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    Mitglied seit: 24.09.2021
    am 24.09.2021 16:16:29 | IP (Hash): 1832886569
    Hallo liebes Forum,

    ich bin noch ziemlich neu mit Diabetes 1 unterwegs und habe eine Frage zum SEA bzw. zum ESA.

    Leider kann man hier kein Bild hinterlassen, deshalb erkläre ich es so:
    Heute habe ich mit einem BZ von 130 8,0 KE Vollkornbrot mit sehr niedrigem GI gegessen und erst 6 Minuten nach dem Essen (also mit einem ESA) 5 Einheiten Lispro Insulin per Pen mit meinem Faktor 0,6 gespritzt. Der maximale Peak lag nach 45 min. Bei 140, danach ging es rapide bergab auf 90, um danach wieder ohne zusätzliche KE auf 140 bis 160 zu steigen.

    Ja, diese Werte sind traumhaft, ich hatte dasselbe Ereignis aber auch von 170 auf bis runter in den Unterzuckerbereich und ich verstehe einfach nicht, wie ich es richtig anstellen soll.

    Nun meine Fragen, falls die so ferndiagnostisch beantwortbar sind:
    Ist der Ess Spritz Abstand noch zu kurz?
    Ist der Ess Spritz Abstand zu lang oder gar Unsinn (ich lese immer nur von Spritz Ess Abstand)?
    Oder nehme ich zu viel Insulin und wenn ja, wie gehe ich dann mit dem Peak nach oben nach 3-4h um?

    Danke für Eure Zeit und viele Grüße
    U73
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    am 24.09.2021 16:48:29 | IP (Hash): 819782479
    Hallo,

    Ich würde an deiner Stelle als erstes mit schnellen Kohlenhydraten dein Faktor austesten, ich persönlich verwende hierfür Knäckebrot mit Frischkäse. Die Menge passt, wenn du nach 3-4 Std. wieder am Zielwert bist. Nur um sicherzugehen, dass deine Menge an sich passt. Aber ich denke, das Problem liegt wo anders.

    Ich persönlich habe nämlich die Erfahrung bei Nudeln und allen Gerichten mit etwas mehr Fett gemacht, dass ich nicht sofort die ganze Dosis abgeben darf. Sonst passiert genau das Phänomen, was du beschreibst, nach dem Essen erst Unterzuckerung und nach 3-4 Std. hohe Werte. Mit Pumpe kann man dafür einen dualen Bolus geben. Manchmal mache ich es auch mit zwei Bolusgaben, die Hälfte sofort, die zweite Hälfte nach 2-2,5 Std. Das wäre auch mit ICT machbar.

    Ich persönlich brauche bis auf wenige Ausnahmen immer einen SEA, bei langsamen KH lasse ich ihn manchmal weg. Einen negativen SEA (oder ESA) verwende ich tatsächlich nur bei 2-3 Lebensmittel, die ich sehr sehr selten esse. Hilfreich ist am Anfang sich mit aufzuschreiben, was man gegessen hat. So erkennt man besser Muster.

    Übrigens wenn mir der SEA nicht gefällt, dann ändere ich ihn vorsichtig in 5min Schritten. Also nicht zu schnell, sondern lieber schrittweise.

    Es dauert ein wenig, aber nach einiger Zeit wirst du wissen, wie i.d.R. dein Blutzucker reagiert. Ausnahmen kommen natürlich immer mal wieder vor.
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    am 24.09.2021 19:15:54 | IP (Hash): 1832886569
    Hallo July95,

    vielen Dank für die schnelle Antwort!

    Das mit dem Fett ist eine „heisse Spur“, ich ess gern viele leckere FPE‘s auf meinen Stullen. Seit Wochen esse ich dasselbe und protokolliere akribisch jede Mahlzeit, um zu checken, was in mir abgeht. Oft passt es ja auch, aber eben auch oft gar nicht.

    Auch die Idee, mal die schnellen KH zu testen, werde ich umsetzen.

    Lieben Dank für Deine Unterstützung!
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    am 24.09.2021 20:15:53 | IP (Hash): 247139805
    Auch geübte INSULINER vergessen häufig die mögliche Wirkung von Bewegung (nicht nur Sport, sondern praktisch alles, was den Kreislauf für 10 und mehr Minuten beschleunigt) während der Wirkzeit des Bolus. Deswegen kann beim Protokollieren lohnen zu vermerken, ob man direkt im Anschluss an eine Essensportion ne Stunde vorm Moni gesessen hat oder Einkaufen gegangen ist.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 24.09.2021 20:47:31 | IP (Hash): 1832886569
    Hallo Jürgen,
    danke für die Antwort, das war eines meiner ersten Erfahrungen. 4 Treppen runter und wieder rauf und dazwischen 5 Minuten laufen hat innerhalb der ersten 2h nach dem Essen den BZ um 50mg/dl runter gedrückt. Auch duschen hat einen deutlichen Effekt. Mir ist noch nicht so ganz klar, wie ich damit ein Alltagsleben hin bekommen kann. Kann ja nicht den Rest meines Lebens nach dem Essen nichts tun. Aber das finde ich sicher raus und Millionen anderer bekommen das ja auch auf die Reihe…
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    am 24.09.2021 21:02:17 | IP (Hash): 247139805
    "einfache Sache": Wenn ich Bewegen vor allem in der ersten Stunde der Boluswirkzeit vorhab, spritze ich von vornherein nur die Hälfte (ist MEIN Maß). Muss halt nachspritzen, wenn ich dann entgegen der Planung hier am Moni sitzen bleibe.
    Wenn ich hier sitzen bleiben geplant und den vollen Bolus gespritzt hab und dann aber stattdessen ausrolle, muss ich den dafür zu großen Bolus halt mit sogenannten "Sport-BEs" aufessen.

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
    Bearbeitet von User am 24.09.2021 21:03:04. Grund: Ergänzung
     1 Benutzer dankte für diesen Nützlichen Beitrag.
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    am 24.09.2021 21:20:01 | IP (Hash): 1832886569
    Danke, das baut mich gerade auf. Kurz und praktisch. Vielen Dank!
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    am 26.09.2021 17:25:51 | IP (Hash): 1815201144
    U73 schrieb:
    Hallo Jürgen,
    danke für die Antwort, das war eines meiner ersten Erfahrungen. 4 Treppen runter und wieder rauf und dazwischen 5 Minuten laufen hat innerhalb der ersten 2h nach dem Essen den BZ um 50mg/dl runter gedrückt. Auch duschen hat einen deutlichen Effekt. Mir ist noch nicht so ganz klar, wie ich damit ein Alltagsleben hin bekommen kann. Kann ja nicht den Rest meines Lebens nach dem Essen nichts tun. Aber das finde ich sicher raus und Millionen anderer bekommen das ja auch auf die Reihe…



    Die Diabeteseinstellung ist ziemlich Arbeit am Anfang, bis man verstanden hat, was wie reagiert. Ich persönlich hatte meine Pumpeneinstellung in Bad Mergentheim ohne groß Bewegung und bei jedem Spaziergang etc. musste man planen. Da habe ich mir auch gedacht, wie soll das im Alltag sein.

    Ich habe dann von meiner Diabetesberaterin eine Tabelle zwecks Sportanpassung bekommen, kann man auch selbst machen. Da musste ich dann eintragen, wann genau ich Bewegung hatte, welche Bewegung und Intensität und Dauer der Bewegunh. Mit oder ohne aktiven Bolus, Blutzucker vor und nach der Bewegung. Sowie Maßnahmen vor/nach der Bewegung. Sowie Auffälligkeiten wie Hypo-KEs und BZ Werte während der Bewegung.

    Das ist erstmal Arbeit, aber damit habe ich dann schnell rausgefunden, wie ich bei alltäglicher Bewegung reagiere. So brauche ich ohne aktives Bolusinsulin nix beachten bei leichter Bewegung (Hausarbeit, Spaziergang, Radtour). Mit aktiven Insulin brauche ich 1,5 KE pro 30min leichte Bewegung. Weiß ich es vorher, kann ich beim Bolus einfach 1,5 KE "frei" essen ohne dafür zu spritzen, ansonsten esse ich vor der Bewegung halt 1,5 langsame Sport-KE.

    Bei mir hat mal Kleiderschrank aussortieren/probieren mich in eine stärkere Hypo nach dem Abendessen gebracht. Sowas habe ich total unterschätzt, das ist allerdings auch Bewegung ;)
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    am 26.09.2021 21:17:32 | IP (Hash): 568834681
    Bewegung bewirkt eine Beschleunigung des Kreislaufs um bis zum Faktor 5 bei großer sportlicher Anstrengung. Aber um den Faktor 2 geht schon ohne mehr oder mit nur leicht mehr als Ruhepuls "einfach" mit ner Vergrößerung des Pumpvolumens pro Herzschlag. Und sone Beschleunigung um bis zum Faktor 2 bewirkt, dass das Insulin während seiner 5 Minuten Hauptwirkzeit im Blut (Halbwertzeit vom aktiven Insulinmolekül im Blut knapp 5 Minuten) die doppelte Menge an Zielzellen erreichen kann. - Hey und sich von Klamotten trennen, weil kein Platz mehr für neue, ist doch wohl Stress pur, oder?

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
    Bearbeitet von User am 26.09.2021 21:19:04. Grund: Korrektur