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Lebensplanung - Diabetes Typ 1 - Wann in Rente gehen um "Restleben" zu genießen

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    Mitglied seit: 10.04.2022
    am 10.04.2022 20:34:53 | IP (Hash): 1377839967
    Hallo zusammen,

    ich habe seit ich 17 bin Diabetes (Typ 1). Heute bin ich 28 Jahre alt und frage mich, wie ich grundsätzlich meinen weiteren Lebensabschnitt bis zum Renteneintrittsalter bestreiten möchte und wie es danach weiter geht. Die Werte zum Durchschnittslebensalter des Mannes im Geburtsjahr 1994 beträgt 73,3 Jahre. Eine schottische Studie besagt, dass Personen, die im Alter von 20 den Diabetes Typ 1 haben, ca. 11 Jahre an Lebenszeit verlieren. Dadurch könnte sich die Lebensdauer womöglich bereits auf ein Durchschnittsalter von gerade mal 63,2 Jahren reduzieren, was ich sehr erschränkend finde.

    Mit diesen Wissen, frage ich mich, wie ich mein weiteres Leben bestreiten möchte. Selbst eine vorzeitige Rente im Alter von 63 Jahren anstelle von 67 Jahren halte ich durch die oben genannte Statistik schon fast zu spät, um sein restliches Leben noch ausreichend genießen zu können. Gleichzeitig kann ich mir kaum vorstellen noch deutlich früher in Rente zu gehen, da ansonsten von der angesparten staatlichen Rente kaum etwas übrig bleibt - auch wenn ich als Akdemiker noch ganz gut verdiene.

    Ich würde mir an der Stelle eure Gedanken zu eurer Lebensplanung hören wollen und wie ihr den Spaget zwischen frühzeitige Rente und einer womöglich geringen gesetzlichen Rente bewältigen wollt?

    Liebe Grüße
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    am 10.04.2022 21:09:00 | IP (Hash): 1861567397
    http://www.diabetes-book.com/bernstein-life-with-diabetes/ und bei Amazon ins Buch gucken sollten eigentlich für ne Reset Deiner Überlegungen ausreichen. Denn da spricht NICHTS für Abfressen von Lebenserwartung durch den Typ 1. - Daumendrück :)

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.
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    am 10.04.2022 22:27:58 | IP (Hash): 1171580058
    Das ist ja mal eine interessante Frage!

    Mein Lebenstipp wäre, grundsätzlich eine Rente mit 60 anzustreben, je früher desto besser.

    Viele Menschen verlieren ihre körperliche Fitness früher als allgemein bekannt, Ab 50 geht es bei vielen rapide bergab. Mit 45 noch Bergwanderung, mit 65 Treppenlift.

    Mein Tipp wäre es also, körperlich anstrengende Ideen (Besteigung des Kilimanscharo) frühzeitg anzugehen.
    Die bergwandernden Rentner mit 65 gibt es, - Diabetiker sind in dem Alter eher am Rollator unterwegs.

    Wenn Du gut verdienst, - könntest Du den Erwerb einer Immobilie anstreben. Die könnte man irgendwann verkaufen und hätte dadurch genug Geld um eine geringe Rente zu kompensieren.
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    am 11.04.2022 20:29:47 | IP (Hash): 1858050066
    Die schottische Studie ist schon einigermaßen veraltet. Muss sie ja auch sein, denn sie verarbeitet die Daten von verstorbenen Typ1ern, die davor jahrzehntelang Diabetiker waren, also noch ganz anderen Therapie-Epochen angehörten. Mir wurde auch vor knapp 40 Jahren bei der Typ1-Diagnose gesagt, ich könne bei "guter Führung" 50 Jahre alt werden. Heute bin ich im 17. Jahr der Nachspielzeit. Heute muss kein Typ1er mehr eine verkürzte Lebenserwartung befürchten, wenn er die drei entscheidenden Parameter (BZ-Mittelwert, Blutdruck, LDL-Cholesterin) im Rahmen hält, muss gar nicht super-vorbildlich sein.

    Unabhängig vom Diabetes muss sich natürlich jeder Mensch fragen, wie er sein Leben optimal gestalten kann, ohne wirtschaftlich vor die Hunde zu gehen, also die Frage Freizeit contra Geld. Ich habe das für mich folgendermaßen gelöst: da ich stets mehr verdient habe, als ich wirklich brauche, bin ich alle 2-3 Jahre ausgestiegen und habe 1 Jahr Freizeit zum Herumreisen genossen. Während meiner fast 40 Diabetesjahre war ich 15 Jahre netto mit dem Rucksack in der Welt unterwegs. Nun bin ich mit 66 wirklich in Rente und sie ist nach objektiven Kriterien klein. Ich kann mir aber immer noch alles leisten, was ich mir wünsche, auch die Reisen, also was soll ich meckern.

    @Hape: Wie kommst du auf die Idee, dass wir Diabetiker sportlich weniger leistungsfähig sind als Nicht-Diabetiker? Wenn man nichts sportlich tut, dann kommt mit dem Alter der Leistungseinbruch - bei allen. Meine aufregendsten Berge habe ich zwischen 50 und 60 bestiegen, und ich bin noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt. Jetzt in der Rente habe ich es sogar leichter mit dem Sport. Jetzt kann ich locker 10-30 Stunden Sport pro Woche machen, das war früher im Beruf einfach nicht drin (dafür habe ich als Junger natürlich auch weniger Training gebraucht, um leistungsfähig zu bleiben).

    LG Geri
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    am 11.04.2022 21:50:19 | IP (Hash): 1377839967
    Zunächst vielen Dank für eure Antworten. Ich hoffe es truddeln noch einige ein :)

    @hjt_Jürgen - Klingt nach einem spannenden Buch - schade das es keine deutsprachige Version davon gibt, da ca. 560 Seiten sehr erschlagend sein können.

    @Hape - Danke für den Impuls - Kaufen ist bei den aktuellen Preisen keine Option - Miete + ETFs sind für mich der Renditemotor - wodurch ich mir im Alter die geringe Rente kompensieren werde

    @Geri - vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht - in der Tat muss ich vor allem am BZ-Mittelwert arbeiten, da ich tatsächlich noch bei 9% stecke. Mit dem Umstieg meiner Ernährung habe ich vor einigen Wochen begonnen und langfristig dadurch einen Wert unter 7,5% (im Ideallfall noch tiefer) zu erreichen. Auch ich sehne mich noch viel von der Welt zu sehen. Ich finde dein Lebens-Modell sehr spannend und glaube auch, dass du sehr viel erlebt und gesehen hast und zurückblickend vermutlich sehr wenig bereust. Ich denke auch, dass man einen Spaget zwischen Freitag und Gehalt machen muss, um wirklich nur das auszugeben, was man wirklich braucht und den Rest in die Qualität seiner Freizeit investieren sollte (wie z.B. Reisen). Und auch deine Anmerkung zur schottischen Studie halte ich für sehr nachvollziehbar - diese macht natürlich Mut! Dir alles Gute für deine Zukunft!
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    am 11.04.2022 22:20:41 | IP (Hash): 508375626
    Du musst das Buch nicht kaufen. Der Blick rein reicht, und der Google Übersetzer macht längst einen Super Job, wie Du hier für den ersten kurzen Abschnitt lesen kannst: Übersetzung Start
    Ich kenne nicht viele Diabetiker, die die Krankheit ungefähr zu meiner Zeit im Jahr 1946 entwickelten und die noch am Leben sind. Ich kenne niemanden, der nicht an aktiven Komplikationen leidet. Die Realität ist, wenn ich mich nicht um meinen Diabetes gekümmert hätte, wäre es sehr unwahrscheinlich, dass ich heute noch am Leben und aktiv wäre. Um Ernährung und Diabetes ranken sich viele Mythen, und vieles, was der durchschnittliche Arzt immer noch als vernünftige Ernährungsberatung für Diabetiker ansieht, kann auf Dauer tödlich sein.

    Ich weiß es, weil mich die herkömmliche „Weisheit“ über Diabetes fast umgebracht hätte.

    Ich erkrankte 1946 im Alter von zwölf Jahren an Diabetes und war mehr als zwei Jahrzehnte lang ein „gewöhnlicher“ Diabetiker, der pflichtbewusst die Anweisungen des Arztes befolgte und angesichts der Einschränkungen meiner Krankheit ein möglichst normales Leben führte.

    Im Laufe der Jahre wurden die Komplikationen meines Diabetes immer schlimmer, und wie viele Diabetiker in ähnlichen Umständen sah ich mich einem sehr frühen Tod gegenüber. Ich war noch am Leben, aber meine Lebensqualität war nicht besonders gut. Ich habe einen so genannten Typ-1- oder insulinabhängigen Diabetes, der normalerweise in der Kindheit beginnt (auch juveniler Diabetes genannt). Typ-1-Diabetiker müssen nur täglich Insulin spritzen um am Leben zu bleiben.

    In den 1940er Jahren, die noch die „dunklen Zeiten“ der Diabetesbehandlung waren, musste ich meine Nadeln und Glasspritzen jeden Tag durch Auskochen sterilisieren und meine Nadeln mit einem Schleifstein schärfen. Ich benutzte ein Reagenzglas und eine Alkohollampe (Flamme), um meinen Urin auf Zucker zu testen. Viele der Werkzeuge, die Diabetiker heute als selbstverständlich ansehen, waren damals kaum zu träumen – es gab weder ein schnelles Blutzuckermessgerät mit Fingerstich noch Einweg-Insulinspritzen. Noch heute müssen Eltern von Typ-1-Diabetikern mit der gleichen Angst leben, mit der meine Eltern lebten – dass etwas katastrophal schief gehen könnte und sie versuchen könnten, ihr Kind aufzuwecken und es im Koma oder Schlimmerem entdecken. Für alle Eltern eines Typ-1-Diabetikers war dies eine reale und ständige Möglichkeit.

    Aufgrund meines chronisch erhöhten Blutzuckerspiegels und der Unfähigkeit, ihn zu kontrollieren, war mein Wachstum gehemmt, wie es bei vielen Diabetikern mit jugendlichem Beginn bis heute der Fall ist.

    Im Laufe der Jahre wurden die Komplikationen meines Diabetes immer schlimmer, und wie viele Diabetiker in ähnlichen Umständen sah ich mich einem sehr frühen Tod gegenüber. Ich war noch am Leben, aber meine Lebensqualität war nicht besonders gut. Ich habe einen so genannten Typ-1- oder insulinabhängigen Diabetes, der normalerweise in der Kindheit beginnt (auch juveniler Diabetes genannt). Typ-1-Diabetiker müssen nur täglich Insulin spritzen, um am Leben zu bleiben.

    In den 1940er Jahren, die noch die „dunklen Zeiten“ der Diabetesbehandlung waren, musste ich meine Nadeln und Glasspritzen jeden Tag durch Auskochen sterilisieren und meine Nadeln mit einem Schleifstein schärfen. Ich benutzte ein Reagenzglas und eine Alkoholflamme, um meinen Urin auf Zucker zu testen. Viele der Werkzeuge, die Diabetiker heute als selbstverständlich ansehen, waren damals kaum zu träumen – es gab weder ein schnelles Blutzuckermessgerät mit Fingerstich noch Einweg-Insulinspritzen. Noch heute müssen Eltern von Typ-1-Diabetikern mit der gleichen Angst leben, mit der meine Eltern lebten – dass etwas katastrophal schief gehen könnte und sie versuchen könnten, ihr Kind aufzuwecken und es im Koma oder Schlimmerem entdecken. Für alle Eltern eines Typ-1-Diabetikers war dies eine reale und ständige Möglichkeit.

    Aufgrund meines chronisch erhöhten Blutzuckerspiegels und der Unfähigkeit, ihn zu kontrollieren, war mein Wachstum gehemmt, wie es bei vielen Diabetikern mit jugendlichem Beginn bis heute der Fall ist.

    Damals hatte die medizinische Gemeinschaft gerade von der Beziehung zwischen hohem Cholesterinspiegel im Blut und Gefäßerkrankungen (Blutgefäße und Herz) erfahren. Damals wurde allgemein angenommen, dass die Ursache für einen hohen Cholesterinspiegel im Blut der Konsum großer Mengen an Fett sei. Da viele Diabetiker, sogar Kinder, einen hohen Cholesterinspiegel haben, begannen Ärzte anzunehmen, dass die vaskulären Komplikationen von Diabetes – Herzerkrankungen, Nierenversagen, Erblindung usw. – durch das Fett verursacht wurden, das Diabetiker zu sich nahmen. Infolgedessen wurde ich auf eine fettarme, kohlenhydratreiche Diät gesetzt (45 Prozent der Kalorien sollten Kohlenhydrate sein), bevor solche Diäten von der American Diabetes Association oder der American Heart Association befürwortet wurden. Da Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel erhöhen, musste ich mit sehr hohen Insulindosen kompensieren, die ich mir mit einer 10-ml-Pferdespritze injizierte. Diese Injektionen waren langsam und schmerzhaft und zerstörten schließlich das gesamte Fettgewebe unter der Haut meiner Oberschenkel. Trotz der fettarmen Ernährung wurde mein Blutcholesterin sehr hoch. Ich entwickelte sichtbare Anzeichen dieses Zustands – Fettwucherungen auf meinen Augenlidern und graue Ablagerungen um die Iris jedes Auges.
    Übersetzung Ende

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    Prädiabetes und Diabetes Typ 2 und die Diagnose-Grenzwerte sind willkürlich von den Fachgesellschaften für Diabetes definiert.