Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.

Unsicherheit bei Einordnung von Blutzuckerwerten

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 2
    Mitglied seit: 11.10.2021
    am 11.10.2021 16:32:27 | IP (Hash): 63809520
    Hallo,

    dies ist mein erster Beitrag hier und ich würde mich freuen, wenn ich bzgl. einer Fragestellung von eurem Wissen profitieren könnte, die mich jetzt schon eine Weile uMTReibt. Ich bin absoluter Neuling auf dem Gebiet Prädiabetes / Diabetes und bei einigen Erkenntnissen weiß ich nicht, wie ich diese richtig einordnen soll. Deshalb vielen Dank schon mal für eure Hilfe!

    Vielleicht kurz zu meinem Hintergrund: Ich habe keinen diagnostizierten Diabetes, aber bei mir wurde vor einiger Zeit PCOS festgestellt und von meiner Frauenärztin wurde mir wegen der häufigen Vergesellschaftung mit einer Insulinresistenz geraten, einen oGTT durchführen zu lassen, da ich nach dem Essen von kohlenhydratreichen Speisen Symptome wie starkes Herzklopfen und gerötete Wangen bekomme. Der Termin für den oGTT ist Ende November. Der spontan gemessene Nüchternwert in der Praxis meiner Frauenärztin mit einem Handmessgerät war in Ordnung und lag bei 88 mg/dL. Sie hat mir außerdem geraten, zu Hause hin und wieder (alle paar Monate) meinen Blutzucker zu kontrollieren. Für diesen Zweck habe ich mir den ACCU-CHEK Instant besorgt und nun die erste 'Messreihe' durchgeführt.

    Ich fand das ganz spannend, den Körper dadurch kennzulernen und wie man selbst so funktioniert. Die Werte waren in meinen Augen alle in Ordnung, nüchtern liege ich meist zwischen 85-95 mg/dL. Zwei Stunden nach dem Essen war der höchste von mir festgestellte Messwert nicht über 115 mg/dL.
    Was mir allerdings aufgefallen war: Nachdem ich einen Abend gegen 21 Uhr eine Pizza gegessen, ein paar Stunden später ins Bett gegangen und ca. 15 Stunden später (also am nächsten Tag gegen Mittag, immer noch nüchtern, ich mache Intervallfasten) erneut gemessen habe, lag der Nüchternwert bei 105. Man soll ja eigentlich nicht über 100 kommen, daher weiß ich nicht, wie ich mit diesem Ergebnis nach 15 Stunden ohne Nahrung umgehen soll. Außerdem ist mein Blutzucker zwar auch nach zuckerhaltigem Essen 2 Stunden später ok (wie gesagt, nie über 115), aber ich brauche relativ lange, um wieder unter die 100er-Marke zu gelangen - i.d.R. schafft mein Körper das erst nach 5-6 Stunden mit Bewegung (Spaziergang etc.).

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir aus eurer Erfahrung heraus eine Einschätzung und Erklärung dazu geben könntet, wie ich die 'Pizzaentgleisung' und das in meinen Augen sehr langsame Absinken einordnen kann - meine Frauenärztin gab nicht mehr als ein "das ist halt manchmal so" von sich. Wahrscheinlich mache ich mir auch umsonst Sorgen, aber die Vorstellung, aufgrund des PCOS irgendwann eine Insulinresistenz entwickeln zu können, lässt mich dann doch nicht ganz kalt.
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 167
    Mitglied seit: 23.05.2020
    am 11.10.2021 21:17:06 | IP (Hash): 1398987493
    Mit den Werten bist du kerngesund bzgl. Blutzucker
  • Rang: Erweitertes Mitglied
    Punkte: 0
    Beiträge: 791
    Mitglied seit: 11.02.2019
    am 11.10.2021 21:21:33 | IP (Hash): 1121801260
    Hat dir deine Frauenärztin auch erzählt, dass Blutzuckermessgeräte bestimmte Toleranzen haben können. Es müssen nämlich nur 95% der Werte im Bereich von +-15% liegen ab Werten über 100mg/dl. Bei Werten unter 100mg/dl liegt die erlaubte Differenz bei +-15mg/dl.
    Das heißt ob du jetzt 95mg/dl oder 105mg/dl misst, darin besteht keinerlei Unterschied. Ist dein wirklicher Blutzucker bspw. 100mg/dl sind alle Blutzuckermessungen per Messgerät zwischen 85 und 115mg/dl theoretisch okay.

    Außerdem zeigt das Messgerät auch nur eine Momentaufnahme an, 5 min früher oder später kannst du vielleicht bei 90 sein oder 110. Alles okay.

    Wichtig ist, Diabetes ist keine Krankheit, wo es heißt, bis 100mg/dl nüchtern ist man definitiv gesund und ab 101mg/dl ist man definitiv krank. Nein, es geht hier um die Störung der Blutzuckerregulierung, diese kann schon auftreten, wenn der Nüchtern-Blutzucker noch in Ordnung ist. Meist steigen zu allererst die Spitzen nach den Mahlzeiten an, dann folgen Nüchternwert und HbA1C, das ganze geht in der Regel über viele Jahre und geschieht nicht plötzlich bei Typ2 Diabetes. Ohne Behandlung verstärkt sich die Störung der Blutzuckerregulierung immer mehr, bis man irgendwann alle Werte deutlich in den Diagnose-Kriterien messen kann.

    Wenn du blutig misst, dann geht es darum, wo sich die Werte normalerweise aufhalten. Einzelne Ausreißer brauchen dich nicht verunsichern. Insgesamt halte ich ehrlicherweise wenig von deiner Selbstmessung, du verunsicherst dich nur, weil du die Werte nicht gut bewerten kannst. Du weißt von deinem PCOS, du machst jetzt einen OGTT um zu schauen, wie der momentane Stand ist. Zudem wäre alle 2-3 Jahre vielleicht eine zusätzliche HbA1C Messung sinnvoll um zu schauen, ob sich der HbA1C grundsätzlich verschlechtert.

    Ob jetzt irgendwann Diabetes oder nicht, du kannst sehr viel selbst tun, um eine Risiko der Diabetes-Erkrankung wie auch später eine ggf. mögliche Verschlechterung zu verbessern. Die Tricks sind einfach: gesunde Ernährung, dabei bewusst auf Menge und Qualität der Kohlenhydrate achten, mehr Bewegung und bei Übergewicht, eine Gewichtsabnahme anstreben. Diese Maßnahmen schaden auf keinen Fall, egal ob es zu einer möglichen Diabetesentwicklung kommt oder nicht. Zudem schützen sie auch vor anderen Krankheiten.

  • Rang: Anfänger
    Punkte: 0
    Beiträge: 2
    Mitglied seit: 11.10.2021
    am 12.10.2021 00:09:11 | IP (Hash): 63809520
    July95 schrieb:
    Hat dir deine Frauenärztin auch erzählt, dass Blutzuckermessgeräte bestimmte Toleranzen haben können...



    Erst mal vielen Dank für deine ausführliche Antwort, die hat mir meine Ergebnisse in ein realistischeres Licht gerückt! Von Messtoleranzen hatte meine Ärztin mir nichts gesagt (und vermutlich liegt so eine Pizza in der Nacht auch schwer im Magen).

    Deinen Tipp zum Blutwert und Lebensstil werde ich aufgreifen und jetzt erst mal in aller Ruhe den Test im November abwarten. Das Selbstmessen lasse ich dann für meinen Seelenfrieden lieber bleiben. Danke noch mal!