
Wie ist denn die Colitis momentan eingestellt, bist du in vollständiger Remission, oder hattest du gerade einen Entzündungsschub?
Beides kann die BZ-Werte nämlich auch deutlich erhöhen.
Bei der Ernährung musst du darauf achten, was deiner Colitis gut tut und gleichzeitig deinem BZ-Spiegel nicht zu stark ansteigen lassen.
Häufig muss man da individuelle Kompromisse finden. Viel Fett, wenig KH ist für den BZ vllt gut, aber für den Darm nicht unbedingt. Genauso können Ballaststoffe bei Darmerkrankungen kontraproduktiv sein.
Falls du spezielle Fragen hast, kannst du mir gerne auch als PN schreiben, oder hier, wie es dir lieber ist. Habe selbst einen Typ3 Diabetes (ähnlich Typ1), sowie Morbus Crohn, welcher auch mit Remicade behandelt wird. Und mit der Ernährung sowohl darmschonend als auch BZ-passend ist es immer etwas schwierig.
LG -
am 10.10.2020 12:49:00 | IP (Hash): 2112704919
Danke July für die wertvollen Hinweise!
Ich werde das zur nächsten Infusion mit den Gastros besprechen.
Die CU wird mit Entyvio behandelt, kein Kortison. Wäre mir neu, dass Entyvio Diabetes induzieren kann.
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am 10.10.2020 19:54:24 | IP (Hash): 410595450
Okay, Entyvio statt Remicade.
Gut, dass du momentan kein Kortison bekommst. Manche brauchen dies ja leider zusätzlich. Oder manche Praxen geben den Patienten auch vor den Infusionen eine Ampulle Solu-Decortin über den Zugang. Bei stoffwechselgesunden Patienten ja kein größeres Problem, bei uns Diabetikern dann schon.
Eine Info, die jetzt akut nicht wichtig ist, aber solltest du für längerfristig im Hinterkopf behalten. Sollte sich die CU mal verschlimmern, was ich jetzt nicht hoffe, neben den systemischen Kortison wie Prednisolon KANN auch das häufig verwendete lokale Kortison Budensonid den Blutzucker erhöhen. Auch wenn diese Info noch nicht zu allen Gastroenterologen durchgedrungen ist.
Wichtig für den Ausschluss von Typ1 (Lada) wäre der C-Peptid-Wert, dieser zeigt an, wie viel deine Bauchspeicheldrüse noch an Insulin produziert sowie Antikörper-Tests.
Verträgst du denn das Metformin? Das ist ja bei Magen-Darm-Erkrankungen etwas problematisch, weil es auch Durchfall, etc. auslöst.
LG July