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normaler Blutzuckerspiegel nach Mahlzeit?
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Max78
Rang: Gastam 24.08.2008 15:20:38
Hallo,
(hatte fälschlicherweise zunächst in der Kritikecke diese Frage gestellt.)
ich bin meines Wissens kein Diabetiker.
Im Rahmen einer OP Voruntersuchung wurde bei mir ein Blutzuckerspiegel von
BZIS = 155 mg/dl
ermittelt, was laut Laborblatt außerhalb des Normalbereichs liegt.
Allerdings war ich NICHT nüchtern, hatte ca. 30 min vor Blutabnahme ein gut bestrichenes Marmeladebrot (Gesamtzuckergehalt laut Glas 63%) mit Kaffee dazu gefrühstückt.
Ist mein Wert bedenklich oder angesichts des nicht Nüchternseins in Ordnung? Muss ich mir Sorgen machen?
Ich würde mich eigentlich nicht in die Risikogruppe einordnen, da ich weder übergewichtig (73kg bei 183cm) noch ein Bewegungsmuffel(aktiv im Fußballverein) bin.
Herzlichen Dank für hilfreiche Antworten,
Max, 30 Jahre von Max78 -
Rolf
Rang: Gastam 24.08.2008 15:45:10
Hallo Max,
wenn Du sichergehen willst, laß bei Deinem Hausarzt den Blutzuckerlangzweitwert ermitteln ( HbA1c). Dieser sollte einen Wert von nicht höher als 6,5 aufweisen.
Das mit der Marmelade kann schon sein, da zu der Frucht in der Regel ja noch der normale Haushaltszucker kommt, kann der Wert kurzzeitig so hoch getrieben werden.
Grüße
Rolf -
Jürgen
Rang: Gastam 24.08.2008 16:02:38
Moin Max,
stoffwechselgesunde Menschen wachen mit 60-80 mg/dl auf, haben etwa 1 Stunde nach dem Essen von 3 und mehr Scheiben Brot (Mehl=Zucker!) grade mal an die 120 oder kurz darüber, praktisch nie über 140, und sind nach 2 Stunden längst wieder zurück bei um 80.
Dein Wert war eindeutig ungesund hoch. Ob Du schon offiziell zu den Diabetikern zählst, kann der Dok feststellen. Dafür musst Du mehrmals morgens mit mehr als 125 bei ihm in der Praxis gemessen werden oder 2 Stunden nach dem Trinken von 75g Glukose mehr als 200 auf dem Tacho haben.
Diese Werte sind Ende der 70ger Jahre des vorigen Jahrhunderts so definiert und seitdem kaum modifiziert worden. Damals galt die Diagnose Diabetes als Todesurteil mit grauenhafter Verzögerung. Niemand hätte damals diese Entwicklung bei einer früheren Diagnose nennenswert aufhalten oder sogar abwenden können. Dazu kam in den USA, woher die Definition weltweit übernommen wurde, die versicherungstechnische und damit wirtschaftliche und soziale Ausgrenzung der Betroffenen. Deswegen hat man damals da die Definition für die Diagnose so hoch angesetzt, dass schon gut die Hälfte der Betroffenen mit voll ausgebildeten Symptomen voll ausgebildeter Folgekrankheiten rum gelaufen oder eben nicht mehr sind und man den Diabetes eben auch mit bestem Willen nicht mehr übersehen konnte.
Heute gilt völlig anders: je früher Du den beginnenden Defekt Deiner Blutzucker-Automatik gezielt gesund auszugleichen beginnst, desto weniger Aufwand brauchst Du dafür und desto weniger Gelegenheit gibst Du ungesund hohen Blutzucker-Verläufen, Deinen noch jungen Organismus langfristig zu schädigen. Du musst dir also jetzt nicht Sorgen darum machen, unter welchem Namen der Dok ablegt, was er bei Dir findet, sondern Deine gesunde Chance besteht darin, dass Du jetzt weißt, dass Dein BZ zu hoch verlaufen kann, vor allem wohl nach dem Input von Stärke=Zucker und Zucker. Du kannst dich mit diesem Wissen (andere haben's ähnlich und wissen's nicht, weil man ja nix fühlt) jetzt daran machen und Deine vielleicht erst leicht defekte BZ-Automatik gezielt unterstützen. Das geht in der Hauptsache, indem Du Deine Futterportionen nach Art und Menge so zusammen stellst, dass Du 1-2-3 Stunden nach jedem Essen max 140-120-100 abliest, ideal auch noch 20 weniger. Und wo Du dich schon viel bewegst, kannst Du einmal über wenigstens 14 Tage oder so schauen, welchen Unterschied es bei Dir vielleicht macht, wenn Du z.B. direkt nach 2 Scheiben Brot erst eine Stunde ruhiger arbeitest oder wenn Du in der Stunde für besonders viel Bewegung sorgst.
Was Deine Einschätzung einer Risikogruppenzugehörigkeit anbetrifft, so bist Du da einfach Opfer einer absolut schwachsinnigen Veröffentlichkeit, und wenn's Dich tröstet: zu den Opfern zählen auch Ärzte ;-(
Bisdann, Jürgen
@HBA1c: ist kein Diagnose-Wert! Die Diagnose-Werte können längst überschritten sein, wenn der Langzeit-Durchschnittswert HBA1c noch gesunde 5,5 anzeigt! -
Grünkohl
Rang: Gastam 24.08.2008 19:31:07
Zitat: >>Diese Werte sind Ende der 70ger Jahre des vorigen Jahrhunderts so definiert und seitdem kaum modifiziert worden. Damals galt die Diagnose Diabetes als Todesurteil mit grauenhafter Verzögerung. Niemand hätte damals diese Entwicklung bei einer früheren Diagnose nennenswert aufhalten oder sogar abwenden können.<<
So so, heute kann man es? Ich habe seit Anfang
der 60er Jahre des vorigen JH DM und lebe immer
noch - sollte ich mich jetzt langsam um so eine
schwarze Kiste kümmern? Selbst Ted Ryder,
der 1923 der erste mit Insulin Behandelte war,
wurde ohne Spätschäden fast 80. Und es war
nicht der Einzige. Aber es wird auch weiterhin
"Deppen" geben, denen ihr DM egal ist und die
beizeiten ihren Löffel "abgeben" werden.
Übrigens: Wer das Leben als "unnütz" empfindet,
für den wird schon die Geburt als Todesurteil
mit grauenhafter Verzögerung erscheinen.
(Ganz nebenbei noch: Wenn ein Gesunder nach
dem Essen 155 mg/dl misst und man die 15%
Messtoleranz einbezieht....)
Viele Grüsse Grüni von Grünkohl -
Max78
Rang: Gastam 24.08.2008 19:56:02
Vielen Dank für die Antworten.
Also jetzt bin ich schon ziemlich beunruhigt, wenn man eigentlich nie 140 überschreiten sollte.
Ist es denn dabei egal, was man isst? Wie gesagt, hab ordentlich Marmelade gegessen und könnte mir vorstellen, dass beim einem Wurstbrötchen das nicht passiert wäre, oder ist das naiv?
Danke nochmals,
Max von Max78 -
Jürgen
Rang: Gastam 24.08.2008 20:42:15
@ Grüni
Mit Ted Ryder zeigen, wie alt man ohne DM-Schäden mit Diabetes und Insulin werden kann, ist so ähnlich, als wollte man mit unserem Altbundeskanzler den Beweis dafür führen, wie gesund man mit 100 und mehr Zigaretten am Tag über 80 Jahre alt werden kann. Grüni, das sind Ausnahmen, die die Regel bestätigen, und Du weißt das und tust trotzdem so, als wären die normal! Du selbst bist ne glückliche Ausnahme! Recherchier doch einfach mal, wer mit Dir damals mit DM angefangen hat und schau, wie viele davon und von denen längst in Erdmöbeln wohnen, die nach Euch angefangen haben!
Wenn Du 155 nach 1 Scheibe Brot für gesund hältst und für dich auch so nimmst, dann sagt das nur einmal mehr, dass Du eine ausnahmsweise robuste Natur haben musst. Wirklich stoffwechselgesunde Menschen messen nach 1 Scheibe Brot zu keiner Zeit an 100!
@Max
Du musst Dir keine Sorgen machen, sondern jeden Tag von morgens bis abends einen gesunden Blutzucker-Verlauf! Den Rahmen hast Du s.o.
Noch einmal: Nicht die Marmelade treibt den Blutzucker an, sondern das Brot. Alles aus Mehl, Kartoffeln und Reis ist verdauungstechnisch nichts als Zucker! Und der Zucker aus der Marmelade oder der Zucker im Saft oder im Apfel oder anderem Obst kommt da noch dazu.
An Deiner Stelle würde ich erst einmal zum Arzt gehen und einen oralen Glukose Toleranztest machen lassen. Dafür musst Du da nüchtern antreten, 75g Glukose trinken, dich da 2 Stunden nicht aus dem Wartezimmer bewegen (Bewegung verfälsch das Ergebnis) und dann das Ergebnis ablesen lassen. Wenn sich dabei dann raus stellt, dass Du schon zu uns Diabetikern zählst, bekommst Du wenigstens die ersten Teststreifen von der kranken Kasse bezahlt. Also mach einfach hin! von Jürgen -
Max78
Rang: Gastam 24.08.2008 21:02:39
Hallo Jürgen,
danke für deine Informationen, auch wenn sie eher einer Hiobsbotschaft ähneln. Wenn ich Dich richtig verstehe, ist Deine Einschätzung dass dieser Wert unter keinen Umständen für Nichtdiabetiker passieren darf, richtig?
Im Internet sind die Angaben sehr schwankend, bspw unter Wikipedia zum Artikel "Blutzucker" finde ich:
" Beim Menschen betragen die Normalwerte:
* nüchtern: 3,9–5,5 mmol/l, entsprechend 70–99 mg/dl
* nach dem Frühstück: bis maximal 8,9 mmol/l, entsprechend 160 mg/dl "
was das Ganze relativieren würde, da ich mit 155 unter 160 liege, jedoch deiner Einschätzung widerspricht. Gibt es denn online keine verlässlichen Zeitentwicklungskurven für Normalwerte und deren Grenzwerte? Ich blicke da nicht so durch.
von Max78 -
Hajo Janse
Rang: Gastam 24.08.2008 21:25:00
@ Max
mache dich nicht solche grosse Sorgen. Jürgen ist ziemlich fanatisch mit Diabetes Grenze. Eine 155 Messung mit ein handels übliches Gerät und Stäbchen kan so wie so 10% abweichen und somit kann 140 die wirkliche Wert sein.
Und so kurz nach dem essen, sind spitzen Werte die mit eine einmalige Messung festgetellt worden sind nicht Aussagekräftig.
Wenn du dich beruhigen will, wurde ich persönlich 3 mal nach 120 Minuten messen. Die 3 mal in abschnitten von 2 - 3 Tagen.
Es ist auch bekannt dass eine grössere Einverleibung von Zuckers und wenn mann gleichzeitig eine kleine Krankheit hat (zB eine kleine Erkaltung) die BZ etwas höher ist als normal.
Somit gehe die Sache etwas gelassen an.
Hajo Janse -
Jürgen
Rang: Gastam 24.08.2008 21:49:03
Moin Max,
die fachoffiziellen Werte bewegen sich über die Jahre von oben nach unten und folgen damit der Statistik. Die Medizin gibt einen "Gesundwert" vor, wie etwa die 160, die Du gefunden hast, und wenn dann in 5 Jahren (die Zeitspanne wird in der Medizin traditionell gerne genommen) zu viele entsprechend behandelte/eingestufte Patienten diabetische Schäden erlitten haben, werden für die nächsten 5 Jahre halt 150 als gesund definiert. Die Leute, die's festsetzen, haben Zeit, denn das sind meistens keine Betroffenen.
Den BZ messen, wie wir das heute tun, geht erst seit etwa Mitte der 80ger Jahre. Bis dahin galt jeder BZ den Tag über als ok, so lange keine schwere Unterzuckerung und auf der anderen Seite keine Ketoazidose eintrat und dabei der Nüchternzucker morgens im therapeutisch vorgegebenen Rahmen gefunden wurde.
Seit etwa 2 Jahren gilt von der International Diabetes Foundation (IDF) gesegnet als 2 Stunden Obergrenze nach dem Essen 140 mg/dl.
Die 2 Stunden findest Du bei Diabetes häufiger. Sie gehen auf die Zeit vor den Messgeräten ähnlich unseren heute zurück. Damals gab es für die Betroffenen und für die normalen Arztpraxen nur den Pipitest. Und dabei ist auch heute noch so: Glukose, die die Kapazität der Nieren überschreitet, findet man etwa 2 Stunden nach dem Input im Urin. Also musste man beim oralen Glukosetoleranztest vor der Zeit der Messgeräte immer 2 Stunden warten und konnte dann sehen, dass etwa 160-180 (Kapazitätsgrenze der Nieren) mehr oder weniger überschritten waren, oder halt nicht. Über Werte darunter und über den tatsächlichen Blutzucker-Verlauf bis dahin oder auch den Stand konkret zu der 2-Stunden-Zeit gab der Pipitest keine Auskunft. Aber er begründete halt die magischen 2 Stunden.
Gesunde Verläufe findest Du einige typische in diesem Link http://www.phlaunt.com/diabetes/16422495.php . Dabei wird von fortschrittlichen Diabetologen und erst recht Kardiologen heute niemand mehr als gesund gesehen, der seinen Tag mit Werten über 90 beginnt.
Bisdann, Jürgen -
Max78
Rang: Gastam 24.08.2008 22:03:19
Hallo Hajo,
danke für deine positivere Sichtweise. In der Tat hatte ich eine abklingende Bronchitis an diesem Tag, aber an keine Zusammenhänge gedacht.
Ich habe gelesen, dass man oft abnimmt und auch viel Durst und Harndrang verspürt.
Nun, mein Gewicht habe ich schon seit 10 Jahren und trinke auch nicht signifikant mehr als schon immer.
Hallo Jürgen,
danke nochmals für die informativen Beiträge. Ich hab den Eindruck, zehn Experten, zehn Einschätzungen. Da ich am Dienstag meine OP habe, werd ich die Ärzte mal drauf ansprechen. Mein Hausarzt meinte bei diesem Wert, dass dies lediglich auf das Nichtnüchtern sein zurückzuführen sei.
Nun als sensibler, perfektionistischer Mensch steiger ich mich da natürlich jetzt ungewollt rein und mache damit auch Euch hier alle unnötigt verrückt, bzw. heule hier rum.
Grüße,
Max von Max78