Willkommen Gast! Um alle Funktionen zu aktivieren musst Du Dich Anmelden oder Registrieren.
Insulineinstellung - Frage falscher Hypo
-
am 08.12.2021 10:13:47 | IP (Hash): 346895086
Hallo liebe Kollegen :)
Ich befinde mich derzeit längerfristig in Einstellung, da mein BZ-Spiegel sehr stark schwankend ist. Der HBA1c ist in den letzten 2 Messungen unverändert bei 7,4 stehen geblieben.
Kurzer Abriß zur Geschichte.. Feststellung Typ2 ohne Übergewicht im Jahr 2016 mit Metformin behandelt, bin ich Ende 2017 mit Sport und Ernährungsumstellung in die Revision. Metformin konnte bis Mitte 2020 weggelassen werden. Ab dort erneute Entgleisung in zu hohe Bereiche. Erneut Metformin, was jedoch keinerlei Wirkung zeigte und zu dem zu dauerhaftem Durchfall bis hin Erbrechen führte. Ab zum Diabetologen, der Metformin erst mal wieder absetzte mit guter Besserung der Magen-Darm-Geschichte. Nach 2 - 3 Monaten und mehreren Langzeitmessungen gabs Basal-Insulin vor dem Abendessen nach gemessenen BZ-Wert ab 4 Einheiten aufwärts (Actrapid). Zur Nacht dann Lantus 10 Einheiten.
Damit hatte ich keinerlei Probleme. Aber die BZ-Werte waren lediglich morgens nüchtern noch akzeptabel bei ca. 120 - 140 (mg/dl). Nach dem Frühstück bin ich regelmäßig weiterhin über die Nierenschwelle gekommen, zum Mittag je nach Tagesform (Streß, 2. Frühstück oder Entfall des 2. Frühstücks) lag ich vor dem Mittag meistens bei 150 - 200 und Abends vor dem Abendessen je nach Sport oder Dauerbürohocking bei 120 - 280.
Nach ca. 4 Monaten passte der HbA1c meiner Ärztin (und mir) immer noch nicht, der lediglich am Anfang von 7,5 auf 7,4 gefallen war, die zweite Messung danach dann immer noch 7,4. Also wieder beim Diabetologen. Es erfolgten wieder Langzeitmessungen. Nach einer Woche waren die Werte zu unschlüssig, da wieder stark schwankend, bekam ich einen Sensor (FreeStyle) zur genaueren Analyse. Gestern hatte ich einen neuen Termin.
Zum Frühstück nun nach BZ-Wert ab 2 Einheiten, zum Mittag nach gemessenen Wert ab 2 Einheiten und Abends nach gemessenen Wert ab 4 Einheiten und Lantus 12 Einheiten zur Nacht.
Durch Chaos am Abend kams zum Abendessen zu Chaos viel zu spät und viel zu wenig. Aber Insulin nach gemessenen Wert 5 Einheiten vor dem Essen.
Zur Nacht lag ich schon ungewöhnlich niedrig bei 160 (war in der Langzeitmessung im Durchschnitt meistens 200) Dieses mal aber 12 Einheiten Lantus, statt 10.
Heute früh hats mich 45 Minuten vor dem Wecker aus dem Bett geholt. Mir war einfach nur komisch.. Fühlte mich schwach, Schüttelfrost und die Wahrnehmung wie durch Watte, fühlte mich aber sonst nicht wirklich 'krank'. Kam aber nicht sofort drauf, dass das mit dem BZ zusammenhängen könnte. So also erst eine Stunde später gemessen genau vor dem Frühstück. Da lag der Wert bei 101. In der Langzeitmessung vorher im Durchschnitt bei 160.
101 ist ja nun nicht SEHR niedrig und auch nicht lebensbedrohlich. Insulin hab ich vor dem Frühstück weggelassen, da das erst ab 120 zum Einsatz kommt.
Der BZ-Wert ist jetzt, 1,5 h nach dem Essen bei 180. Die Schwäche und der Schüttelfrost sind weg, aber das dumpfe Gefühl wie durch Watte bleibt im Kopf und ich habe null Konzentration.. Ich versuche noch zu arbeiten (zum Glück von zu Hause aus - Auto wäre ich nicht gefahren), aber irgendwie klappt es nicht.
So ein ähnliches Gefühl hatte ich 2016 ab und zu mal, wo sich die BZ-Werte mit dem Metformin normalisierten, aber da waren die Ausgangswerte auch um einiges höher. Und ich hatte dies nicht so lange (oder eher mitbekommen), weil es nie Nachts passiert ist. Nach ein wenig Traubenzucker waren die anfänglichen 'Schwächegefühle' immer weg.
Könnte das heute auch ein falscher Hypo sein, obwohl der Unterschied 160 zu 100 nicht so riesig ist? Und dauert das wattige Gefühl im Kopf trotz nun wieder zu hoher Zuckerwerte so lange an oder andere 'Krankheit'?
Viele Grüße
Laurana..
Bearbeitet von User am 08.12.2021 10:14:59. Grund: . -
am 08.12.2021 11:15:12 | IP (Hash): 1579799647
Laurana schrieb:
Zur Nacht lag ich schon ungewöhnlich niedrig bei 160 (war in der Langzeitmessung im Durchschnitt meistens 200) Dieses mal aber 12 Einheiten Lantus, statt 10.
Heute früh hats mich 45 Minuten vor dem Wecker aus dem Bett geholt. Mir war einfach nur komisch.. Fühlte mich schwach, Schüttelfrost und die Wahrnehmung wie durch Watte, fühlte mich aber sonst nicht wirklich 'krank'. Kam aber nicht sofort drauf, dass das mit dem BZ zusammenhängen könnte. So also erst eine Stunde später gemessen genau vor dem Frühstück. Da lag der Wert bei 101.
Hallo Laurana,
bei so etwas musst du sofort messen. Wenn die Leber den niedrigen BZ korrigiert, dann geht das ziemlich schnell, während das dumme Gefühl noch eine ganze Weile bestehen bleibt. Wahrscheinlich war dein BZ noch ein bisschen weiter unten. Wenn er z.B. bei 80 oder 70 gelandet war, dann ist das noch lange keine gefährliche Hypo, hätte aber bei deinen ansonsten hohen BZ-Werten für die Hypo-Gefühle voll ausgereicht.
Ich würde an deiner Stelle, wenn du das Lantus erhöhen willst, erst mal etliche Zeit auf 11 IE und dann später erst auf 12 IE erhöhen. Wenn du den BZ bei solchen Ereignissen sofort misst, wirst du ja sehen, ob du überhaupt erhöhen kannst oder nicht.
Alles Gute, Rainer
____
Gegebene Vorschläge und Einschätzungen sind ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und können in keinem Fall professionelle Beratung oder die Behandlung durch einen Arzt ersetzen.
Bearbeitet von User am 08.12.2021 11:16:15. Grund: BBCodes -
am 08.12.2021 12:54:08 | IP (Hash): 1557485552
Hallo Laurana,
du spritzt momentan nur nach Plan dein Bolusinsulin Actrapid. Das Bolusinsulin ist dabei sowohl für die Korrektur des Blutzuckers als auch für die Abdeckung der Mahlzeit zuständig. Die Menge an Insulin orientiert sich bei dir ausschließlich am gemessenen Blutzucker, also variiert nur das Korrekturinsulin. Die Menge an Insulin, was du für die Abdeckung deiner Mahlzeit zusätzlich benötigst, bleibt allerdings gleich. Das heißt, du musst dort immer die gleiche Menge Kohlenhydrate essen, damit es funktioniert. Isst du jetzt nur die Hälfte, spritzt aber deine normale Menge an Insulin laut Plan, hast du zwar das passende Insulin für die Blutzuckerkorrektur, aber zu viel für deine Mahlzeit und der Blutzucker geht dadurch deutlich runter.
Um dieses Problem in der Griff zu bekommen, gibt es zwei Möglichkeiten.
Du spritzt weiter nach Plan und musst deine Mahlzeiten an dem gespritzten Insulin anpassen, also immer die gleiche Menge an Kohlenhydraten jeden Tag essen. Also nicht mal bspw. 1 Vollkornbrot, mal 1/2, mal 2.
Andere Möglichkeit, du lernst wie du dein Insulin entsprechend deinem Essen dosieren musst wie es auch viele Typ1er machen. Hierbei musst du insg. quasi drei Rechnungen machen.
1. musst du die Kohlenhydrate in deinem Essen berechnen, wie viele KE/BE du isst und dann mit dem sogenannten BE-Faktor multiplizieren. Die Anfangafaktoren je nach Tageszeit könntest du von deinem Diabetologen bekommen. Das Insulin, was du somit ausrechnest, ist dein Mahlzeiteninsulin
2. Sollte der Blutzucker vor dem Essen zu hoch sein, dann musst du entweder wie jetzt nach Tabelle oder es gibt auch eine einfache Formel zusätzlich je nach Blutzuckerwert noch Insulin als Korrekturinsulin spritzen.
3. Um zu ermitteln, wie viel du jetzt insg. spritzen musst, rechnest du Mahlzeiteninsulin aus 1. und ggf. zusätzliches Korrekturinsulin aus 2. zusammen und hast deine Gesamtinsulinmenge, was du dir jetzt spritzt. -
am 08.12.2021 13:29:05 | IP (Hash): 571606910
Und noch ein bisschen mehr Verwirrung:
https://static.wixstatic.com/media/32a606_6e1145fd5a2b4a49a89c381f48a68623~mv2.jpg/v1/fill/w_812,h_543,al_c,lg_1,q_85/NormalBGGraphs.webp
Hier hast Du mal ne durchschnittlich gesunde BZ-Kurve von vor zu nach dem Essen. Die parallelen Kurven drunter und drüber sind der mögliche Spielraum.
Mit Diabetes verläuft das Ganze halt je nach Behandlung mehr oder weniger viel höher mit mehr oder weniger sehr viel höheren und breiteren Spitzen.
Du siehst, der BZ hält sich im normalen Tagesablauf bei niemandem über mehr als 3-4 Stunden im selben Bereich auf, allenfalls über Nacht.
Und den größten steuernden Einfluss haben wir mit dem Insulin, das wir zum Essen spritzen. Die jeweilige Insulinmenge hat zum jeweiligen Essen gepasst, wenn nach dem Auslauf der Wirkung nach 3-5 Stunden wieder etwa der BZ wie vor dem Essen erreicht wird. Weil das bei jedem Menschen mit Diabetes anders ist, kann halt nur jeder Mensch für sich rausfinden, was bei ihm zu welcher Tageszeit (kann für’s gleiche Essen morgens-mittags-abends deutlich verschieden sein) am besten passt. Der Durchschnittswert ist dabei eher keine Hilfe.
Insulin wie Actrapid hab ich morgens zum Frühstück für 1 Scheibe Brot gespritzt, die dann auch zubereitet und mich davor gesetzt und dann mit dem Essen gewartet, bis der BZ deutlich zu sinken begann. Das war zum Frühstück 2 Stunden nach dem Spritzen und zum Mittag und Abendessen je 1 Stunde. Mit Analoginsulinen wie Novorapid brauche ich die Hälfte der Zeiten.
Also erstmal munteres systematisches Herausfinden, was bei Dir wann am Tag passt? Daumendrück!
----------------------------------------------
Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert. -
am 08.12.2021 14:39:48 | IP (Hash): 346895086
Genau darauf hab ich meinen Arzt angesprochen, dass ich den Plan recht starr finde und ich auch lieber nach dem von Dir beschriebenen Modell vorgehen würde, was die Mahlzeiten-KH berücksichtigt. Ich kenne dies von meinem Onkel, der Typ 1 hat. Mein Vater (auch Typ 1) sprizt nach einem festen Schema immer die selben Einheiten, was mir aber noch mehr zu blöd ist.. Ich kann an einem Büffet schlecht Nein zu Kartoffelsalat sagen und nur zur Bockwurst mit halber Schnitte greifen wie er.. :D
Wo ihn das hingebracht hat, sehe ich jetzt.. im Alter von 77 Jahren auf Grund von Mangelernährung jetzt zwei mal im KH gelandet und alle diabetischen Begleiterkrankungen, grauer Star, Niereninsuffizienz, Grad 3, so dass eine Blutarmut vorliegt und er auf Sauerstoff angewiesen ist, diabetisches Fußsyndrom, 2 Schlaganfälle.. Was aber nicht verwunderlich ist, da er vom 40. Lebensjahr an auf Typ 2 behandelt wurde, einen Ernährungplan bekam und Tabletten mit massig Nebenwirkungen aber ohne Wirkung, so dass er mit 45 die Schnauze voll hatte und keinen Arzt mehr aufgesucht hat. Mit 60 ist er dann mit Schlaganfall im KH gelandet und da wurde dann Typ 1 diagnostiziert.
Mein Arzt meinte aber, es ist egal, nach welchem Modell ich spritze, da Beides auf das Gleiche rauskommen soll. Wo er mir das erklärte klang das auch logisch, weil bei mir die Lage mit Typ2 anders aussieht, als bei Typ 1. Mein Kadaver produziert vermutlich noch genügend Eigeninsulin, nur sind meine Zellen mal mehr, mal weniger resistent dagegen. Und damit ist die Einstellung, laut Arzt, für mich um so schwieriger, weil Unterzuckerungen so wesentlich häufiger auftreten können.
Nach dem heutigen Tag, hab ich auch schon die Nase voll. Bis zum Mittag das Wattegefühl und teilweise wie betrunken noch und nun hab ich Kater.. zumindest werden die Kopfschmerzen immer stärker.
Mit meinem Arzt hab ich telefoniert. Vom Lantus soll ich nun besser wieder 10 Einheiten nehmen, wie vorher auch.
Viele Grüße
Laurana -
am 08.12.2021 15:11:38 | IP (Hash): 1988590572
Bei der Familiengeschichte sollte unbedingt auf Typ1 (Lada) getestet werden. Sowohl Antikörper als auch C-Peptid sollten überprüft werden. Außer das hat Der Diabetologe schon gemacht.
Dein Vater hatte sicher auch Typ1 Lada statt einem klassischen Typ1, nach dem beschriebenen Verlauf.
Ich habe selbst auch eine Diabetesform, die einem Typ1 Lada ähnelt. Dort produiert die BSD zwar noch Insulin, aber zu wenig. Man kann dort auch nicht wirklich vorhersagen, wie viel sie genau dazuproduziert. Bei vielen wirkt aber die zusätzliche Entlastung durch Insulin stabilisierend auf den Blutzucker.
Wenn du selbst dein Bolusinsulin anpassen würdest, wäre das eine ICT. Und dann könntest du auch dauerhaft einen FreeStyle Libre inkl. Alarmfunktion von deinem Arzt verordnet bekommen. So wie es klingt, hattest du nur einen Sensor, oder? Weil dauerhaft getragen, lernst du viel mehr über die Zusammenhänge von Lebensmittel, Insulin, Bewegung, etc. als wenn du nur einige punktuelle Messungen hast. -
am 08.12.2021 16:07:25 | IP (Hash): 346895086
Ich kann es nicht sagen, ob Der Diabetologe das schon gemacht hat. Typ 2 wurde damals bei der Diagnose festgesetzt ohne zusätzliche Bluttests. War ein schon sehr viel älterer Allgemeinmediziner, der nur den hohen HBA1c gesehen hatte und den hohen Nüchternblutwert und so ein riesen Wind gemacht hat, wenn das unbehandelt bliebe.. Mich sofort auf Diät gesetzt hat und Metformin und ich sollte nicht mehr als 10 Broteinheiten am Tag zu mir nehmen...
Da ich damit herzlich wenig anfangen konnte, hab ich den Diabetologen von mir aus aufgesucht.
Dieser hatte da noch kein Blut abgenommen, mich nur auf Metformin richtig eingestellt. Im letzten Jahr im Sommer hat er dann einmal Blut abgenommen für eine genetische Untersuchung auf andere Untertypen von Typ 3, da es ihm auch aufgefallen war, dass das sehr häufig bei uns vorkommt. Und das war auch eher im Hinblick auf meine Kinder, da meine eine Tochter jetzt schon im Ogtt grenzwertig abschneidet mit Werten von über 150 mit gerade mal 18 Jahren. Aber die genetische Untersuchung hat keine Anhaltspunkte gebracht.
Ob dort auch Typ 1 Lada untersucht wurde, wurde nicht besprochen, aber ich gehe davon aus.
FreeStyle Libre hab ich jetzt schon ein Rezept vom Arzt bekommen. Er weiß aber nicht so genau, ob die Krankenkasse das genehmigt. Aber er meinte ich muß ja mind. 4 mal am Tag messen und entsprechend der Messwerte Insulin spritzen. Somit ist es laut Arzt eine Kannbestimmung, weil es ja auch mal vorkommen kann, dass ich kein Insulin spritzen muß.. Das Rezept ist aber heute erst an Abott gegangen..
Grüße
Laurana
Viele Grüße -
am 08.12.2021 17:56:29 | IP (Hash): 571606910
Laurana schrieb:
Nach dem heutigen Tag, hab ich auch schon die Nase voll. Bis zum Mittag das Wattegefühl und teilweise wie betrunken noch und nun hab ich Kater.. zumindest werden die Kopfschmerzen immer stärker.
Wenn Du kein Wattegefühl magst, wär am vernünftigsten, wenn Du keins produzieren würdest. Dafür gibt es kein allgemeines Rezept, sondern bei welchem BZ sich so ein Wattegefühl einstellt, kann nur jede/r Betroffene selbst messen, eben wenn es sich einstellt. Dann Wert und Zeit protokollieren und im Protokoll schauen, bei welchem Wert man wann vorher wieviele Einheiten gespritzt und wieviele BEs gegessen und ggf. körperlich wie intensiv getan hat. Mit ner Woche bis zwei so protokolliert kannst Du bestimmt schon mit ner guten Portion Sicherheit so "wattige" Situationen vermeiden! Gutes Gelingen :)
----------------------------------------------
Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.