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Psyche mit langjährigem Typ1.....
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Claudia_H
Rang: Gastam 02.08.2008 00:57:13
Hallo alle miteinander,
ich will jetzt mal eine Frage in den Raum werfen, die mir unterschwellig schon länger aber aufgrund Verdrängung (glaube ich) jetzt erst so langsam hochkommt: habe meinen Diabetes seit jetzt 25 Jahren - habe damit immer "funktioniert", inzwischen seit 2,5 Jahren auch mit Pumpe. Meine Umwelt hat meine chronische ERkrankung also nie so wirklich wahrgenommen - und ich glaube, ich selbst habe sie viell. auch eher verdrängt...wie gehts euch so damit? Kann jemand meine Gedanken nachvollziehen?
Gruß claudia von Claudia_H -
Nicole
Rang: Gastam 04.08.2008 12:55:16
Hallo Claudia,
ich habe gerade deinen Eintrag gelesen und kann dies sehr gut nachvollziehen, da es mir lange genauso ging und teilweise immer noch so geht. Ich bin seit 16 Jahren Diabetikerin und seit ca. 1,5 Jahren habe ich die Pumpe. Ich versuche gerade meine Pumpe nicht mehr zu verstecken und die Reaktionen der Leute sind sehr unterschiedlich aber teilweise auch viel positiver als ich dachte. Ich denke dass viel damit zusammenhängt dass als mein Diabetes "ausgebrochen" ist ich null psychologische Betreuung hatte im Krankenhaus bei der Einstellung, ich voll ins "kalte Wasser"geworfen worden bin, sozusagen Spritze in die Hand und jetzt mach mal und leider zu alt war für die Kinderstation... ich versuche gerade meinen Diabetes und damit mich selbst mehr zu akzeptieren.Ich gehe auch zum Psychologen um dies aufzuarbeiten. Diesen Tip kann ich dir nur geben...
LG Nicole -
Claudia_H
Rang: Gastam 04.08.2008 16:08:01
Ja, bin auch bei einer Psychologin - dies Thema hatten wir bis vor kurzem total ignoriert, mein Hausarzt hat ihr das dann mal ggesteckt - jetzt wird es langsam hochgezogen. Mir ist noch gar nciht richtig klar ,wie ich da dran gehen soll. Da spielt sowie auch "keiner mag mich wie ich bin" eine Rolle und meine Anstrengung die ganzen Jahre, dies nicht auch noch so präsent zu machen eine große Rolle. Da markierst du dann jahrelang den starken Max und wenn dann alles zusammenbricht (kräftemäßig), wirds richtig schwierig...wie gehst du das an? von Claudia_H -
Marie
Rang: Gastam 07.08.2008 13:35:13
Entschuldigung bitte, aber sehr Ihr Diabetes auch ab und zu in Relation zu anderen wirklich schlimmen Krankheiten?
Kann es sein, dass die psychische Belastung auch OHNE den DM da wäre?
DM ist doch relativ gut steuerbar, die Hardware, so wie Messgeräte, Nadeln, Spritzen oder Medikamente sind ständig in Weiterentwicklung und Ihr habt die Möglichkeit, eigenverantwortlich am Zustand Eures DM mitzuwirken. DAS ist bei vielen Krankheiten leider nicht der Fall. Ich glaube, etwas Bescheidenheit und Gelassenheit und ein sorgfältiger Blick auf andere Diagnosen täte ab und zu gut. von Marie -
Thorsten
Rang: Gastam 07.08.2008 19:06:25
Hallo Marie,
Du hast sicher Recht: Diabetes ist durch entsprechende Eigeninitiative recht gut steuerbar. Trotzdem ist und bleibt es eine chronische Stoffwechselstörung, die halt auch enstprechende Einschränkungen mit sich bringt. Ich habe selber auch keine großen Probleme mit dem Diabetes, aber wenn es anderen anders geht, sollte man das schon akzeptieren. Und gerade für Kinder und Jugendliche ist es bestimmt eine große Belastung.
Ich halte generell gar nichts davon, Krankheiten gegeneinander aufzuwiegen. Nach dem Motto: Rheuma ist schlimmer als Diabetes und Krebs ist schlimmer als Rheuma... Es ist immer eine Frage des Umgangs mit der Erkrankung. Und wenn es jemandem schwer fällt, mit dem Diabetes klarzukommen, warum sollte er/sie sich dann keine Hilfe holen - wenn auch nur temporär.
Gruß
Thorsten -
Marie
Rang: Gastam 08.08.2008 11:04:26
Lieber Thorsten,
du hast sicher Recht, und es geht mir auch nicht um vergleichen von Diagnosen.
Aber, es gehört zu JEDER Diagnose auch eine Portion Selbstdizsiplinierung, egal, wi sie lautet, und die kann man erlernen.
Mich stört nur, dass man vielleicht gerade bei DM vergisst, wie schwer die Patienten den Alltag zu handlen hatten, weil sie Spritzen und Kanülen auskochen mussten, weil es kein Internet gab, wo man sich austauschen kann, so mal schnell. Ich weiß gar nicht, wie lange es überhaupt schon Messgeräte gibt oder ob man früher nur in den Praxen gemessen hat.
Meine Meinung zu egal, welchen Diagnosen ist:
Solange ich nicht von anderen Personen abhängig bin, mich noch frei bewegen kann, auch nicht ständig unter Schmerzen leiden muss, UND auch den Verlauf der Therapie mit beeinflussen kann, kann man DM akzeptieren.
Man kann nicht alles auf DM schieben. Und vielleicht, ich sage vielleicht wäre die psychische Grund-Verfassung des Erstposters diesselbe -auch ohne DM-. Dann würde man vielleicht eine andere Ursache suchen oder benennen. Möglicherweise gibt es für die jetzigen Problem eganz andere Ursachen, aber nicht dem DM. Ein guter Psychologe ist sicher was Feines, aber für einen großen Teil muss man doch an sich selbst arbeiten.
Nicht böse sein, wirklich, aber man muss doch -auch mit up und down auf dem Teppich bleiben, oder?
Es ist nur meine persönliche Meinung. von Marie -
Thorsten
Rang: Gastam 08.08.2008 17:50:42
Hallo Marie,
Du hast da sicherlich Recht. So, wie Du jetzt in deinem zweiten Beitrag geschrieben hast, wird mir auch viel deutlicher, wie Du es eigentlich gemeint hast.
Ich wollte dich auch nicht angreifen - sorry, wenn das so rübergekommen sein sollte. Schließlich hat jeder das Recht auf eine eigene Meinung.
Was das Leben mit Diabetes heute und vor 20 Jahren angeht, kann man das ganz bestimmt nicht mehr vergleichen. Da ist doch fast alles einfacher geworden - zumindest was die Behandlung (also Insulininjektion, BZ-Messung, etc.) angeht.
Ist natürlich immer schwer zu sagen, ob man ohne den Diabetes in einer anderen psychischen Verfassung wäre. Das ist so eine zwar interessante, aber nicht zu beantwortende Was-wäre-wenn-Frage.
Viele Grüße
Thorsten -
Helmut
Rang: Gastam 09.08.2008 10:33:30
Hallo zusammen,
Claudia hat anscheinend mit ihrem Beitrag in ein Wespennest gestochen, so wie die Beiträge hier aussehen. Möchte gerne meine Meinung zu der Sache auch noch kundtun.
Selber bin ich seit 1975 Diabetiker, seit 1999 Pumpenträger. Gebe allen hier Recht, daß vor 20,30 Jahren die Diabeteswelt noch anders aussah. Es gab aber immer schon Diabetiker, die in Selbstmitleid zerflossen sind, welche, die sich benachteiligt gegenüber der restlichen Gesellschaft fühlten und welche, die einfach unter den neuen Lebensumständen weotergelebt haben. Ich stimme Euch zu, wenn es darum geht, daß jemand immer negativ über seinen Diabetes denkt, daß der- oder diejenige Hilfe braucht, aber meiner Meinung nach ist Diabetes halt da. Wenn man sich damit abgefunden hat, lebt man doch ganz normal. Muss man damit hausieren gehen, das man Diabetiker ist? Macht man doch bei erhöhtem Cholesterinspiegel auch nicht.
Ich selber treibe viel Sport laufe auch schon mal einen Marathon. Davor muss ich natürlich einige Sachen bedenken, aber das muss jeder andere auch. Bei mir sind es halt andere Sachen.
Helmut
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Claudia_H
Rang: Gastam 10.08.2008 15:32:38
Lieber Helmut und auch alle anderen,
es freut mich grundsätzlich erstmal, Reaktionen bekommen zu haben und die Unterschiedlichkeit der Antworten zeigt, das dies Thema offensichtlich wirklich eines ist.
Eines möchte ich hier mal klarstellen (und das geht vor allem an Marie..): ich habe meinen DM seit jetzt 25 Jahren, bin auch angefangen mit Spritzen, unterschiedlichen Insulinen und realisiere schon, das das Leben Als Diabetiker huete (vor allem mit Pumpe) und intens. Insulintherapie ein wesentlich komfortableres ist als damals. Auch ist mir durchaus klar und bewusst, das es weitaus schlimmere Krankheiten gibt ich habe mich auch lange, eigentlich bis heute, dagegen gesträubt mich als krank zu bezeichnen. Bin siet 14 Jahren geschieden, ziehe meinen 16j. Sohn daher (komplett) allein auf, bin voll berufstätig und leider seit vielen Jahren Partner-Los. Nie jemanden zu haben, der dann auch mal Verständnis hat, einen anlehnen lässt und an allen Fronten immer stark und da zu sein kostet reichlich Kraft. Es ist schwer genug für mich, einzugestehen das eine solche chronische Erkrankung neben den anderen Belastungen ein gewisses Gewicht auf den Schultern ausmacht. Ich gebe dir recht, Marie, das da evtl. auch andere Dinge eine Rolle spielen. Aber ich verwehre mich dagegen, quasi wie ein hyperempfindlicher Jammerlappen hingestellt zu werden. Jeder hat seine Geschichte und auch das REcht zu sagen: ich fühle mich damit (und mit damit meine ich dann die Summe aller Dinge!) jetzt allmählich (nach 25 Jahren) stark gefordert.
Gruß Claudia von Claudia_H -
Mareen
Rang: Gast